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VLN rechtfertigt Manta-Schleppmanöver: Keine Fehler gemacht

Die VLN reagiert auf die Fragen von 'Motorsport-Total.com': Warum in der Fuchsröhre niemand etwas falsch gemacht hat und es trotzdem schiefging

(Motorsport-Total.com) - Die Ereignisse, die den Massenunfall beim siebten VLN-Lauf in der Fuchsröhre auf der Nürburgring-Nordschleife ausgelöst haben, erhitzen die Gemüter. Besonders wurde das Abschleppen des Opel Mantas in einem sogenannten Schleppverband kritisiert. Statt das Fahrzeug auf einen Abschlepper zu laden, wurde der gestrandete Bolide am Haken abgeschleppt, während er weiter Öl verlor. Auf diesem rutschten anschließend mehrere Teilnehmer aus. Die VLN rechtfertigt nun ihre Herangehensweise.

Titel-Bild zur News: Opel Manta, VLN

Gezogen statt abgeschleppt: Im Sinne ihrer Regeln hat die VLN alles richtig gemacht Zoom

"Es wurde mir aus der Rennleitung bestätigt, dass zum Zeitpunkt des Ankettens der Manta keinen Ölverlust hatte", sagt VLN-Pressesprecher Patrik Koziolek im Gespräch mit 'Motorsport-Total.com'. Dass es dann doch zu einem Ölverlust kam, ist voraussichtlich auf die Topographie zurückzuführen: Durch das Bergab- und anschließende Bergaufstück traten Flüssigkeitsreste aus, die auf flacher Ebene noch verborgen geblieben waren.

"Die zufällig dahinter befindliche E-Unit hat gleich angefangen, diese Ölspur zu beseitigen", so Koziolek weiter. Das Problem dabei: Bindemittel braucht eine gewisse Zeit, um das Öl aufzunehmen. Und diese Zeit war in diesem Fall nicht gegeben. Die folgenden Fahrzeuge wurden Opfer des noch nicht vollständig gebundenen Öls.

Warum der Schleppverband mehrere Taschen passierte

Die Wahl auf einen Schleppverband statt eines Abschleppers habe keinen finanziellen Gründe gehabt, sondern zeitliche: "Es geht darum, möglichst schnell den normalen Rennbetrieb wiederherzustellen. Ein Abschleppwagen muss beispielweise erst einmal seine Stützen ausfahren. Da geht wertvolle Zeit verloren. Der Schleppverband ist daher ein probates Mittel, das seit jeher so angewendet wird."

Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass der Opel Manta bis Breitscheid hätte geschleppt werden sollen, statt ihn in einer Tasche in der Leitplanke abzustellen. Doch auch hier gibt es eine Begründung: "In dieser Situation wäre die Tasche 88 ohnehin voll gewesen. Generell versuchen wir aber, die Taschen möglichst frei zu halten für Fahrzeuge, die nicht mehr rollfähig sind. Wenn ein Auto rollfähig ist, versucht man, das Fahrzeug im Schleppverband an einer Stelle rauszuziehen, wo man auch wirklich die Strecke verlassen kann."


Der Unfall bei VLN7

Das geht auf der Nordschleife nur an drei Stellen: Quiddelbacher Höhe, Breitscheid und Pflanzgarten. Natürlich lässt sich hier einwerfen, ob es zweckmäßig ist, diese Regel auch noch in der Schlussphase eines Rennens anzuwenden. Insgesamt hält Patrik Koziolek jedoch fest: Falsch gemacht wurde hier nach geltenden Regeln nichts.

Manche Fahrer sehen das anders: "Wann immer Öl oder etwas im Spiel ist, sollte man einen Abschlepper rufen", sagt einer der beteiligten Unfallpiloten gegenüber 'Motorsport-Total.com'. Koziolek entgegnet: Hätte der Massenunfall nicht in der Folge alle Aufmerksamkeit erfordert, so wäre der Schleppverband vermutlich bald zugunsten eines Abschleppers ersetzt worden. Dass das Fahrzeug Öl verlor, sei in der Rennleitung bereits angekommen. Allerdings wurde deren Aufmerksamkeit anschließend durch den Massenunfall gebündelt, der letztlich zum Abbruch führte.

Warum eine lückenlose Überwachung nicht möglich ist

Auch hinsichtlich der Infrastruktur der Streckenposten nimmt er Stellung: "Alle Sportwarte an der Nordschleife stehen über einen funktionierenden Digitalfunk in Kontakt mit dem Leiter der Streckensicherung, der sehr Nordschleifen-erfahren ist. Es ist auch nicht so, dass der Funk nach 90 Minuten nicht mehr funktioniert, wie manche behaupten." Derartige Gerüchte waren auf einigen Amateurportalen zu lesen, die sich ebenfalls mit dem Unfall beschäftigten.

Koziolek betont, dass im Falle des Unfalls niemanden wirklich die Schuld trifft: "Es ist kein besonderer Unfall. Es ist eine Sache, wie sie auf der Nordschleife nun einmal vorkommt. Stand jetzt wurde auch kein Fahrer belangt." Niemandem sei ein Vorwurf zu machen - weder den Sportwarten, noch der Rennleitung, noch den beteiligten Fahrern.


Fotos: VLN: 57. Reinoldus Langstreckenrennen


Gerade die Streckenposten seien extrem professionell ausgebildet: "Unsere Sportwarte sind sogar besser als Sportwarte bei Rennen auf dem Grand-Prix-Kurs, weil die VLN sie noch einmal extra schult. Dieser Zusatzkurs passt sie auf die Gegebenheiten auf der Nordschleife an. Ein Sportwart bei der Formel 1 trifft keine eigene Entscheidung. Er bekommt vom Leiter der Streckensicherung gesagt, was er zu zeigen hat. Bei uns tragen sie Selbstverantwortung. Sie sind Augen und Ohren der Rennleitung."

Das liegt an den speziellen Gegebenheiten der Nordschleife: Mehr als 20 Kilometer mit 170 Autos, 350 Streckenposten und 105 Leuten in Streckensicherungsfahrzeugen seien nicht zentral zu bändigen. "Verhältnisse wie in der Formel 1 herzustellen, wo eine lückenlose Überwachung stattfindet und die Sportwarte nur ausführen, was ihnen der Leiter der Streckensicherung vorgibt, ist unmöglich", zeigt Koziolek auf. "Da bräuchte man ja eine Kommandozentrale wie am Cape Canaveral." Die Infrastruktur allerdings sei Stand der Technik.

David Ackermann

Eines der Opfer des Unfalls: Der Rent2Drive-Porsche (Archivbild aus 2016) Zoom

Dennoch: Wenn keiner zu belangen ist, trotzdem aber ein Schaden in mindestens sechsstelliger Summe entsteht, muss in einem solchen Fall nicht reagiert und nach Wegen gesucht werden, wie solche Unfälle verhindert werden können? "Na klar, das wird immer gemacht", verspricht er Aufklärung. Man werde sämtliche Aufnahmen der Sicherheitskameras studieren und entsprechende Konsequenzen ziehen. "Und natürlich werden wir dabei auch den Schleppverband hinterfragen."

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