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1982: Ein Monaco-Grand-Prix für die Ewigkeit

Nie war der Begriff "Autoroulette" passender als 1982: Vier Führungswechsel und Unfälle in nur zwei Runden sorgten für das irrste Finish der Formel-1-Geschichte

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Lange sah in Monaco 1982 alles nach einem Renault-Sieg aus, doch am Ende überschlugen sich die Ereignisse. Jetzt das legendäre Wochenende Revue passieren lassen und durchklicken!
Lange sah in Monaco 1982 alles nach einem Renault-Sieg aus, doch am Ende überschlugen sich die Ereignisse. Jetzt das legendäre Wochenende Revue passieren lassen und durchklicken!

(Motorsport-Total.com) - Die Formel 1 steht nach dem tödlichen Crash von Gilles Villeneuve in Zolder unter Schock. Noch ahnt niemand, dass mit dem Grand Prix von Monaco 1982 eines der verrücktesten Rennen der Grand-Prix-Geschichte ansteht - mit einem Ende, für das der überstrapazierten Begriff "Auto-Roulette" beinahe eine Untertreibung darstellt.

Denn obwohl  Gilles Villeneuve tot ist, ist seine Präsenz bei der Ankunft der Formel 1 im Fürstentum überall zu spüren. Das bestätigt auch sein geschockter Ex-Ferrari-Teamkollege Didier Pironi, dem viele die Schuld in die Schuhe schieben, nachdem er die offene Feindschaft mit dem Verstoß gegen die Stallorder in Imola provoziert hatte. "Monaco ist jetzt der schlimmste Ort für uns, um ein Rennen zu fahren", sagt der Franzose. "Gilles ist überall. Er hat hier im Vorjahr gewonnen, er lebte hier."

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Nur wenige Wochen vor dem Tod hatte der für seinen verwegenen Fahrstil bekannte Kanadier noch gemeint: "Ein Fahrer, der Angst vor dem Sterben hat, sollte den Beruf wechseln." Und Witwe Joanne hatte es kommen sehen: "Seit sieben Jahren, also seit Gilles Rennen fuhr, wusste ich, dass all das irgendwann geschehen wird."

Scheckter-Comeback bei Ferrari Thema

Nach der Villeneuve-Katastrophe stehen vor allem die Schürzenautos und die extrem viel Grip bietenden Qualifying-Reifen in der Kritik. Pironi will das Unglück nicht kommentieren, weil er mit den Ereignissen sichtlich überfordert ist, meint aber in seiner Rolle als Sprecher der Fahrergewerkschaft GPDA: "Es ist nicht zu ertragen, dass aus unseren Autos Flugzeuge werden."

Außerdem zeigt der Tod Villeneuves, der einer der ganz großen Fan-Lieblinge war: Der Formel 1 fehlen anno 1982 die großen Stars. Leute wie Emerson Fittipaldi, Mario Andretti, James Hunt oder Jody Scheckter haben ihre Karrieren beendet. Und Namen wie Alain Prost, Rene Arnoux, Nelson Piquet oder Riccardo Patrese fehlt es noch etwas an Strahlkraft.

Kein Wunder, dass daher ein Ferrari-Comeback von Scheckter als Villeneuve-Ersatz im Raum steht - der Südafrikaner hatte 1979 den letzten Titel für die Scuderia geholt und zeigt Interesse an einer Rückkehr nach über einem Jahr Pause. Vorbild? Niki Lauda, der bei seinem McLaren-Comeback bereits das dritte Rennen in Long Beach für sich entschied: "Da bekam ich Appetit." Seine Versuche, in Monaco für Tyrrell anzutreten, scheitern - dafür spricht er mit Ferrari. Zum Comeback sollte es nie kommen. Dafür wird später Patrick Tambay den zweiten Ferrari fahren.

Das Turbo-Wunder: Plötzlich auch in Monaco stark

In Monaco bleibt das Cockpit Villeneuves jedenfalls frei: Die Scuderia tritt nur mit Pironi an. Kaum jemand rechnet in den winkeligen Straßenschluchten mit einem starken Ferrari-Team, denn die Turbo-Motoren scheinen alles andere als prädestiniert für den langsamen Kurs. Auch Renault gilt keineswegs als Favorit. Doch dann packen die Franzosen plötzlich den Hammer aus: Rene Arnoux fliegt am Samstag in 1:23.281 Minuten zur Pole-Position und pulverisiert damit die Vorjahres-Bestzeit um 2,5 Sekunden. Es ist bereits das zwölfte Mal, dass er sich den besten Startplatz sichert.

Das Geheimnis der Renault-Raketen: die neue vollelektronische Benzineinspritzung, die lange getestet wurde, aber in Monaco erstmals im Renneinsatz ist. "Ein riesiger Gewinn", schwärmt Arnoux' Teamkollege Prost, der den geringeren Spritverbrauch und das bessere Ansprechverhalten lobt. Das ist gerade in Monaco ein großer Vorteil.

Prost stellt seinen Renault auf den vierten Startplatz, bleibt aber rund eine Sekunde hinter seinem Teamkollegen, der sich einmal mehr als Spezialist für Stadtkurse erweist. Zwischen dem Renault-Duo: Brabham-Pilot Riccardo Patrese, der zu diesem Zeitpunkt zwar schon drei zweite Plätze engefahren hat, aber noch keinen Sieg. Und die große Überraschung: Bruno Giacomelli im Alfa-Romeo.

Brabham: Teamchef Ecclestone stellt BMW bloß

Beim Brabham-Team von Bernie Ecclestone setzt man auf eine kuriose Strategie: Während Patrese mit dem Ford-Cosworth-Motor ganz vorne mitfährt, fehlen Weltmeister Nelson Piquet mit dem neuen BMW-Turbo-Triebwerk zwei Sekunden pro Runde. Der Brasilianer verzeichnet an den Trainingstagen bereits mehrere Motorschäden und kommt nur auf Startplatz 13. Fast hat man den Eindruck, Ecclestone will die Münchner mit dem direkten Vergleich provozieren, obwohl man im BMW-Lager zumindest nach außen ruhig bleibt.

Noch schlechter ergeht es Jochen Mass: Der Deutsche kann sich in seinem RAM nicht einmal qualifizieren und scheint zunehmend die Lust an der Formel 1 zu verlieren: "Jetzt überhaupt, nach diesem ganzen Theater um den Villeneuve-Unfall, den man mir anhängen will." Dass ihm der Schreck noch in den Gliedern sitzt, darf nicht verwundern, schließlich war er unmittelbar an der Katastrophe beteiligt.

Villeneuve-Drama: Lauda schießt gegen Mass

Und muss sich noch in Monaco Kritik gefallen lassen, wie zum Beispiel von McLaren-Pilot Lauda, der im Qualifying auch nur Zwölfter wird und ihm einen Teil der Schuld für das Villeneuve-Unglück gibt: "Man kann nicht mit 50 km/h auf der Autobahn auf der rechten Spur gondeln, und wenn man im Rückspiegel einen schnelleren Wagen sieht, plötzlich nach links fahren, weil man dem die Spur freimachen will."

Doch wer wird 1982 in Monaco gewinnen? Viele im Fahrerlager rechnen damit, dass Renault die Qualifying-Stärke im Rennen nicht umsetzen wird können - auch Legende Jackie Stewart. "Patrese gewinnt heute", lehnt sich der Schotte aus dem Fenster und glaubt ebenfalls nicht an die Turbo-Power. Die erste Frage bleibt aber: Geht der Start gut? Gerade das Einbiegen in Sainte Devote gilt jedes Jahr als Drahtseilakt, Erinnerungen an den durch die Luft fliegenden Derek Daly im Jahr 1980 werden wach. Und nach dem Villeneuve-Drama geht sowieso die Angst um.

Renault-Leader Arnoux schenkt Monaco-Sieg her

Wie durch ein Wunder geht aber diesmal alles gut: Arnoux behauptet die Führung und enteilt zur Überraschung aller dem Feld. Giacomelli gewinnt das Beschleunigungsduell gegen Landsmann Patrese, muss aber schon in der fünften Runde mit gebrochener Halbachse aufgeben. Patrese kann daraus nur bedingt Profit schlagen, da er in der zweiten Runde von Prost ausgetrickst wird. Alles deutet also auf einen französischen Renault-Doppelerfolg hin.

Bis die 15. Runde anbricht: Arnoux, mit einem Vorsprung von sieben Sekunden ungefährdet, rutscht in der Rechtskurve beim Schwimmbad aus, schlägt nirgends an, bringt seinen Boliden aber nicht mehr in Gang und muss aufgeben. "Eine Schürze war abgerissen, deshalb geriet das Auto außer Kontrolle", berichtet er kleinlaut.

Nun führt Prost 1,5 Sekunden vor Patrese, der plötzlich Schützenhilfe von seinem abgeschlagenen Teamkollegen erhält: Piquet macht sich bei der Überrundung vor dem Franzosen breit, und Patrese hat beinahe die Chance zum Überholmanöver. Der Versuch missglückt, und Prost setzt sich daraufhin an der Spitze ab. Das Ergebnis scheint einzementiert, doch die für Monaco typischen Regenwolken deuten bereits an, dass ein Finale Furioso bevorsteht. Acht Runden vor Schluss öffnet der Himmel seine Schleusen. "Es wurde an einigen Stellen wirklich rutschig, und man sah nicht exakt, wo es glatt war und wo nicht", schildert Arrows-Pilot Marc Surer die Bedingungen.

Drei Runden vor Schluss bricht das Chaos aus

Drei Runden vor Schluss erwischte es ausgerechnet den Führenden: Prost bricht ausgangs der schnellen Hafenschikane das Heck aus und schleudert in die linke Leitplanke. Nase und rechtes Vorderrad werden abgerissen, der Renault pendelt zurück und donnert noch einmal rückwärts in die Begrenzung. "Ich konnte nichts mehr machen", klagt er später. "Ich kam mir vor, wie ein Mann in einer unsteuerbaren Rakete." Beim Anprall verletzt er sich den Knöchel, außerdem schmerzt das Knie.

Patrese nutzt die Chance und geht in Führung, doch wenige Sekunden später kommt der Brabham-Pilot plötzlich ausgangs der Mirabeau-Kurve ins Schlittern und rollt rückwärts in Richtung Loews-Haarnadel. Die Streckenposten schieben den gefährlich stehenden Brabham an, Patrese bringt sein Auto dank des Gefälles wieder in Gang. Die Führung ist aber dahin: Die hat längst Ferrari-Pilot Pironi inne. Nur zwei Wochen nach Villeneuves Tod könnte er nach einem schwierigen Wochenende für ein versöhnliches Ende sorgen.

Pironi und de Cesaris rollen ohne Sprit aus

Aber auch er sollte kein Glück haben: Eine Runde später wird er vor dem Tunnel immer langsamer und muss sein Auto abstellen. "Ich dachte zuerst an ein elektronisches Problem, weil es nass war", schildert der Franzose die dramatischen Momente. "Ich hatte davor drei oder vier Runden lang Fehlzündungen. Am Ende war es es aber viel einfacher: Ich hatte keinen Sprit mehr." Wenig später das nächste Sprit-Opfer: Der nun führende Andrea de Cesaris rollt im Alfa-Romeo aus, wodurch plötzlich wieder Patrese führt.

Als der Streckensprecher den Italiener als Sieger ausruft, eilt Teamchef Ecclestone wieder zurück an die Box. Der Brite hatte nach dem Dreher von Patrese bereits enttäuscht zusammengepackt und war dabei, die Strecke zu verlassen. Nur einer wusste in dem Moment nicht, wer gewonnen hatte: Der Sieger selbst.

Patrese weiß nichts von Debütsieg

"Ich war sehr unglücklich", erinnert er sich. "Ich dachte, dass ich den Sieg weggeworfen hatte und nach wie vor hinter Rosberg liege." Auch die ihm zujubelnden Streckenposten nahm er nicht wirklich ernst: "Ich dachte mir: Vielleicht haben sie sich über meinen zweiten Platz gefreut und fanden, dass ich ein gutes Rennen gefahren bin."

Da vor dem Rennen festgelegt wurde, dass nur das Siegerauto vor dem Podest geparkt wird, hat Patrese keine Eile und gibt dem gestrandeten Pironi eine Mitfahrgelegenheit. "Dann wurde ich aber zum Podest beordert, was ich nicht verstanden habe", schildert er. "Vielleicht hatten sie die Regeln geändert? Dann war aber kein anderes Auto dort."

Selbst vor der Siegerehrung herrschte Chaos. "De Cesaris, Pironi und de Angelis diskutierten, wer jetzt gewonnen hat", erzählt der Brabham-Pilot. "Irgendwann hat mich jemand angeschrien: 'Du hast gewonnen, du hast gewonnen!' Erst dann wurde es mir bewusst." Doch es droht sogar ein Nachspiel: Weil Patrese nach seinem Dreher angeschoben wurde, wird ihm vorgeworfen, dass er durch das Anschieben der Streckenposten unerlaubte Hilfe in Anspruch genommen habe.

Der Italiener wird glücklicherweise freigesprochen. "Ich habe es nicht einmal gespürt, dass ich angeschoben wurde", argumentiert er. "Sie haben mich vielleicht ein bisschen zurückgeschoben, weil ich an einer unsicheren Stelle mitten auf der Strecke stand." Und so gelingt Patrese einer der wohl denkwürdigsten Premierensiege der Grand-Prix-Geschichte. Und das Wetterleuchten der letzten Runden ist in den Gesichtern der Protagonisten noch lange zu sehen. Genau das hat die Formel 1 nach dem Villeneuve-Trauma gebraucht.

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