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Lotus: Freud und Leid beim Reifenpoker

Grosjean zockte richtig, Räikkönens Strategie gründlich daneben - Boullier ambitioniert: "Podium wäre möglich gewesen"

(Motorsport-Total.com) - Lotus muss weiter auf den großen Durchbruch warten: Beim Großen Preis von China am Sonntag platzierten sich Romain Grosjean auf Rang sechs und Kimi Räikkönen auf dem 14. Platz. Während der Franzose sich kontinuierlich durch das Feld arbeitete, durfte der "Iceman" zwischenzeitlich von einer Podiumsplatzierung träumen - ehe sein letzter Satz der härteren Pirelli-Mischung völlig einbrach und Räikkönen durchgereicht wurde. "Wir waren wohl etwas zu aggressiv mit unserer Strategie", meint Teamchef Eric Boullier. "Wir hatten nicht erwartet, dass der Reifen so stark abbauen würde."

Romain Grosjean, Sebastian Vettel

Der Durchbruch für Grosjean? In China gab es erstmals WM-Punkte für den Franzosen

Immerhin ging das Lotus-Konzept bei Grosjean auf, der die ersten WM-Punkte der Saison seiner Karriere einfuhr. "Es war ein sehr gutes Rennen, das ich genossen habe", freut sich der amtierende GP2-Champion. "Leider habe ich im Zweikampf mit Mark Webber einen kleinen Fehler gemacht, aber alles in allem war es eine gute Leistung." In den ersten zwei Rennen hatte der Neuzugang noch mehr Kleinholz als Zähler produziert. Umso größer ist die Erlösung, dass in Shanghai endlich der Knoten platzte: "Wir hatten die Hoffnung, seitdem ich in Melbourne auf dem dritten Startplatz stand. Dort oben mit McLaren und Red Bull zu kämpfen ist ein großartiges Gefühl."

Lob für Grosjean

Schulterklopfer gibt es auch von Einsatzleiter Alan Permane: "Von Startplatz zehn auf die sechste Position vorzufahren - im Zweikampf mit Autos dieses Kalibers - zeugt von einer reifen Leistung. Für die Zukunft sieht es gut aus." Eric Boullier sieht noch Luft nach oben, schließlich hätten seinem Piloten ein langsamer Boxenstopp und das Missgeschick im Duell mit Webber zwei Positionen gekostet. Dennoch betont der Teamchef, dass sein Pilot das beste aus diesen Situationen gemacht hätte: "Sein Tempo war beeindruckend konstant."

Anders sah das Rennen von Räikkönen aus, der sich im Reifenpoker gründlich verzockte. "Wir haben versucht, eine Zwei-Stopp-Strategie zu fahren. Es sah danach aus, als sei das die schnellste Variante", erklärt der Finne die Überlegung hinter dem strategischen Manöver, das ihn zwischenzeitlich auf Rang zwei spülte - ehe das Vorhaben gründlich misslang, weil der Pneu zehn Runden vor Schluss einbrach und der Lotus nur noch über die Strecke rutschte. Als Sebastian Vettel dann an Räikkönen vorbeizog, überholten ihn zehn Autos binnen einer Runde. "Was bei Romain funktioniert hat, ist bei Kimi nicht aufgegangen", stellt Boullier fest.

Nur mit Punkten nicht zufrieden

"Wir haben im Rennen ein gutes Tempo vorgelegt, eine andere Strategie ausprobiert und es hat sich nicht ausgezahlt. So einfach ist das", lautet die nüchterne Bilanz des Ex-Weltmeisters, der zwischenzeitlich hinter Felipe Massa festhing und nicht den nötigen Speed hatte, um an dem Ferrari vorbeizugehen. "Selbst wenn ich ihn überholt hätte: Einen großen Unterschied im Endklassement hätte es wohl nicht bedeutet", relativiert Räikkönen die Bedeutung des Zweikampfes mit seinem früheren Teamkollegen.


Fotos: Lotus, Großer Preis von China, Sonntag


"Nach den Rückschlägen ist es an der Zeit, die Ziele noch etwas höher zu setzen. Es gibt immer Raum für Verbesserungen", sagt ein zuversichtlicher Grosjean mit Blick auf die Top 5 - und sogar auf das Podium. Auch Boullier zeigt sich ehrgeizig: "Es wird umso frustrierender für uns, desto näher wir dran sind, ein sehr gutes Resultat zu erzielen." Den ambitionierten Ankündigungen schließt sich der Einsatzleiter an: "Hoffentlich lernen wir aus dem Wochenende und reisen in Bahrain mit einem besseren Auto und einem besseren Verständnis für die Reifen an", blickt Permane auf das Rennen auf der arabischen Halbinsel voraus.

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