24h Spa 2017: Viele Strafen und ein heftiger Crash

29. Juli 2017 - 23:01 Uhr

Nach sechs Stunden hat schon fast das halbe Feld Strafen absolvieren müssen - Pasim Lathouras zerlegt AF-Corse-Ferrari in Eau Rouge - Ferrari führt

Giancarlo Fisichella, Marco Cioci, James Calado
Ferrari hält nach sechs Stunden in Spa-Francorchamps die Spitze
© Vision Sport Agency

(Motorsport-Total.com) - Die 24 Stunden von Spa 2017 halten bislang, was sie versprechen. Bei einer perfekt austarierten Balance of Performance kämpft mehr als ein Dutzend Fahrzeuge um die Führung. Nach sechs Stunden wurden die ersten Punkte für die Blancpain-GT-Serie vergeben. Den Preis räumte der Kaspersky-Ferrari #55 (Fisichella/Cioci/Calado) vor dem Grasser-Lamborghini #63 (Bortolotti/Engelhart/Caldarelli) und dem HTP-Mercedes #84 (Eriksson/Buhk/Perera) ab. (Zwischenstand 24h Spa nach 6 Stunden)

Die tatsächliche Reihenfolge ist aber nicht in Stein gemeißelt. Momentan gibt es zwei verschiedene Strategien, durch die die Reihenfolge sich immer wieder ändert. Manche Teams haben die jüngste Safety-Car-Phase in der fünften Rennstunde zum Boxenstopp genutzt, andere blieben draußen. Vor allem die Teams, die um die Blancpain-GT-Meisterschaft fahren, versuchen, im Rhythmus der 60-Minuten-Stints zu bleiben, um bei der Punktevergabe nach sechs und zwölf Stunden optimal platziert zu sein und kurz nach der vollen Stunde zu stoppen.

Unterschiedliche Strategien an der Spitze

Die Führung wechselt daher momentan immer wieder zwischen dem WRT-Audi #2 (de Phillippi/Mies/Vervisch) und dem Kaspersky-Ferrari hin und her. Dicht hinter dem Ferrari liegt der Grasser-Lamborghini, der sich mit der #55 schon eine ganze Reihe packender Zweikämpfe geliefert hat. Der Audi #2 kommt derzeit rund 15 Minuten vor der vollen Stunde rein, der Ferrari und der Lamborghini 15 Minuten nach der vollen Stunde, also komplett gegenläufig.

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Das bedeutet, dass der Audi momentan auf das Gesamtrennen gesehen am besten platziert ist, der Ferrari und der Lamborghini aber für die Punktevergabe zur vollen Stunde. Zwischenzeitlich schiebt sich auch noch regelmäßig der Akka-ASP-Mercedes #90 (Mortara/Meadows/Marciello) an die Spitze, der auf einer noch anderen Strategie unterwegs ist und fünf Minuten vor der vollen Stunde reinkommt. Allerdings können FCY-Phasen zum richtigen Zeitpunkt jederzeit alles wieder verschieben. Es liegen noch 17 Autos innerhalb einer Runde.

Da die Maximalfahrzeit für einen Stint gedeckelt ist, wird der 15-Minuten-Unterschied auch nicht verschwinden, solange es keine weitere Safety-Car-Phase gibt. Von denen hat es bereits deren drei gegeben, eine davon für einen schweren Unfall von Pasim Lathouras im AF-Corse-Ferrari #50 (Lathouras/Rugolo/Pier Guidi). Der Thai hatte nach knapp zwei Runden einen der gefürchteten Eau-Rouge-Unfälle, entstieg dem Wrack aber aus eigener Kraft.

Erste Favoriten ausgesiebt

Mehrere Favoriten mussten sich den Sieg beim Ardennen-Klassiker bereits abschminken. Am schlimmsten erwischte es den WRT-Audi #17 (Leonard/Dennis/Green) mit einem Unfall, den Strakka-McLaren #58 (Ledogar/Bell/Barnicoat) nach technischen Problem sowie beide Emil-Frey-Jaguars, wo sich die Gründe auf einen Unfall und einen Motorschaden aufteilen. Aller vier Fahrzeuge sind bereits aus dem Rennen.

Weitere Top-Autos sind zwar noch im Rennen, aber nach jetzigem Stand aussichtslos zurück, darunter die Vorjahressieger: Beim Rowe-BMW #99 (Sims/Martin/Eng) gab es nach 70 Minuten einen Reifenschaden. Dabei wurde der M6 GT3 beschädigt, momentan fährt der Rowe-Bolide mit sieben Runden Rückstand dem Feld hinterher. Das Schwesterfahrzeug #98 (Spengler/Catsburg/Blomqvist) liegt am unteren Ende der Führungsrunde auf Platz 15.

Strafen über Strafen

Der nächste Favorit, der den Sieg vergessen kann, ist der WRT-Audi #5 (Fässler/Vanthoor/Lotterer). Nach dreieinhalb Stunden kam der R8 LMS zu einem Boxenstopp, der drei Runden kostete. Ebenfalls Rundenrückstand weist der M-Sport-Bentley #7 (Kane/Smith/Jarvis) auf: Der Continental GT3 war eines von zahlreichen Autos, die eine Strafe absitzen mussten. Grund war hier ein Missachten der Track Limits. Es wurde insgesamt eine enorme Menge Strafen verteilt, sodass ein Zählen nicht mehr möglich ist. Die Gründe sind vielfältig, meist aber Track Limits.

Auch für Porsche ist es mit dem ersten Spa-Sieg im GT3-Zeitalter #äußerst schwer geworden: Der Bernhard-Porsche #117 (Vanthoor/Estre/Christensen) fing sich eine 3-Minuten-Stop-&-Go-Strafe ein. Michael Christensen hatte einen Mechaniker aus einem anderen Team umgefahren. Dieser wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Dies bedeutete einen Verlust von eineinhalb Runden. Eine Rückkehr in die Führungsrunde und dann eine SC-Phase zum richtigen Zeitpunkt könnten den Porsche theoretisch wieder in Schlagdistanz bringen.

Bestrafte Top-Autos sind der ISR-Audi #75 (Albuquerque/Schmid/Salaquarda) und der bereits erwähnten Mercedes #90, der ohne die Strafe realistischer Siegkandidat wäre. Das war auch der WRT-Audi #1 (Garcia/Müller/Rast), der aber seinerseits eine Durchfahrtsstrafe erhielt und dadurch das Heck des Schwesterfahrzeugs #2 verlor. In allen Fällen waren Track Limits Schuld. Ebenfalls zur Strafe gebeten wurde der Black-Falcon-Mercedes #4 (Christodoulou/Buurman/Stolz) für das Verursachen einer Kollision.

Bei den 24 Stunden von Spa steht eine lange Nacht an. Die nächste Punktevergabe erfolgt um 4:30 Uhr bei Rennhälfte. Das Rennen endet am Sonntag um 16:30 Uhr.

Nach 6 Stunden noch in der Führungsrunde

1. Kaspersky-Ferrari #55 (Fisichella/Cioci/Calado)
2. Grasser-Lamborghini #63 (Bortolotti/Engelhart/Caldarelli)
3. HTP-Mercedes #84 (Eriksson/Buhk/Perera)
4. WRT-Audi #2 (de Phillippi/Mies/Vervisch)
5. M-Sport-Bentley #8 (Soucek/Soulet/Abril)
6. HTP-Mercedes #85 (Sandström/Schiller/Baumann)
7. Sainteloc-Audi #25 (Winkelhock/Haase/Gounon)
8. ISR-Audi #76 (Kaffer/van der Linde/Stippler)
9. Oman-Aston-Martin #97 (Al-Harthy/Yoluc/Adam/Hankey)
10. Akka-ASP-Mercedes #88 (Serralles/Juncadella/Vautier)
11. Akka-ASP-Mercedes #90 (Mortara/Meadows/Marciello)
12. WRT-Audi #1 (Garcia/Müller/Rast)
13. Black-Falcon-Mercedes #4 (Christodoulou/Buurman/Stolz)
14. Black-Falcon-Mercedes #16 (Morley/Toril/Kirchhöfer/Götz)
15. Rowe-BMW #98 (Spengler/Catsburg/Blomqvist)
16. Abt-Bentley #9 (Verdonck/Jöns/Pepper)
17. RJN-Nissan #23 (Buncombe/Ordonez/Chiyo)

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