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1992: Ein Belgien-Grand-Prix für die Ewigkeit

Wieso Michael Schumacher seinen ersten Formel-1-Sieg 1992 in Spa erahnte, ein beschlagenes Visier der Schlüssel war und es beinahe zu einer Katastrophe kam

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1925 wird erstmals ein Grand Prix von Belgien ausgetragen, und schon damals wird in Spa-Francorchamps gefahren. Die Strecke führt über öffentliche Straßen und ist 15 Kilometer lang. Die heute berühmteste Kurve ist übrigens nicht von Anfang an Bestandteil der Strecke. Erst 1939 wird die Eau Rouge gebaut.
1925 wird erstmals ein Grand Prix von Belgien ausgetragen, und schon damals wird in Spa-Francorchamps gefahren. Die Strecke führt über öffentliche Straßen und ist 15 Kilometer lang. Die heute berühmteste Kurve ist übrigens nicht von Anfang an Bestandteil der Strecke. Erst 1939 wird die Eau Rouge gebaut.

(Motorsport-Total.com) - Es hat sich einiges geändert: Genau ein Jahr nach seiner umjubelten Formel-1-Premiere in Spa-Francorchamps residiert Michael Schumacher inzwischen im mondänen Luxushotel und nicht mehr wie 1991 als Jordan-Pilot in der Jugendherberge. Und: Der Benetton-Pilot ist die heißeste Aktie auf dem Transfermarkt - obwohl er (noch) ohne Grand-Prix-Sieg dasteht. Denn McLaren-Boss Ron Dennis greift vor dem Grand Prix von Belgien 1992 nach dem Senkrechtstarter.

Gerhard Berger hat soeben bei Ferrari unterschrieben, Ayrton Senna träumt vom Williams-Cockpit und will nur dann bei McLaren bleiben, wenn ihm ein Siegerauto sicher ist. Der Brasilianer weiß, dass Honda aussteigt. Dennis lockt Schumacher, blitzt aber mit seinem Fünf-Millionen-Dollar-Angebot bei Benetton-Teamchef Flavio Briatore ab, der sein Juwel nicht so einfach abgeben will.

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Kuriose Szenen spielen sich auch bei Williams ab: Dort hat Alain Prost unterschrieben, der gerade eine Auszeit von der Formel 1 nimmt, was dem frischgebackenen Weltmeister Nigel Mansell gar nicht gefällt. Der Brite, der mit einem ordentlichen Ego ausgestattet ist, stellt angeblich enorme Forderungen an sein Williams-Team. "Wenn der Nigel wirklich 23 Millionen will, dann ist mir klar, weshalb der Williams mit ihm nicht mehr redet", ergreift Ferrari-Berater Niki Lauda Partei für den im Rollstuhl sitzenden Teamchef Partei.

Wie sich Weltmeister Mansell bei Williams ins Aus manövriert

Doch Mansell beteuert, dass er für 1993 nicht mehr Geld fordert als 1992, also zwölf Millionen US-Dollar. Angeblich zerschlagen sich die Verhandlungen wegen der Extrawünsche des Briten, wie zum Beispiel ein eigenes Motorhome, damit er nicht mit Prost im gleichen Hotel leben muss. In Spa scheitern die Verhandlungen endgültig, Mansells Teamkollege Riccardo Patrese trickst sich selbst aus, weil er wegen Mansell bei Williams keine Zukunft sieht, und unterschreibt vorzeitig bei Benetton. "Diese Leute wollen mich unbedingt", argumentiert der Italiener, der sich bei Williams als zweite Wahl fühlt.

Obwohl sich Senna bei Williams "zum Nulltarif" anbietet, bleibt die Türe für ihn zu, weil sowohl Prost als auch Mansell vertraglich fixiert haben, dass sie den Brasilianer nicht als Teamkollegen wollen. Dadurch sollte 1993 die Türe für Testfahrer Damon Hill aufgehen, der zu diesem Zeitpunkt gerade einmal zwei Grands Prix für Brabham auf dem Konto hat.

Am Donnerstag gibt es trotz all der erbitterten Verhandlungen auch etwas Spaß im Fahrerlager: Berger feiert seinen 33. Geburtstag und erhält von McLaren-Fitmacher Jo Leberer nicht nur eine Torte, sondern auch noch eine ordentliche Portion Sahne mitten ins Gesicht. Bergers Antwort an den Landsmann: Kräuterbutter, mit der er den Physiotherapeuten einschmiert.

Beinahe-Katastrophe: Wie Senna Comas rettet

Am Freitag präsentiert sich die teilweise neu asphaltierte Kultstrecke in Spa-Francorchamps bei Sonnenschein. Vom gefürchteten Regen ist nicht viel zu sehen. Doch schon nach 40 Minuten des ersten Freien Trainings hält die Formel 1 den Atem an: Ligier-Pilot Eric Comas kommt in der ultraschnellen Blanchimont-Kurve bei Tempo 260 km/h von der Strecke ab und donnert in die Leitplanken. Beim heftigen Anprall werden die Räder weggerissen, das rechte Vorderrad schlägt den Franzosen für 13 Minuten bewusstlos.

"Wahrscheinlich hat Ayrton mein Leben gerettet."
Erik Comas

Als Senna auf den in der Mitte der Strecke stehenden Ligier trifft, stellt er seinen McLaren sofort ab und eilt zur Hilfe - als einziger Fahrer. Der bewusstlose Comas steht voll auf dem Gaspedal, was den Superstar zum Handeln bewegt. "Ayrton muss den Lärm gehört haben, die Drehzahl des Motors", wird Comas später sagen. "Er rannte zum Auto und schaltete sofort den Stromkreis ab, denn es bestand die Gefahr einer Explosion oder eines Feuers. Wahrscheinlich hat Ayrton damit mein Leben gerettet." Die Angst des McLaren-Stars: dass sich Benzin entzündet.

Comas wird sofort ins Krankenhaus in Lüttich gebracht, dort wird aber nicht einmal eine Gehirnerschütterung festgestellt. Schon am Nachmittag wird der 28-Jährige entlassen, wegen einer gestauchten Wirbelsäule erhält er aber von Rennarzt Sid Watkins keine Starterlaubnis.

Schock für Berger: Crash in Eau Rouge

Am Nachmittag entscheidet sich dann bereits die Startaufstellung, weil es am Samstag während des zweiten Qualifyings regnen sollte. Mansell gibt seine Antwort auf die gescheiterten Williams-Verhandlungen und nimmt bei seiner 27. Pole-Position dem Zweitplatzierten Ayrton Senna 2,198 Sekunden ab. Das ist trotz des längsten Kurses im Kalender eine Welt. Auf Platz drei lauert bereits Schumacher im Benetton vor Mansell-Teamkollege Patrese.

Am Samstag-Vormittag zeigt der Benetton-Pilot, dass mit ihm an diesem Wochenende zu rechnen ist: Er fährt bei sintflutartigen Regenfällen Bestzeit. Kurz darauf kehrt die Angst erneut in das Fahrerlager zurück: McLaren-Pilot Berger, der am Freitag große technische Probleme hatte, bekommt bei der Anfahrt zur gefürchteten Eau-Rouge-Senke Aquaplaning und biegt im rechten Winkel in die Leitplanken ab. Tempo: 230 km/h.

Der McLaren wird wie eine Billard-Kugel hin und her geschleudert. "Dort läuft ein Bach über die Piste", erklärt der Österreicher, der einen Brand befüchtet: "Beim zweiten Anprall sehe ich im Rückspiegel das Feuer - und drücke noch im Lenken den Knopf für den Feuerlöscher." Berger steigt sofort aus, geht aber rasch zu Boden: "Mir ist schlecht und schwindlig." Berger lässt das Nachmittags-Qualifying aus, ist aber fit für das Rennen. Auch der Italiener Pierluigi Martini kommt auf dem Bach ins Schleudern, aber auch er übersteht den Crash. Die Mutstrecke zeigt an diesem Wochenende ihre Zähne.

Schumacher erahnt seinen ersten Triumph

Als auch am Sonntag-Vormittag dunkle Gewitterwolken über den Ardennen hängen, schießt es Schumacher, der im Aufwärmtraining erneut Bestzeit fuhr, plötzlich durch den Kopf: "Heute kannst du gewinnen." Im Nachhinein wundert er sich: "Ich weiß nicht, warum ich dieses Gefühl hatte." Für Mansell beginnt der Tag hingegen wie verhext: Bei der Ankunft an der Strecke wird ausgerechnet der neue Weltmeister zunächst nicht reingelassen, weil er seinen Pass vergessen hat.

Als dann um 14:00 Uhr wie angekündigt die ersten Regentropfen fallen, kommt der Brite beim Start nicht optimal weg und muss Senna den Vortritt lassen. Teamkollege Berger fährt hingegen sein kürzestes Rennen: Wegen einer kaputten Kupplung kommt er nur 20 Zentimeter weit und muss aufgeben - ein völlig verpatztes Wochenende für ihn.

Doch auch die McLaren-Führung durch Senna hält nicht lange: Schon in der ersten Runde ziehen die überlegenen Williams-Boliden am Brasilianer vorbei. Da der Regen aber stärker wird, kommt Leader Mansell in der dritten Runde an die Box. Eine Runde später kommt auch der hinter Senna feststeckende Schumacher herein und wechselt auf Regenreifen. Die beiden müssen sich durch das Mittelfeld kämpfen.

"Strategiegenie" Senna verpokert sich

Ausgerechnet als Patrese aus der Box fährt, dreht sich Ferrari-Pilot Jean Alesi im Duell mit Mansell in der La-Source-Haarnadel und touchiert dabei das rechte Vorderrad des Williams. Dadurch wird nicht nur Mansells Lenkung schwergängiger, er muss auch zusehen, wie der Teamkollege vor ihm auf die Strecke zurückkehrt.

Der einzige, der zu diesem Zeitpunkt noch immer auf Slicks unterwegs ist: Leader Senna. "Weil ich etwas anderes als Mansell riskieren muss und später eh alle Reifen wechseln", argumentiert er. Doch der Poker misslingt: Der Regen lässt trotz aller Gebete Sennas noch nicht nach, wodurch er vom heranbrausenden Mansell in der elften Runde von der Spitze verdrängt wird. Der Brite hatte soeben Patrese ausgebremst. Senna wird bis auf Platz sieben durchgereicht, ehe er drei Runden nach dem Führungswechsel resigniert und ebenfalls auf Regenreifen wechselt.

Doch was macht Schumacher zu diesem Zeitpunkt? Der Kerpener hängt unterm Getriebe des Zweitplatzierten Patrese und hat Teamkollege Martin Brundle im Genick. Und verliert den Glauben an seine Vorahnung vom Vormittag: "Als ich eine ganze Weile lang Dritter und Vierter war, dachte ich: Na prächtig, soweit zu deinem Gefühl, heute wird's also wieder nichts. Anschließend hatte ich eine ganze Weile nicht mehr daran gedacht, ich hatte das Thema irgendwie abgehakt."

Wie ein Ausrutscher zu Schumachers Trumpf wird

Doch dann überschlagen sich die Ereignisse: Senna, der nichts mehr zu verlieren hat, wechselt in der 28. Runde wegen der nun doch abtrocknenden Strecke als einer der ersten auf Slicks, dreht sich aber gleich darauf in der La-Source-Haarnadel. Aber auch der auf Platz drei liegende Schumacher jagt den vielen deutschen Fans in Spa-Francorchamps einen Schrecken ein: Weil das Visier seines neuen leichteren Bell-Spezialhelms beschlägt, rutscht er von der Piste und schlägt beinahe in die Reifenstapel ein.

"Das war haarig", schildert er das Beinahe-Aus. "Ich verpasste den Scheitelpunkt, rodelte über den Randstein und konnte nur mit viel Glück verhindern, dass ich nicht in die Begrenzung gekracht bin." Der Fahrfehler, der ihn direkt hinter seinen Teamkollegen Brundle auf Platz vier zurückwirft, wird aber zum Schlüsselmoment in diesem Grand Prix.

"Als ich Martins Reifen sehe, merke ich: Sie werfen Blasen, zeigen Auflösungserscheinungen. Also denk ich, müssten meine Pneus im gleich schlechten Zustand sein", analysiert der Benetton-Pilot und fordert sofort frische Slicks an. Schumacher fährt eine Schnellste Runde nach der anderen. "Dieser gelungene Reifenpoker ist wohl der Grund, weshalb ich schließlich dieses Rennen gewinnen kann."

Warum Mansell Schumacher nicht mehr abfangen kann

Warum Williams auf den "fliegenden" Benetton-Piloten nicht reagiert und Leader Mansell erst drei Runden später hereinholt? Ein Missverständnis am Funk. Als der Brite aus der Box kommt, liegt Schumacher plötzlich einige Sekunden vor dem Favoriten an der Spitze. Doch Mansell gibt sich nicht geschlagen, arbeitet sich bis auf drei Sekunden an den Benetton heran.

Schumacher kontert in der 39. Runde - also fünf Umläufe vor Schluss - mit einer Rundenzeit von 1:53.791. Das ist zu diesem Zeitpunkt Rundenrekord! Bei Mansell kehrt das Pech zurück, sein Auspuff bricht, und er verliert fünf Sekunden pro Runde. Er rettet zwar Platz zwei, kommt aber geschlagene 36,595 Sekunden hinter Sensationssieger Schumacher ins Ziel. Patrese wird Dritter, Brundle, der ausgepokerte Senna und Mika Häkkinen im Lotus holen die verbleibenden Punkte.

Warum Schumacher auf seinen ersten Sieg so stolz ist

Doch die Story des Tages ist ganz klar Schumacher, der 17 Jahre nach Jochen Mass im Abbruchrennen von Barcelona 1975 wieder dafür sorgt, dass die deutsche Bundeshymne gespielt wird. "Diesen Sieg schenke ich den deutschen Fans, denn sie haben so lange warten müssen", verkündet Schumacher, dem in der Auslaufrunde seines erst 18. Grands Prix die Tränen kommen. Was ihn besonders freut: dass er den Sieg aus eigener Kraft geholt hat. "Praktisch alle Spitzenpiloten waren noch im Rennen. Niemand kann mir vorwerfen, ich hätte den ersten Platz geerbt."

Als Mass 1975 siegte und durch den Flügelbruch von Landsmann Rolf Stommelen einige Streckenposten auf tragische Art und Weise ums Leben kamen, war Schumacher erst sechs Jahre alt. "Damals fuhr ich schon mein zweites Jahr Go-Kart, aber von der Formel 1 hatte ich keine Ahnung", sagt der neue Star. Und jetzt gewinnt er ausgerechnet dort, wo die bis dahin letzte große deutsche Hoffnung Stefan Bellof 1985 ihr Leben ließ. Es sollte der Anfang einer unglaublichen Erfolgsgeschichte sein: 90 weitere Schumacher-Siege werden folgen.

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