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Formel-1-Simulatoren: Testfahrt im Labor

Nick Fry sieht die Abkehr von Testfahrten nicht als Nachteil und ist überzeugt von den Möglichkeiten der modernen Formel-1-Simulatoren

(Motorsport-Total.com) - Testfahrten der Formel 1 gehören fast schon zu einer bedrohten Spezies. Seit Jahren werden sie immer weiter beschränkt, in der kommenden Saison stellen die lediglich zwölf Testtage vor Saisonbeginn einen neuen Negativrekord dar. Dafür verlagert sich die Testarbeit immer mehr in die Simulatoren in den Fabriken der Formel-1-Teams. Was von einigen Fahrern und Team - allen voran Ferrari - kritisiert wird, findet im Fahrerlager der Formel 1 aber auch Befürworter.

Tests finden heutzutage mehrheitlich in Simulatoren statt

So erkennt Nick Fry, Geschäftsführer bei Mercedes, darin eine allgemeine Entwicklung: "Was sich in der Formel 1 abspielt, ist ein Spiegelbild anderer Technologie-Branchen." Der Brite erinnert sich in diesem Zusammenhang gerne an seine ersten Jahre in der Automobilbranche zurück:

"Als ich 1977 bei Ford angefangen habe, wurden zahllose Prototypen gebaut, da es keine Möglichkeiten gab zu simulieren, was die Kunden erfahren werden. Wir bauten Hunderte von Fahrzeugen, die auf Teststrecken in aller Welt gefahren wurden. Von heißen Wüsten bis hin zu extrem kalten Bedingungen. Das war sehr teuer."

Formel 1 folgt dem Trend

Aus diesem Grund würden Autohersteller daher schon lange verstärkt auf Simulationen setzen: "Wenn das Auto dann tatsächlich auf der Straße getestet wird, wurde der Großteil der Arbeit schon am Computer, auf einem Prüfstand oder in einem Simulator erledigt." Genau die gleiche Entwicklung sieht Fry im Motorsport: Die Formel 1 bewegt sich in die gleiche Richtung. Alleine schon deshalb, weil wir die Kosten reduzieren müssen."

Statt auf Rennstrecken rund um die Welt, findet ein Großteil der Entwicklung heutzutage in den Hightech-Simulatoren der Teams statt: "Den könnte man vielleicht als 'gedopte' PlayStation bezeichnen, aber es ist eine sehr teure PlayStation, die mehrere Millionen britische Pfund kostet", witzelt Fry. "Das Chassis bewegt sich dort in verschiedene Richtungen."

"Zwar nicht bis zum Anschlag, aber wir haben im Laufe der Jahre die Erfahrung gemacht, dass die Fahrer physische Rückmeldungen brauchen, damit sie den Eindruck gewinnen, in einem echten Auto zu sitzen", erklärt der Mercedes-Geschäftsführer. "Der Raum ist vollkommen dunkel, lediglich der große Bildschirm, der die Wirklichkeit sehr genau abbildet, ist erleuchtet. Da hilft den Fahrern dabei sich vorzustellen, dass sie in einem echten Rennauto auf einer echten Strecke fahren."

Parallelprogramm im Simulator

An den Rennwochenenden spielt sich in Brackley das immer gleich Ritual ab: "Sobald während des Freien Trainings das Auto auf die Strecke geht, fährt es auch in der Fabrik in England virtuell aus der Box. Am Freitagabend und in der Nacht werden dann aufgrund der Erkenntnisse an der Strecke im Simulator verschieden Abstimmungsvarianten ausprobiert", so Fry. "Die dabei gewonnenen Erkenntnisse wenden wir dann am Samstag auf der Strecke an, und erzielen dabei eine sehr hohe Übereinstimmung."

Nicht nur aus diesem Grund ist Fry von den Simulatoren überzeugt. Auch der finanzielle Aspekt spricht dafür: "Das ist wesentlich günstiger und in vielerlei Hinsicht akkurater als echte Testfahrten." Denn im Simulator besteht die Möglichkeit, unter Laborbedingungen zu testen. "Auf der Teststrecke ist man von vielen Variablen wie dem Wetter und den Streckenbedingungen abhängig. Im Simulator kann man unter perfekten Bedingungen testen", so Fry.

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