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2014: Ein Abu-Dhabi-Grand-Prix für die Ewigkeit

Big Trouble durch "Abu Double": Wie es 2014 zum kuriosen WM-Showdown mit doppelten Punkten kam und am Ende ausgerechnet Champ Mercedes dafür bezahlte

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Willkommen in Abu Dhabi, willkommen im Reich von 1.001 Nacht. 2009 macht sich die Formel 1 erstmals auf in das neue Prunkstück des Kalenders - dem Rennen auf dem Yas Marina Circuit. Auf der Yas-Insel in den Vereinigten Arabischen Emiraten haben die Verantwortlichen keine Kosten und Mühen gescheut, um den Grand Prix zu einem der aufsehenerregendsten zu machen. Auf und neben der Strecke sieht alles edler als edel aus. Sogar unter einem Hotel müssen die Piloten hindurch fahren.
Willkommen in Abu Dhabi, willkommen im Reich von 1.001 Nacht. 2009 macht sich die Formel 1 erstmals auf in das neue Prunkstück des Kalenders - dem Rennen auf dem Yas Marina Circuit. Auf der Yas-Insel in den Vereinigten Arabischen Emiraten haben die Verantwortlichen keine Kosten und Mühen gescheut, um den Grand Prix zu einem der aufsehenerregendsten zu machen. Auf und neben der Strecke sieht alles edler als edel aus. Sogar unter einem Hotel müssen die Piloten hindurch fahren.

(Motorsport-Total.com) - Der Yas Marina Circuit ist in der Formel 1 nicht für die spektakulärsten Rennen aller Zeiten bekannt. Dennoch hat der Kurs in der 67-jährigen Geschichte des Grand-Prix-Sports ein absolutes Alleinstellungsmerkmal: Ein einziges Mal wurden auf der künstlich aufgeschütteten Insel im Jahr 2014 doppelte WM-Punkte vergeben, als Nico Rosberg und Lewis Hamilton um den ersten Mercedes-WM-Titel seit Juan Manuel Fangio im Jahr 1955 kämpften.

Der Shitstorm ließ damals nicht lange warten, denn die Formel 1 hatte sich 2014 bereits mit den als "Rasenmäher" geächteten V6-Turbo-Hybridmotoren, dem Funkverbot und dem Spritsparen bei vielen Puristen in die Bredouille gebracht. "Die jüngste Regel von doppelten Punkten beim WM-Finale, das ist doch der reine Irrsinn", kam 'Motorsport-Total.com'-"Kolumnist" Eddie Irvine damals gegenüber dem 'Belfast Telegraph' ordentlich in Rage. "Ich habe beschlossen: ich schaue so lange keine Rennen mehr, bis dieser Schwachsinn wieder gestrichen wird."

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Die Entscheidungsträger seien "komplett durchgeknallt" und hätten "jeglichen Sinn für Realität" verloren. Die Formel 1 sei damit endgültig auf Hollywood-Niveau angekommen. Höchste Zeit also, aufzurollen, wie es damals tatsächlich zu dieser kuriosen Regelung kam, die nur einmal in Kraft trat und heute von vielen schon wieder vergessen wurde. Denn am Ende wollte niemand wirklich dafür die Verantwortung übernehmen.

Ecclestone: Nach Olympia vom Tennissport inspiriert

Schon in den Jahren davor machte sich der damalige Formel-1-Boss Bernie Ecclestone am Punktesystem zu schaffen: 2003 reagierte der Brite auf die enorme Dominanz von Ferrari und Michael Schumacher und wertete Platz zwei auf, für den es fortan acht statt sechs Punkte gab, damit die WM nicht schon zu Saisonmitte in Frankreich entschieden ist.

Dann folgte die Reform 2010, die seitdem Punkte für die Top 10 vorsah und den Sieg wieder aufwertete, damit die Piloten risikofreudiger agieren. Im Vorfeld dieser Änderung, die auch heute noch ihre Gültigkeit hat, sorgte Ecclestone mit einem besonders kuriosen Vorschlag für hochgezogene Augenbrauen: Er wollte nach Vorbild Olympia Gold-, Silber- und Bronze-Medaillen einführen. Weltmeister wäre der Pilot mit den meisten Medaillen geworden. Die Idee wurde allerdings von den Teams abgeschmettert.

Zwei Jahre später deutete Ecclestone erstmals an, dass er gewissen Rennen nicht nur in Sachen Prestige, sondern auch sportlich einen höheren Stellenwert verleihen will. Diesmal war es nicht Olympia, sondern der Tennissport, der ihn zu diesem Gedanken inspirierte. Der Geistesblitz? Ein Formel-1-Grand-Slam!

Vettel-Dominanz: Ecclestone laufen die Zuseher davon

Auch im Tennis gäbe es ständig neue Turniere, meinte Ecclestone 2012 gegenüber 'auto motor und sport', "der Grand Slam aber bleibt ein Fixpunkt." Er arbeite bereits an einem System für die Formel 1, bei dem ähnlich wie im Tennis Melbourne, Roland Garros, Wimbledon und Flushing Meadows die Klassiker einen besonderen Stellenwert haben. Dabei fallen Namen wie Monaco, Silverstone, Spa-Francorchamps oder Monza. "Und wenn es so weit kommt, dann würde es mehr Punkte für diese Grand-Slam-Rennen geben."

Als im Jahr darauf Sebastian Vettel mit Red Bull die Formel 1 ähnlich wie einst Schumacher in Grund und Boden siegte und alle Rennen der zweiten Saisonhälfte 2013 für sich entschied, sah Ecclestone den Moment gekommen: Die TV-Zuschauerzahlen brachen gegen Saisonende dermaßen weg, dass sich etwas ändern musste.

Und so modelte er die Idee um: Statt eines Grand-Slams wollte Ecclestone ab 2014 bei den letzten drei Saisonrennen in Austin, Interlagos und Abu Dhabi doppelte Punkte einführen. Das würde im Grunde garantieren, dass die WM bis zum Saisonfinale auf dem Yas Marina Circuit offen bleibt. Doch die Teams zeigten Widerstand gegen diese Regelung. Und so einigte man sich auf den Kompromiss, dass es die doppelten Punkte nur beim Saisonfinale in Abu Dhabi gibt.

Beschluss sorgt für Shitstorm

Als am 9. Dezember 2013 die Beschlüsse der Formel-1-Kommission per Pressemitteilung kommuniziert wurden, trauten Journalisten und Fans ihren Augen nicht: Die Entscheidung der doppelten Punkte wurde damit gerechtfertigt, so "einen maximalen Fokus auf die Weltmeisterschaft bis zum Saisonende" garantieren zu können.

"Plötzlich zählt ein vierter Platz in Abu Dhabi fast genauso viel wie ein Sieg in Monaco."
Adrian Newey

Doch mit dem folgenden Shitstorm hatte niemand gerechnet. "Das ist ja, als würde man beim Fußball sagen, in den letzten fünf Minuten zählt das Tor doppelt", schimpfte Vettel, der die vergangenen vier Weltmeisterschaften für sich entschieden hatte. Hauptkritikpunkt: Ein Rennen, das sich eigentlich von den Rahmenbedingungen nicht von den anderen Läufen unterscheidet, hat plötzlich eine doppelt so große Bedeutung.

"Da zählt dann plötzlich ein vierter Platz in Abu Dhabi fast genauso viel wie ein Sieg in Monaco", brachte es Red-Bull-Stardesigner Adrian Newey auf den Punkt. Und auch der Mercedes-Aufsichtsratsvorsitzende Niki Lauda sponn gegenüber 'ServusTV' ein drohendes Szenario: "Wenn du im letzten Rennen einen Plattfuß hast, kann das die WM entscheiden, weil es dort doppelte Punkte gibt. Das ist absolut unlogisch."

Doppelte Punkte gleich bei drei Rennen?

Ecclestone habe aber darauf bestanden, "weil er gesagt hat, er braucht die TV-Zuschauer bis am Ende. Die sind ihm weggebrochen, weil der Herr Doktor Marko so erfolgreich war und Sebastian so früh Weltmeister war." Doch die negativen Reaktionen ließen die Stimmung erneut kippen. So forderte Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff, die Angelegenheit noch einmal zu überdenken: "

"Jetzt nach den Testfahrten, wo gewisse Prioritäten sich verändern haben, ist Mercedes plötzlich dagegen."
Helmut Marko

Und Mercedes-Motorsportchef Toto Wolff forderte, dass die Entscheidung noch einmal überdacht wird: "99 Prozent unserer Fans und Zuschauer haben gesagt, dass es falsch war." Also ging Ecclestone noch einmal aufs Ganze und versuchte, den Wunsch der Teams und Zuschauer zu erfüllen und nicht den kompletten Fokus auf Abu Dhabi zu legen. In einem Brief schlug er einmal mehr vor, dass bei den letzten drei Saisonrennen doppelte Punkte vergeben werden.

Doch im Februar 2014 tobten bereits die ersten Testfahrten, und während bei Mercedes alles wie am Schnürchen lief, fuhr Titelverteidiger Red Bull von Panne zu Panne. Kein Wunder, alsodass Red Bull plötzlich Feuer und Flamme für die Idee war, drei Mal am Saisonende doppelte Punkte zu vergeben, während Erzfeind Mercedes dies unbedingt verhindern wollte. "Wenn schon doppelte Punkte, dann bei den letzten drei Rennen", forderte Red Bulls Motorsportkonsulent Helmut Marko gegenüber 'ServusTV'. Und sah vor allem die Silberpfeile als Blockierer: "Jetzt nach den Testfahrten, wo gewisse Prioritäten sich verändern haben, ist Mercedes plötzlich dagegen."

Ecclestone outet sich: Selbst kein Fan von "Abu Double"

Da das Reglement zu diesem Zeitpunkt längst verabschiedet war, hätte es allerdings Einstimmigkeit benötigt, um noch einmal eine Änderung zu erwirken. Und da man sich auch auf den Grand-Slam-Vorschlag, der von Ecclestone auch noch einmal ins Rennen geworfen wurde, nicht einigen konnte, blieb es dann doch bei "Abu Double". "Nur ein Rennen mit doppelten Punkten ist dumm, aber hätten wir drei, dann bräuchte jemand einen Vorsprung von 150 Punkten, um sich sicher sein zu können. Die Teams haben es aber nicht akzeptiert, weil sie verdammte Idioten sind", hatte Ecclestone die Schuldigen bereits ausgemacht.

Und tatsächlich geschah dann, was der ehemalige Formel-1-Zampano befürchtet hatte: Mercedes dominierte die Saison nach Belieben, auch wenn es bei einigen Rennen zu heißen Duellen zwischen den Stallrivalen Hamilton und Rosberg kam. Der Brite erwies sich meist als der schnellere Pilot, hatte aber auch einige Male Technikpech. Und so kam es, dass Hamilton trotz zehn Siegen gegen die fünf Triumphe seines Teamkollegen beim Saisonfinale den Titel noch nicht sicherhatte.

Doppelte Punkte und Rosberg-Pole: Hamilton unter Druck

Unter normalen Umständen hätte sich Rosberg vor dem Finale wegen eines Rückstands von 17 Punkten nur noch Außenseiterchancen ausrechnen dürfen: Selbst bei einem Sieg des Wiesbadeners hätte dem Briten ein sechster Platz gereicht. Doch durch die doppelten Punkte war die Lage deutlich brisanter: Gewinnt Rosberg wie in Sao Paulo, dann muss Hamilton unbedingt Zweiter werden, hieß es vor dem Finale.

Kein Wunder, dass Rosberg, der die Ausnahmestellung von Abu Dhabi im Vorfeld wie viele Kollegen als "zu künstlich" bezeichnet hatte, plötzlich provokant meinte: "Mir gefällt diese Regelung immer besser." Und prompt fuhr der Außenseiter im Qualifying auf die Pole-Position, wodurch beim Zweitplatzierten Hamilton die Nerven zunehmend zu flattern begannen.

Stets mit den Gedanken im Hinterkopf, dass er all diese Schwierigkeiten mit einem fairen Punktesystem nicht hätte. Denn selbst der Blick in die Vergangenheit zeigte, dass "Abu Double" alles auf den Kopf stellen könnte: Nicht nur Schumacher und Vettel hätten 2003 und 2012 ihre Trophäen an Kimi Räikkönen und Fernando Alonso abgeben müssen, sondern auch er selbst seine einzige WM-Krone aus dem Jahr 2008 an Felipe Massa.

Schlaflos vor dem Showdown

Das wirkte sich auf die Psyche aus: Hamilton hatte große Mühe, am Abend vor dem entscheidenden Rennen einzuschlafen. Erst um 1 Uhr kam er zur Ruhe, ehe er vier Stunden später schon wieder aufwachte. "Ich ging eine Runde laufen und ließ mir eine Massage geben", verriet der Brite, wie er versuchte, die Schlaflosigkeit sinnvoll zu nutzen. Beim Frühstück erlebte er eine Überraschung, als auch Vater Anthony Hamilton und dessen Ehefrau Linda sowie Bruder Nicholas plötzlich im Hotel auf ihn warteten.

"Ich wollte sie eigentlich schon hier bei mir haben, wusste aber auch, wie anstrengend das Wochenende sein würde. Deshalb wusste ich nicht, wie viel Zeit ich ihnen würde widmen können", erklärte er seine Beweggründe, doch alleine nach Abu Dhabi zu reisen. Bis zum Rennstart gelang es Hamilton, sich zu sammeln. Nun würde alles darauf ankommen, denn aus der Sicht des WM-Leaders durfte sich auf keinen Fall einer der beiden Williams von Valtteri Bottas und Felipe Massa zwischen die beiden Rivalen schieben. Die guten Topspeed-Werte des Mercedes-Kundenteams dienten Hamilton bereits als Warnung.

Hamilton legt Grundstein mit "Raketenstart"

Und so gelang ihm tatsächlich ein Traumstart: Der Brite schoss in Führung und beendete die erste Runde mit einem Vorsprung von 1,2 Sekunden auf Rosberg. "Ich glaube, das war der beste Start, den ich je hatte", frohlockte Hamilton. "Wie eine Rakete." Bis zur 22. Runde hatte Hamilton seinen Vorsprung auf 2,6 Sekunden vergrößert, ehe die Titelchancen des Stallrivalen zu schwinden begannen: Zuerst kam er nach einem Verbremser von der Strecke ab, dann klagte er über Boxenfunk über einen Leistungsverlust.

Tatsächlich verzeichnete er einen Defekt des Hybridsystems, der ihn bis zum Ende des Rennens auf Platz 14 zurückwarf. Massa konnte zwar gegen Rennende zu Hamilton aufschließen, durch Rosbergs Pech war dies aber ohnehin ohne Bedeutung. Der Wiesbadener, dessen Verhältnis zu Langzeit-Rivale Hamilton vor allem durch die Stallkollision in Spa merkbar abgekühlt war, zeigte sich sportlich fair und gratulierte Hamilton im Warteraum vor der Siegerehrung. Der neue Weltmeister revanchierte sich daraufhin auf dem Podest, als er Herausforderer Rosberg Respekt zollte.

Auf die sonst üblichen Sieger-T-Shirts verzichtete Mercedes aus Respekt vor der Crew Rosbergs. "Wir werden es den Verlierern im Team nicht zumuten, in einem so bitteren Moment so ein Shirt anziehen zu müssen", meinte Motorsportchef Wolff, der es sich nicht nehmen ließ, selbst auf das Podest zu klettern. Kein Wunder, schließlich waren mit Massa und Bottas zum ersten Mal seit 2005 auch beide Piloten seines Ex-Teams Williams vertreten.

Warum Mercedes "Abu Double" teuer kommt

Doch welche Auswirkungen hatten die doppelten Punkte am Ende? Nur geringfügige, denn abgesehen von Force-India-Pilot Sergio Perez, der sich beim Saisonfinale mit Platz sieben und zwölf Punkten noch an McLaren-Pilot Kevin Magnussen und Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen vorbei auf WM-Rang zehn schob, wirkte sich der veränderte Modus nicht aus. Auch nicht in der Konstrukteurs-WM, wo dies für einige Teams böse Folgen hätte haben können: Denn im Kampf um die Endplatzierungen geht es um mehrere Millionen Euro aus den Formel-1-Einnahmentöpfen.

Trotz allem traf die Regelung, die übrigens nach dem Saisonfinale rasch entsorgt wurde, ausgerechnet das Weltmeisterteam am härtesten: Die FIA-Gebühren, die die Teams jedes Jahr zahlen müssen, werden schließlich auf Basis der WM-Punkte der Vorsaison berechnet. Da die Silberpfeile auf satte 701 Zähler kamen, mussten sie 2015 4,9 Millionen US-Dollar an den Weltverband überweisen. Vielleicht war es am Ende in gewisser Hinsicht also doch ein Glück für Mercedes, dass Rosbergs Bolide ausgerechnet beim WM-Finale streikte, sonst wäre es noch dicker gekommen.

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