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Paul di Resta: Vom Bügelbrett ins Williams-Cockpit!

Am Vormittag noch TV-Kommentator, drei Stunden später im Qualifying im Cockpit: Paul di Resta erlebt bei der Formel 1 in Ungarn einen denkwürdigen Tag

Paul di Resta
Paul di Resta fand sich unerwartet im Williams-Cockpit wieder
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Es gibt Tage im Leben, an denen der Alltagstrott seinen geregelten Gang geht. Und es gibt Tage, an denen zwischen Aufwachen und Zubettgehen Dinge passieren, die man beim Einschlafen am Vorabend noch nicht für möglich gehalten hätte. Einen solchen Tag erlebte heute beim Grand Prix von Ungarn Paul di Resta. Im dritten Freien Training war er noch als Experte für den britischen Fernsehsender Sky Sports F1 tätig. Zwei Stunden später saß di Resta dann aber plötzlich nicht in der Kommentatorenkabine, sondern während des Qualifyings im Cockpit eines Williams FW40.

"Um kurz vor elf Uhr haben ich noch mein Hemd für die TV-Übertragung gebügelt", schüttelt di Resta über die erstaunliche Wendung dieses Sonntags ein wenig den Kopf. Der 31-Jährige ist neben seinem Engagement als TV-Experte und seinem Hauptjob als DTM-Fahrer von Mercedes auch offizieller Ersatzfahrer von Williams. Und in dieser Funktion war der Schotte am Mittag plötzlich gefragt, nachdem Felipe Massa das Handtuch werfen musste.

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Geschwächt von einer Viruserkrankung musste der Brasilianer nach zwölf Runden im dritten Freien Training einsehen, dass eine weitere Teilnahme am Rennwochenende nicht möglich ist. Daher musste Williams di Resta aktivieren. "Ich hatte schon langweiligere Tage", meint Technikchef Paddy Lowe. "Es war in meiner Karriere das erste Mal, dass wir einen Fahrer während eines Wochenende wechseln mussten." Und das will etwas heißen, denn der Brite ist seit 30 Jahren als Ingenieur in der Formel 1 tätig.

Williams hofft bis zuletzt auf einen Start von Massa

Zwar hatte sich das Team schon am Freitagabend auf einen möglichen Fahrerwechsel vorbereitet und daher auch den Umbau des Autos trainiert, doch bis zum Samstagmittag hatte man noch gehofft, dass Massa würde fahren können. "Er ist am Morgen noch einmal untersucht worden, und die Ärzte meinten, er könne fahren. Auch Felipe dachte, es würde gehen, aber das war dann doch nicht der Fall", erklärt Lowe.

So verlor Williams, rückblickend betrachtet, das dritte Training, um di Resta eine Vorbereitung zu ermöglichen. Und die hätte der Schotte gut gebrauchen können. Denn außer ein paar Runden am Steuer eines 2014er-Autos hatte er bis heute keine Erfahrung in einem Formel-1-Auto der aktuellen Turbo-Hybrid-Ära. Und seinen letzten Renneinsatz (alle Rennen von Paul di Resta in der Formel-1-Datenbank) hatte di Resta vor 1343 Tage, als er beim Saisonfinale 2013 in Brasilien für Force India gefahren war.

Das Qualifying war für den Ersatzmann daher in jeder Beziehung ein Sprung ins kalte Wasser. Doch den meisterte di Resta erstaunlich gut. Schon nach seiner zweiten fliegenden Runde war die 107-Prozent-Hürde kein Thema mehr, und am Ende von Q1 konnte der Schotte mit Sauber-Pilot Marcus Ericsson sogar einen Fahrer hinter sich lassen. Der Rückstand auf seinen Teamkollegen Lance Stroll hielt sich mit gut sieben Zehntelsekunden ebenfalls in Grenzen. Und dass in einem Auto, das auf Massa abgestimmt war.

Toto Wolff zieht den Hut vor seinem DTM-Fahrer

"Er hat einen unglaublichen Job gemacht", zieht Mercedes-Sportchef Toto Wolff, in der DTM di Restas Vorgesetzter, vor seinem Angestellten den Hut. "Er ist dieses Auto noch nie gefahren, hat ohnehin nur eine Handvoll Runden in einem 2014er-Auto gedreht, fährt normalerweise einen Tourenwagen und wird dann in ein Formel-1-Cockpit katapultiert. Dann nicht lächerlich auszusehen und nur sieben Zehntelsekunden langsamer als der Teamkollege zu fahren, ist eine gewaltige Leistung. Ich freue mich sehr für Paul, er dürfte damit alle Erwartungen übertroffen haben."

Nicht ganz erfüllt wurden aber die Erwartungen von di Resta an das Fahrverhalten des Williams FW40. "Es hat mich nicht schockiert. Ich hätte gedacht, dass es ein bisschen schneller ist, als es letztlich war", gibt er zu. Und erkennt, in welchen Bereichen er sich noch steigern muss. "Ich habe etwas zu früh gebremst und das Auto hat für mich zu stark eingelenkt. Das Gas hat einen längeren Pedalweg als früher, daher muss man herausfinden, wie weit man es treten kann, bevor die Räder durchdrehen", erzählt di Resta.

Williams tat das seinige, um seinem Ersatzfahrer das Leben leichter zu machen. "Wir mussten es einfach halten, was die Einstellungen am Lenkrad und die Kommandos während des Qualifyings betrifft", sagt Lowe. Die zahlreichen Einstellmöglichkeiten am Lenkrad sind ein Punkt, der di Resta im Vorfeld seines spontanen Einsatzes am meisten Kopfzerbrechen bereitet hatte - und mit Blick auf das Rennen noch bereitet: "Ich muss vor allem über das Lenkrad und die Aufwärmende bescheid wissen, denn während der darf das Team nicht mit mir sprechen", sagt er. "Wir haben das alles vor Australien gelernt, und zum Glück hatte ich noch nicht allzu viel vergessen."

Wie steht es im Rennen mit der Fitness?

Nun sind eine Handvoll Runden im Qualifying das eine, eine komplette Renndistanz aber etwas anderes. Das weiß auch di Resta. "Das Rennen wird eine ganz andere Geschichte. Ich weiß nicht, wie sich die Reifen verhalten und bin das Auto noch nicht mit viel Benzin an Bord gefahren", sieht der Schotte noch viele Fragezeichen. "Das Anbremsen der ersten Kurve wird eine ziemliche Überraschung werden."

Auch Boxenstopps in einem Formelauto hat der hauptamtliche DTM-Pilot seit mehr als drei Jahren nicht mehr probiert. "Ich habe am Ende des Qualifying vor der Box angehalten. Daraufhin meinte mein Renningenieur: 'Du hast zwar die Markierungen getroffen, aber morgen stehen da 16 Leute und wollen dein Auto in zwei Sekunden abfertigen.'"

Die größte Herausforderung sieht di Resta bei erwarteten Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius und einer Distanz von 70 Runden aber in der Fitness. Ein Punkt, über den er sich noch am vergangenen Wochenende beim Rennen der DTM in Moskau mit seinem Teamkollegen Lucas Auer unterhalten hatte, der in der nächsten Woche für Force India seinen ersten Formel-1-Test fahren wird.

Stichwort Ersatzfahrer: Mercedes käme in Verlegenheit

"Ich habe Lukas gesagt, dass er noch eine Extra-Schicht einlegen soll. Ich selbst habe meinen Sommerurlaub etwas früher begonnen als ich eigentlich sollte, weil ich dachte, dass für diese Woche alles passen würde", sagt di Resta. Doch ohnehin könne man sich auf die Belastung in einem Formel-1-Auto nur bedingt vorbereiten. "Die Fliehkräfte lassen sich nicht trainieren", sagt er.

"Niki. Er hat sich selbst vorgeschlagen."
Toto Wolff über einen Ersatzfahrer bei Mercedes

Während di Resta im Rennen ohne jeden Druck vor allem weitere Erfahrungen sammeln will, stellt sich für Williams oder generell in der Formel 1 die Frage, ob man die offiziellen Ersatzfahrer nicht besser für mögliche Einsätze vorbereiten kann. Beispielsweise durch eine Teilnahme an einem ersten Freien Training. "Das könnten wir in Betracht ziehen", sagt Lowe. "Es ist aber die Frage, welche Vorkehrungen man für einen derart unwahrscheinlichen Fall trifft."

Eine ganz andere Frage stellt sich für Mercedes, denn das Silberpfeil-Team hat überhaupt keinen offiziellen Ersatzfahrer nominiert. Wer würde dort in einem ähnlichen Fall wie bei Williams einspringen? "Niki. Er hat sich selbst vorgeschlagen", scherzt Wolff über ein Formel-1-Comeback von Niki Lauda. Allerdings trifft die Frage einen durchaus ernsten Punkt, denn sollte einer der Mercedes-Piloten am Samstag ausfallen, würde ein Auto in der Garage bleiben müssen.

Allerdings gibt Lowe zu bedenken, dass di Resta eine Ausnahme ist und sonst außer Nachwuchsfahrern aus der Formel 2 kaum ein Pilot gesteigertes Interesse an einer Rolle auf der Ersatzbank hat. "Das ist kein besonders attraktiver Job. Paul ist aber ohnehin immer vor Ort, weil er kommentiert."

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