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Kolumne
 
Wendlinger-Kolumne: "Wir wollen Meister werden!"
 
von Karl Wendlinger 17. März 2008 - 10:12 Uhr
 
Karl Wendlinger berichtet in seiner ersten Kolumne von den FIA-GT-Testfahrten und seinen Zielen für die neue Saison - Le Mans noch ein Thema
 
Karl Wendlinger
Das große Ziel für 2008 ist klar: Nach dem Vize- soll der "richtige" Titel folgen...
Zoom © xpb.cc
(Motorsport-Total.com) - Liebe 'Motorsport-Total.com'-Leser,

zunächst einmal freue ich mich, dass ich Ihnen in Form dieser Kolumne 2008 einen Einblick in mein Rennfahrerleben und hinter die Kulissen des Jetalliance-Teams in der FIA-GT-Meisterschaft gewähren kann. Die neue Saison geht ja schon am 20. April in Silverstone los und wir stecken gerade mitten in den Vorbereitungen darauf. Und nach dem knapp verpassten Titel im Vorjahr wollen wir diesmal natürlich um einen Platz besser abschneiden. Sprich: Wir wollen die Meisterschaft gewinnen!

Ich muss sagen, dass ich mit der Saison 2007 im Nachhinein nicht so unzufrieden bin. Klar, wir hatten keinen optimalen Start und sind zum Beispiel beim Auftakt in China gleich mal leer ausgegangen, aber ab unserem ersten Sieg in Monza lief es eigentlich super. Wir haben als einziges Team dreimal gewonnen, waren in zehn Qualifyings achtmal unter den besten Drei - am Speed ist es also nicht gelegen. In Anbetracht der Tatsache, dass wir ein junges Team sind, ist der zweite Gesamtrang in unserem erst zweiten Jahr in der FIA-GT aber mehr als beachtlich. Deshalb schauen wir auch mit vollem Elan voraus.



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Positiver Verlauf der Testfahrten

Karl Wendlinger
Beinhartes Training: Die GIA-GT-Autos fahren sich nicht von selbst...
Zoom © Jetalliance
Vor zwei Wochen haben wir einen Tag in Le Castellet getestet. Es ist eigentlich ganz gut gelaufen. Am Donnerstag und Freitag hatten wir dann noch einmal zwei Testtage in Monza, wo wir viele Sachen probierten und gleichzeitig auch von den Zeiten her bei der Spitze dabei waren. Ende März geht es an den EuroSpeedway Lausitz. Das war's dann vom Testprogramm her, danach sitze ich schon beim Rennen in Silverstone das erste Mal wieder in unserem hellblauen Aston Martin DBR9.

Entwicklungstests, wie sie zum Beispiel in der Formel 1 absolviert werden, sind in der FIA-GT überflüssig, weil es sowieso keine neuen Teile gibt. Das liegt vor allem am Reglement. Bringt man nämlich neue Teile, dann müssen die von der FIA homologiert werden, aber wenn die Abweichung vom Ursprungszustand des Autos zu groß ist, dann gibt's halt keine Homologierung und alles war umsonst.

Das Auto ist also auf dem gleichen Stand wie im Vorjahr. Das heißt, wir arbeiten von der Grundabstimmung her da weiter, wo wir 2007 aufgehört haben. Sobald die Grundabstimmung einmal passt, geht es darum, die Feinabstimmung für die jeweilige Strecke zu perfektionieren. Auf manchen Strecken ist zum Beispiel Grip auf der Vorderachse wichtiger, auf anderen Strecken brauchst du den Grip eher hinten. Da gibt es logischerweise individuelle Unterschiede. Es geht aber wie gesagt nur um das Setup, wir fahren keine Entwicklungstests.

 
Gutes Verhältnis zum Teamkollegen

Ryan Sharp und Karl Wendlinger
Mein Teamkollege Ryan Sharp und ich vor unserem Aston Martin DBR9
Zoom © Jetalliance
Positiv ist, dass die Zusammenarbeit mit meinem schottischen Teamkollegen Ryan Sharp ins zweite Jahr geht. Wir hatten 2007 ein- oder zweimal Probleme beim Fahrerwechsel, weil wir unterschiedlich groß sind, aber das hat sich dann schon recht gut eingespielt. Jetzt kennen wir uns natürlich noch besser. Und wichtig ist auch, dass alles sehr harmonisch abläuft und er nicht verbissen den Anspruch stellt, die Nummer eins zu sein.

Ryan ist bisher keine Qualifyings gefahren, hat daraus aber nie ein Thema gemacht, sondern er hat das akzeptiert. Für den Teamspirit war das sehr wichtig. Gut möglich, dass er dieses Jahr auch mal ein Qualifying fahren darf - fixe Regelung haben wir da jedenfalls keine. Ob ich Ryan wieder im Griff haben werde? Schauen wir mal! 2007 hatte ich fahrerisch eine sehr gute Saison - und ich hoffe, dass ich noch besser werde.

Unsere Konkurrenz ist in diesem Jahr mindestens so stark wie im Vorjahr, wenn nicht sogar stärker. Ich denke da vor allem an die zwei Vitaphone-Maseratis und an die zwei Phoenix-Corvettes. Auch meinen Landsmann Philipp Peter und den schnellen Allan Simonsen vom Gigawave-Team darf man nicht unterschätzen. Die haben den gleichen Aston Martin DBR9 wie wir. Insgesamt sind sicher zehn Autos gut genug, um auf das Podium zu fahren.

 
ACO stellte keine Einladung für Le Mans aus

Karl Wendlinger
Die FIA-GT-Serie bietet spektakulären Motorsport auf tollen Strecken
Zoom © xpb.cc
Eigentlich wollte mein Jetalliance-Team dieses Jahr auch bei den 24 Stunden von Le Mans an den Start gehen. Das wäre natürlich eine tolle Herausforderung gewesen. Ich habe meine Klasse in Le Mans schon zweimal gewonnen, aber noch nie die Gesamtwertung. Aber leider hat uns der Veranstalter ACO, bei dem sich alle Teilnehmer quasi für ein Antreten bewerben müssen, nicht in die Entry-List aufgenommen. Da kann man nichts machen.

Für mich persönlich ist das Thema Le Mans trotzdem noch nicht ganz gegessen, denn beim Test in Le Castellet bin ich auch für das Werksteam von Aston Martin gefahren, das von David Richards' Prodrive-Organisation eingesetzt wird. Da könnte sich vielleicht noch etwas ergeben, aber im Moment war es einmal nur dieser eine Test. Aston Martin setzt zwei Autos in Le Mans ein. Im Gespräch ist bei denen übrigens auch mein alter Teamkollege aus der Gruppe C und der Formel 1, Heinz-Harald Frentzen, der auch getestet hat.

Mein Hauptaugenmerk liegt aber ganz klar auf der FIA-GT-Meisterschaft. Bei Jetalliance haben wir eine tolle Truppe, in der die Atmosphäre passt. Ich bin zuversichtlich, dass wir auch dieses Jahr wieder ganz vorne mitmischen können. Ob es dann unterm Strich zum Titel reichen wird, das hat auch ein kleines bisschen mit Glück zu tun. Drückt uns die Daumen!

Ihr
Karl Wendlinger

 
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