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  • 18.12.2016 13:11

Cal Crutchlow: "Nach Geburt meiner Tochter gute Resultate"

Cal Crutchlow im Interview Teil 2: Wie sich sein Leben als Grand-Prix-Sieger und Familienvater verändert hat - Die Einstellung und die Gedanken sind anders

(Motorsport-Total.com) - Nach dem Grand Prix von Brünn stand Cal Crutchlow zum ersten Mal in seiner Karriere als Grand-Prix-Sieger im Parc Ferme. Er umarmte seine Mechaniker und griff anschließend sofort zum Smartphone, um mit seiner Frau Lucy zu telefonieren. Sie war nicht in Tschechien, sondern daheim auf der Isle of Man mit Baby Willow. Tochter Crutchlow war erst knapp drei Wochen zuvor zur Welt gekommen.

Cal Crutchlow

In Brünn schlug die erste große Sternstunde von Cal Crutchlow

Diese emotionale Szene beschreibt am besten den Höhepunkt seiner Saison. Nach der Sommerpause fuhr der Brite wie ausgewechselt und wurde seinem Ruf als "Favoritenschreck" alle Ehre. Er mischte wieder kräftig im Spitzenfeld mit und holte sich in Australien seinen zweiten Sieg. Im zweiten Teil des Interviews reflektiert Crutchlow diese zweite Saisonhälfte und welche Auswirkungen seine neue Vaterrolle auf sein Leben hat.

Frage: "Ist es fair zu sagen, dass dieses Jahr ein Durchbruch für dich war? Du bist an einem Punkt angekommen, für den du seit deinem MotoGP-Debüt gekämpft hast."
Cal Crutchlow: "Ich habe zwei Rennen gewonnen. Das ist mehr als vier, fünf andere Werksfahrer in diesem Jahr. Ich hatte ein Ziel für dieses Jahr, aber das habe ich für mich behalten. Sicherlich will jeder die Weltmeisterschaft gewinnen, aber in der Realität ist das schwierig."

"Ich will jedes Jahr ein Rennen gewinnen, aber ich sagte zu mir: 'In diesem Jahr will ich wirklich einen Sieg'. Ich bin sehr glücklich, dass mir das im Nassen und im Trockenen gelungen ist. Ich glaube nicht, dass ich in dieser Saison besser war als in den anderen. Selbst in meinem Ducati-Jahr bin ich stark gefahren, aber ich war nicht auf einem guten Bike. Ich hätte auch schon bei Tech 3 gewinnen müssen, aber ich musste etwas länger warten."

Seit der Geburt von Willow gelassener

"Dein enges Umfeld und den Rad-Hobby auf der Isle of Man ist deine kleine Lebensblase um dich herum. Mit einem MotoGP-Sieg wirst du aus dieser Blase gerissen. Hast du diese größere Auswirkung bemerkt?"

"Ich habe noch einen anderen Freund, Andy, mit dem ich oft mit dem Fahrrad unterwegs bin. Vor den drei Überseerennen habe ich ihm gesagt, dass ich in Japan einen Podestplatz anstrebe und in Australien gewinnen will. In Japan kam ich von der Strecke ab, es war mein eigener Fehler. Aber in Australien habe ich es geschafft. Ich hatte den Sieg in meinem Kopf und ich hatte schon in Brünn gewonnen. Die erste Textnachricht von ihm lautete: 'Du hast es ja gesagt'."

"Manchmal hat man diese Mentalität. Natürlich kann man sich dann fragen, warum man nicht vor jedem Rennen so denken sollte? Aber so funktioniert es nicht. Ich glaube nicht, dass sich für mich viel verändert hat. Ich trainiere jedes Jahr gleich. Die große Sache war die Geburt von Willow. Dadurch bin ich vielleicht etwas ruhiger geworden. Auf dem Motorrad bin ich nicht ruhiger, aber ich bin im generellen Leben nicht mehr so angespannt. Aber versteh mich nicht falsch, denn jetzt habe ich viel mehr graue Haare! Ich muss mich jetzt um eine weitere Person kümmern, wovon ich eigentlich keine Ahnung habe!"

Warum wollen andere Fahrer keine Familie?

Frage: "Wenn du nach einem Grand Prix nach Hause kommst und deine Tochter siehst, muss das der ultimative Realitäts-Check sein, oder?"
Crutchlow: "Ich glaube, viele Rennfahrer haben kein Kind, weil sie keine ernsthafte Freundin halten können. Sie glauben, eine Beziehung beeinflusst ihr Leben viel zu sehr. Das glaube ich zumindest, denn mir ging es genauso. Ich war mit Lucy zusammen und war egoistisch, aber sie wollte das so hinnehmen. Ich denke auch, dass viele dieser Jungs glauben, ein Kind würde ihre Karriere beeinflussen."

"Was ich nicht verstehe ist, dass einige von ihnen 50 oder 60 Millionen auf der Bank haben. Warum sollte man sich dann so große Sorgen machen, ob man wieder gewinnt? Das ist jetzt nicht gegen den einen oder anderen Fahrer gemeint, denn viele haben ein Vermögen auf der Bank. Es ist ausreichend, um ein Kind zu haben und was anders zu tun. Motorradrennfahrer sind Egoisten, inklusive mir selbst. Aber ich kann behaupten, dass ich auch nach Willows Geburt gute Resultate hatte."

"Wie ist es als Vater? Du willst deine Kinder doch stolz machen."

"Ich habe zwar gewonnen, aber ich war enttäuscht, dass sie nicht bei mir waren. Deine Einstellung ändert sich. Dein erster Gedanke ist, ob sie gut gelandet sind. Der Sieg war der Sieg, aber sobald ich wusste, dass bei ihnen alles okay ist, habe ich es etwas mehr genossen. na ja, ich bin direkt zum Flughafen gefahren, um nach Malaysia zu kommen. Die Dinge und die Prioritäten im Leben ändern sich. Der Sieg in Brünn hätte sich vor drei Jahren anders angefühlt als heute. Das Gefühl des Triumphs ist nichts im Vergleich zur Geburt von Willow. Lucy und ich müssen uns auch gegenseitig erinnern, das wir uns lieben, denn wenn jemand in dein Leben kommt, der so viel Liebe bekommt, ist es anders. Wir wissen, dass wir glücklich sind."

Platz in den Geschichtsbüchern zementiert

Frage: "Ist dir bewusst, dass du in diesem Sport deine Spuren hinterlassen und dein Vermächtnis geformt hast? Du hast deinen Fußabdruck hinterlassen, egal was in Zukunft passieren wird."
Crutchlow: "Ja, aber das kümmert mich nicht so sehr. Ich bin nicht wegen den Zahlen hier, ich schaue mir nie Statistiken an. Ich versuche mein Bestes zu geben. Wenn ich am Ende des Tages das Gefühl habe, dass ich das bestmögliche Ergebnis herausgeholt habe, und auch mein Team das Beste gegeben hat, dann bin ich glücklich. Wenn das ein achter Platz ist, dann soll es so sein. Wenn aber ich oder das Team das Gefühl haben, wir hätten es besser machen können, dann bin ich enttäuscht."

"Mir sind die Statistiken am Saisonende nicht so wichtig. Ich bin schließlich kein Barry Sheene und komme nicht mal annähernd an ihn heran. Ich habe zwei MotoGP-Rennen gewonnen! Was ich damit sagen will, ist, dass sich viele etwas aus dem Kampf der Briten machen. Aber ich sehe diesen Kampf gar nicht. Wir sind nicht einmal auf dem gleichen Speed. Wenn die anderen Briten auf mein Bike steigen würden, dann würde man das sehen. Es ist nur ein Hype."

"Trotzdem hätte ich mich sehr geärgert, wenn ich nicht der Erste mit einem Sieg gewesen wäre, weil ich es viel mehr verdiene. Ich hatte nie ein Glückspodest, mir wurde nie etwas geschenkt. Ich möchte sie nicht schlecht machen, weil ich mit ihnen auf der Strecke Spaß habe. Ich bin mit Bradley auch gut befreundet. Es geht darum, ob man das Gefühl hat und es verdient. Ich habe das Gefühl, dass ich jetzt aufhören könnte und mit meiner Karriere zufrieden wäre. Aber werde ich das tun? Ich weiß es nicht. Sollte ich in zwei Wochen aufwachen und entscheiden, dass ich nicht mehr fahren will, dann werde ich es auch nicht mehr tun."

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