Aktuelle Bildergalerien
 
ANZEIGE
 
 
Formel-1-Newsletter

Formel-1-News in Ihr E-Mail-Fach!

Abonnieren Sie jetzt den kostenlosen täglichen und/oder wöchentlichen Formel-1-Newsletter von Motorsport-Total.com!
Jetzt Newsletter abonnieren
 
ANZEIGE
 
 
Apps zu Formel 1, MotoGP, DTM und Co. für Android, iOS und Windows Phone
ANZEIGE
Folgen Sie uns!
Motorsport-Total.com bei Facebook Motorsport-Total.com bei Google+ Motorsport-Total.com bei Twitter RSS-Feeds von Motorsport-Total.com
Die aktuelle Umfrage

Nach Niki Laudas Rücktritt: Wer soll neuer RTL-Experte werden?

Gerhard Berger
Timo Glock
Alex Hofmann
Nico Rosberg
ein anderer
Sie sind hier: Home > Formel 1 > Newsübersicht > History

1989: Ein Ungarn-Grand-Prix für die Ewigkeit

Wie ein entfesselter Nigel Mansell McLaren-Honda im 26. Rennen trotz Startplatz zwölf die erste echte Niederlage verpasste und ihn ein Fan zu Boden brachte

Nigel Mansell, Ayrton Senna
Auch Ayrton Senna konnte den entfesselten Nigel Mansell nicht aufhalten
© LAT

(Motorsport-Total.com) - "Das war vielleicht das beste Rennen meines Lebens", strahlt Ferrari-Pilot Nigel Mansell nach seinem sensationellen Triumph auf dem Hungaroring. Als erster Pilot hat der Brite gerade beim Grand Prix von Ungarn 1989 die als unschlagbar geltende McLaren-Honda-Allianz aus eigener Kraft besiegt. Ohne Hilfe durch technische Defekte oder Unfälle, im bereits 26. Rennen dieser Erfolgspartnerschaft, die seit Anfang 1988 die Formel 1 im Würgegriff hält.

Doch wie kam es zu dieser Sternstunde, die von einem denkwürdigen Überholmanöver Mansells gegen Ayrton Senna geprägt wurde? Schon vor dem Wochenende in Ungarn hatten die Gegner von McLaren-Honda ihre Messer gewetzt.

ANZEIGE

"Wenn wir irgendwo eine Chance haben, die McLaren zu besiegen, dann hier", schickte Ferrari-Pilot Gerhard Berger, der sich von seinem Feuerunfall in Imola wieder erholt hatte, vor dem Wochenende eine Drohung in Richtung Woking. Der Grund: Auf dem winkeligen Kurs in der Nähe von Budapest spielte der bärenstarke Honda-Motor eine untergeordnete Rolle. Und das von John Barnard designte Ferrari-Chassis sollte seine Stärken ausspielen können.

Fahrerkarussell kommt in Schuss: Prost zu Williams?

Hinter den Kulissen kam währenddessen das Fahrerkarussell so richtig auf Touren. "Prost zu Williams!", lautete das heißeste Fahrerlager-Gerücht im Vorfeld das Ungarn-Grand-Prix. Da Berger bei McLaren unterschrieben hatte, war der mit Senna zerstrittene Franzose auf der Suche nach einem neuen Team. Und der neue Williams-Motorenpartner Renault soll sich für den in der WM führenden Landsmann stark gemacht haben, hieß es.

Doch was würde dann mit Riccardo Patrese passieren? Angeblich sollte der Italiener Bergers Cockpit bei Ferrari übernehmen. Die Geschichte sollte später beweisen: Prost wechselte tatsächlich zu Williams-Renault, allerdings erst 1993, denn mit Saisonende machte sich der damals zweimalige Weltmeister auf den Weg nach Maranello.

Doch auch Bergers bevorstehender Wechsel zu McLaren sorgte für heftige Diskussionen. Würde der Österreicher, der mit Mansell bei Ferrari durchaus seine Mühe hatte, gegen Superstar Senna bestehen können? "Bei McLaren wird es jetzt schwierig für ihn", warnte Niki Lauda gegenüber 'Motorsport aktuell' seinen Landsmann und Formel-1-Nachfolger. "Ich nehme ja nicht an, dass der Berger schneller ist als der Senna, aber der Senna hat den Bonus, dass er bei McLaren etabliert ist. Der Druck ist irrsinnig hoch."

Ungarn-Grand-Prix nach vier Jahren vor dem Aus?

Schon in Ungarn plante Berger, der im Qualifying-Duell 2:6 zurücklag, einen Befreiungsschlag. Doch der Plan sollte nicht aufgehen. Ein ähnliches Schicksal drohte damals auch den Ausrichtern des ersten Grands Prix im ehemaligen Ostblock. Ausgerechnet als der Eiserne Vorhang fiel, schien das Ende des 1986 erstmals ausgetragenen Rennens bevorzustehen. Der Grund: Die Ausgaben waren 1988 doppelt so hoch wie die Einkünfte aus dem Ticketverkauf, weshalb das Rennen in die Roten Zahlen fiel.

Doch Formel-1-Boss Bernie Ecclestone bemühte sich vor Ort darum, die Wogen zu glätten. "Wir haben einen Fünfjahresvertrag, der noch ein Jahr gilt und von uns selbstverständlich eingehalten wird", diktierte der Brite den Journalisten in ihre Notizbücher. Dass das Rennen bis 2017 noch jedes Jahr stattfinden sollte, hätte damals wohl niemand geahnt. Auch wenn man 1989 nach Jahren der Dürre wieder mit einem Besucheransturm rechnete: 120.000 Besucher wurden am Hungaroring erwartet - nur um 10.000 weniger als bei der Premiere.

Qualifying: Alex Caffi entzaubert die Superstars

Und die erlebten schon am ersten Trainingstag eine Überraschung: Der von den Williams-Gerüchten um Prost aufgestachelte Italiener Patrese knallte im ersten Qualifying eine aufsehenerregende Bestzeit von 1:19.726 in den staubigen Asphalt, der kaum Grip bot. 1,314 Sekunden dahinter die noch größere Sensation: Kein McLaren-Pilot, sondern Dallara-Pilot Alex Caffi stellte seinen Hinterbänkler-Boliden in die provisorische erste Startreihe.

Als sich das Bild auch am Samstag bestätigte, war die Verwirrung groß: Patrese, der das hohe Drehmoment seines Renault-Triebwerks ausnutzte, musste seine Zeit vom Freitag nicht einmal mehr verbessern und sicherte sich somit die erste Pole-Position seit Monza 1983, als er noch für Brabham-BMW gefahren war. Und er beendete damit auch die McLaren-Serie von 16 Poles in Folge.

"Ich spüre, wie schnell ich und das Auto in den Kurven sind, aber riskiert habe ich überhaupt nichts", stapelte der glückliche Pole-Setter tief. Vom möglichen Sieg wollte er trotzdem nichts wissen. "Ich wäre schon glücklich, wenn ich mit den McLaren überhaupt mitfighten kann." Senna war es tatsächlich noch gelungen, seinen Boliden in die erste Startreihe zu stellen. "So schnell wie Patrese hätte ich aber nicht fahren können", klagte er.

Mansell schimpft nach Startplatz zwölf: Ferrari "unfahrbar"

Auf Platz drei hielt sich Dallara-Underdog Caffi, der damit beide Ferrari und den McLaren von Prost besiegte. Das Geheimnis: Während die meisten Teams mit Goodyear-Reifen ins Qualifying gingen und die Gummis kaum auf Temperatur brachten, setzte Dallara auf die weichen Pirelli-Reifen, die mit dem Hungaroring zumindest auf einen schnelle Runde hervorragend harmonierten.

"Nigel ist draufgekommen, dass er mit viel Sprit schneller ist als mit leerem Tank."
Gerhard Berger

Am schlimmsten erwischte es Ferrari: Während Berger immerhin Fünfter wurde, kam Mansell nur auf den zwölften Startplatz. Der Brite wechselte zwischen dem Einsatz- und dem Ersatzwagen hin und her und stellte am Ende entnervt fest: "Beide sind unfahrbar. Ich fand keinen Grip, das Untersteuern war nicht wegzubringen."

Erst als er kurz vor Ende des Qualifyings aufgab und sich entschloss, mit mehr Sprit an der Rennabstimmung zu arbeiten, brandete Hoffnung auf: Plötzlich lag der Bolide gut auf der Strecke. "Nigel ist draufgekommen, dass er mit harten Rennreifen und viel Sprit schneller ist als mit leerem Tank und weichen Reifen", erklärt Berger. Der Grund: Der reifenschonende Ferrari benötigte das Zusatzgewicht durch den Sprit, damit die Reifen ins richtige Temperaturfenster kamen. "Wir hätten im Training 60 Liter Sprit einfüllen müssen", ärgerte sich Berger, für den 10.000 Fans aus dem nahen Österreich angereist waren.

Ferrari wird über Nacht zum schnellsten Auto

Doch immerhin bot die Spriterkenntnis eine gute Perspektive für das Rennen. Zumindest für Berger, denn der Hungaroring war schon damals dafür bekannt, kaum Überholmanöver zuzulassen, was Mansells Qualifying-Ergebnis umso bitterer machte. Doch "Il Leone", wie der Brite von den Ferraristi genannt wurde, deutete am Renntag schon im Aufwärmtraining mit der Bestzeit an, dass er noch lange nicht aufgegeben hatte. "Erst in der Nacht auf Sonntag haben wir gelernt, wie wir unsere Autos abstimmen müssen", erklärte Mansell den Grund. " Doch jetzt stehe ich hinten."

Triumphe & Tragödien in Ungarn

Sensationelle Aufholjagden, unverzeihliche Fehler und schwere Unfälle: Die Highlights aus 78 Jahren Grand Prix von Ungarn


1936-2016
Foto 1 von 22
Erstmals wird ein Grand Prix von Ungarn bereits 1936 ausgetragen. Am 21. Juni verfolgen rund 100.000 Zuschauer das Rennen auf einer engen, verwinkelten Strecke im Nepliget-Park in Budapest. Alle Mercedes-Fahrzeuge fallen aus und Alfa-Romeo-Pilot Nuvolari gewinnt souverän vor den Fahrern der Auto Union. Der Lauf zählte damals allerdings noch nicht zur ausgetragenen Europameisterschaft. Erst 50 Jahre später wurde es ein offizieller Lauf der Formel-1-Weltmeisterschaft.
Erstmals wird ein Grand Prix von Ungarn bereits 1936 ausgetragen. Am 21. Juni verfolgen rund 100.000 Zuschauer das Rennen auf einer engen, verwinkelten Strecke im Nepliget-Park in Budapest. Alle Mercedes-Fahrzeuge fallen aus und Alfa-Romeo-Pilot Nuvolari gewinnt souverän vor den Fahrern der Auto Union. Der Lauf zählte damals allerdings noch nicht zur ausgetragenen Europameisterschaft. Erst 50 Jahre später wurde es ein offizieller Lauf der Formel-1-Weltmeisterschaft.

In den Stunden vor dem Rennen legte Mansell ein Nickerchen ein - und auch in der Startaufstellung wirkte er noch verschlafen. "Ich bin noch nicht richtig wach", verriet er. Doch davon war im Beschleunigungsduell zur ersten Kurve nichts mehr zu spüren: Der Ferrari-Pilot katapultierte sich auf den achten Platz nach vorne.

Genau, wie er es sich vorgenommen hatte. "Ich wusste, dass ich vier, fünf Positionen gutmachen muss", erklärte er. "Also bin ich in ersten Kurve außen an meinen Konkurrenten vorbeigefahren." Das gelang Senna nicht: Der Brasilianer wäre zwar innen fast an Leader Patrese vorbeigegangen, musste sich aber mit der Verfolgerrolle zufriedengeben. Dafür behielt Caffi die Nerven und hielt sich zumindest in den ersten drei Runden auf dem dritten Platz, ehe die Pirelli-Reifen nachließen und er zunächst von Berger und dann von Prost überholt wurde.

Runde 20: Die Mansell-Show beginnt

Während sich also an der Spitze ein Vierkampf zwischen Patrese, Senna, Berger und Prost zusammenbraute, verlor Mansell pro Runde rund eine Sekunde auf die Führenden. "Ich war eingesperrt hinter diesem Zug, bestehend aus vier Autos", spielt er auf Bremsklotz Caffi, Williams-Pilot Thierry Boutsen und Benetton-Fahrer Alessandro Nannini an. Doch anstatt wild zu attackieren, erwies sich Mansell als glänzender Taktiker: "Ich habe mich zurückgelehnt und sagte mir: Bleib ruhig, mach dir einen Sonntagnachmittag-Spaziergang."

Der endete in der 20. Runde, als Mansell die Chance nutzte und zunächst an Boutsen und dann an Caffi vorbeiging. Die Herausforderung Nannini hatte sich davor bereits durch einen Boxenstopp in Luft aufgelöst. Der Rückstand auf die Führungsgruppe war zu diesem Zeitpunkt bereits auf rund 16 Sekunden angewachsen, doch nun zündete Mansell den Turbo: Er holte zwei Sekunden pro Runde auf und pirschte sich völlig entfesselt an die Spitzengruppe heran.

Ferrari setzte nun auf einen taktischen Schachzug: Man holte Berger, der an Senna nicht vorbeikam, an die Box, damit der Österreicher in der Endphase womöglich seinen Reifenvorteil ausspielen kann. Auch wenn der Boxenbefehl in der 30. von 77 Runden beim Ferrari-Piloten für Verwunderung sorgte: "Meine Reifen waren völlig in Ordnung."

Stein reißt Leader Patrese aus dem Kampf um den Sieg

Damit gewann Mansell einen weiteren Platz und war schon Vierter. Während Berger 19 Sekunden hinter seinem Teamkollegen mit frischen Reifen die schnellsten Runden im Feld fuhr, drang Mansell mit einem Überholmanöver gegen Prost in der 41. Runde auf der Gegengeraden in die Spitzengruppe ein. "Alain war hart, aber fair", urteilte Mansell.

Als zehn Runden später der bis dahin führende Patrese plötzlich langsamer wurde, weil ein Stein seinen Kühler durchlöcherte, befand sich Mansell plötzlich gegen Senna im Kampf um den Sieg. Der Ferrari-Pilot präsentierte sich formatfüllend im Rückspiegel des McLaren, doch sein brasilianischer Rivale, der durch den Honda-Motor zudem einen Vorteil auf den Geraden hatte, schien dem Druck widerstehen zu können. "Ich wusste, dass ich für den Fall der Fälle bei ihm dran bleiben muss, denn er macht keine Fehler", lauerte Mansell auf seine Chance.

Wie Mansell Senna niederkämpft

Und die bot sich in der 58. Runde: Vor der Gegengeraden, auf der Mansell bereits Caffi und Prost überholt hatte, liefen die beiden auf Stefan Johanssons Onyx-Boliden auf, der mit Getriebeproblemen um den Kurs krabbelte. Um eine Kollision zu verhindern, musste Senna Tempo rausnehmen, was seinem Verfolger in die Karten spielte. "Ich war auch sehr nah dran und wäre Ayrton fast ins Heck gefahren", schilderte Mansell die entscheidenden Momente. Doch der spätere Weltmeister bewies wieder einmal seinen Mut und verriss das Auto geistesgegenwärtig nach rechts: "So hatte ich genügend Momentum, um vorbeizukommen."

Warum Johansson auf der Ideallinie blieb? "Ich wollte die schnell herannahende Spitze nicht verunsichern", argumentierte er. Mansell wusste, dass seine Aktion durchaus in einem Crash hätte enden können. "Ich glaube, ich habe die Augen zugemacht."

Erhält Berger schlechteres Material als Mansell?

Während Mansell also zum Sieg raste, war Teamkollege Berger bereits Zuschauer. Der vor dem Ausfall Viertplatzierte war wieder einmal von einem Getriebeschaden aus dem Rennen gerissen worden. Schon im Aufwärmtraining hatte sich das Problem mit der Schaltung angekündigt, doch anstatt das Getriebe zu wechseln, versuchten die Ferrari-Mechaniker, das Teil zu reparieren.

"30 Minuten vor dem Start hat man mir gesagt, wir haben ein paar Sachen ausgetauscht, aber der Hydraulikdruck ist noch immer nicht optimal", erzählte Berger. "Dann habe ich denen geantwortet: Was soll das denn heißen? Entweder habe ich ein Getriebe, das geht, oder eines, das nicht geht." Während Berger also Frust schob, vermutete Lauda bereits, dass das Problem mit dem Abgang des Landsmannes aus Maranello zu tun hat: "Die helfen ihm nicht mehr, weil sie nicht mehr wollen. Das beste Material kriegt der Mansell."

Der Bolide des Leaders hielt tatsächlich bis zur Zielflagge, wodurch er einen seiner größten Siege einfuhr - mit beeindruckenden 26 Sekunden Vorsprung auf Senna, dessen Teamkollege Prost seinen dritten Platz durch einen späten Boxenstopp noch an Williams-Pilot Boutsen verlor. Caffi scheiterte im Dallara auf Platz sieben knapp an einem WM-Punkt.

Das typische Mansell-Drama: Fan bringt Sieger zu Boden

McLaren-Boss Ron Dennis akzeptierte die Niederlage gegen Mansell und Ferrari: "Keine Ausreden, sie waren heute besser." Und der Brite durfte sich plötzlich mit einem Rückstand von acht WM-Punkten auf Senna und 22 Zählern auf WM-Leader Prost wieder Titelchancen ausrechnen. Auch wenn er selber davon nichts wissen wollte: "Mir war immer klar, dass ich bei Ferrari dieses Jahr nur die Basis lege. Für den WM-Titel 1990." Dass er danach nur noch ein Rennen für die Scuderia gewinnen sollte, war dem Mann mit dem Schnauzbart nicht bewusst.

Doch wie bei den meisten großen Mansell-Siegen, durfte auch diesmal ein bisschen Drama nicht fehlen. Auch wenn es den Ferrari-Piloten erst bei der Abreise aus dem Fahrerlager ereilte: Ein Fan warf sich dem erschöpften Sieger am Ende eines harten Arbeitstages von hinten auf den Rücken und schnappte ihm die Kappe weg. Mansell griff nach dem Mann, er stolperte dabei unglücklich und lag plötzlich auf dem Asphalt. Ein Anblick, der dem Fan ein schlechtes Gewissen einjagte und zu zahlreichen Entschuldigungen führte. Es war nicht das erste Mal, dass sich Mansell nach einem großen Sieg wehtat: Bereits in Österreich 1987 schlug er mit dem Kopf gegen einen Betonblock und zog sich eine dicke Beule zu.

Artikeloptionen
Artikel bewerten