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Neel Jani fährt 2017/18 für Dragon: "Ein richtiges Rennauto!"

25. August 2017 - 10:52 Uhr

Porsche-Werksfahrer Neel Jani wird in der Formel-E-Saison 2017/18 für Dragon an den Start gehen: Erster offizieller Test am Sonntag und Montag in Spanien

Neel Jani
Neel Jani absolvierte einen inoffiziellen und geheimen ersten Formel-E-Test in Spanien
© Neel Jani/privat

(Motorsport-Total.com) - Nach der Bekanntgabe von Porsche, sich mit Ablauf der diesjährigen Saison der Langstrecken-Weltmeisterschaft (WEC) 2017 aus der LMP1-Szene zurückzuziehen, sind zahlreiche hochkarätige Piloten auf der Suche nach einer zukünftigen Beschäftigung. Als erster Fahrer aus dem Porsche-Kader hat Neel Jani seinen Weg festgelegt. Der Schweizer, Le-Mans-Sieger und Weltmeister von 2016, wird in der neuen Formel-E-Saison für Dragon an den Start gehen.

"Ich habe mich immer schon ein wenig für die Formel E interessiert, schon seit dem ersten Jahr", sagt Jani im Interview mit 'Motorsport-Total.com'. "Weil ich aber gerade frisch zu Porsche gekommen war und wir in die LMP1 gingen, hat sich das damals nie ergeben, dass ich Formel E fahre. Nun gab es die Bekanntgabe von Porsche, dass sie zum Ende des Jahres aus der LMP1 aussteigen. Man konnte vorher schon etwas erahnen, was passieren wird. Dementsprechend habe ich etwas vorgearbeitet. Ich habe mich umgehört."

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Jani hatte Kontakt zu mehreren Teams der Szene. Für den 33-Jährigen stellte sich eine grundlegende Frage: Vertrag bei einem Privatteam, oder Engagement in einem Werksteam der Szene? Die Wahl fiel auf Dragon, weil die sportlichen Voraussetzungen optimal sind, um im Schatten der Topteams erste Erfahrungen zu sammeln. Gleichzeitig hätte ein Werksvertrag bei DS oder anderen Mannschaften womöglich einer weiteren Arbeit für Porsche im Weg gestanden.

Bewusste Entscheidung für ein Privatteam in der Formel E

"Schließlich ist es nun also Faraday Future Dragon Racing. Jay Penske hatte mich per Mail kontaktiert und mich gefragt, ob ich das Auto testen möchte. Diesen Test habe ich wahrgenommen, vor zwei Wochen in Calafat in Spanien", sagt Jani über die Anbahnung des neuen Deals. "Es war natürlich ganz anders als ein LMP1-Auto. Von der Power her kann man die Autos überhaupt nicht vergleichen. Im ersten Moment ist es etwas seltsam. Man steigt ein, hat kein Motorengeräusch. Beim Fahren hörst du nur den Wind."

"Der Sound fehlt zwar, aber das Auto fährt sich wie ein richtiges Rennauto. Das hat sich gut angefühlt. Genau das ist es, was ein Fahrer immer sucht", beschreibt der Schweizer. "Formel E ist die Zukunft, aber ich habe mich gleichzeitig um ein paar Jahre zurückversetzt gefühlt. Die Power erinnert einen eher an Formel Renault oder Formel 3. Aber es fährt sich wunderbar. Das Auto ist agil, lenkt schön in die Ecken rein. Daher konnte ich mich ganz schnell daran gewöhnen."

Die Erfahrungen aus der LMP1 kamen Jani bei den ersten Testfahrten in Spanien zugute. Das Energiemanagement spielt in beiden Serien einen erhebliche Rolle. "Ich habe beim Test einen Rennstint simuliert. Dabei muss man sehr oft weg vom Gas, man muss viel segeln. Das kennen wir aus der LMP1 ganz genau. Allerdings sind die Systeme in der Formel E viel simpler als im Porsche 919. LMP1 ist extrem ausgefeilt, bis ins allerletzte Detail. Soweit ist die Formel E noch nicht. Wenn wir aber auf die Kurve zusegeln, ist es gleich. Die einen sparen Benzin, die anderen Strom. Der Ablauf ist der gleiche."

"Was interessant und etwas schwierig ist: Wenn du einen Qualirun mit dem Formel-E-Auto fährst, dann hast du überhaupt kein Segeln", wundert sich der schnelle Schweizer nach seinen ersten Formel-E-Runden. "In der LMP1 ist das anders. Dass man plötzlich einfach komplett Vollgas fahren kann im Formel E verändert das gesamte Fahrverhalten des Autos. Fahrerisch werden Rennen und Qualifying dann zwei komplett verschiedene Welten."

Lernen bei Dragon, ab 2019/20 attackieren mit Porsche?

Mit weiteren Testfahrten in Calafat am kommenden Sonntag und Montag wird sich Jani weiter auf seine neue Herausforderung vorbereiten. Die Saison 2017/18 startet mit dem ersten Rennen in Hongkong am 3. Dezember. "Ich gehe aufgrund dessen, wie die vergangene Saison für Dragon gelaufen ist, nicht davon aus, dass ich es sofort mit Sebastien Buemi und Co. aufnehmen kann. Ich würde gern ein paar Mal auf das Podium steigen, wenngleich das schwierig wird. Das muss aber mein Ziel sein."

Zwei Jahre dauert es noch, bis Janis aktueller Arbeitgeber Porsche werksseitig in die Formel E einsteigt. Ist die Zukunft des 33-Jährigen somit vorgezeichnet? Lernen bei Dragon, ernten bei Porsche? "Möglich ist alles, oder?", lacht Jani. "In den kommenden Jahren wird die Formel E die Serie neben der Formel 1 sein, die am meisten einen Boom erleben wird. Das müsste allen klar sein. Ich habe ohnehin noch einen Porsche-Vertrag für das kommende Jahr. Über alles weitere werden wir Ende des Jahres mal sprechen."

"Jetzt fahren wir erst einmal die WEC-Saison zu Ende, dann wird sich alles ergeben. Ich halte es für einen Vorteil, dass ich bei Dragon lernen kann. Das Team hat eine schwierige Saison hinter sich, die Erwartungen sind demnach nicht allzu hoch", sagt Jani, der damit rechnet, 2017/18 Jerome D'Ambrosio als Teamkollegen zu haben. "Um auf den Ausgangspunkt zurückzukommen: Ich möchte noch länger bei Porsche bleiben, ganz klar."

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