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Spieletest: MotoGP 10/11 - Realistischer, neuer und besser?

27. März 2011 - 13:09 Uhr

Passend zum Saisonbeginn der realen WM ist das neue Videogame MotoGP 10/11 nun erhältlich und muss sich im Review beweisen

MotoGP 10/11
Neue MotoGP-Saison, neues Videospiel: MotoGP 10/11 für PS3 und Xbox 360
© Capcom

(MST/Speedmaniacs.de) - Als Capcom vor gut einem Jahr sein neues MotoGP-Projekt an den Start brachte waren wir eigentlich davon ausgegangen, dass der Publisher hier zum Wohle der Qualität und damit auch zu dem von uns Gamern auf den sonst im Sportbereich üblichen Jahresturnus verzichten und stattdessen nur alle zwei Jahre ein neues Spiel auf den Markt bringen würde, schließlich hieß der Vorgänger ja auch MotoGP 09/10 und hatte somit Gültigkeit für gleich zwei komplette MotoGP-Saisons. Das Versprechen, die offiziellen Daten zur 2010er Saison per kostenfreiem DLC nachzuliefern, wurde seitens Capcom tadellos eingehalten.

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So kam es schon etwas überraschend, dass Capcom und das Entwicklerstudio Monumental Games jetzt schon - fast auf den Tag genau nur ein Jahr später - das nächste MotoGP-Videospiel veröffentlichen. Seit dem 18. März steht MotoGP 10/11 bei den Händlern und so haben wir uns natürlich abermals mit der Frage konfrontiert gesehen, wie viele Verbesserungen oder gar echte Innovationen man in so kurzer Zeit überhaupt in ein Videospiel integrieren kann.

Bewährtes Konzept

Am Grundkonzept hat sich jedenfalls kaum etwas geändert. Warum auch, schließlich verfügt das Spiel nicht nur über die obligatorischen Rennmodi, wie Meisterschaft, Einzelrennen und Zeitfahren, sondern auch über einen tiefgängigen Karrieremodus, der viele Aspekte abseits der Rennstrecke einbezieht und eine voll ausgestattete Mehrspielerabteilung, dazu aber später mehr. Wer den durchdachten Arcademodus des Vorgängers sucht, der findet diesen neuerdings unter dem Namen Herausforderungsmodus.

MotoGP 10/11
MotoGP 10/11 geht mit den Daten der Saison 2010 auf den Asphalt
© Capcom

Im Auslieferungszustand bietet MotoGP 10/11 also erst einmal die alten Daten der abgelaufenen 2010er Saison, erst im Sommer wird dann wie gehabt der aktuelle Datensatz per kostenlosem Download nachgeliefert. Ansonsten gibt es inhaltlich eigentlich nur eine einzige Neuerung zu vermelden und das ist die Tatsache, dass sich nun jederzeit ein zweiter Spieler in eine bestehende Karriere einloggen und man so als Teamkollegen im Splitscreen-Modus gemeinsam auf die Piste gehen kann. Für diejenigen die schon den Vorgänger ihr Eigen nannten, werden außerdem zu Beginn ein paar Goodies als Dankeschön freigeschaltet.

Feinarbeiten?

Ganz große Neuerungen sucht man also vergebens, doch welche Verbesserungen gibt es denn im Detail? Nun erstaunlicher- und auch bedauerlicherweise gibt es gleich mehrere Stolpersteine die sich mit in den 10/11er-Jahrgang geschlichen haben, wobei diese eigentlich so offensichtlich sind, dass das schon wieder eine absolute Verharmlosung ist. An erster Stelle steht da das Problem wie im Arcade- beziehungsweise nunmehr Herausforderungsmodus der Zeitablauf gehandhabt wird. Seid ihr zu langsam und ist die Zeit abgelaufen, könnt ihr theoretisch direkt weiterfahren, weil das Spiel euch, ähnlich wie in einem klassischen Jump-and-Run mehrere "Leben" gibt. Alles was ihr dafür tun müsst ist die Starttaste zu drücken.

MotoGP 10/11
Die Ideallinie zeigt die beste Fahrlinie
© Capcom

Bis ihr das aber tun könnt, bremst euch das Spiel erst einmal in aller Seelenruhe bis zum Stillstand ab. In dieser Zeit kommt die Konkurrenz natürlich näher und wenn wir dann endlich den Button drücken könnt, steht man mitten in der Schusslinie, was ihr an der Stelle durchaus wörtlich nehmen dürft. Wenn die KI mit einem mörderischen Geschwindigkeitsüberschuss von hinten ankommt, wird man gnadenlos abgeschossen. Genau das gleiche Problem haben wir schon im Review zu MotoGP 09/10 moniert. Dass so ein gravierender Fehler quasi zum zweiten Mal niemandem aufgefallen sein soll, ist eigentlich nicht zu glauben. Also gehen wir mal davon aus, dass dieses Feature, nennen wir es einmal so, tatsächlich so gewollt ist. Aber wenn es ein Feature und kein Bug ist, dann ist es - mit Verlaub - ein selten dämliches.

Rowdys der Rennstrecke

Apropos dämlich. Das ist leider eine recht treffende Überleitung zur künstlichen Intelligenz des Spiels. Die Herren CPU-Fahrer agieren in der Regel sehr robust, was sie, wenn schon nicht als dämlich, doch zumindest als stur und besonders hartnäckig qualifiziert. In Kurven wie auf Geraden wird kräftig gerangelt und geschubst. Letztes Jahr war das noch in Ordnung, weil bei der konsequenten Arcade-Ausrichtung Stürze ohnehin die Ausnahme waren, aber dieses Jahr lässt das Spiel auf Wunsch ein deutlich sensibleres Fahrverhalten zu und dann landet man öfter als es einem lieb sein kann auf dem Hosenboden der Lederkombi.

MotoGP 10/11
Ein Fehler und der Verfolger zieht vorbei
© Capcom

Kommt es so weit, zeigt sich eine weitere unausgegorene Funktion namens Rücksetztassistent in all ihrer Durchschnittlichkeit. Um nicht wie im Herausforderungsmodus mitten im Getümmel abgesetzt zu werden - soweit sehr löblich - wird man lieber genau auf der Grenze zum Grünstreifen entlassen, hängt also fast immer direkt danach wieder im Gras fest und kann ohne Traktionskontrolle kaum beschleunigen, zumal die Flächen abseits des primären Asphaltbandes in MotoGP 10/11 auch noch die nervige Angewohnheit haben einen künstlich einzubremsen.

Und noch etwas funktioniert nicht immer so wie es sollte. Die Rede ist hier von den Markierungen der Ideallinie. Wie gehabt könnt ihr während des gesamten Spielverlaufs Prestige-Punkte sammeln um euren Statuslevel zu erhöhen und so im Spiel voranzukommen. Unter anderem geht das durch das perfekte Fahren auf der Ideallinie und das funktioniert normalerweise so: Das Spiel setzt auf dem Kurvenverlauf drei Tore, welche die optimale Linie markieren und passiert werden müssen um Punkte zu kassieren. In MotoGP 10/11 funktioniert das aber nicht immer reibungslos. Manchmal ertönt zwar der passende Sound, aber die Punkte werden nicht verbucht, manchmal bekommt man Punkte obwohl die Tore knapp verpasst wurden und nicht selten verschwinden die Tore einfach so, obwohl man sich mitten auf der Ideallinie bewegt.

Mehr Realismus

MotoGP 10/11
Vielfältige Tuningoptionen für das MotoGP-Bike
© Capcom

Zumindest in Sachen Fahrphysik scheinen die Programmierer die zwölf Monate gut genutzt zu haben, denn wo MotoGP 09/10 sich mit reinrassiger Arcade-Rennerei begnügte, offeriert der Jahrgang 10/11 nun immerhin zahlreiche Optionen für erfahrene Rennspieler um mehr Realismus zu entfesseln. Es gibt nun deutlich mehr Einstellungsmöglichkeiten, um den Realismusgrad zu justieren. Neben Traktionskontrolle und ABS kann man nun auch die Gewichtsverlagerung des Fahrers manuell steuern und zusätzliche Hilfen, wie Bremsautomatik und einen Anti-Wheelie-Schutz, hinzu- oder abwählen.

Komplett von diversen Assistenten befreit, entfaltet sich ein deutlich vielfältigeres und herausfordernderes Fahrverhalten als im direkten Vorgänger. High-Sider stehen zwar nicht unbedingt an der Tagesordnung, sind aber zumindest tatsächlich möglich und insbesondere aus langsamen Kurven heraus ist ein gefühlvoller Gasfuß gefragt. Viel Gefühl braucht man aber auch deshalb, weil das Spiel nachwievor eine relativ sensible Lenkung besitzt die schwierig zu dosieren ist und gleichzeitig auch vergleichsweise wenig Feedback vermittelt wie weit am Limit man sich bewegt. Vibrationseffekte gibt es nämlich nur auf den Randsteinen und dahinter zu spüren.

Großveranstaltung

MotoGP 10/11
Auswahlbildschirm des Teampersonals
© Capcom

Mit seinem verbesserten Handling kommt MotoGP 10/11 natürlich besonders den vielen alten Hasen unter den Fans von Motorradrennspielen entgegen und ein leistungsfähiger Mehrspielerbreich sorgt dafür, dass ihr eure Fähigkeiten auch angemessen miteinander messen könnt. An einer Konsole sind immerhin zwei Spielerduelle im Splitscreen möglich. In ein Online-Rennen passen dagegen satte 20 Spieler auf einmal. Allerdings muss man anmerken, dass das die Vorjahresversion auch schon konnte und es auch darüber hinaus keine erheblichen Erweiterungen auf dieser Ebene gibt.

Außer den grundlegenden Wahlmöglichkeiten, also automatisches Matchmaking oder eine Session nach eigenen Vorgaben zu suchen beziehungsweise aufzusetzen, gibt es keine weiteren Spielmodi, was schon ein bisschen merkwürdig erscheint, immerhin hat sich Monumental Games doch im Einzelspielermodus so viel Mühe gegeben das reine Rennfahren zu erweitern. Ebenfalls wieder mit dabei und eine weitere Stärke des Spiels ist das umfangreiche Ranglistensystem, dem keine schnelle Runde entgeht.

Schnelllader

MotoGP 10/11
Fahrer, Strecken und Daten von 2011 werden per kostenlosem DLC nachgeliefert
© Capcom

Gerade in technischer Hinsicht ist eine derart kurze Entwicklungszeit natürlich eine nicht unerhebliche Hypothek und so ergibt sich, auch wenn sich der Look des Spiels schon deutlich gewandelt hat, qualitativ gesehen kein wesentlicher Unterschied zum Vorgänger. MotoGP 10/11 sieht einfach etwas seriöser aus, als sein vielleicht etwas allzu bunter, poppiger Vorläufer. Nachwievor gehört das Geschwindigkeitsgefühl zu den Stärken. Ebenfalls erfreulich sind die beinahee rekordverdächtigen Ladezeiten. Schon ohne die optionale Installation auf der PS3 HDD dauert der Sprung vom Menü ins Rennen nur wenige Sekunden.

Mit Installation geht es natürlich nochmal schneller, aber, dass es so schnell geht, dafür gibt es natürlich einen Grund und den sieht man eigentlich permanent, nämlich in der Texturqualität. Während Asphalt, Gras und Kies im Stand noch relativ hoch aufgelöst wirken, verwischt dieser Eindruck in Bewegung unter dem allzu wirkungsvollen Unschärfefilter. Die Texturen der Lederkombis und Bikes, von Werbetafeln und auch den Landschaften neben der Strecke sind dagegen von Grund auf eher langweilig und nicht selten grob aufgelöst.

Immerhin kann man MotoGP 10/11 im direkten Vergleich mit seinem Prequel eine erhöhte Tiefenschärfe attestieren. Die Dreckeffekte, die nach einem Ausritt ins Grüne auf der Mattscheibe kleben bleiben, sind aber immer noch sehr grobkörnig und damit eher unansehnlich.

Alles Neu

Auf Seiten der Soundkulisse gibt es zwei Neuigkeiten zu vermelden. Zum einen hat man anscheinend den Synchronsprecher, der uns nunmehr professionell durch das Spiel begleitet und mit Rat und Tat zur Seite steht, ausgetauscht. Damit fällt die Betonung dieses Mal zwar deutlich seriöser aus, inhaltlich macht das aber im Grunde keinen Unterschied, weil die Texte exakt gleich geblieben sind. Ähnlich lässt sich der Soundtrack zusammenfassen, der zwar mit frischen Songs bestückt wurde, aber vom Stil her genau in die gelbe Kerbe schlägt wie im vergangenen Jahr.

Das allein wäre nicht schlimm, schließlich passen die Elektro- und House-Beats wirklich gut zum Geschehen auf dem Bildschirm, es ist nur schade, dass Freunde anderer Musikrichtungen noch immer nicht auf eigene MP3s zurückgreifen können. Was die Motorensounds angeht, lassen sich keine deutlichen Veränderungen heraushören, aber zumindest das lächerlich klingende Reifenquietschen bei Vollbremsungen ist verschwunden. Insgesamt wirkt der Sound dieses Mal eine ganze Ecke gediegener und erspart sich die meisten der Peinlichkeiten die im Vorjahr noch zum einen oder anderen unfreiwilligen Lacher geführt haben.

Fazit:

Fassen wir zusammen und greifen einmal unsere eingangs aufgestellte Frage, wie viel Innovation innerhalb eines Kalenderjahres überhaupt machbar ist, exemplarisch anhand von MotoGP 10/11 auf. Die Spielmodi: Quasi deckungsgleich mit denen des Vorjahres. Der Arcade-Modus heißt jetzt anders und die Karriere kann man jetzt mit einem Freund auch via Splitscreen bestreiten. Die Technik: Neue, etwas realistischere Farbgebung und minimale Optimierung der Bildqualität, sowie frische Sprachausgabe und Hintergrundmusik. Die Spielmechanik: Erlaubt sich immer noch den ein oder anderen Fauxpas, insbesondere KI und Rücksetzassistent sollten dringend überarbeitet werden.

Die einzige richtig große Veränderung zum Vorgänger findet unter der Haube statt, im Fahrverhalten. Die Physik erlaubt nun viel mehr Rutscher und Bewegungen im Fahrverhalten und macht das Racing so gerade für erfahrene Rennspieler viel interessanter. Dabei sei aber auch erwähnt, dass MotoGP 10/11 deswegen noch lange keinen neuen Maßstab für Motorradsimulationen setzt. Dennoch könnte das stark verbesserte Handling so gerade bei den viel versprechenden Online-Rennen mit bis zu 20 Fahrern und natürlich in Kombination mit den neuen Saisondaten für die entscheidende Motivation sorgen.

Da ist es also wieder, das gefürchtete Jahres-Update. Trotz verheißungsvollem Doppelnamen verfällt Monumental Games hier doch zumeist dem alljährlichen Trott und schiebt nur wenige Verbesserungen, die wertvollste davon definitiv das Fahrverhalten, nach. Und so lautet die Frage, die man sich als MotoGP-Fan stellen muss, ob einem das den vollen Preis wirklich wert ist, insbesondere, wenn man schon im Besitz des Vorgängers ist.

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