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Gerhard Berger über Hockenheim 1997: "Alles war gegen mich"

Gerhard Berger offenbart im Interview die Hintergründe des Hockenheim-Wunders 1997: Wieso Briatore lieber Wurz im Auto gesehen hätte und wie er sich aufbäumte

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Es war einer der denkwürdigsten Siege der Geschichte: Gerhard Berger holt in Hockenheim gegen alle Widerstände seinen zehnten und letzten Grand-Prix-Erfolg - nur wenige Tage nach dem tödlichen Flugzeugabsturz seines Vaters. Außerdem hatte er drei Rennen wegen einer Kieferhöhlenentzündung verpasst. Die Formel-1-Welt sprach längst von...
Es war einer der denkwürdigsten Siege der Geschichte: Gerhard Berger holt in Hockenheim gegen alle Widerstände seinen zehnten und letzten Grand-Prix-Erfolg - nur wenige Tage nach dem tödlichen Flugzeugabsturz seines Vaters. Außerdem hatte er drei Rennen wegen einer Kieferhöhlenentzündung verpasst. Die Formel-1-Welt sprach längst von...

(Motorsport-Total.com) - 20 Jahre nach dem wundersamen Comeback-Sieg in Hockenheim 1997, als Gerhard Berger nach dem Tod des Vaters und drei Rennen Zwangspause alles in Grund und Boden fuhr, widmen wir den wundersamen Ereignissen einen Themenschwerpunkt (siehe Story, wie Technikchef Pat Symonds und Teamkollege Jean Alesi Bergers Auferstehung erlebten). Im Interview mit 'Motorsport-Total.com' offenbart der heute 57-jährige Berger die Hintergründe der Sternstunde: Wieso er bei Benetton unglücklich war, warum Teamchef Flavio Briatore aus finanziellen Gründen nicht wollte, dass er in Hockenheim überhaupt fährt und woher er die Kraft nahm, beim Grand Prix von Deutschland so über sich hinauszuwachsen.

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Frage: "Herr Berger, Sie haben immer Adelaide 1987 als Ihr bestes Rennen genannt. Wo würden Sie Hockenheim 1997 einreihen?"
Gerhard Berger: "Hockenheim war schon einer meiner besten Siege. Allein, weil das private Umfeld zu dieser Zeit für mich wahnsinnig schwierig war. Ich war davor im Krankenhaus mit einer Kieferhöhleninfektion und -operation, war eigentlich noch nicht ganz fit für dieses Rennen, wurde eigentlich auch beim Team kritisch gesehen, weil ich nicht fit war und die Saison nicht optimal gelaufen ist."

"Und dann habe ich - kurz bevor ich nach Hockenheim gefahren bin - auch noch meinen Vater bei einem Flugzeugabsturz verloren. Da ist ein bisschen gar viel zusammengekommen. Auch in Hockenheim hat eigentlich niemand Verständnis gehabt, warum ich hier bin. Und das Auto war eigentlich auch kein Siegerauto."

"Alle Zeichen standen gegen mich. Das hat sich aber auch auf meinen Kopf ausgewirkt: Ich habe gesagt, jetzt erst recht. Dann bin ich Pole-Position gefahren, die Schnellste Runde, und habe das Rennen gewonnen. Das war ein besonderer Tag."

Warum Berger bei Benetton unglücklich war

Frage: "Wie ist diese Saison losgegangen? Sie waren bei den Tests in Barcelona sehr schnell, hätten das zweite Rennen in Interlagos beinahe gewonnen und dann begann diese Kieferhöhlen-Geschichte..."
Berger: "Die habe ich schon aus dem Jahr davor mitgeschleppt. Ich habe sie unter Kontrolle bekommen, dann ist sie wieder ausgebrochen. Ich habe also Antibiotika genommen. Und die holen dich in Sachen Leistungsfähigkeit immer ein bisschen runter, wenn du im Hochleistungsbereich bist."

"Außerdem war das Team wahnsinnig schwierig aufgestellt. Der Ross Brawn ist im Jahr davor zu Ferrari gegangen, und die Mannschaft war dadurch etwas zerrissen. Das war also intern eine wahnsinnig holprige Geschichte. Ich habe mir auch mit dem Auto nicht leicht getan. Es war nicht so, wie ich es mir für meinen Fahrstil vorgestellt habe. All das hat nicht optimal zusammengepasst."

"Benetton war das erste Team, in dem ich mich nicht wohlgefühlt habe."
Gerhard Berger

Frage: "Was ist Ihrem Fahrstil nicht entgegengekommen?"
Berger: "Das hat sich schon bei den ersten Tests gezeigt. Mit diesem Auto war man ruckzuck auf einer sehr schnellen Zeit, aber wenn es um die die letzten Hundertstelsekunden ging, war es sehr kritisch im aerodynamischen Grenzbereich. Vor allem auf Bodenwellen. Da ist der Luftstrom immer ein bisschen abgerissen. Der Michael Schumacher hat das ganz gut im Griff gehabt, weil er damit gewachsen ist, er war dafür ausgebildet. Ich habe mir damit aber ziemlich schwer getan und bin deswegen auch ein paar Mal ziemlich heftig abgeflogen."

Frage: "Das war 1996. Wurde das Auto 1997 ein bisschen mehr in Ihre Richtung entwickelt oder wurden die Probleme mitgenommen?"
Berger: "Das war schon die Charakteristik dieses Autos, aber das hat ja auch Vorteile gehabt, weil es den aerodynamischen Abtrieb maximiert hat. Und sowas führt immer dazu, dass das Auto im Grenzbereich kritischer ist. Dann reißt der Luftstrom abrupt ab, und es ist schwierig, das Auto abzufangen."

"Ich habe mich in diesem Team aber auch nicht wohlgefühlt. Das war das erste Team, in dem ich mich nicht wohlgefühlt habe. Ich kann aber gar nicht sagen, dass irgendwer nicht nett war zu mir, aber irgendwie war das nicht mein Team."

Frage: "In Ihrer Biographie steht, dass Briatore Sie mit seiner schillernden italienischen Art gereizt hat, er sich dann aber als 'kalt und skrupellos' herausgestellt hat..."
Berger: "Na ja, das gilt aber auch für Ron Dennis, Frank Williams oder Bernie Ecclestone. Alle waren am Ende Erfolgsmenschen und Alphatiere. Ich habe den Flavio grundsätzlich ganz sympathisch gefunden, aber in der Zusammenarbeit war es nicht immer einfach. Ich glaube einfach, dass das Vertrauen nicht da war."

Frage: "Sie waren ja wegen der Kieferhöhlenentzündung vor Kanada bei einem Spezialisten in den USA. Flavio hat dann hinter Ihrem Rücken mit ihm gesprochen und Sie auf die Ersatzbank gezwungen. Hätten Sie damals fahren können?
Berger: "Ich wollte in Kanada schon fahren, wollte das wie in den Rennen davor mit Antibiotika unterdrücken. Ich war aber unterm Strich einerseits angefressen, weil der Flavio hinter meinem Rücken mit dem Doktor geredet hat und dieser auch freizügig Auskunft gab."

"Was in der Sache kein Problem war, aber die Vorgehensweise hat mir nicht gefallen. Ich war aber dann ehrlich gesagt auch froh, dass ich jetzt endlich im Krankenhaus liege und die Sache in Angriff nehme."

Warum Briatore wollte, dass Wurz in Hockenheim fährt

Frage: "Alex Wurz hat ja dann Ihr Auto übernommen. War Briatore aus finanziellen Gründen daran interessiert, ihn in das Auto zu setzen?
Berger: "Ja, da ist eine finanzielle Geschichte gelaufen. Das war für mich aber in diesem Moment kein Problem. Der Alex war unser Testfahrer, und ich war im Krankenhaus. Das war eine ganz logische Entscheidung, dass der Alex dieses Auto fährt. Das war auch gut so. Aber das ganze war natürlich finanziell verknüpft, das ist klar."

Frage: "Wurz hat also einen Sponsor mitgebracht und konnte somit das Auto übernehmen..."
Berger: "Ja, wie auch immer das mit Sponsoren und Geld vom Alex strukturiert war. Das ist aber nichts Untypisches."

Frage: "Briatore drohte damals ja mit der Vertragsauflösung, wenn Sie in Hockenheim nicht sofort Leistung bringen..."
Berger: "Das Problem war: Briatore hatte mit dem Wurz-Management ein Abkommen, dass die Summe x fliest, wenn der Alex noch bei einem weiteren Rennen zum Einsatz kommt. Das habe ich aber erst nachher erfahren. Es wäre mir aber auch wurscht gewesen. Ich habe gesagt, dass ich wieder fahren kann. Und damit war fix, dass ich wieder im Auto sitze."

Frage: "Und dann kam auch noch die Nachricht vom Tod Ihres Vaters..."
Berger: "Ja, da war ich in Großbritannien und bekam einen Anruf. Dann bin ich nach Hause geflogen. Ein paar Tage vor Hockenheim war dann das Begräbnis meines Vaters."

Frage: Wie ging es Ihnen, als Sie nach Hockenheim kamen?"
Berger: "Ich war halt noch angeschlagen, immer noch auf Antibiotika. Ich war nicht superfit - weder körperlich noch mental. Ich habe gewusst, dass ich jetzt kämpfen muss, weil natürlich jeder meine Herangehensweise hinterfragt. Die Leute haben gesagt: Der war jetzt im Krankenhaus, der Vater ist gerade abgestürzt, warum lasst er sich nicht Zeit, warum fährt er schon das nächste Rennen? Er sollte einmal Testfahrten machen, das würde wahrscheinlich mehr bringen. Es war irgendwie eine seltsame Stimmung."

Frage: "Vor dem Wochenende haben Sie bei einer Pressekonferenz angekündigt, 1998 nicht mehr für Benetton zu fahren..."
Berger: "Ja, weil ich mich in diesem Team nicht wohlgefühlt habe. Und weil ich in dieser schwierigen Situation nicht die Unterstützung erhalten habe, die man von einem Team erwartet. Oder die mir alle meine anderen bisherigen Teams bis dorthin gegeben hätten..."

Frage: "War die Aussage nur auf Benetton oder überhaupt auf die Karriere bezogen?"
Berger: "Es war schon auf Benetton bezogen, aber die Gedanken an das Karriereende waren zu diesem Zeitpunkt schon absolut präsent. Ich wollte das zu diesem Zeitpunkt nur noch nicht fixieren. Ich wollte mir sicher sein."

Das Hockenheim-Wunder: "Ich wollte es der Welt beweisen..."

Frage: "Und dann schien plötzlich alles wie am Schnürchen zu laufen: Pole-Position, Schnellste Runde und der Sieg. Wie haben Sie das Wochenende erlebt?"
Berger: "Es ist alles wie am Schnürchen gelaufen, aber ich habe in jeder Runde meinen Kopf gesagt, dass ich es der Welt beweisen will, dass sie alle nicht richtig liegen, wenn man es jemandem, der gerade in Schwierigkeiten steckt, nicht zutraut, eine ordentliche Leistung zu bringen."

Frage: "Hat sich das Auto von Anfang an gut angefühlt?"
Berger: "Ja. Das war von Anfang an okay. Das hat gepasst."

Frage: "Sie haben sich für eine Zweistoppstrategie entschieden..."
Berger: "Ja, ich war auf einer Zweistoppstrategie, Fisichella setzte auf nur einen Stopp. Ich war mir nicht sicher, ob das der richtige Weg ist, aber ich wusste, was zu tun ist. Schon damals war alles durchgeplant und wurde an uns Fahrer kommuniziert, aber es wurde noch nicht so ein reger Funkverkehr gepflegt wie heute. Die Strategie wurde schon vor dem Rennen festgelegt."

Frage: "In Runde 29, also vor dem zweiten Stopp, gab es eine heikle Situation, als Magnussen einen kapitalen Motorschaden hatte. Ein Blindflug bei über 300 km/h..."
Berger: "Das war eine echte Nebelwand, wo ich einen Moment lang nichts gesehen habe. Ich wusste nicht, ob da drin ein Auto steht."

Frage: "Im Jahr davor hatten Sie diesen Motorschaden zwei Runden vor Schluss, der den sicheren Sieg vereitelte. Spukte der noch im Kopf herum?
Berger: "Ja klar. Das Vorjahr lag mir noch in den Knochen. Es war in der vorletzten Runde, und ich hatte den Sieg eigentlich in der Tasche, obwohl man dazusagen muss, dass der Damon Hill zu diesem Zeitpunkt unter meinem Getriebe war. Das war er aber schon zehn Runden lang, und in den letzten zwei Runden wäre er an mir nicht mehr vorbeigekommen. Er hatte keine Chance, obwohl er in der Endphase schneller als ich war."

Frage: "Sie hatten 1997 bei den Überholmanövern gegen Häkkinen und Fisichella hingegen überhaupt keine Probleme, haben sehr selbstbewusst agiert..."
Berger: "Es war mir eigentlich alles wurscht. Zu diesem Zeitpunkt habe ich gesagt: Ich will dieses Rennen gewinnen."

Berger führt Sieg auf "Kraft von oben" zurück

"Die Situation war scheiße - und dann gewinne ich alles. Da habe ich mir gedacht: Irgendwie gibt es da doch irgendwas..."
Gerhard Berger

Frage: "Wie waren die letzten Rennrunden aus emotionaler Sicht?"
"Daran kann ich mich nicht mehr erinnern. Ich weiß aber noch, dass ich nach dem Aussteigen und auf dem Weg zum Podium schon ziemlich gerührt war. Ich stand auf dem Podium und habe überlegt: Wie gibt es das eigentlich? Es gibt vielleicht doch irgendwo einen lieben Gott oder irgendjemanden, der Regie führt. Denn es lag damals nicht an diesem Auto, das überlegen war. Die Situation war scheiße, die körperlichen Voraussetzungen waren scheiße - und dann gewinne ich alles: Pole, Schnellste Runde und Sieg. Da habe ich mir gedacht: Irgendwie gibt es da doch irgendwas..."

Frage: "Sie haben damals gesagt, dass Sie so ein Gefühl noch nie erlebt haben..."
Berger: "Ja, das hatte durch den Zusammenhang mit meinem Vater schon eine besondere Wertigkeit. Ich habe am Podest ständig an meinen Vater gedacht."

Frage: "Dachten Sie damals daran, dass das eventuell Ihr letzter Sieg sein könnte?"
Berger: "Nein."

Frage: "Haben Sie diese Momente auf dem Podest bewusst abgespeichert?"
Berger: "Nein, die habe ich nicht abgespeichert. Den Ferrari-Sieg in Monza habe ich abgespeichert. Komischerweise. Wenn Sie mich fragen, erinnere ich mich sofort an das Podest in Monza im Jahr 1988, wo sich die Leute unten fast zertreten haben, aber Hockenheim habe ich komischerweise nicht im Programm."

Frage: "Wie hat Briatore auf den Sieg reagiert?"
Berger: "Italienisch. Vor dem Rennen hat er gesagt: Das geht alles nicht, du bist nicht fit. Nach der Pole-Position: Du bist der Beste. Und nach dem Sieg: Jetzt gewinnen wir die Weltmeisterschaft."

"Nach dem Sieg sagte Briatore zu mir: Und jetzt gewinnen wir die Weltmeisterschaft."
Flavio Briatore

Frage: "Sie haben in Hockenheim bereits 1994 gewonnen, hätten 1996 gewinnen müssen. Warum waren Sie in Hockenheim immer so gut?"
"Ich weiß es nicht. Ich bin aber immer schon gerne Autos mit wenig Flügel gefahren. Monza und Hockenheim war immer eine Rutschpartie, weil man kaum Flügel fuhr. Vielleicht ist es das... Ich habe mich in Hockenheim immer wohlgefühlt."

Trotz Sieg: Rücktritt vom Rücktritt stand nicht zur Debatte

Frage: "Gab es nach dem Sieg eine große Party?"
Berger: "Nein. Ich bin zum Konzert von Michael Jackson in Nizza geflogen."

Frage: "...im Privatjet von Ron Dennis. Es gab damals Gerüchte, dass Sie zu McLaren wechseln könnten."
Berger: "Ja, es lief das eine oder andere Gespräch, aber das waren nur noch letzte Zuckungen."

Frage: "Gab es also nach dem Wunder von Hockenheim keine Gedanken, noch eine Saison anzuhängen?"
Berger: "Nein. Für mich war das erledigt."

Frage: "Genau 20 Jahre nach dem Sieg in Hockenheim hat Ihr Neffe Lucas Auer dort in der DTM gewonnen."
Berger: "Ja, aber da finde ich nicht viele Zusammenhänge. Ich finde es nett, dass sich die Familie immer wieder am Rennplatz einfindet. Und dass wir anfangen, ein bisschen eine Renntradition in die Familie zu bringen. Mal schauen, ob mein Sohn auch irgendwann Fuß fassen wird oder nicht. Aber es ist nett, wenn sich Familiengenerationen am Rennplatz treffen."

Frage: "Lucas hat in Ungarn für Force India getestet. Hat er Chancen auf einen Stammplatz?"
Berger: "Natürlich wäre es schön, den Lucas in der Formel 1 zu sehen. Aber ich glaube, man kann das nur so angehen, dass man eines nach dem anderen macht."

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