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TT-Cup-Tagebuch: Wie geil ist das denn?

19. August 2017 - 20:52 Uhr

'Motorsport-Total.com'-Redakteur Roman Wittemeier als Gaststarter beim Audi Sport TT Cup in Zandvoort: Tagebuch - Tag 2: Qualifying und Rennende im Kiesbett

Roman Wittemeier
Das peinliche Ende eines schönen ersten Rennens: Kiesbett der Tarzanbocht
© Audi

(Motorsport-Total.com) - Liebe Freunde der Tarzan-Kurve,
es ist vollbracht: Ich habe die erste Teilnahme an einem echten Rennen hinter mir. Was für ein Erlebnis! Wie nicht anders zu erwarten war, habe ich mir das Starterfeld von hinten angeschaut - zumindest wurde ich am Ende als 16. gewertet. Da ich nach einem absolut nicht gerade beeindruckenden Qualifying am Morgen von Platz 18 - also als Allerletzter - losfahren durfte, finde ich das klasse. Wenngleich das Ende meines ersten Rennens im Audi Sport TT Cup peinlich war.

Ja, ich bin zwei Runden vor dem Ende im Kiesbett der berühmt-berüchtigten "Tarzanbocht" von Zandvoort steckengeblieben. Genau das hatte ich verhindern wollen. Mein Ziel war es, das Auto ohne einen Kratzer oder Steinchen im Kühler wieder nach Hause zu bringen. Leider hat das nicht geklappt. Sorry, liebe Audi-Jungs. Es ist mir peinlich, ganz ehrlich. Aber dennoch überwiegt am heutigen Samstagabend ein ganz anderes Gefühl: Unfassbare Freude!

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Wie ihr im gestrigen Tagebuch gelesen habt, war das Freie Training für mich nicht perfekt gelaufen. Ich bin aufgrund zahlreicher Fehler einfach nicht auf Tempo gekommen. Die Datenanalyse am Abend hat mir viele Gedanken mit auf den weiteren Weg gegeben. In der unruhigen Nacht, die ich von Freitag auf Samstag hatte - ja, ich war aufgeregt! - gab es einiges zu verinnerlichen: härter bremsen, in den Kurven "auf Zug" fahren, Scheitelpunkte präziser treffen und viele Dinge mehr.

Nach einer unruhigen Nacht mit viel zu wenig erholsamem Schlaf geht es am Samstagmorgen früh los. Frühstück an der Strecke ab 6:45 Uhr, letzte Infos gegen 8:00 Uhr, dann in die feuerfeste Unterwäsche, den Rennoverall und die entsprechenden Schuhe. Um 8:30 Uhr sitze ich in "meinem" Auto mit der Startnummer 96, habe die Balaclava übergestülpt, die Ohrstöpsel drin, Helm auf und Handschuhe an, habe den Funkcheck gemacht und bin im Sitz fest angeschnallt.

Qualifying: Es kommt einfach kein Tempo

Das Qualifying steht auf dem Plan. "Es gibt noch ein paar Pfützen auf der Strecke, besonders vor Kurve 4 und auch in der Zufahrt zur Scheivlak-Corner", mahnt Sepp Haider nicht nur mich, sondern alle Teilnehmer am Audi Sport TT Cup. "Das wird eine schwierige Session. Bleibt bitte alle auf der Strecke. Markiert eure beiden Rundenzeiten und seid vorsichtig", so die Ansage von TT-Cup-Chef Philipp Mondelaers. Ich nehme mir dies zu Herzen, sehr sogar.

Um kurz vor neun rollen wir mit unseren Autos durch das Fahrerlager zum sogenannten Vorstart. Zwischen den Kurven 12 und 13 werden wir wenig später auf die Piste gelassen, fahren zunächst wie im Freien Training in die Boxengasse. Warten auf Grün. Über Funk noch einmal der Hinweis auf feuchte Stellen auf der Strecke. Ich merke, dass ich müde bin. Zwei Stunden mehr Schlaf wären Gold wert, denke ich. Plötzlich die Ansage "green, green" - es geht los mit der Zeitenjagd!

"Fahr erst mal in Ruhe drei oder sogar vier Runden, bis die Reifen auf Temperatur sind. Dann versucht du das umzusetzen, was wir dir gestern an Hinweisen gegeben haben", meint Marco Werner. Genau so habe ich es vor. Es gelingt mir aber nur halb. Ich fahre die Reifen tatsächlich in Ruhe halbwegs in ein gutes Betriebsfenster. Als ich dann loslegen will, setzt eine Sperre in meinem Kopf ein: Auf feuchten Stellen bremsen oder lenken? Nicht mit mir!

Ganz ehrlich: Ich bin zwei Runden lang, auf denen ich eigentlich richtig schnell sein wollte, wirklich nur herumgeeiert. 2:01.740 Minuten - langsamer als am Vortag! Da muss doch mehr gehen. Als ich endlich Vertrauen in die Hinterachse bekomme, mir die Tipps vom Vortag ins Hirn rufe, geht es besser. Das Display zeigt nach Sektor 1 plötzlich "-1,8" - soll heißen, 1,8 Sekunden schneller als in meiner besten bisherigen Runde. Wird doch, denke ich. Aber da kommt die Lichthupe von hinten. Ich lasse die permanenten Starter auf ihren schnellen Runden natürlich vorbei. Aber die Zeit ist futsch. Ich trete auf der Stelle.

So viele Hinweise: So viele Gedanken

Mit der Enttäuschung aus dem Qualifying komme ich zurecht. Immerhin nicht zu weit weg von Daniel Rösner. Der Star aus "Alarm für Cobra 11" kommt wenig später zu mir. Wir klatschen uns grinsend ab, haben einfach nur Spaß. "Wir machen unser eigenes Rennen, kommen uns nicht in die Quere und genießen es einfach", sagt Daniel. Genau so soll es sein. Mit den anderen 16 Fahrern und Fahrerinnen haben wir im Rennen sowie nichts zu tun - denken wir zumindest. Aber es kommt ein wenig anders.

In der Pause zwischen Qualifying und Rennen gehe ich unter anderem mit Markus Winkelhock noch einmal ein paar Dinge durch, die ich beim Fahrern verbessern sollte. "Die Reifentemperatur ist enorm wichtig. Wenn die passt, dann kannst du auch Vertrauen haben und Vollgas in Richtung Scheivlak bügeln", meint er. Sein Tipp: "Fahr vor dem Rennen in den beiden Einführungsrunden nicht nur Schlangenlinien sondern gegen die Bremse. Tritt auf das Bremspedal und gleichzeitig auf das Gas. Dann werden die Räder von innen warm."

Bis zum Rennen sind es noch gut zwei Stunden. Ich brauche Ablenkung. Also gehe ich erst einmal ins Mediacenter, um ein paar Kollegen zu treffen. Dann öffnen die Posten die Tore für den Gridwalk der DTM. Ich wandere durch deren Startaufstellung, bleibe am gelben BMW stehen. Plötzlich packt mir jemand von hinten an die Schultern. "Hey Racer, ist ja genial, dass du hier fahren darfst. Ich wünsche dir mega viel Spaß" - es ist Polemann Timo Glock, der mich auf der Starterliste des Audi Sport TT Cup entdeckt hat.

Um 16:10 Uhr geht es ins Auto geht und anschließend zum Vorstart. Im Gegensatz zum Vortag fühle ich mich in meiner Startnummer 96 diesmal gar nicht mehr so allein. Ich habe unsichtbare Wesen mit an Bord, die unablässig flüstern: "Reifen anwärmen, spät und brutal hart den Anker werfen, immer zum Scheitelpunkt schauen!" Mit diesen Gedanken geht es in die Startaufstellung. Ich sitze im Auto auf P18, vor mir ein mir unbekanntes Gridgirl, weit entfernt die Ampel und die Anzeige der weiteren Vorlaufzeit.

Große Nervosität vor dem Start

Noch fünf Minuten. Mein Puls schnellt hoch, mir schnürt es fast die Luft ab. So nervös war ich selten. "Bleib cool, fahre einfach deinen Strich", rede ich mir ein. Noch drei Minuten. Puls und Atmung haben sich wieder etwas beruhigt. Ich gehe gedanklich nochmal die Abläufe beim Start durch, fahre die Strecke im Kopf nochmal ab. Ich blicke nach links zum Auto von Daniel Rösner. "Der Daniel ist mindestens genauso aufgeregt wie ich", bilde ich mir ein. Das beruhigt mich weiter.

Auf der Uhr ist es nur noch eine Minute bis zum Start. Alle Helfer sind längst aus der Startaufstellung verschwunden, den Abschied der Gridgirls habe ich überhaupt nicht wahrgenommen. Motor anlassen, nochmal Gurt nachstraffen, die Zeit zählt weiter runter. Grün! Vorn setzt sich das Führungsfahrzzeug in Bewegung. Nach und nach rollen die TT-Cup-Autos hinterher. Auch ich setze meine #96 in Bewegung. Reifen anwärmen! Ich bremse und gebe gleichzeitig Gas, ich wedele mit dem Auto. So läuft's.

Nach den zwei Einführungsrunden rolle ich in meine Startbox. Links muss ich gerade so eine 18 auf der Mauer erkennen können, rechts ist der Metallpfeiler einen Hauch neben dem BMW-Schriftzug auf deren Hospitality - passt. Weil ich als Letzter starte, leuchten die ersten roten Lampen direkt nach meinem Einparken auf. Vier rote Lampen, fünf - ich stehe fest auf der Bremse, gebe gleichzeitig Vollgas. Lichter aus! Attacke! Mein Audi beschleunigt wunderbar, links neben mir kommt Daniel kaum aus dem Quark.

Auf dem Weg zur ersten Ecke habe ich optimalen Anschluss an das gesamte Feld. Vorsichtig arbeite ich mich auf einer äußeren Linie durch die Tarzan-Kurve, fahre hinter allen anderen meinen Strich durch die Kurven 2 und 3 - plötzlich in Hugenholtz ein Crash. Bernhard van Oranje und einer der permanenten TT-Cup-Starter sind sich mächtig ins Gehege gekommen. Zwischen Gras und den beiden Autos nur eine kleine Lücke. Da muss ich durch - passt! Durchatmen. Weiter geht die Reise.

Auf dem Weg durch die schnellen Kurven 4, 5 und 6 hängt mich der Tross ab. In Scheivlak kann ich gerade so noch erahnen, dass vor mir Autos fahren. Auf dem folgenden kurzen Geradeaus-Stück ein Blick in den Rückspiegel. Keiner zu sehen, ich bin allein, fahre erst mal mein Rennen - freie Fahrt. Die optimale Gelegenheit, die Hinweise zu meinen Mängeln umzusetzen. In Runde drei fahre ich 2:00.1 Minuten. Härter bremsen! In Runde vier eine 1:57 Minuten. Ich könnte ja auch mal Push-To-Pass ausprobieren.

Zeiten fallen, Kiesbett wartet: Peinliches Ende

In Runde fünf 1:55 Minuten, danach noch eine Sekunde schneller, dann noch eine weitere. Wahnsinn! Im achten Umlauf habe ich absolutes Vertrauen in all das, was mir die Fachleute als Rat mit auf den Weg gegeben haben. Gleichzeitig steigt das Vertrauen in all das, was das Auto macht. 1:52.5 Minuten, 1:52.4, 1:52.4 und in Runde elf 1:52.3 Minuten. Satte acht Sekunden schneller als im Qualifying. Wenn es so weitergeht, dann werde ich ja nicht einmal überrundet, denke ich. Und fahre ein weiteres Mal auf die Tarzanbocht zu ...

Schon in der Kurve zuvor habe ich das Gefühl, dass die Reifen irgendwie "schmieren". Bauen sie ab? Nein, Pick-up auf den Laufflächen ist das Problem, wie ich später erfahren werde. Ich bremse die erste Ecke wieder genauso an wie zuvor. Plötzlich lenkt das Auto quasi wie von selbst nach rechts, plötzlich kommt das Heck. Schnelles Gegenlenken hilft nicht, ich kann nicht ausreichend verzögern. Es bleibt mir nur der Weg geradeaus in den Kies! Ich steuere meine #96 durch den Auslauf, das Auto buddelt sich ein. Ende!

Wie peinlich ist das denn? Nur noch zwei Runden zu fahren und haue das Auto in den Kies? Fassungslos schaue ich auf den Streckenposten auf meiner linken Seite, der mir signalisiert, dass ich gefahrlos aussteigen kann. Als die anderen ihr Rennen beendet haben, steige ich wieder ins Fahrzeug. Ein Bergekran hievt mein Auto auf den Asphalt, ich rolle langsam zurück ins Fahrerlager. Es bleibt mir nichts weiter, als mich bei allen Verantwortlichen zu entschuldigen.

"Nix passiert", sagt mir Marco Werner. "Das Auto putzen wir, und morgen machst du so weiter", lächelt mich Technikchef Hans Top an. Es gibt hier einen Klaps, dort ein Klopfen auf die Schulter. Die viertplatzierte Gosia Rdest lächelt mich an: "Du warst gut, echt. Und du wirst sehen, dass es morgen noch besser laufen wird." Das tut gut, das macht Mut. Die Peinlichkeit des Abflugs ist schon auf dem Weg ins Hotel verfolgen. Es bleibt nur ein Gedanke an die erste Rennerfahrung: Wie geil ist das denn? Morgen mehr!

Viele Grüße und bis morgen,

Roman Wittemeier

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