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1976: Ein Großbritannien-Grand-Prix für die Ewigkeit

Zuschauer, die ihren Lokalhelden wieder zurück ins Rennen brüllen und TV-Fans, die wegen Kondomen nichts mitbekommen: So kurios war Brands Hatch '76

Niki Lauda
Brands Hatch 1976: Clay Regazzoni kollidiert mit Niki Lauda und dreht sich
© LAT

(Motorsport-Total.com) - Sie finden den FanBoost in der Formel E blöd, weil die Zuschauer je nach Wahl des Fahrers Einfluss auf das Geschehen nehmen können? Dann sollten Sie besser nicht lesen, was beim Großen Preis von Großbritannien 1976 abgegangen ist. Dort hat gefühlt eine ganze Nation in das Renngeschehen eingegriffen, auch wenn es am Ende vergeblich war. Zu tun hatte das Ganze mit dem damaligen Helden und Lebemann James Hunt.

Die Formel-1-Saison 1976 gehört spätestens seit dem erfolgreichen Film "Rush - Alles für den Sieg" zu den berühmtesten Jahren der Formel-1-Geschichte. Das legendäre Duell zwischen Ferrari-Pilot Niki Lauda und dem McLaren-Draufgänger Hunt hat fast jeder Motorsportfan im Kinosaal oder auf der heimischen Couch schon einmal gesehen, und über den Crash am Nürburgring oder das Regenfinale in Fuji braucht man wohl keine Wort mehr zu verlieren.

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Doch das Rennen in Brands Hatch, das ebenso kontrovers ist, gerät dabei fast in Vergessenheit. James Hunt muss angesichts der Ausgangslage eigentlich gewinnen. 26 Punkte hat der Brite vor dem Heimspiel bereits Rückstand auf seinen Kontrahenten - was heute knapp etwas mehr als ein Sieg ist, war damals bei neun Punkten pro Erfolg fast drei Siege bei drei Nullnummern des Gegners wert.

Startkollision zwischen beiden Ferraris und Hunt

Dabei sah es sogar schon schlimmer aus: Hunt konnte zumindest das Rennen in Frankreich davor gewinnen und wieder Boden auf Lauda gutmachen. Auch hatte er gerade eben seinen Sieg aus Spanien wieder zugesprochen bekommen, nachdem er ursprünglich disqualifiziert worden war. Doch Lauda scheint mit sieben Podestplätzen in acht Rennen der Titelverteidigung bereits nahe zu sein.

Dementsprechend steht Hunt an jenem 18. Juli 1976 schon unter großem Druck. Doch der erste Sieg geht schon wieder an seinen Konkurrenten: Lauda sichert sich einen Tag zuvor die Pole-Position, Hunt hängt dem Österreicher mit Startplatz zwei jedoch direkt im Heck. Mario Andretti (Lotus), Clay Regazzoni (Ferrari) und Patrick Depailler (Tyrrell) folgen auf den weiteren Plätzen.

Als die Ampel auf Grün springt, schießen die beiden Roten nach vorn. Lauda kann sich sofort von Hunt absetzen, doch sein Teamkollege Regazzoni macht ihm die Position durch einen Blitzstart in der ersten Kurve streitig. Es passiert der Albtraum eines jeden Teamchefs: Die beiden Ferrari kollidieren. Lauda holt sich ein beschädigtes Hinterrad, Regazzoni dreht sich und wird getroffen - und zwar von Hunt und Jacques Laffite (Ligier).

Zuschauer brüllen Hunt zurück ins Rennen

Die Rennleitung entscheidet sich für eine Rennunterbrechung, weil viele Trümmerteile auf der Strecke liegen. In den Boxen werden bereits die Ersatzautos für die verunfallten Piloten startbereit gemacht, damit diese wieder beim Neustart an der Startlinie stehen können. Auch Hunt schleppt seinen beschädigten Boliden an die Box - nutzt dabei jedoch eine Abkürzung und fährt somit nicht die komplette erste Rennrunde.

Dann trifft die Rennleitung eine Entscheidung: Am Neustart dürfen nur die Piloten teilnehmen, die noch in ihren ursprünglich gestarteten Wagen sitzen und die erste Runde absolviert haben. Zwar repariert die McLaren-Crew Hunts havarierten Boliden, doch weil der Brite nicht auf korrektem Weg in die Box gefahren ist, hat er die erste Runde nicht absolviert und ist somit nicht startberechtigt - ein herber Rückschlag in der Meisterschaft.

Das gefällt den zahlreichen britischen Fans vor Ort natürlich überhaupt nicht. Sie protestieren lautstark gegen die Entscheidung der Rennleitung und machen ihrem Unmut Luft. Um keine Tumulte zu riskieren, entscheiden die Stewards schließlich, dass Hunt doch am Rennen teilnehmen darf. Auch Regazzoni und Laffite starten erneut, doch weil sie im nicht erlaubten Ersatzauto sitzen, ist ein Ausschluss vorprogrammiert - da beide ausscheiden aber ohnehin hinfällig.

Heimsieg nach 76 Runden - denkste!

Im zweiten Anlauf setzt sich Lauda erneut nach vorne, gefolgt von Hunt, der den Ferrari 45 Runden vor sich herfahren sieht. Doch den fünften Saisonsieg kann der Österreicher an diesem Tag nicht einfahren: Aufgrund von Getriebeproblemen zieht Hunt in der Mitte des Rennens vorbei und triumphiert zur Freude des heimischen Publikums nach 76 Runden vor Lauda und Tyrrells Jody Scheckter.

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1950-2016
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Der allererste Grand Prix der allerersten Formel-1-Weltmeisterschaft wird am 13. Mai 1950 in Silverstone ausgetragen. Die Strecke wird nach dem Zweiten Weltkrieg auf einem ehemaligen Militär-Flughafen errichtet. Ehrenhalber wird dieser erste Event einer Formel-1-WM auch als Grand Prix von Europa bezeichnet und sogar die Königsfamilie ist zu Besuch da.
Der allererste Grand Prix der allerersten Formel-1-Weltmeisterschaft wird am 13. Mai 1950 in Silverstone ausgetragen. Die Strecke wird nach dem Zweiten Weltkrieg auf einem ehemaligen Militär-Flughafen errichtet. Ehrenhalber wird dieser erste Event einer Formel-1-WM auch als Grand Prix von Europa bezeichnet und sogar die Königsfamilie ist zu Besuch da.

Doch das eigentlich Brisante beginnt erst nach dem Rennen. Die Teams Ferrari, Tyrrell und Fittipaldi legen gegen die Rennwertung Protest ein. Sie sind der Meinung, dass Hunt nicht zum Neustart berechtigt gewesen ist, weil er die erste Runde nicht absolviert hatte. Drei Stunden wird vor Ort über das Thema diskutiert, bevor die Offiziellen den Protest abschmettern und das Ergebnis wie es war bleibt.

Ist die Angelegenheit damit beendet? Nein! Ferrari legt erneut Beschwerde ein - diesmal beim Britischen Motorsportverband RAC, der für die Organisation des Rennens in Brands Hatch verantwortlich ist. Doch auch dieser entgegnet der Scuderia, dass Hunts Auto zum Zeitpunkt des Rennabbruchs noch lief und er somit startberechtigt war.

Ferraris dritter Protest fruchtet

Ein dritter Protestversuch bringt die Sache schließlich vor die FIA, wo am 25. September ein Tribunal in Paris tagt. Dort trägt Ferrari vor, dass sie glauben, dass Hunts Auto unerlaubterweise von seinen Mechanikern geschoben wurde, bevor das Rennen unterbrochen war. Im dritten Anlauf bekommt Ferrari Recht und schließlich den Sieg zugesprochen. Hunt wird disqualifiziert, Lauda zum neuen Gewinner erklärt.

Somit haben die Zuschauer in Brands Hatch am Ende vergeblich darum gekämpft, ihren Helden beim Heimspiel wieder in das Rennen zu nehmen. Wobei vergeblich wohl das falsche Wort ist, schließlich konnten die Briten an diesem Tag für den McLaren-Star jubeln und einen guten Tag genießen. Doch wie das Schicksal so will, verletzt sich Lauda nur zwei Wochen nach Brands Hatch auf dem Nürburgring schwer und kämpft um sein Leben. Als die Entscheidung über den Laufsieg vor dem FIA-Tribunal fällt, ist Lauda allerdings längst schon wieder halbwegs genesen und wieder im Rennzirkus dabei - am Ende verpasst er die WM um einen einzigen Punkt.

Übrigens: Von der ganzen Action in Brands Hatch bekommen die britischen Zuschauer vor den TV-Bildschirmen nichts mit, denn der Lauf wird damals nicht öffentlich übertragen. Auf ITV gibt es eine Woche nach dem Rennen lediglich ein paar kurze Highlight-Ausschnitte zu sehen. Eine Live-Übertragung gibt es nicht, weil ausgerechnet das Team von Motorsport-Legende John Surtees für einen Skandal sorgt.

Wie Kondome für ein TV-Aus sorgen

Der Brite besorgt sich mit Durex nämlich einen Kondomhersteller als Sponsor, was TV-Sender BBC überhaupt nicht geeignet für das familienfreundliche Formel-1-Programm hält. Darum fliegt die Königsklasse kurzerhand aus dem Programm. "Für sie war das nicht akzeptabel", erinnert sich Kommentatorenlegende Murray Walker in seiner Autobiografie. Schon bei einem vorherigen Nicht-WM-Lauf in Brands Hatch im März packte die BBC kurzerhand die Koffer, weil Surtees nicht auf seinen Sponsor verzichten wollte.

"Es hat das Team neu belebt und uns eine zweite Chance gegeben", meint der im März verstorbene Weltmeister, der mit seinem Team finanziell am Abgrund stand, bis der Kondomhersteller auf ihn zukam. "Ich dachte, dass es ein wenig Aufregung verursachen würde, aber faktisch war nichts Unanständiges daran, und wir hatten keine Regeln gebrochen", so der Brite später.

"Es war die Entscheidung der BBC, und aus Sicht des Sportes war ich ziemlich unglücklich darüber. Es war sehr wichtig für den Sport, dass die Leute eine gute Plattform haben, um ihn zu unterstützen. Es hat mich daher nicht gefreut, dass die BBC diese Position eingenommen hat." Und so bekamen die britischen Fans weite Teile der berühmten Saison nicht zu sehen. Erst als Hunt beim letzten Rennen in Japan um den Titel kämpfte, stieg der Sender wieder ein - gerade noch rechtzeitig.

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