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Siedler: "Wimpernschläge entscheiden"

04. Juli 2008 - 15:28 Uhr

Norbert Siedler über die Highlights der ersten Saisonhälfte, über seine Zukunftspläne und über Begegnungen mit der Formel 1

Norbert Siedler
Norbert Siedler nimmt derzeit IFM und Porsche-Supercup unter die Räder
© Edi Nikolic

(Motorsport-Total.com) - Das jüngste Qualifying in Magny Cours sprach Bände: Die ersten sechs Piloten innerhalb einer Zehntelsekunde, die ersten 15 Fahrer innerhalb einer halben Sekunde - und mittendrin Norbert Siedler. Nach zwei Punkteankünften im Porsche-Cup und zwei Podien in der International Formula Master (IFM) zeigt sich der 25-Jährige optimistisch. Im Interview spricht Siedler über seine bisherige Saison, Pläne für die Zukunft und Formel-1-Kontakte beim Streckenerkunden.

Frage: "Norbert, in Silverstone wird heute die zweite Saisonhälfte im Porsche-Supercup eingeläutet, in Estoril ist nächste Woche Halbzeit in der IFM. Wie zufrieden bist Du mit dem bisherigen Saisonverlauf?"
Norbert Siedler: "Zufrieden bin ich erst, wenn ich ganz vorne bin, aber fürs Erste waren die beiden vergangenen Rennen mit Punkten im Supercup schon in Ordnung."

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Zukunft bei Porsche?

Frage: "Da hast Du die beiden Podestplatzierungen in der IFM großzügig verschwiegen. Soll das heißen, Du bist inzwischen von Kopf bis Fuß auf den Porsche eingestellt?"
Siedler: "Eines ist klar: Wenn nicht irgendetwas völlig unvorhergesehenes passiert, dann liegt
meine Zukunft genau dort. Allerdings nicht nur im Supercup, sondern gleichzeitig auch im Carrera-Cup sowie im Langstreckenbereich. Und vielleicht kann ich mich eines Tages sogar für einen Werksvertrag bei Porsche empfehlen."

Frage: "...so wie der unvergessene Stefan Bellof, der in deinem Heimatort Wildschönau schon fast zu den Einheimischen gehörte?"
Siedler: "Ich bin erst drei Jahre alt gewesen, als er damals verunglückt ist, und hab ihn deshalb leider nicht mehr kennen gelernt. Aber er muss wirklich ein guter Fahrer gewesen sein, sonst wäre er nicht Sportwagenweltmeister und beim Monaco Grand Prix schon als junger Kerl einmal Dritter geworden."

Frage: "Ein paar Worte zur IFM, bitte. Hat diese Serie für dich durch die
Neuorientierung in Richtung Sportwagen überhaupt noch einen tieferen Hintergrund?"
Siedler: "Das würde ich so nicht sagen. Ich möchte irgendwann einmal wieder mit einem Prototypen bei den 24 Stunden von Le Mans antreten, da sind die Formelautos genau das richtige Trainingsgerät, wie man zuletzt auch bei Alex Wurz und Christian Klien gesehen hat."

Im Porsche flott unterwegs

"Das Interessante ist ja, dass einem erfolgreichen Fahrer im Porsche-Supercup sehr viele Möglichkeiten offen stehen. Und wenn man gleich mehrere Autos auf einem hohen Niveau fahren kann, schadet das den Perspektiven bestimmt nicht."

Frage: "Erfreulicher Weise fehlen dir im 911er nur drei bis fünf Zehntel auf die Besten,
während du in der IFM nach wie vor Rennen gewinnen kannst..."
Siedler: "Wichtig sind für mich zwei Dinge: Anhand der Datenaufzeichnungen sehe ich gegenüber meinem Teamkollegen ganz genau, dass ich schon bald bei der Musik sein werde. Und Renè Rast, als einer der schnellsten Fahrer im Feld, ist sicherlich ein Gradmesser."

"Zum Zweiten entscheiden im Supercup wirklich nur Wimpernschläge, da muss im Training und im Rennen wirklich alles perfekt zusammenpassen. Ganz so einfach ist es aber auch in der IFM nicht, denn dort hat ein Konkurrenzteam etwas gefunden, an dem wir uns im Moment etwas die Zähne ausbeißen."

Formel-1-Luft im Fahrerlager

Frage: "Die IFM fährt im Rahmen der Tourenwagenweltmeisterschaft, der Porsche-Supercup im Programm der europäischen Formel-1-Grand-Prix. Wie kann man die beiden Events miteinander vergleichen?"
Siedler: "Beide Veranstaltungen sind sehr professionell organisiert, auch die Tourenwagen-WM, wo man als Zuschauer wirklich noch mit den Fahrern plaudern kann. Das ist in der Formel 1 leider
schon lange nicht mehr möglich, nicht einmal mit uns Porsche-Fahrern."

Frage: "Wie viel bekommt ihr eigentlich vom ganzen Formel-1-Rummel mit? Immerhin tritt der
Porsche-Supercup im Programm der europäischen Grand Prix an..."
Siedler: "Nicht viel, weil wir ja nicht als Zuschauer dabei sind. Nur am Donnerstagabend, wenn ich zu Fuß um die jeweilige Strecke renne und mir noch einmal alle Kurvenpassagen anschaue, läuft mir der eine oder andere Fahrer über den Weg."

Frage: "...zum Beispiel?"
Siedler: "Einer, den ich bis jetzt noch auf jedem Kurs beim joggen getroffen habe, ist Jenson Button. Ich glaube, der ist körperlich ganz gut aufgestellt. Und von den Teamchefs war Franz Tost bislang der einzige."

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