Aktuelle Bildergalerien
 
ANZEIGE
 
 
Facebook
Google+
 
ANZEIGE
 
 
Apps zu Formel 1, MotoGP, DTM und Co. für Android, iOS und Windows Phone
Newscooperation

Eigene Webseite?

Kostenlose News-Schlagzeilen und Fotos für Ihre Webseite! Jetzt blitzschnell an Ihr Layout anpassen und installieren!
Zur Konfiguration

Selbst Rennfahrer werden: Finale, das gefühlte zehnte Mal

19. Mai 2017 - 11:43 Uhr

Hobby-Rennfahrer Christian Ebner berichtet von seinem Triumph bei der WISBI-Challenge 2015, der die nächste Tür auf der "Karriereleiter" geöffnet hat

Christian Ebner
Endlich: Christian Ebner feiert seinen Sieg bei der WISBI-Challenge in Spielberg
© Christian Ebner

(Motorsport-Total.com) - Liebe Leser von Motorsport-Total.com,

wie ihr in der Eingangskolumne gelesen habt, verdanke ich all meine Erfahrungen auf diesem Gebiet der WISBI-Challenge im Driving-Center des Red-Bull-Ring. Allein gegen die Zeit. Und gegen alle anderen des Jahres.

Die Finalteilnahme - zum Jahresende bekommen bekanntlich die zehn schnellsten Fahrer eine Einladung - habe ich seit Anbeginn der Veranstaltung fix eingeplant und erreicht, so auch dieses Jahr.

Die Vorzeichen stehen schon mal gut. Mein Hauptgegner ist mittlerweile Instruktor im Driving-Center und von der Teilnahme ausgeschlossen. Er hat sich wirklich Jahr für Jahr meine Linie abgeschaut, ist jünger und deswegen noch schmerzfreier.

ANZEIGE

Ja, es ist so, mit dem Alter wird man automatisch vorsichtiger. Man kauft sich ein Ticket für 60 Euro und will es wissen. Aber nur insoweit, dass man safe ist. Das zur Verfügung gestellte Auto inklusive aller Komponenten wieder heil zurückbringen ist meine Hauptdevise. Genau deswegen habe ich mir vor langer Zeit die Teilnahme beim 24-Stunden-Rennen im Zuge des Opel-OPC-Race-Camp vermiest, weil ich einfach materialschonend unterwegs war und weiterhin sein will.

Aber nun heißt es wieder Attacke. Neun Konkurrenten hinter mir lassen und nach einem fünften, dritten und zweiten Platz endlich den Sieg einfahren. Erfahrung auf dem Podium habe ich ja, aber dieses Jahr will ich in der Mitte stehen. Ganz oben. Und in die enttäuschen Gesichter sehen, beispielsweise in jenes das ich selbst nur allzu oft gezeigt habe. Weil es um 2 Hundertstelsekunden wieder nicht gereicht hat.

Diese Meisterschaft ist echt gnadenlos, und, was die Zeitabstände betrifft, sind die Finalisten allesamt arschknapp beisammen. Es trifft sich einfach die Elite der Hobbyfahrer an diesem Oktobertag in der Steiermark.

Was es zu gewinnen gibt? Dieses Jahr das erste Mal genau meinen Traum! Ein Rennwochenende bei der KTM-X-Bow-Rookies-Challenge. Herz, was willst Du mehr? Ich muss es einfach schaffen. Aber das dachte ich mir die ganzen Jahre zuvor auch schon ...

Leider hat es Petra dieses Mal nicht geschafft, sich zu qualifizieren. Gerechtigkeit, wie ich finde. Hat sie sich doch für das Superfinale des Razoon-Sommercup qualifiziert und ich durfte nur die Zuschauerränge mit füllen.

Mit dabei jedoch, wie jedes Jahr, Headcoach Patrick Friesacher. Ex-Formel-1-Pilot und mittlerweile ein alter Bekannter. Aber "Freunderlwirtschaft" ist ja nicht, wenn es um die Zeitenhatz geht. Darum, wer Meister wird und den Traum des Rennfahrers einen Schritt näher kommt.

Die selektive und engwinkelige Strecke kommt dem X-Bow total zu Gute. Das Auto verlangt einfach schnelle und kurz aufeinanderfolgende Richtungswechsel. Genau das Richtige für das 800-Kilo-Wiesel, das hier erstmals mit der Top-Motorisierung aufwartet.

330 PS, das Turboloch praktisch nicht mehr vorhanden, knackige Sechsgangschaltung, noch immer keine Helferlein: Herz, was willst du mehr?

Und es lief dann eigentlich ganz ordentlich. Auf beiden verfügbaren Autos (wegen der möglichen Streuung zählt von jedem Teilnehmer auf den beiden am Start stehenden X-Bows die beste Rundenzeit) war ich annähernd gleich schnell und konnte mir dadurch den Platz unter den letzen Vier sichern. Mein Mindestziel im Finale.

Es ging also um uns vier Allerallerbesten der Allerbesten des Jahres. Die Strecke in einwandfreiem Zustand. Auch die Fahrzeuge waren ident. Die Tagesform, weil uns doch nur ein Wimpernschlag trennte, war nun ausschlaggebend. Gold, Silber, Bronze. Oder die undankbare "blecherne" Medaille.

Mein Finallauf stand an, als Letzter von allen, da ich die Bestzeit des Tages hatte. Und irgendwie hatte ich kein gutes Gefühl auf der Bremse. Das Auto war anders, fühlte sich irgendwie komisch an. Nicht wie ich es gewohnt war. Sicherlich eine Einbildung, oder?

Und dann passierte es. Erst auf der Anfahrt zum Gleitbelag-Kreisel, es quietschte verdächtig vorne rechts. Ein Slickreifen quietscht normalerwiese nicht hörbar im Auto. Einbildung oder hat sich einer meiner Mitstreiter um das Podium vorher schon unbemerkt verbremst?

Dann erneut bei der Anfahrt auf die selektive Slalomsektion. Wir erinnern uns, auf der einen Seite ein Gleitbelag, auf der anderen normaler Asphalt. In der Bremszone auf diese Sektion, mit guten 130 km/h ankommend, blockierte das rechte Vorderrad erneut.

Ich lockerte die Bremse sofort, um keinen noch schlimmeren Platten einzufahren, weswegen ich nicht den ganzen Slalom schaffte. Laut Regularien die Disqualifikation. Trotz absoluter Bestzeit mit 0,5 Sekunden Abstand auf einen fabelhaft gefahrenen Markus Mascha.

Im selben Augenblick realisierte ich es, kein Platz am Podium. Aus der Traum meines WISBI-Titels, erneuter Versuch im nächsten Jahr. Klar gab ich in der Pitlane sofort Bescheid, dass sie dieses besagte Vorderrad begutachten sollen, nicht dass ich auch noch den nächsten Teilnehmer ein 95-Prozent-Auto in diesem Hundertstelkrimi übergeben will.

Das Team rund um Patrick Friesacher begutachtete und beriet sich. Sie kamen dann zum Schluss, das Finale sollte zur Fairness aller wiederholt werden. Am grünen Tisch werden weltweit zu viele Rennen im Nachhinein entschieden.

Nicht hier, nicht am größten Spielplatz. Die Teilnehmer stimmten dem zu. Ich selbst enthielt mich natürlich der Stimme, da ich eigentlich ohnehin den Hoecker spielten sollte. "Hoecker, sie sind raus!"

Ausgemacht wurde für den letzten Shot: Keine Einführungsrunde, sofort raus auf die Zeitenjagd. Nur ein Versuch, eine Runde, die alles entscheidet. Und da das Vertrauen ob unserer bisherigen Leistung groß genug war: Nach dem Zieleinlauf durfte der Slalom ausgelassen werden. Was wird das bringen, eine oder gar zwei Sekunden?

Vorab gesagt, es machte keinen Unterschied, nicht einmal ein Zehntel. Es befreite aber im Kopf. Der X-Bow mit dem angeschlagenen Vorderrad ging aus dem Rennen und wurde ersetzt. Selbe Startreihenfolge, selbe Zeiten. Bei allen. Es stand also fest, ich bin WISBI-Champion 2015. Irgendwie. Eigentlich.

Ich konnte es nicht glauben. Erst der Zuspruch bei der Abstimmung aller verbleibenden Teilnehmer, den letzten Battle zu wiederholen. Dann erneut dieselben Zeiten bei allen, und ich war wieder eine halbe Sekunde vor dem Zweiten. Es vermischte sich Demut mit Freude und Ungläubigkeit.

Habe ich tatsächlich ein volles Rennwochenende gewonnen. Mein Traum. Der Traum so vieler, auch einiger Leser hier, von welchen ich nette Mitteilungen und Anregungen bekommen habe. Sprachlos stand ich da, umrundet von Familie, Freunden und Bekannten, die mir schon gratulierten. Ich konnte es nicht glauben.

Ich wollte einfach den Podiums-Aufruf abwarten, erst dann (dachte ich) ist es wahr. Geht die Reise weiter, der nächste Schritt zum Rennfahrer. Tatsächlich, auf das oberste Treppchen werde ich eingeladen, als WISBI-Champion angekündigt. Der Traum wird wahr werden. Mein Traum wird wahr werden!

Wirklich realisiert habe ich das einen Tag später, halbwegs. Von etwa 100 motivierten das ganze Jahr über und den letztlich zehn wirklich talentiertesten Fahrern war ich der Beste in diesem Jahr. Durfte ich den größten Bottich in Empfang nehmen. Und wird mir die Ehre zu teil, auf der Wall of Fame veröffentlicht zu werden. Neben all den Mitstreitern der Vergangenheit. In Wahrheit dauerte es sogar noch ein paar Tage länger, das zu glauben.

Aber um bestmöglich vorbereitet in das Rennwochenende zu starten, muss ich auch was dafür tun. Kurz kam mir Erwin Göllner in den Sinn, da er mich höchstwahrscheinlich physisch töten könnte/würde, wollte dann aber doch lieber praktische Fahrerfahrung sammeln. Und dazulernen, mich verbessern.

Da kenne ich doch jemanden, die fleißigen Leser auch: Dominik Olbert. Chef von Razoon Racing. Ich denke, ich muss mal mit ihm telefonieren, vielleicht kann er mich dabei unterstützen. Intensiver auf das Auto und das anstehende Wochenende schulen.

Und vielleicht kann ich auch den Oberbürgermeister hier, Chefredakteur Christian Nimmervoll, mitnehmen. Damit er mal spürt, was es heißt, dieses Leistungsgewicht zu bewegen. Das ganze unterm Allerwertesten zu fühlen, weswegen ich hier so euphorisch schreibe ...

Wird sich sicher einrichten lassen, deswegen: Read you soon & let's fetz ... ;-)

Euer Christian Ebner

Liebe Grüße
Christian Ebner

Bisherige Beiträge aus der Reihe "Selbst Rennfahrer werden":
- Lebe deinen Traum! (8. April 2015)
- Dreher, Verbremser, Abschleppseil (17. April 2015)
- Quälen wie die Champions (22. Mai 2015)
- Rückschläge und Enttäuschungen (22. Juli 2015)
- Die Meisterfeier (19. April 2016)

Artikeloptionen
Artikel bewerten