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Nürburgring: Der ADAC erhöht den Druck

09. Juli 2012 - 18:27 Uhr

Der ADAC sieht das Land Rheinland-Pfalz in der Pflicht: Es geht um Nennfristen und wilde Zahlenspiele - Sportpräsident Tomczyk: "Der Breitensport hängt daran"

Nürburgring
Die Zukunft der Rennveranstaltungen auf dem Nürburgring steht in den Sternen
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Die Entwicklungen in den vergangenen Jahren am Nürburgring treibt vielen Beobachtern seit langer Zeit die Wutröte ins Gesicht, bei anderen herrscht Resignation, wiederum andere schütteln ungläubig mit dem Kopf. In der Eifel hat man horrende Summen in ein fragwürdiges Projekt gesteckt. Der Erfolg? Neben der traditionsreichen Strecke steht eine gigantische Anlage, in der die Besucher bislang einzeln per Handschlag begrüßt werden können - ein Millionengrab sondergleichen.

Die gesamten Vorgänge werden angeblich nach und nach aufgearbeitet. Dabei geht es nicht nur um Fehlplanungen, sondern auch um zweifelhafte Konzepte und viel Geld, das für wenig Leistung in irgendwelchen Kanälen versickert ist. Im Zentrum der Kritik standen zuletzt die beiden Geschäftsführer der Betreibergesellschaft NAG (Nürburgring Automotive GmbH). Das Land Rheinland-Pfalz als Mehrheitseigner der Anlage kündigte schließlich den langfristigen Pachtvertrag mit der NAG.

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Anfang Februar dieses Jahres forderte man im Zuge der Kündigung des Pachtvertrages die Verantwortlichen der NAG auf, das Feld spätestens bis zum 28. Februar zu räumen. Dies ist nicht geschehen. Man einigte sich kurzerhand, dass eine Räumung bis Ende Oktober dieses Jahres auch ausreiche. Aber wird dies umgesetzt? Der ADAC glaubt offenbar nicht daran und sendet entsprechend klare Signale. ADAC-Präsident Peter Meyer machte in einem offenen Brief an Ministerpräsident Kurt Beck enormen Druck.

Das erste Schreiben fruchtete nicht, also folgte Ende Juni ein zweiter offener Brief. "Mit Sorge betrachtet der ADAC die aktuelle Entwicklung am Nürburgring und seine damit zusammenhängenden Motorsportveranstaltungen", heißt es darin. Das größte Problem: Die von der NAG ausgehandelten Verträge mit Rennserien will die Nürburgring GmbH nicht akzeptieren. Klartext: Was die NAG zusagt, wird womöglich später nicht eingehalten. Eine Zwickmühle, wenn es darum geht, den Nürburgring in zukünftige Rennkalender aufzunehmen.

Wer darf Verträge aushandeln?

"Die damit verbundenen Planungsunsicherheiten für Motorsportveranstaltungen haben gravierende Auswirkungen, denn die Frist für die Anmeldung Internationaler Motorsportveranstaltungen bei der internationalen Motorsportbehörde FIA in Paris endet am 31. Juli 2012, die nationale Frist beim Deutschen Motorsport Bund (DMSB) in Frankfurt läuft am 13. August 2012 ab. Veranstalter wie der ADAC brauchen daher umgehend Rechts- und Planungssicherheit", so ADAC-Boss Meyer.

Nürburgring
Der Nürburgring wurde in den vergangenen Jahren völlig verbaut
© xpb.cc

Der ADAC möchte rechtsverbindliche Verträge für beispielsweise die Ausrichtung des 24-Stunden-Rennens in der Eifel 2013. "
Dabei kann es sich beim künftigen Vertragspartner nicht um die gekündigte private Pächterin Nürburgring Automotive GmbH handeln, denn diese wird entweder zeitnah freiwillig oder zukünftig gezwungenermaßen den Nürburgring zurückgeben müssen", heißt es im Brief an Beck. "
Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz muss endlich klare Verhältnisse schaffen, ansonsten wird es zumindest 2013 keine großen ADAC-Motorsportveranstaltungen am Nürburgring geben", so die Drohung.

"Der ADAC hat sich bewusst lange zurück gehalten, ehe wir jetzt in einem offenen Brief auf die Probleme aufmerksam gemacht haben. Wir brauchen dort klare Verhältnisse. Unsere Position geht aus dem offenen Brief hervor. Wir brauchen Planungssicherheit bei unseren Vertragspartnern", stellte ADAC-Sportpräsident Hermann Tomczyk bei seinem Besuch des MotoGP-Wochenendes am Sachsenring noch einmal klar.

"Wir könnten auch woanders..."

"Intern haben wir zahlreiche Gespräche geführt und dabei Denk- und Lösungsansätze diskutiert. Es gibt durchaus große Veranstaltungen, die auf anderen Strecken fahren können. Es gibt allerdings auch Veranstaltungen, die einzig auf dem Nürburgring ausgetragen werden können", sagt Tomczyk und denkt vor allem an die Klassiker in der Eifel. "Der gesamte deutsche Breitensport hängt daran. Man muss auch mal an die kleinen Serien, an die Schwachen, denken."

Da bislang eine Reaktion des Ministerpräsidenten von Rheinland-Pfalz ausblieb, zündete der ADAC nun bereits die nächste Stufe. Am heutigen Montag wandte sich ADAC-Präsident Meyer erneut an die Öffentlichkeit. Man nehme "mit Verwunderung zur Kenntnis", dass sich die NAG auch für die Verhandlungen über die Austragung von Rennveranstaltungen 2013 verantwortlich fühle. Dies sei insofern verwunderlich, da "Verpächter und Pächterin gemeinsam angekündigt hatten, den Pachtgegenstand Ende Oktober 2012 herausgeben zu wollen."

Im jüngsten Schriftstück kommt eine weitere Note hinzu. Offensichtlich waren die NAG-Geschäftsführer der Meinung, der ADAC habe durch irreführende Angaben von Besucherzahlen an Rennwochenenden dazu beigetragen, dass man am Nürburgring überdimensioniert gebaut habe. "Das ist eine neue Variante der Legendenbildung durch die NAG-Gesellschafter", antwortet ADAC-Boss Meyer auf solche Aussagen. Gleichzeitig gibt Meyer zu, dass etwaige Besucherzahlen "nur eine Basis für die Berechnung tatsächlicher Werte" seien.

"Die vom ADAC veröffentlichten Besucherzahlen sind eine Addition der Besuche an allen Veranstaltungstagen auf der gesamten Rennstrecke inklusive der Nordschleife. Dies wurde nie anders kommuniziert", heißt es in einem Schreiben des ADAC in Bezug auf die Besucherzahlen beim 24-Stunden-Rennen am Nürburgring.

Wie lange kann Ecclestone noch warten?

Vom ADAC heißt es weiter: "Zudem widerspricht sich die NAG in ihrem veröffentlichten Zahlenspiel. So spricht sie beispielsweise von 49.048 Eintrittskarten und 16.418 Campingkarten, behauptet aber gleichzeitig, dass 100.000 Menschen den Ringboulevard besucht hätten. Bei solchen Aussagen zeigt sich erneut, wie weit die beiden verantwortlichen Gesellschafter vom eigentlichen Motorsport und seinen Veranstaltungen entfernt sind."

Man sehe sich keinesfalls in der Mitverantwortung, wenn es um die Gigantomanie in der Eifel gehe. Im Gegenteil. "Der ADAC hat schriftlich und jederzeit nachweisbar vor dem kostenintensiven Bau der Gebäude am Nürburgring gewarnt", heißt es. "Dass der ADAC und seine Regionalclubs bei einer Großveranstaltung wie dem 24-Stunden-Rennen durch geschickte Positionierung und ständige Steigerung der Wertigkeit dieser Motorsportveranstaltung zur Auslastung eines ansonsten menschenleeren Ringboulevards sorgten, sollte die NAG eigentlich erfreuen."

Der Ton wird zunehmend rauher, weil der ADAC tatsächlich unter enormem Druck steht. Dabei geht es nicht nur um die Nennfristen bei FIA und DMSB für Veranstaltungen wie 24-Stunden-Rennen oder Truck-Grand-Prix, sondern es geht auch um die Königsklasse. Formel-1-Boss Bernie Ecclestone würde seinen Zirkus gern weiter in der Eifel gastieren lassen, aber dem Briten fehlt ein entsprechender Verhandlungspartner, der seine Zusagen mit Gewissheit einhalten kann...

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