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2013: Ein Malaysia-Grand-Prix für die Ewigkeit

Sebastian Vettels umstrittenster Sieg: Wie er in der "Multi 21"-Affäre gegen Mark Webber zum "Bad Boy" wurde und Red Bull sogar mit seinem Anwalt drohte

Konstruiert von Hermann Tilke (übrigens mit Hilfe unseres Formel-1-Experten Marc Surer), feiert der Sepang International Circuit 1999 seine Premiere in der Weltmeisterschaft. Es ist die erste einer ganzen Reihe neuer Rennstrecken im asiatischen und arabischen Raum, die in den Folgejahren in den Kalender aufgenommen werden.
Konstruiert von Hermann Tilke (übrigens mit Hilfe unseres Formel-1-Experten Marc Surer), feiert der Sepang International Circuit 1999 seine Premiere in der Weltmeisterschaft. Es ist die erste einer ganzen Reihe neuer Rennstrecken im asiatischen und arabischen Raum, die in den Folgejahren in den Kalender aufgenommen werden.

(Motorsport-Total.com) - "Red Bull müsste Vettel für den nächsten Grand Prix sperren", forderte Formel-1-Legende John Watson nach Malaysia 2013. Und die britische Presse verglich Teamchef Christian Horner bereits mit Dr. Frankenstein, der das selbst geschaffene Monster nicht mehr unter Kontrolle bringt. Für viele hat der eigentlich als sportlich fair geltende Sebastian Vettel am 24. März 2013 in der 'Multi 21'-Affäre erstmals sein wahres Gesicht gezeigt. Und zwar das eines erfolgssüchtigten Piloten, der für den Sieg auch seine Großmutter verkaufen würde.

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Für Opfer Mark Webber war das Tischtuch mit Red Bull nach Vettels Verstoß gegen die Teamorder, der ohne Konsequenzen blieb, zerschnitten. "Der Zwischenfall brachte das Fass, was die Beziehung zum Red-Bull-Managementebene angeht, endgültig zum Überlaufen", bestätigt der Australier in seiner Autobiographie "Aussie Grit: My Formula One Journey".

Doch was geschah an jenem denkwürdigen Wochende in Sepang wirklich? Die Formel-Saison 2013 war mit dem Auftakt-Wochenende in Australien gerade erst in Gang geraten, da stand nur wenige Tage später bereits das nächste Grand-Prix-Wochenende auf dem Programm.

Training: Red Bull im Reifendilemma

Schon in Melbourne hatte sich mit dem Sensationssieg durch Lotus-Pilot Kimi Räikkönen gezeigt, dass ein besonders sanfter Umgang mit der neuen Pirelli-Reifengeneration der Schlüssel zum Erfolg war. Beim Weltmeisterteam Red Bull sorgte dies für Unmut: Das Team wurde dafür bestraft, dass Adrian Neweys RB9 so viel Abtrieb produziert, denn die Pneus waren der Belastung nicht gewachsen und bauten dadurch schneller ab.

Das zeigte sich auch im Training. Bei Webber, aber auch bei Lewis Hamilton riss es große Gummistücke direkt aus der Lauffläche. Und das obwohl Pirelli mit Medium und Hard die härtesten Reifenmischungen nach Malaysia gebracht hatte. War man bei den Gummimischungen zu weit gegangen? "Wenn wir dieses Gefühl hätten, würden wir etwas an den Reifen ändern. Aber darüber wären Teams wie Lotus und Ferrari sicher nicht happy", wehrte Pirelli-Manager Paul Hembery die Kritik noch ab.

Was man damals noch nicht wusste: Nach der ersten Saisonhälfte sollte Pirelli auf die Reifenkonstruktion des Vorjahres zurückrüsten und Red Bull alle verbleibenden Rennen gewinnen. Da aber vor allem Red Bull enorme Reifenprobleme hatte und ein Rennen mit mehr als drei Stopps zu befürchten war, konzentrierte man sich selbst am Samstagvormittag noch auf Longruns. "In Sepang machten wir uns große Sorgen über unser Tempo", bestätigt Webber. "Pirelli war sehr pessimistisch, was die Länge unserer Stints angeht: Unser Auto nahm die Reifen sehr hart ran. Wir nutzen also die Longruns am Samstagmorgen, um völlig ungewöhnliche Set-Ups auszuprobieren."

Warum es Webber noch einmal allen zeigen wollte

Der Mann aus Down Under war bei seinem Heimrennen wegen eines KERS-Problems nur Sechster geworden. In Sepang war er voll motiviert, es allen zu zeigen. Aussagen von Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko, wonach er zwar an manchen Tagen unschlagbar, aber generell inkostant und dem enormen Druck nicht gewachsen sei, hatten ihn vor seiner letzten Formel-1-Saison (der Vertrag mit Porsche für die WEC 2014 war bereits unterschrieben) provoziert.

"Jeder im Sport hat seine eigene Interessen. Und es war klar, dass ich nie Teil von Markos Interessen war", erklärt Webber in seiner Biographie seine damalige Stimmungslage. "Mit seiner Art würde ich mich aber ohnehin bald nicht mehr herumschlagen müssen, da ich meine Entscheidung getroffen hatte. Und es gab nur eine Herangehensweise an diese Saison: mein absolut Bestes zu geben."

Im Qualifying machten aber die wechselhaften Bedingungen Webber einen Strich durch die Rechnung: Während er nur Fünfter wurde, brillierte Teamkollege Vettel und sicherte sich mit fast einer Sekunde Vorsprung auf den Ferrari-Piloten Felipe Massa die Pole. Der Brasilianer hatte den drittplatzierten Teamkollegen Fernando Alonso zum vierten Mal in Folge geschlagen. Neben dem Spanier in der zweiten Reihe: Hamilton, der sein zweites Rennen für Mercedes bestritt. Unter den Erwartungen: Nico Rosberg und Melbourne-Sieger Räikkönen, die sich mit den Startplätzen sechs und zehn abfinden mussten.

Qualifying: Vettel verschafft sich durch Poker perfekte Ausgangslage

Doch nicht nur das Ergebnis sorgte bei Webber für eine etwas ungünstige Ausgangslage. "Ich bin in meinem Q2-Versuch zu vorsichtig gewesen und musste daher eine zusätzliche Runde fahren", verweist er darauf, dass Vettel im Gegensatz zu ihm für das Rennen einen zusätzlichen unbenutzten Satz der weicheren und damit schnelleren Medium-Reifen zur Verfügung hatte. Der Heppenheimer wäre in Q2 als Zehnter beinahe hängengeblieben. "Dafür konnten wir Reifen sparen", rieb sich der Pole-Setter, der mit einer Reifenschlacht rechnete, nach dem Qualifying die Hände. "Und wenn man vorne steht, will man natürlich auch gewinnen."

Als der Start am Sonntag immer näher rückte, wurde aber wohl auch Vettel bewusst, dass der Weg zum ersten Saisonsieg nach Platz drei in Australien noch weit ist. Der Grund: Ein Regenschauer hatte für eine nasse Strecke gesorgt, die aber durch die hohen Temperaturen rasch auftrocknete. Und so ging das Feld auf Intermediate-Reifen ins Rennen.

Start: Alonso riskiert und verliert das Rennen

Alonso erwischte den besten Start und attackierte Leader Vettel in der ersten Kurve, doch der Spanier berührte in der zweiten Kurve das Heck des Red-Bull-Piloten. Schon nach wenigen Kurven sorgte der wackelnde Frontflügel Alonsos für einen Funkenflug. Der Kommandostand der Scuderia unter der Leitung von Stefano Domenicali setzte aber zunächst auf Risiko.

Obwohl Alonso von Webber, der ebenfalls einen hervorragenden Start hatte, überholt wurde, wollte man den Frontflügel erst beim nach wenigen Runden ohnehin fälligen Reifenwechsel auf Trockenreifen tauschen. Ein folgenschwerer Fehler, denn nach zwei Runden brach die Halterung und das Teil verkantete sich unter dem damit unsteuerbaren Ferrari: Alonso rutschte in der ersten Kurve ins Kiesbett und schied aus. Vor der Boxeneinfahrt hatte man den Spanier noch angefunkt, doch hereinzukommen, aber die Anweisung kam zu kurzfristig.

Während also alles für Vettel zu laufen schien, gelang Webbers neuem Renningenieur Simon Rennie, der den in Ungnade gefallenen Ciaron Pilbeam ersetzte, ein genialer Schachzug: Er holte Webber in Runde 7, also zwei Runden nach Vettel und Massa an die Box, wodurch er die Führung vor seinem bis dahin auf Slicks herumrutschenden Teamkollegen übernahm. "Simon traf genau den richtigen Moment, um auf die richtigen Reifen zu wechseln", erinnert sich Webber.

Slapstick: Hamilton fährt aus Versehen in die McLaren-Box

Auch Hamiltons Timing war goldrichtig, doch der Teamneuling sorgte nicht nur bei seiner damaligen Freundin Nicole Scherzinger für einen Schockmoment: Anstatt die Silberpfeil-Box anzufahren, entschied er sich zunächst für die ebenfalls bereitstehende Crew seines Ex-Teams McLaren, wurde dann aber von den verblüfften Mechanikern zum Durchstarten aufgefordert.

Somit führten die beiden Red-Bull-Piloten vor dem Mercedes-Duo Hamilton und Rosberg. Plötzlich an der Spitze des Rennens, machte Webber ordentlich Tempo und blieb auch nach den zweiten Stopps voran. "Aber damit gingen die Probleme los", erklärt Webber, dessen Crew ihn in Runde 19 in 2,05 Sekunden abfertigte und somit einen neuen Boxenstopp-Weltrekord aufstellte.

Vettel schimpft am Funk: "Räumt ihn mir aus dem Weg!"

Was er damit meint: Vettel war der vor ihm liegende Teamkollege ein Dorn im Auge. Dazu kam, dass Webber durch die Führungsarbeit keinen Windschatten hatte und somit mehr Sprit verbrauchte. Somit musste er das Tempo vor dem dritten Stopp etwas drosseln, wodurch nicht nur Vettel, sondern auch die Mercedes-Piloten aufschlossen. "Was ich damals nicht wusste: Sebastian sorgte am Boxenfunk für Wirbel und erteilte der Box einen Befehl ganz nach seinem Geschmack: 'Get Mark out of the way, he's too slow'", schildert Webber die Ereignisse in Runde 28, als sich Vettel erstmals bei Renningenieur Guillaume Rocquelin meldete. Daraufhin wurde Webber aufgefordert, das Tempo zu erhöhen. "Das war eine normale Anweisung, der ich Folge leistete", erinnert er sich.

Bei Mercedes sah man allerdings seine Chance: Hamilton wurde in Runde 30 an die Box geholt, um bei Vettel einen Undercut durchzuführen. Mit Erfolg, denn zunächst kam mit Webber der besserplatzierte Red-Bull-Pilot in Runde 31 herein, ehe Vettel eine Runde später folgte und hinter den Mercedes auf Platz drei zurückfiel.

Doch Vettel gab nicht auf: Er saugte sich an Hamilton heran und nutzte in Runde 38 DRS, um den Briten zu überholen. Webber hatte sich inzwischen ein Polster von rund vier Sekunden Vorsprung verschafft. Dann war es einmal mehr der Mercedes-Kommandostand, der bei Red Bull für Wirbel sorgte: Hamilton versuchte beim vierten und letzten Stopp ein weiteres Mal, mit einem Undercut die Red-Bull-Doppelführung zu brechen.

"Multi 21": Warum Red Bull zugunsten Webbers entschied

"Das war der Zeitpunkt, als es für das Team knifflig wurde, denn sie versuchten, Seb vor den Mercedes zu halten", beschreibt Webber die Ereignisse. "Also holten sie ihn zuerst an die Box, obwohl sich normalerweise der besserplatzierte Fahrer die Boxenstopp-Reihenfolge aussuchen darf." Webbers Vorsprung von 4,7 Sekunden löste sich also in Luft auf, weil Vettel im Gegensatz zu ihm eine Runde früher auf frischen Reifen unterwegs war. "Sebastian hatte nicht nur einen Vorsprung auf die Mercedes herausgeholt, sondern war durch den Vorteil des früheren Boxenstopps auch in meinem DRS-Fenster."

Dieser Nachteil für Webber veranlasste den Red-Bull-Kommandostand, die Positionen an der Spitze einzufrieren. Die Renningenieure teilten ihren Piloten via Boxenfunk also den Code "Multi 21" mit. Das bedeutete nicht nur, dass die Startnummer 2 vor der Startnummer 1 bleibt, sondern auch, dass die Piloten den Multifunktionsschalter des Lenkrads auf die Position "21" stellen müssen, wodurch der Motor nur noch im Schongang läuft. Eine Reaktion auf Webbers Spritprobleme. Zudem konnte man so sicherstellen, dass die Reifen halten würden.

"'Wow', dachte ich mir. 'Das ist zwölf Runden vor Schluss in Anbetracht der Reihenfolge eine ziemliche Ansage'", sorgte der Funkspruch bei Webber für Verwunderung. "Warum ich überrascht war? Weil der Befehl davor nie zu meinen Gunsten gekommen war. Was mich deutlich weniger überraschte, war Sebastians Reaktion auf die 'Multi 21'-Nachricht. Als er nach den letzten Stopps hinter mir fuhr, sah ich den Spalt seines Heckflügels: Er nutzte DRS, um seinen Topspeed zu steigern. Sofort war mir klar, dass er gegen die Anweisung des Teams verstoßen würde."

"Das ist dumm!": Selbst Horner kann Vettel nicht bremsen

Webber hatte seinen Motor aber schon heruntergedreht, wodurch der alle Register ziehende Vettel sofort auf eine halbe Sekunde herangerückt und damit in seinem Windschatten war. "Im Nachhinein hätte ich meinen Motor sofort wieder aufdrehen und kämpfen sollen, aber mir gingen so viele Dinge durch den Kopf", meint Webber. Vettel war zu diesem Zeitpunkt nicht mehr zu bremsen: Der Heppenheimer hatte seinen frischen Medium-Reifensatz aufziehen lassen, während Webber mit der Hard-Mischung im Nachteil war und kämpfte den Teamkollegen nach einem einige Kurven andauernden Rad-an-Rad-Duell auf der Start-Ziel-Geraden nieder.

"Vielleicht war er der Ansicht, dass er das Beste aus seinen Reifen herausholen können sollte, anstatt zurückzustecken", mutmaßt Webber, dass Vettel nun die Belohnung für seinen Qualifying-Poker einforderte. "Was auch immer er sich dachte - als er mich überholte, war ich eher traurig als wütend, dass wir als Team so tief gesunken sind." Dabei versuchte sogar Teamchef Horner, Vettel von seiner Mission abzubringen und schimpfte: "Come on, this is silly, Seb!"

Vettel sollte später argumentieren, dass er vom Funkbefehl erst nach dem Rennen erfahren habe: "Der Befehl kam nur einmal und in einem Moment, in dem ich abgelenkt war. Als Fahrer hat man ja auch noch ans Fahren zu denken." Außerdem spreche er selten am Funk mit dem Teamchef: "Deshalb weiß er auch nicht, wo man als Fahrer Funksprüche besser oder schlechter versteht. Er hat mich bei voller Drehzahl auf der Geraden erwischt. Ich hörte, da redet einer was am Funk, aber ich hörte nicht was."

Frühe Reue: Vettel sucht das Gespräch und entschuldigt sich

Webber kochte währenddessen unter dem Helm und zeigte dem enteilenden Vettel den Stinkefinger. Währenddessen gingen zehn Sekunden hinter ihm ebenfalls die Emotionen hoch: Auch Hamilton kämpfte mit Spritproblemen, aber im Gegensatz zu Vettel hielt sich Teamkollege Rosberg, der deutlich schneller fahren konnte, an Teamchef Ross Brawns Anweisung, nicht zu überholen.

Für Aufregung sorgten aber vor allem die Szenen nach dem Rennen. "Als Adrian Newey auf mich zukam, meinte er: 'Wir haben es ihm gesagt! Wir haben es ihm gesagt!'", erinnert sich Webber. Doch der bitter enttäuschte Zweitplatzierte wollte von alldem nichts mehr wissen. "Seb wollte unbedingt auf dem Weg zum Podest mit mir reden, aber das hat mich nicht interessiert", erklärt er. Und als er dann von Interviewer Martin Brundle auf die Ereignisse angesprochen wurde, meint er schlicht: "Letztendlich traf Seb heute seine eigenen Entscheidungen und erhielt dafür wie üblich Unterstützung. So läuft es halt..."

Was dann folgte, war umso kurioser: Zunächst meinte Hamilton neben den betreten dreinschauenden Red-Bull-Piloten, dass eigentlich Teamkollege Rosberg auf dem Podest stehen müsste, dann verblüffte Vettel bei der folgenden FIA-Pressekonferenz mit der Aussage, er wollte Webber den Sieg zurückgeben. "Uns allen war klar, dass die offizielle FIA-Pressekonferenz für alle Beteiligten sehr peinlich werden würde", meint Webber. "Die PR-Leute des Teams kamen nicht an uns heran, ehe wir den Raum betraten. Es war sehr unangenehm, neben Seb zu sitzen."

Vettels Kehrtwende: Für Webber der "enttäuschendste" Moment

Auf Vettels Ankündigung, die Sache nach dem Wochenende per Telefon zu klären, meldete sich laut dem Australier dann aber stattdessen der ihm wohlgesonnene Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz. "Er war wütend über die Ereignisse und die Auswirkungen auf das Image von Red Bull. Und er bat mich, sowohl einen mündlichen als auch einen schriftlichen Bericht über die Ereignisse abzuliefern, was ich auch getan habe."

Noch überraschter war Webber, als von Vettels Reue am folgenden Rennwochenende in Schanghai nichts mehr zu spüren war. "Das Gespräch war der enttäuschendste Moment unserer gesamten Beziehung", schildert der damalige Red-Bull-Pilot. "Er meinte, dass es ihn ankotze, was ich in Malaysia auf dem Podest gesagt habe und dass er mich zwar als Fahrer respektiere, aber nicht als Mensch. Das war für mich ein starkes Stück. Ich habe bloß gesagt: 'Dann haben wir ein Problem miteinander. Punkt.'"

Vettel verhindert mit Anwaltsbrief mögliche interne Strafe

Auch vor den Medienvertretern meinte Vettel ganz im Gegensatz zu seinen Aussagen in Sepang, er habe sich zwar beim Team, aber nicht bei Webber entschuldigt, denn der habe sich in Silverstone 2011 und in Interlagos 2012 auch nicht an die Stallorder gehalten. "Mark hätte es nicht verdient gehabt, dass ich wegen ihm auf einen Sieg verzichte", so die Worte Vettels. Der Teamkollege ortete dahinter eine Verschwörung gegen ihn: "Ich hatte mich an den Gedanken geklammert, dass wir die Dinge untereinander aus der Welt schaffen können, aber ich hatte ganz klar den Eindruck, dass irgendjemand Sebastian nahegelegt hatte, so eine Kehrtwende zu machen."

Erst Wochen später erfuhr Webber, warum Vettel von seinem Team für das Vergehen nicht bestraft wurde. Seine Freundin und Managerin Ann Neale hatte laut Webber aus Teamchef Horner herausgequetscht, "dass das Team ein paar Tage nach dem Rennen in Malaysia einen zweiseitigen Brief von Sebs Anwalt erhielt, in dem stand, dass man vertragsbrüchig geworden sei, weil man ihm eine 'unvernünftige Instruktion/Teamorder' erteilt habe." Das wurde übrigens von Horner später sogar bestätigt. Durch die unglücklichen Umstände musste Red Bull also beiden Piloten die Bonusgelder für den Sieg zahlen. "Und da ging es nicht um wenig Geld", offenbart Webber.

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