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Wer letzte Nacht am schlechtesten geschlafen hat

Wie Maurizio Arrivabene hinter vorgehaltener Hand verspottet wird und warum seine Entlassung als Ferrari-Teamchef nach Malaysia immer näher rückt

Maurizio Arrivabene und Sergio Marchionne, Maranello, November 2014

Maurizio Arrivabene und Sergio Marchionne hatten schon bessere Zeiten Zoom

Liebe Leser,

nach dieser Galavorstellung beim Grand Prix von Malaysia wäre es ein Unding, Sebastian Vettel schon wieder (zum vierten Mal in dieser Saison) schlecht schlafen zu lassen. Auch wenn ihm die Formel-1-WM 2017 langsam durch die Hände gleitet. Und trotzdem ist es naheliegend, den Verlierer des Wochenendes im Ferrari-Umfeld zu suchen.

Noch am Sonntagabend flatterte mir der Inhalt der heutigen Kolumne quasi von selbst zu. "Maurizio Arrivabene ist erledigt", wurde mir da gesagt. Soll heißen: Die Tage des Italieners als Ferrari-Teamchef sind gezählt. Vielleicht noch nicht heute, vielleicht noch nicht vor Suzuka. Aber es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis Arrivabenes Ablaufdatum überschritten ist.

Es mag auf den ersten Blick ungewöhnlich anmuten, dass der 60-Jährige gefeuert werden soll. Aber Ferrari-Oberboss Sergio Marchionne ist keiner, mit dem gut Kirschen essen ist, und nach den jüngsten Pleiten in Monza, Singapur und Sepang scheint sein Geduldsfaden zu reißen.

Bereits nach dem Heimspiel in Monza hatte Marchionne getobt, dass Ferrari es "versaut" habe ("screwed up"). Das sind klare Worte von einem Mann in seiner Position, und Männer in Marchionnes Position haben es so an sich, dass sie sich klare Worte gut überlegen und meist auch etwas damit bezwecken wollen.


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Im Nachhinein betrachtet war Monza wohl ein Warnschuss an Arrivabene und sein Team. Im Machtmänner-Englisch: "Get your act together! Now."

Dann kam in Singapur jener verheerende Crash, der Ferrari einen möglichen Doppelsieg gekostet hat. Nicht Arrivabenes Fehler, könnte man sagen, sondern wenn überhaupt, dann am ehesten noch Vettels.

Aber Insider zwitschern, dass es Ferrari verabsäumt, mögliche Startkonstellationen vor den Rennen zu besprechen. Das wäre wohl am ehesten eine Aufgabe für Jock Clear. Aber wenn die Herren Clear und Vettel Fehler machen, ist in letzter Instanz Arrivabene dafür verantwortlich. So wie auch bei mir als Chefredakteur das Telefon klingelt, wenn einer meiner Redakteure Mist baut.

Und jetzt also Sepang. Wieder ein möglicher Doppelsieg verschenkt. Marchionne muss getobt haben, als Vettels brandneuer Motor in Q1 den Geist aufgab. Dass die gebrauchte Antriebseinheit (die hoffentlich gerettet werden kann) nach FT3 ausgebaut werden musste, ist eine Sache. Kann passieren. Aber dass Ferraris WM-Anwärter Nummer 1 wegen eines schadhaften Krümmers im Verbrennungsmotor Letzter wird, das tut richtig weh.


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Dass dann tags darauf auch noch Kimi Räikkönen (mutmaßlich aus demselben Grund) die Riesenchance auf seinen ersten Saisonsieg verliert, könnte das Fass zum Überlaufen gebracht haben. Ich stelle mir gerade vor, wie das abgelaufen sein muss; Marchionne vor dem Fernseher, vielleicht mit ein paar Vertrauten um sich herum, in einem viel zu großen Ledersessel. "Damn, Maurizio", könnte er geflucht haben. Oder so ähnlich.

Arrivabene, das wissen wir, kam im November 2014 anstelle des ungeliebten Marco Mattiacci zu Ferrari. Von Philip Morris. Als Marlboro-Vizepräsident war er Hauptverantwortlicher für das Ferrari-Sponsoring (das übrigens trotz Tabakwerbeverbot gerade verlängert wurde), und so landete er irgendwie in Maranello.

Seine alten Connections zu Philip Morris hätten Arrivabenes Lebensversicherung sein können. Man schmeißt nicht gern jemanden raus, von dessen Topf man jahrelang gefressen hat (und der wieder in einflussreicher Position zu Philip Morris zurückkehren könnte). Doch die Sache hat einen Haken: Eines der Vorstandsmitglieder von Philip Morris heißt - genau - Sergio Marchionne.

Ferrari, das war schon immer ein Haufen von Intrigen, Eifersüchteleien und Machtspielchen. Lange Jahre hatten in Maranello nicht die fähigsten Köpfe das Sagen, sondern die, die die politische Klaviatur am besten spielen konnten. Besonders schlimm war das zur Zeit, als der alte Enzo Ferrari noch lebte. Da waren die am mächtigsten, die am besten mit dem "Commendatore" konnten.


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Einen Hauch davon gibt es wieder in der Gestione Sportiva. Weil gespurt wird wie früher, wenn der Alte etwas sagt. Nur ist "der Alte" heute Sergio Marchionne und nicht mehr Enzo Ferrari. Zwei Männer, die sich in vielerlei Hinsicht ähnlich sind. In einem Punkt ganz besonders, nämlich was ihre machtvolle und respekteinflößende Aura angeht. Man ist nicht gut Kumpel mit einem Enzo Ferrari oder einem Sergio Marchionne.

Maurizio Arrivabene ist ein gutmütiger Kerl. Einer, der mit frischem Wind zu Ferrari kam. Viel von seinem anfänglichen Enthusiasmus konnte er nicht über die Jahre retten - ein "Obama-Effekt" auf viel kleinerem, unbedeutenderen Niveau.

Arriva-"bene" (zu Deutsch: bene = "gut"): Der Name war eine Zeit lang Programm. Das ist inzwischen anders. In Maranello verspotten sie ihn jetzt als Arriva-"male".

Das muss man nicht übersetzen ...

Christian Nimmervoll

Ihr

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