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1982: Ein Brasilien-Grand-Prix für die Ewigkeit

Monster-Boliden, die zur Bewusstlosigkeit führen, und ein siegender Nationalheld, der auf dem Podest umkippt, um dann disqualifiziert zu werden: Der Rio-Thriller 1982

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Sieger Nelson Piquet zollt den Belastungen Tribut und bricht auf dem Podest zusammen. Trotz der Disqualifikation sollte er sein Heimrennen zwei Mal gewinnen. Jetzt durch die bewegte Geschichte des Brasilien-Grand-Prix klicken!
Sieger Nelson Piquet zollt den Belastungen Tribut und bricht auf dem Podest zusammen. Trotz der Disqualifikation sollte er sein Heimrennen zwei Mal gewinnen. Jetzt durch die bewegte Geschichte des Brasilien-Grand-Prix klicken!

(Motorsport-Total.com) - Dieser Tage fordern Formel-1-Piloten, Teamchefs und Fans Boliden, die die Rennfahrer an die absolute physische Grenze bringen. Doch es gab eine Zeit, in der genau das zum großen Problem wurde. Die Saison 1982 war der Gipfel dieses gnadenlosen Wettrüstens mit Turbo-Triebwerken und Schürzenautos, die mit Horrorunfällen in Zolder den legendären Gilles Villeneuve das Leben und dessen Ferrari-Teamkollegen Didier Pironi in Hockenheim die Karriere kosteten.

Doch das Drama zeichnete sich schon früher ab: Beim dritten Grand Prix von Brasilien in Rio de Janeiro kollabierten Piloten wegen der enormen Belastungen, denen die damalige Generation nicht gewachsen waren. Weltmeister Nelson Piquet, der als Sieger abgewunken wurde, verlor auf dem Podest das Bewusstsein, bevor ihm endgültig das Jubeln verging. Brabham-Teamkollege Riccardo Patrese wurde bereits während des Rennens schwarz vor Augen, ehe er völlig erschöpft aufgab.

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"Wenn wir so weitermachen, werden die Rennen nur noch von den stärksten Gladiatoren gewonnen, und das wahre Fahrkönnen spielt keine Rolle", kritisierte damals ein Fahrer, der nicht namentlich genannt werden wollte, gegenüber 'Autosport' - eine Kritik, die heute seltsam anmutet. Doch auch sonst liest sich das Drehbuch der Hitzeschlacht unterm Zuckerhut wie ein Thriller mit zahlreichen Wendungen.

"Übler Trick": Schwindelt Brabham schon beim Test?

Bereits beim Eintreffen des Formel-1-Trosses in Brasilien wird gestritten: Nach Alain Prosts Sieg beim Saisonauftakt in Kyalami spricht alles für die Renault-Turboraketen, doch Lokalmatador Piquet überrascht zum Abschluss der drei Testtage in der Vorwoche des Rennens mit der Bestzeit: 1:29.96 Minuten - und das, obwohl Bernie Ecclestones Brabham-Truppe bis dahin klar im Schatten der Franzosen steht und nicht unter 1:32 kommt.

Ist der Bolide untergewichtig? Renaults Rennleiter Jean Sage ist davon überzeugt. "Das ist ein übler Trick", schimpft er. "Wir kennen dieses zu leichte Trainingsauto."

Die Piquet-Bestzeit verfehlt ihre Wirkung nicht: Im brasilianischen Radio wird das Programm unterbrochen, als hätte der amtierende Champion gerade einen Grand-Prix-Sieg gefeiert. Die Veranstalter benötigen die Traumzeit des Landsmannes wie einen Bissen Brot. Denn: Am Sonntag gastiert nicht nur die Formel 1 in Rio, sondern die brasilianische Nationalmannschaft spielt kurz darauf nur 40 Kilometer entfernt im 200.000 Besucher fassenden Maracana-Stadion gegen Deutschland. Im Fußball-fanatischen Brasilien wird ein Besucherrückgang an der Rennstrecke befürchtet.

Schürzenautos: Fliehkräfte bringen Piloten ans absolute Limit

Doch die Fabelzeit - ob untergewichtig oder nicht - zeigt auch, wie schnell die Formel 1 geworden ist: Im Vorjahr, als Piquet das Heimrennen nicht gewann, weil er bei Regen auf Trockenreifen unterwegs war, holte er in 1:35.07 die Pole - und war damit um rund fünf Sekunden langsamer.

Die Piloten ächzen unter den Fliehkräften: Niki Lauda, der sich mit Physiotherapeut Willi Dungl akribisch auf sein Comeback vorbereitete und damit in Sachen Fitness neue Maßstäbe setzte, verwendet einen Schaumgummi-Einsatz unter dem Helm, Prost bindet sogar seine Schulter am Cockpit fest. Doch das ist nicht alles. Auch die Piste in Jacarepagua sorgt für Unmut. "Sie ist so uneben, dass die jetzt hart gefederten Autos für uns noch mehr zur Tortur werden", klagt ATS-Pilot Manfred Winkelhock.

Dass für die Sicherheit etwas getan werden muss, spüren viele im Fahrerlager: Brabham und Antriebspartner BMW, dessen Turbomotor vom Ecclestone-Team nach Patreses Motorschaden in Kyalami nicht eingesetzt wird, weil man der Techologie noch nicht ganz vertraut und stattdessen noch auf den 15 Jahre alten Ford-Cosworth setzt, führen auf dem Testgelände in München den ersten Crashtest der Formel 1 durch. Ein Crashtest-Dummy wird dabei in einen Boliden gesetzt und mit Tempo 80 km/h gegen eine Betonwand manövriert.

Zweifel an McLarens revolutionärem Kohlefaser-Monocoque

Das Monocoque ist dabei nicht aus Kohlefaser, sondern noch aus Aluminium. Im einzigen Kohlefaser-Auto sitzen Lauda und sein McLaren-Teamkollege John Watson. Doch die von Designer John Barnard eingeführte Technologie, an der in der Formel 1 später kein Weg vorbeiführen sollte, hat Zweifler. Der neue Williams-Bolide, der erst in Imola seine Premiere feiern und Keke Rosberg zum Weltmeister machen sollte, besteht aus einer Aluminium-Sicherheitszelle. "Bisher hat mir noch keiner beweisen können, dass Kohlefaser nicht bei einem Aufprall wie Glas zerbricht", meint Williams-Technikchef Patrick Head. "Bei Aluminium wissen wir, dass es verformbar ist."

Doch Lauda, der von Barnards Sicherheitsversprechen zu einem Comeback bewogen wurde, zeigt schon im Training, dass er nichts von seiner Klasse verloren hat: Nach Platz vier in Kyalami - und das mit dem Ford-Cosworth-Sauger - überzeugt der McLaren-Pilot auch in Rio und holt Startplatz fünf. Hinter Pole-Setter Prost, dem Zweitplatzierten Ferrari-Star Gilles Villeneuve, Williams-Pilot Rosberg und Prosts Renault-Teamkollege Rene Arnoux. Piquet, nach den Tests noch Mitfavorit, kommt nicht über Platz sieben hinaus, Teamkollege Patrese ist gar nur Neunter.

Lauda wundert sich, dass Brabham auf die BMW-Turbomotoren freiwillig verzichtet: "Das ist dumm und kurzsichtig." Doch Motorleistung ist in Brasilien nicht alles: Auf der Rumpelpiste zählt auch die Traktion, zudem sind die Reifen in der Gluthitze ein entscheidender Faktor. Und diesbezüglich scheint Goodyear (Ferrari, Brabham, Williams und Lotus) gegenüber Michelin (Renault, McLaren) einen Vorteil zu haben.

Villeneuve trickst Pole-Setter Prost mit Traumstart aus

Doch nicht nur das sieht nach mäßigen Vorzeichen für Pole-Setter Prost aus: In der Startaufstellung steigt ein unvorsichtiger Fotograf auf den Frontflügel seines Renault-Boliden. Seine Truppe kann das Teil zum Glück rechtzeitig wechseln. Doch dann verliert der Franzose auch noch den Sprint zur ersten Kurve und fällt auf Platz vier zurück: Wieder einmal gelingt Lenkradakrobat Villeneuve der beste Start.

Dahinter reiht sich Rosberg ein, der Arnoux überholt, es dann auch bei Villeneuve eingangs der Gegengerade auf der Außenbahn probiert, aber so hinter das Renault-Tandem Arnoux und Prost auf Platz vier zurückfällt. Während sich die zwei Franzosen an die Fersen des Franko-Kanadiers heften, sorgt dahinter Brabham-Pilot Patrese für Furore. Der Italiener schießt auf der Geraden ebenfalls an Rosberg vorbei und ist bereits Vierter, was ihm in Runde 4 Piquet nachmacht.

Während Villeneuve die Spitze kontrolliert, ist das Brabham-Duo weiter auf dem Vormarsch: Zunächst fällt auch Prost hinter Patrese und Piquet zurück, dann überholt der Lokalmatador in Runde 9 auch den Teamkollegen und kämpft sich in Runde 17 an Arnoux vorbei, um die Verfolgung Villeneuves aufzunehmen. Bald hat der Kanadier den von den rund 80.000 brasilianischen Fans nach vorne gepeitschten Titelverteidiger formatfüllend im Rückspiegel, der von Rosberg verfolgt wird, und muss sein gesamtes Können aufbieten, um den Brabham hinter sich zu halten.

Reutemanns Gewaltakt vor dem Rücktritt

Doch wo liegt zu diesem Zeitpunkt Comeback-Star Lauda? Der kommt nach einem mäßigen Start und dem Rückfall auf Platz neun immer besser in Fahrt und setzte sich zunächst gegen Williams-Pilot Carlos Reutemann und dann sogar gegen den mit nachlassenden Michelin-Reifen und Fehlzündungen kämpfenden Prost durch. Reutemann, der den Nummer-2-Status bei Williams nicht auf sich sitzen lassen will, reagiert mit einem Gewaltakt: Zuerst rempelt er den ehemaligen Ferrari-Stallfeind Lauda ins Aus, dann schießt er auch noch den ebenfalls mit Reifenproblemen kämpfenden Arnoux ab.

Beide landen im Fangzaun. Auch der Argentinier muss aufgeben - und gibt wutentbrannt seinen Rücktritt aus der Formel 1 bekannt. "Der spinnt total, unglaublich", greift sich Lauda an den Kopf. "Wenn er schon so dumm ist, zu gehen, dann hätte er das wenigstens noch vor dem Start in Rio tun können, anstatt mich rauszuschmeißen."

Villeneuve-Bollwerk bricht: Piquet zwingt Ferrari-Star ins Aus

Auch im Kampf um die Führung spitzt sich inzwischen die Lage zu: In Runde 27 gelingt es Rosberg, der zu diesem Zeitpunkt noch keines seiner 39 Rennen gewonnen hat und zuletzt in Argentinien 1979 auf dem Podest stand, Piquet zu überrumpeln. Doch der Brasilianer kontert und zieht zwei Runden später auch im Duell mit Villeneuve, der mit nachlassenden Reifen kämpft, alle Register. Er setzt sich neben den Ferrari und macht den Raum so eng, dass der Kanadier in die Wiese muss und von der Strecke fliegt.

"Er hat mich so rücksichtslos attackiert, dass mir nur die Wahl blieb, freiwillig in die Wiese zu donnern. Sonst hätte ich Nelson abgeschossen, und dann hätte ich wohl Polizeischutz gebraucht", ärgert sich der ausgeschiedene Ferrari-Star, der sich trotz mangelnder Traktion dank des Turbomotors so lange vorne gehalten hat. Piquet wird später antworten: "Gilles sucht bloß billige Ausreden."

Blackout: Patrese verliert Bewusstsein und dreht sich

Fünf Runden später sorgt der auf Rang drei vorgerückte Patrese für Aufregung. Der Italiener dreht sich mitten auf der Gerade völlig unkontrolliert und verliert das Auto beinahe noch einmal aus der Kontrolle, als er es wieder in Fahrt bringen will. Danach rollt er mit nach vorne gelehntem Kopf langsam an die Box und verharrt reglos im Auto, aus dem er später von seinen Mechanikern gehoben wird. "Er hat mir gesagt, dass ihm schwarz vor Augen wurde und er sich deshalb drehte", sollte Teammanager Herbie Blash später verraten.

An der Spitze sind die Positionen inzwischen bezogen: Der ebenfalls völlig erschöpfte Piquet, der seinen Kopf in den letzten Runden kaum noch halten kann, fährt unter dem enormen Jubel seiner Landsleute vor Rosberg zum Sieg. Dem fällt auf, dass der Brasilianer in den Kurven nicht einmal mehr korrigiert: "Er muss wohl schon im Trancezustand herumgekurvt sein. Aber jedes Mal, wenn ich eine Chance witterte und eine halbe Sekunde aufholte, legte er noch einmal eine halbe Sekunde zu. So zermürbte er allmählich meine Kampfmoral."

Sieger Piquet kippt bei Siegerehrung um

Prost rettet sich trotz der Motorenprobleme nach 63 harten Runden als Dritter ins Ziel. Doch schon bei der Siegerehrung folgt das nächste Drama: Der immer bleicher werdende Piquet kriegt weiche Knie, kippt plötzlich um und liegt hinter dem Podest auf dem Boden. Teamchef Ecclestone und Piquets Freundin sind sofort bei ihm. Angeblich geht es dem umjubelten Nationalhelden erst besser, als ihm Ecclestone das gesamte Preisgeld verspricht.

Prost vermutet eine Inszenierung: Warum ist der Rivale, der schon 1981 in Las Vegas von den Mechanikern aus dem Auto gehoben wurde, nicht schon während des Rennens umgefallen? Kraftprotz Rosberg, dessen Trinkflasche während des Rennens komplett versagt hat, zeigt hingegen Respekt vor Piquets Leistung: "Man kann ihn gar nicht ausreichend bewundern. Nelson hat eine sehr erstaunliche Willenskraft." Rosberg will trotz seiner starken Leistung nichts von einem möglichen Titel wissen: "Erst will ich mal meinen ersten Grand Prix gewinnen."

Disqualifikation für Piquet und Rosberg: Was lief mit den Tanks?

Doch für Piquet und auch Rosberg sollte es noch dicker kommen: Renault und Ferrari protestieren nach dem Rennen gegen deren Autos wegen illegaler Wassertanks, die man angeblich zur Kühlung der Bremsen benötigt. "Die braucht kein Mensch, die dienen nur der Betrügerei" zeigt Renault-Rennleiter Sage mit dem Finger auf Brabham und Williams. Eigentlicher Zweck: Die 26-Liter-Tanks werden nach dem Rennen aufgefüllt, um das neu eingeführte Mindestgewicht von 580 Kilo zu erreichen. Während des Grand Prix sind die Boliden untergewichtig.

Ecclestone verpasst wegen des Protest seinen Flug mit dem Überschall-Linienflugzeug Concorde nach Europa. Er darf kurz durchatmen, als der Protest abgewiesen wird, doch Ferrari und Renault legen später bei nationalen Verbänden Berufung ein, wodurch Piquet und Rosberg am Ende doch noch disqualifziert werden.

Winkelhock staubt fünften Platz ab

Prost, der bereits in Kyalami jubelte, wird nachträglich zum Sieger erklärt. Auf den Plätzen zwei und drei: Watson im McLaren und Nigel Mansell im neuen Lotus. Durch die Entscheidung am grünen Tisch rückt auch ATS-Pilot Manfred Winkelhock als Fünfter noch in die Punkteränge vor, die ABBA-Schlagzeuger Slim Borgudd im Tyrrell auf Platz sieben knapp verpasst.

Der frisch verheiratete Winkelhock, der ohne Ehering fährt, weil ihn dieser im Cockpit störe, blickt auf ein unangenehmes Rennen zurück - und ist sauer auf Landsmann Jochen Mass. "Der Jochen hat mir in Kyalami den Rat gegeben, vor dem Rennen nie aufs Klo zu gehen, damit man nicht zuviel Flüßigkeit verliert", verrät der Rookie nach seinem erst zweiten Grand Prix. "Was beim Jochen anscheinend Wunder wirkt, ist für mich Gift. Ich bekam zum Schluss so einen Druck auf der Blase, dass ich fast eingegangen wäre. Durch die Vibrationen ist alles noch viel ärger geworden. Es war wirklich kaum auszuhalten."

Doch immerhin hatte die Tortur für ihn ein Happy End. Ganz im Gegensatz zu Piquet, der sich ausschließlich über den Sieg seiner Nationalmannschaft freuen durfte.
 

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