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"Let Michael pass": Warum Jean Todt keine Reue empfindet

Was die Rallye Paris-Dakar 1989, Jacky Ickx' toter Beifahrer und der Sommer des Formel-1-Jahres 2000 mit der Stallorder von Spielberg 2002 zu tun haben

Jean Todt und Michael Schumacher
Jean Todt und Michael Schumacher: Die Stallorder wäre nicht nötig gewesen
© LAT

(Motorsport-Total.com) - "Rubens, it's last lap. Let Michael pass for the championship! Let Michael pass for the championship! Rubens, please." Als Jean Todt in der letzten Runde des Grand Prix von Österreich 2001 den Knopf für den Boxenfunk betätigte, war ihm wahrscheinlich nicht klar, dass er gleich ein Kapitel Formel-1-Geschichte eröffnen würde. Ein paar Minuten später, unter den gnadenlosen Buhrufen zehntausender Fans, vielleicht schon eher.

Heute, genau 15 Jahre nach einer erneuten Stallorder im Jahr 2002, gibt der damalige Ferrari-Teamchef zu, dass er die zweimalige Teamtaktik in Österreich im Nachhinein betrachtet wohl nicht mehr so aussprechen würde. "Zumindest nicht, wenn ich gewusst hätte, wie die WM ausgeht", erklärt er im Interview mit 'Motorsport-Total.com'.

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Denn das war eindeutig: Bereits nach dem elften von 17 Rennen, nach acht Siegen, zwei zweiten Plätzen und einem dritten Platz, stand Michael Schumacher als Weltmeister 2002 fest. So früh wie kein anderer Champion vor ihm. Und auch 2001, als es in Spielberg "nur" um P2/3 statt um den Sieg ging, wurde der Deutsche souverän Weltmeister.

Agreement bereits vor Österreich

Aber dass die WM 2002 schon am 21. Juli gegessen sein würde, konnte am 12. Mai noch keiner wissen. "Vor dem Grand Prix von Österreich", erinnert sich Todt, "wurde entschieden, dass Michael das Rennen gewinnen soll, wenn wir Erster und Zweiter sind." Nachvollziehbar: Schumacher hatte vor Spielberg 44 Punkte auf dem Konto, Rubens Barrichello nur sechs.

Für den Brasilianer war die Stallorder ein Nackenschlag. Natürlich haben wir ihn gebeten, seine Erinnerung an jenes Rennen im Zuge dieses Specials mit unseren Lesern zu teilen. Dazu war er jedoch nicht zu bewegen. Es sei dazu bereits alles gesagt. Und alles, was noch nicht gesagt sei, werde er zu gegebener Zeit mitteilen. Vielleicht in Form einer Biografie, wie wir vermuten.

Ob Barrichello "glücklich" mit der Entscheidung gewesen sei, fragen wir Todt, 15 Jahre danach. Antwort: "Ich bin mir nicht sicher, ob glücklich das richtige Wort ist. Aber es wurde vor dem Rennen so entschieden. Und er hat es akzeptiert."

Quasi im gleichen Atemzug hatte Ferrari Barrichello ein Häppchen zum Trost hingeworfen: "Um Rubens psychologisch zu stärken, haben wir entschieden, seinen Vertrag vor Zeltweg vorzeitig zu verlängern", erinnert sich Luca Colajanni, der damalige Pressesprecher des Ferrari-Teams. Eine Vorab-Belohnung, ohne die es der Nummer "1b" wohl schwergefallen wäre, Spielberg zu akzeptieren.

Ferrari: Start in 2002 mit 2001er-Auto

Wer Spielberg verstehen will, muss die Vorgeschichte aus Ferrari-Sicht kennen. "Wir hatten in Australien noch mit dem 2001er-Auto gewonnen", erzählt Colajanni. "Zu dem Zeitpunkt war geplant, das neue Auto in Imola, beim vierten Rennen, einzuführen. Nach dem Sieg in Australien dachten wir, dass wir leichtes Spiel haben."

"Dann haben wir in Malaysia gegen Williams verloren", verweist er auf den Doppelsieg von Ralf Schumacher und Juan Pablo Montoya. "Zurück in Maranello schmiedeten wir den Notfallplan, das Debüt des neuen Autos vorzuziehen. Das konnten wir aber nicht, weil wir noch nicht genug Ersatzteile hatten."

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1963-2017
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Von Bernie Ecclestone, der seinen Piloten aus dem Cockpit zerren muss, über ein One-Hit-Wonder in der Mauer bis zur Tragödie um die scheinbar harmlosen Kopfschmerzen des Mark Donohue ist in der Österreich-Historie alles dabei.
Von Bernie Ecclestone, der seinen Piloten aus dem Cockpit zerren muss, über ein One-Hit-Wonder in der Mauer bis zur Tragödie um die scheinbar harmlosen Kopfschmerzen des Mark Donohue ist in der Österreich-Historie alles dabei.

Ferrari flog mit zwei neuen Chassis zum dritten Saisonrennen nach Brasilien. Obwohl das Barrichellos Heimrennen war, stellte die Scuderia beide Fahrzeuge des neuen Typs F2002 Schumacher zur Verfügung: ein Renn- und ein Ersatzauto. Barrichello bekam erst beim vierten Rennen in Imola den F2002 - und fuhr damit als Zweiter auf Anhieb seine ersten Punkte der Saison ein.

"Rubens", weiß Colajanni, "war schon angeschlagen, weil er zunächst noch das alte Auto hatte. Dann blieb er in Spanien am Start der Aufwärmrunde stehen. Er hatte vor Zeltweg nur sechs Punkte. Michael hatte 21 Punkte Vorsprung auf Montoya. Und diese 21 Punkte waren weniger als der Vorsprung, den Michael 2000 auf Häkkinen hatte."

Der Ursprung: Schumacher-Krise im Sommer 2000

Jener Sommer 2000 war so etwas wie der Ursprung von "Let Michael pass for the Championship". Nach dem Grand Prix von Kanada, dem achten Saisonrennen, hatte Schumacher - trotz eines Ausfalls davor in Monaco - 24 Punkte Vorsprung auf Mika Häkkinen.

Dann folgten drei Ausfälle hintereinander, und zwei Häkkinen-Siege später, gekrönt vom legendären Sandwich-Überholmanöver in Spa-Francorchamps, hatte der McLaren-Finne plötzlich sechs Punkte Vorsprung. Die entsprachen im damaligen Wertungssystem dem heutigen Äquivalent von 18 Punkten.

Colajanni blickt zurück: "Sie dürfen nicht vergessen, wie enttäuschend der Sommer 2000 für das Team war. Wir haben in vier Rennen den gesamten Punktevorsprung verloren, den Michael auf Häkkinen hatte. Und in Ungarn übernahm Häkkinen die WM-Führung. Weil wir drei Unfälle und einen Ausfall hatten. Uns war also klar, wie schnell auch 40 Punkte Vorsprung weg sein können."

Spielberg 2002 war erst das vierte Rennen des F2002. "Wir waren uns hinsichtlich der Zuverlässigkeit des neuen Autos nicht sicher. Und unsere Gegner hatten Michelin-Reifen. Da bestand jederzeit die Gefahr, dass die plötzlich sehr stark werden. Es war keineswegs selbstverständlich, dass unsere Dominanz so weitergehen würde", erklärt Colajanni die Ferrari-Ängste des Frühjahrs 2002.

Keine Reue beim heutigen FIA-Präsidenten

Teamchef Todt bestätigt, dass die Stallorder "im Nachhinein betrachtet nicht notwendig" gewesen wäre. Trotzdem empfindet er keine Reue: "Wir hatten schon so viele Weltmeisterschaften im letzten oder vorletzten Rennen verloren: 1997, 1998, 1999." Dadurch sei man auch 2002 noch demütig gewesen, "weil uns bewusst war, dass es nicht ewig anhalten würde".

"Daher waren wir vielleicht übervorsichtig. Und sobald klar war, dass Michael die bessere Chance haben würde, Weltmeister zu werden, hatte er Priorität", stellt der Franzose klar - und räumt mit dem Gerücht auf, Ferrari sei immer von vornherein ein Team Schumacher gewesen: "Wären Rubens oder Irvine vorne gelegen, hätten wir auch Michael gebeten, den Teamkollegen zu unterstützen." Was in den letzten beiden Saisonrennen 1999 der Fall war.

"Als wir es für Eddie getan haben - ich denke an Mika Salo in Hockenheim -, war es überhaupt kein Drama. Oder in Malaysia: Michael war überlegen in Führung, hat Irvine aber den Sieg geschenkt", verweist Todt auf konkrete Beispiele. "Ob es nun richtig war oder falsch, sei dahingestellt. Aber im Motorsport hat es schon immer Teamstrategie gegeben."

"Später in der Saison haben alle gesagt: 'Ihr hattet doch so viel Vorsprung!' Aber das wussten wir so früh noch nicht", bittet Colajanni um Verständnis für die damalige Entscheidung. Zumal Ferrari vor dem WM-Titel 2000 21 lange Jahre auf den ganz großen Coup hatte warten müssen. In Spielberg wirkten diese 21 Jahre Unsicherheit nach, obwohl Ferrari eigentlich längst das dominierende Team der Formel 1 war.

Kehm: So war die Stimmung zu erklären

Sabine Kehm, damals Schumachers Medienbetreuerin, erinnert sich: "Die Stimmung im Team war so, dass man gesagt hat: 'Okay, es war vielleicht ein bisschen verfrüht. Aber es ist besser, die Punkte sicher zu haben.' Was nach außen schwer vermittelbar war zu dem Zeitpunkt: Ferrari hatte schon zweimal die WM gewonnen. Die müssen doch stark sein und viel Selbstvertrauen haben!"

"Aber die traumatische Erfahrung, 21 Jahre keinen Fahrertitel gewonnen zu haben, und auch der wahnsinnige Druck des 2000er-Titels steckten noch so in den Leuten drin, und die Angst war so groß, dass man im Team gesagt hat: 'Es ist trotzdem besser, man hat das sicher in der Tasche.'"

"Es wurde als absolut notwendig empfunden. Und Michael hat das in meiner Erinnerung genauso gesehen wie das Team. Alles, was man tun kann, muss man tun, damit man hinterher nicht in die Bredouille kommt. Alles, was wir absichern können, sichern wir ab. So hat man das im Team empfunden. Und das hat auch jeder mitgetragen", erklärt Kehm im Interview mit 'Motorsport-Total.com'.

Mit Todt als Fels in der Brandung vorneweg. Der französische Rennleiter hatte mit dem Thema Stallorder noch nie Berührungsängste. Einerseits um die Interessen des Teams, "aber auch um die Fahrer zu schützen", wie er heute sagt. Das war schon lange vor Ferrari der Fall, als Todt noch Rennleiter der PSA-Peugeot-Citroen-Gruppe war.

Münzwurf entscheider Paris-Dakar 1989

Eine legendäre Episode geht zurück auf die Rallye Paris-Dakar 1989, als unter Todts Regie die Teamkollegen Ari Vatanen und Jacky Ickx quasi außer Konkurrenz wie die Irren um den Gesamtsieg fuhren. "Die beiden haben mich gebeten, das zu stoppen", erzählt Todt. Gesagt, getan: Der Pragmatiker schnappte sich eine Zehn-Franc-Münze - und ließ das Schicksal entscheiden, wer gewinnen darf.

"Gehen wir das Risiko ein, einen schweren Unfall zu riskieren? Ich wollte sie schützen", sagt Todt und betont: "Wir hatten alle zugestimmt." Zwei Jahre später bekam er vor Augen geführt, wie gefährlich ein Wettrennen sein kann, als Ickx bei der Pharaonen-Rallye einen schweren Unfall erlitt und sein Citroen abbrannte. Todt musste selbst mitanschauen, wie Ickx' Beifahrer Christian Tarin in den Flammen starb. Auch das hat ihn geprägt.

Ohne Todts pragmatische Kompromisslosigkeit wären die Ferrari-Erfolge zu Beginn dieses Jahrtausends nicht möglich gewesen. "Es war teilweise sehr schmerzhaft, zum Erfolg zu finden", erinnert er sich und unterstreicht: "Aber Teamstrategie war in meiner gesamten Karriere Teil des Spiels."

"Wir haben es nie beim ersten oder zweiten Rennen getan. Sondern immer erst, wenn sich abzeichnete, dass ein Fahrer im Vorteil ist. Ab dem Punkt hatte Michael Priorität im Team", verteidigt Todt 15 Jahre später die unpopuläre Entscheidung von Spielberg - und bedauert: "Die Art und Weise, wie es umgesetzt wurde, war sehr schmerzhaft für die Fans."

Medialer "Fallout" gnadenlos

"Aber auch für unser Team! Wir hätten einen Doppelsieg feiern sollen. Stattdessen mussten wir uns um eine Katastrophe kümmern", so der heute 71-Jährige. Sich um diese Katastrophe, genauer gesagt den medialen "Fallout", zu kümmern, war Hauptaufgabe von Colajanni. Der wiederum kann zumindest zum Teil nachvollziehen, warum Ferrari dermaßen unter Beschuss genommen wurde.

"Es gab in Österreich schon im Jahr davor eine Situation", spielt er auf das Rennen 2001 an, als Barrichello seinen zweiten Platz für Schumacher opfern musste. Und: "Michael war in Zeltweg traditionell nicht so schockierend schnell wie auf anderen Strecken. Es gab ein paar Strecken, auf denen war er auch 'nur' menschlich. Indianapolis war auch so eine oder Silverstone. Und Rubens war ab dem ersten Freien Training sehr schnell."

"Der Aufruhr ist entstanden, weil es so offen praktiziert wurde, unmittelbar vor der Zielflagge", findet er. "Todt hat zu Rubens gesagt: 'Wir wollen es so machen, damit die Menschen sehen, dass du den Sieg verdienst, aber Michael braucht die Punkte für die Weltmeisterschaft.' Das wurde vom Publikum komplett missverstanden."

"Ab dem Zeitpunkt, als wir einen Doppelsieg ziemlich sicher hatten, war mir kristallklar, dass wir die Positionen tauschen müssen", sagt Colajanni. "Unser Fehler war, es so transparent zu machen. Im Nachhinein betrachtet hätten wir es auf McLaren-Art machen sollen." Also mit einem verpatzten Boxenstopp bei Barrichello oder einem angeblich langen Bremspedal. Aber: "Ich finde heute noch, dass es so richtig war."

Ferraris offene Herangehensweise nicht gewürdigt

Ferrari hätte mit gezinkten Karten spielen können, und niemand hätte von der Stallorder etwas gemerkt. So hingegen wurde der Öffentlichkeit gezeigt: Rubens Barrichello ist der moralische Sieger dieses Rennens - aber Michael Schumacher bekommt die WM-Punkte. Diese Offenheit wurde nicht von allen Seiten gewürdigt. So schrieb etwa die 'Süddeutsche Zeitung' von einem "Kasperltheater".

Was viele vergessen: Am unwohlsten muss Schumacher bei der Sache gewesen sein. "Das hat man auf dem Podium gesehen", sagt Kehm, schon damals eine seiner engsten Vertrauten. "Und es war mit Sicherheit auch Rubens unangenehm. Für ihn war es eine blöde Situation. Michael war ja immer wichtig, zu seinen Teamkollegen ein gutes Verhältnis zu haben."

"Michael war sehr peinlich berührt. Er sah wie ein Idiot aus."
Jean Todt

"Michael war sehr peinlich berührt. Er sah wie ein Idiot aus", meint Todt und legt nach: "Wir alle sahen wie Idioten aus!" Auch Barrichello, der seinen "Sieg" mit der deutschen Nationalhymne feiern musste. Immerhin: "Da er das Rennen unter normalen Umständen gewonnen hätte, bekam er auch den Siegerbonus."

"Am Ende der Saison", ergänzt Kehm, "waren sich alle einig: 'Okay, im Nachhinein betrachtet hätte es nicht sein müssen.' Aber zu dem Zeitpunkt wusste noch keiner, dass es so ein Jahr werden würde. Die Unsicherheit war, nach 21 Jahren ohne WM-Titel, wirklich groß. Auch wenn Ferrari das damals keiner abgenommen hat."

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