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Formel 1 auf der Nordschleife: Mehr als nur ein Traum?

Wirklich nur eine verrückte Spinnerei? Sowohl Liberty als auch der Nürburgring stehen einer Rückkehr auf die Nordschleife aufgeschlossen gegenüber ...

Niki Lauda
Eine Rückkehr an die Nordschleife würde einen gigantischen Hype auslösen
© LAT

(Motorsport-Total.com) - Mit dem legendären (und von Hollywood verfilmten) Feuerunfall von Niki Lauda im Jahr 1976 endete das Kapitel Formel 1 auf der Nürburgring-Nordschleife. Doch in einer Zeit, in der die Königsklasse mit umstrittenen Sicherheitsmaßnahmen wie dem Cockpitschutz Halo immer sicherer wird, gibt es viele, die von einem völlig verrückten Experiment wie einem Grand-Prix-Comeback in der "Grünen Hölle" träumen.

Nur 25,36 Prozent der von uns via Online-Voting befragten User finden, dass die Formel 1 nicht auf die Nordschleife gehört. Dem gegenüber stehen aber 33,07 Prozent, die das "unbedingt" sehen wollen, "koste es, was es wolle". Und immerhin 41,57 Prozent geben zu, dass ihnen die Idee gefällt, halten sie aber für "unrealistisch".

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Wer eine ernsthafte Auseinandersetzung mit dem Thema Formel 1 auf der Nordschleife versucht, wird rasch desillusioniert. Die Strecke ist 20,832 Kilometer lang, was enorme Herausforderungen etwa im Bereich Sicherheit aufwirft. Diese scheinen unlösbar. Monte Carlo oder Singapur sind fast genauso verrückt wie die Nordschleife. Aber der Rettungshubschrauber ist in den beiden Städten an keinem Punkt mehr als ein paar hundert Meter von einem möglichen Unfallort entfernt.

Es würde ein kleines Heer von Rettungskräften benötigen, um die Sicherheit und medizinische Versorgung in allen Streckenabschnitten nach aktuellen FIA-Standards gewährleisten zu können. Und natürlich müssten auch Auslaufzonen erweitert, allzu große "Sprungschanzen" wie am Pflanzgarten entschärft und womöglich Wald abgeholzt werden. Formel 1 auf der Nordschleife: Bestenfalls also ein charmantes Gedankenspiel für totale Spinner.

Oder doch nicht?

Neue Bereitschaft für verrückte Ideen in der Formel 1

Die neuen Formel-1-Eigentümer Liberty Media wünschen sich für die Zukunft der Königsklasse einen ausgewogenen Mix aus großen Metropolen wie New York und klassischen Rennstrecken mit Tradition. Und welche Rennstrecke hat mehr Tradition als die Nordschleife? Liberty hat bereits mehrfach Bereitschaft signalisiert, auch völlig quer zu denken. Und welche Rennstrecke hat mehr Tradition als die Nordschleife? Der Hype um einen solchen Grand Prix wäre enorm.

Formel-1-Sportchef Ross Brawn lässt sich zumindest auf das Gedankenspiel ein: "Das wäre fantastisch", lächelt er im Interview mit 'Motorsport-Total.com'. Und lässt die Herzen hunderttausender Puristen auf der ganzen Welt höher schlagen, wenn er andeutet: "Vielleicht wäre es die Sache wert, uns das einmal durch den Kopf gehen zu lassen. Die Nordschleife gehört zu den Kultstrecken der Welt."

Grund genug für uns, auch die Verantwortlichen auf dem Nürburgring mit der verrückten Idee zu konfrontieren. Und auch dort stößt sie durchaus auf Gehör: "Eine mögliche Rückkehr der Formel 1 auf die legendäre Nordschleife ist sicherlich ein interessantes Gedankenspiel", räumt Geschäftsführer Mirco Markfort gegenüber 'Motorsport-Total.com' ein.

Klar sei aber: "Essenzielle Themen wie Sicherheit et cetera müssen jedoch im Vorfeld mit dem Serienpromoter und der FIA geprüft werden." Und Brawn grübelt: "Die Strecke auf die für die Formel 1 erforderlichen Sicherheitsstandards zu bringen, wäre ..." Nur um mitten im Satz abzubrechen, weil: "Ich kenne die Antwort aber nicht, weil ich mich nicht mit dem Thema auseinandergesetzt habe."

Sowohl Liberty als auch Nürburgring träumen mit

Brawn lässt durchblicken, dass ein Comeback der Nordschleife alleine schon wegen ihrer Einmaligkeit ein Szenario wäre, das zumindest durchgedacht (und dann womöglich wegen Unrealisierbarkeit verworfen) werden könnte. Und auch am Nürburgring gibt es Visionäre, denen ein Grand Prix von Deutschland in der "Grünen Hölle" gefallen würde. Konkret darüber gesprochen wurde (noch) nicht.

"Ich fände es toll, das zu realisieren. Aber es müsste die Nordschleife sein. Im Original."
Helmut Marko

Doch es gibt auch abseits Liberty und Nürburgring Befürworter der Idee. Auf unsere Frage, ob er ein solches Projekt begrüßen würde, antwortet etwa Red-Bull-Motorsportkonsulent Helmut Marko: "Oh ja! Ich habe den Red-Bull-Spirit. Ich fände es toll, das zu realisieren. Aber es müsste die Nordschleife sein. Im Original."

"Wenn man die Sicherheit in den Griff kriegt", so Marko gegenüber 'Motorsport-Total.com', wäre eine Rückkehr auf die Nordschleife eine Vision, die Liberty unbedingt verfolgen sollte. "Damit meine ich, bei einem Unfall in der nötigen Zeit beim Auto zu sein. Das war früher wegen der Streckenlänge ein Problem."

Wenn Monaco geht, geht auch die Nordschleife!

"Aber wir behandeln das Thema Sicherheit ja mit einer gewissen Absurdität. Wir fahren in Baku, in Monte Carlo, in Singapur. Wenn wir aber auf dem Red-Bull-Ring etwas an einer Kurve ändern wollen, kommen sie sofort mit den Vorschriften daher. Das ist ein zweigeteiltes Thema, das für mich nicht immer nachvollziehbar ist", ergänzt er.

"So gesehen kann ich es mir vorstellen", sagt Marko. "Aber es stellen sich einige Fragen. Wie gestaltet man die TV-Übertragung auf einer so langen Strecke? Und was ist mit dem Publikum vor Ort? Die kommen dort nur alle sechs Minuten vorbei. Was ist in der Zwischenzeit? Bei den Langstreckenrennen mit 100, 200 Autos ist immer Action. Aber das haben wir in der Formel 1 nicht. Es entspricht nicht mehr den Bedürfnissen des TV-Zuschauers und den Sicherheitsstandards."

"TV-seitig könnte man es hinbekommen - einfach weil es so ein Spektakel wäre!"
Ross Brawn

Brawn glaubt: "Die kommerziellen Herausforderungen, die Nordschleife sicher für die Formel 1 zu machen, wären enorm." Fügt aber an: "TV-seitig könnte man es hinbekommen - einfach weil es so ein Spektakel wäre!" Letztendlich ist alles eine Frage des Geldes, weil viel mehr Equipment und Personal erforderlich wären, um die 20,832 Kilometer flächendeckend professionell einzufangen. Das ist etwa am Red-Bull-Ring mit nur 4,318 Kilometern wesentlich einfacher und billiger.

Aber nicht nur für die FOM, sondern auch für den Nürburgring-Betreiber wäre ein solches Projekt mit einem großen finanziellen Investment verbunden. Für die Scheichs in Abu Dhabi wäre das mutmaßlich kein Problem; aber in Deutschland, wo die beiden Formel-1-Strecken seit Jahren finanziell zu kämpfen haben, erscheint das auf den ersten Blick undenkbar.

Neue Chancen durch Liberty-Einstieg

Mit den extrem teuren Verträgen, die dem Nürburgring in der Vergangenheit von Bernie Ecclestone aufgezwungen wurden, ist ein Nordschleifen-Comeback tatsächlich ausgeschlossen. Doch wenn Liberty für ein solches Mega-Projekt, das einen gigantischen Hype auslösen würde, bereit wäre, dem Nürburgring einen ebenso kostengünstigen wie langfristigen Formel-1-Vertrag anzubieten, könnte die Rechnung aufgehen.

Denn bei genauerem Hinsehen wird klar, dass die Investments zwar hoch, aber stemmbar wären. Die Boxenanlage kann vom bestehenden Grand-Prix-Kurs übernommen werden. Diese verträgt langfristig eine Modernisierung, ist aber vom Prinzip her brauchbar. Das Asphaltband wird ohnehin laufend ausgebessert. Leitplanken & Co. müssten mit Sicherheit generalüberholt werden. Und an der einen oder anderen Stelle müsste man die Auslaufzonen vergrößern, Monte-Carlo-Gegenargument hin oder her.

Die sieben Motorsport-Weltwunder

Von den Monza-Steilkurven bis zur Nürburgring-Nordschleife


31.08.2014
Foto 1 von 10
Motorsport-Weltwunder #1, Foto 1/10: Die legendären Steilkurven in Monza wurden 1922 erbaut, 1954 noch einmal steiler gemacht und waren bis 1961 Bestandteil des Formel-1-Kurses. In den 1990er-Jahren hätten sie abgerissen werden sollen. Seit das verhindert werden konnte, zerfallen sie vor sich hin.
Motorsport-Weltwunder #1, Foto 1/10: Die legendären Steilkurven in Monza wurden 1922 erbaut, 1954 noch einmal steiler gemacht und waren bis 1961 Bestandteil des Formel-1-Kurses. In den 1990er-Jahren hätten sie abgerissen werden sollen. Seit das verhindert werden konnte, zerfallen sie vor sich hin.

Dass dabei der eine oder andere Baum geopfert werden müsste, ist logisch. Das könnte man regeln, indem an anderer Stelle wieder aufgeforstet wird. Und auch für etwaige behördliche Bedenken hinsichtlich der Lärmbelästigung sind die Zeiten günstig, seit die Hybrid-Turbos eingeführt wurden. Mit den kreischenden V10-Saugmotoren wäre ein Grand Prix auf der Nordschleife alleine schon aus diesem Grund wohl kaum durchzubekommen.

Dass letztendlich trotzdem alles eine Spinnerei ist, ist zumindest Stand heute klar. "Das geht nicht", winkt etwa DMSB-Präsident und Nordschleifen-Urgestein Hans-Joachim Stuck gegenüber 'Motorsport-Total.com' ab. "Man müsste so viele Veränderungen vornehmen, denn mit den ganzen Senken und Bodenwellen würden die Autos zerbrechen. Warum fährt die WEC oder DTM nicht dort? Weil es nicht geht!"

Stuck stellt sich gegen Nordschleifen-Umbau

"Aber wenn du das alles ändern würdest, wäre der Charakter der Nordschleife beim Teufel. Das geht nicht. Du musst mit den Autos fahren, die dort hinpassen", sagt Stuck und stellt sich gegen einen Umbau für die Formel 1: "Das wäre die Zerstörung eines Kulturobjekts." Für ihn steht die Nordschleife unter Denkmalschutz: "Das wäre ja so, als würde man sagen, man baut außen an den Eiffelturm einen größeren Lift. Das ist auch Blödsinn."

Und Porsche-LMP1-Werksfahrer Neel Jani meint: "Geht nie! Geht von der Strecke schon nicht, die Autos setzen auf. Dafür müsste man die ganze Strecke umbauen. Aber das wäre Wahnsinn. Jeder weiß, dass das nicht geht." Dem halten andere entgegen: Alles ist letztendlich nur eine Frage des Wollens und des Geldes. Oder, anders formuliert: Wie hoch darf der Preis sein, um einen der größten Träume der Formel 1 wahr zu machen?

Am Nürburgring steht man dem Gedankenspiel durchaus aufgeschlossen gegenüber. Aber erst einmal gilt es kleinere Brötchen zu backen und die Gespräche über eine Rückkehr auf die 5,148 Kilometer lange Grand-Prix-Strecke mit Chase Carey und Liberty voranzutreiben: "Zunächst würden wir uns sehr freuen, wenn die Formel 1 2019 zum Nürburgring zurückkehrt. Die Formel 1 und den Nürburgring verbindet eine lange Tradition", lässt Geschäftsführer Markfort ausrichten.

Doch all das hält uns nicht davon ab, zu träumen. Von einem Comeback der Formel 1 auf der Nürburgring-Nordschleife ...

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