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Jochen Rindt lebt: Warum er den Motorsport bis heute prägt

Ein Begräbnis wie ein Staatsakt: 30.000 kamen zur Trauerfeier von Jochen Rindt nach Graz - Wie sein Leben ein halbes Jahrhundert später weiterhin den Motorsport prägt

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So kannte man Jochen Rindt: Der "James Dean der Formel 1" - stets mit Zigarette - war einer der verwegensten Piloten der Königsklasse. Obwohl der deutsche Staatsbürger, der wegen seiner österreichischen Rennlizenz als Österreicher galt, nur sechs Rennen gewann, wurde er zum Mythos. Das lag auch daran, dass der ...
So kannte man Jochen Rindt: Der "James Dean der Formel 1" - stets mit Zigarette - war einer der verwegensten Piloten der Königsklasse. Obwohl der deutsche Staatsbürger, der wegen seiner österreichischen Rennlizenz als Österreicher galt, nur sechs Rennen gewann, wurde er zum Mythos. Das lag auch daran, dass der ...

(Motorsport-Total.com) - Es war der 11. September 1970. Und schon damals stand dieses Datum für eine Tragödie, die alle fassungslos machte: Auf dem Zentralfriedhof seiner Heimatstadt Graz wird der tödlich verunglückte Formel-1-Pilot Jochen Rindt zu Grabe getragen - vor 30.000 Trauernden. Als ein Trompeter "The End (of a Rainbow)" anstimmt, bricht Witwe Nina Rindt zusammen. Ihr vor sechs Tagen bei einem tragischen Unfall in Monza verstorbener Ehemann hatte sich gewünscht, dass der Song bei seinem Begräbnis gespielt wird.

Auch Rennfahrer Helmut Marko, der mit Rindt zur Schule gegangen war, gingen die Klänge durch Mark und Bein. "Er hatte schon als Nachwuchs-Rennfahrer gesagt, dass es dieses Lied sein müsse, wenn ihm etwas zustoße", erinnert sich der nunmehrige Red-Bull-Motorsportkonsulent. "Das war ein wirklich stilvoller Abgang."

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Unter den Menschenmassen war an jenem Spätsommertag alles aus Sport und Politik, was Rang und Namen hatte. Sogar Lotus-Teamchef Colin Chapman, der Rindts umstrittenes Todesfahrzeug, den Lotus 72, konstruiert hatte und dafür heftig kritisiert wurde, war in die Steiermark gekommen. In der ersten Reihe ein 14-jähriger Junge: Fritz Enzinger, heute Porsches Le-Mans-Rennleiter und damit der Mann hinter dem Comeback der Sportwagenikone.

Bewegende Grabrede von GPDA-Boss Bonnier

"Rindt war für mich die Initialzündung", erzählt der heute 60-Jährige, der sich von Rindt beim ersten Österreich-Grand-Prix nicht einmal einen Monat vor dessen Tod ein Autogramm holte. "Ich habe mir 1970 geschworen, ich muss etwas mit Motorsport machen. Und als das Begräbnis stattfand, da hatte mein Vater zufällig was zu tun in Graz. Ich bin mitgefahren und habe mich dort in dieser Menschenmasse in die erste Reihe geschmuggelt. Das werde ich nie vergessen, als die Fahrer die Kränze trugen - Leute wie Graham Hill oder Jackie Stewart."

Auch die Rede von Joakim Bonnier, Rennfahrerkollege und Chef der Fahrer-Gewerkschaft GPDA, bewegte die Massen. "Wenn man bei etwas stirbt, das man liebt, dann stirbt man glücklich. Und egal, was in den nächsten Wochen noch passiert: Für uns ist Jochen der Weltmeister", sagte der Schwede. Und tatsächlich sollte Rindt der einzige posthume Weltmeister der Formel-1-Geschichte werden.

Rindt-Freund Marko erhält bei Begräbnis Vertragsangebot

Doch so schrecklich vielen an jenem Freitag zumute war: Die Motorsport-Welt drehte sich auch ohne den Superstar weiter. Eine Erfahrung, die der geschockte Marko am Tag des Begräbnis machte. "Ich bin dort von einem namhaften Sportwagen-Hersteller wegen eines Vertrags angesprochen worden", schildert der Grazer die etwas makaber anmutende Begebenheit. "Ich habe nicht lange überlegt und ja gesagt."

Ans Aufhören habe er trotz des Todes seines Freundes nie gedacht. Obwohl er nur ein paar Monate später im Januar 1971 auf haarsträubende Art und Weise an Rindts Schicksal erinnert wurde. Marko fuhr damals den legendären Langstreckenwagen Porsche 917 in Daytona - und die Truppe sah sich regelmäßig mit dem Problem konfrontiert, dass sich der Reifen bei hohem Tempo von der Felge löste.

Drama in der Steilwand

"Ich fahre also diese Steilkurve an, und es macht klack", schildert Marko. "Ich habe schon gewusst, was passiert ist. Ich sitze also bei Tempo 330 in diesem Auto, bin Passagier und warte auf den Aufprall. In diesem Moment läuft mein ganzes Leben vor mir ab - mit allen Details, mit Frauen, mit allem drum und dran. Und dann habe ich den Gedanken: 'Scheiße, wie der Jochen! Hättest du doch damals Vernunft walten lassen und mit dem ganzen Scheiß aufgehört.'"

"In diesem Moment läuft mein ganzes Leben vor mir ab - mit allen Details, mit Frauen, mit allem drum und dran."
Helmut Marko

Dann der Aufprall - und der Rennfahrerinstinkt übernahm sofort wieder die Kontrolle. "Gurte lösen, Feuerlöschanlage, weil es damals ja sofort brannte. Der komplette Automatismus", erzählt Marko. "Und sofort die Tür auf." Wegen der Neigung des Asphalts rutschte Marko die Steilwand hinunter und hatte Glück, dass er nicht von einem anderen Boliden erfasst wurde.

Wie Piech Markos Willen bricht

Als er in der Box Chef Ferdinand Piech wegen der lebensgefährlichen Defekte die Leviten lesen wollte, beorderte dieser Marko zurück ins Auto, da es sich um ein 24-Stunden-Rennen handelte. "Ich war völlig baff, habe umgedreht und bin auf allen Vieren wieder ins Auto gekrallt, um es an die Box zu bringen."

Noch heute ist der Österreicher, der bei einem Formel-1-Unfall 1972 ein Auge verlor und deswegen die aktive Karriere beenden musste, fassungslos: "Ich wollte dort meinen ganzen Ärger loswerden, und der Piech hat mich mit ein paar simplen Worten dazu gebracht, umzudrehen und wieder zum Auto zu marschieren. Ist das Hörigkeit oder ist man so drin in dem Sport? Darüber habe ich mich noch jahrelang gewundert, wieso ich das so widerstandslos hingenommen habe." Zumindest aber ist es eine Erklärung, warum auch Rindt trotz der Angst vor dem Tod weitergefahren war.

Spielberg & Co.: Rindts großes Erbe

Das Erbe der Legende ist noch heute enorm: Ohne Rindt wäre Österreich nie zur Formel-1-Nation geworden. Heute aber sind mit Toto Wolff und Niki Lauda bei Mercedes, dem Red-Bull-Imperium, das zwei Teams und eine Rennstrecke besitzt, Teamchef Franz Tost bei Toro Rosso sowie Sauber-Teamchefin Monisha Kaltenborn bei vielen Teams Österreicher am Ruder, obwohl es sich um ein kleines Land handelt.

"Ich kann bis heute genau sagen, wo ich im Auto gefahren bin, als im Radio die Meldung von Rindts Unfall kam."
Dietrich Mateschitz

"Ich glaube, dass ohne den Jochen in Österreich sehr wenig passiert wäre", ist die österreichische Reporterlegende Heinz Prüller überzeugt. Und die Motorsportbegeisterung von Red-Bull-Boss Dietrich Mateschitz ist sogar direkt auf Rindt zurückzuführen. "Dietrich ist in Sankt Marein im Mürztal beheimatet, und das Alpl-Bergrennen war damals das Ereignis der Steiermark", erklärt Mateschitz-Intimus Marko. "Ich kann mich erinnern, dass der Jochen dort einmal mit einem Porsche Carrera 6 gefahren ist."

Außerdem war Mateschitz als Zuschauer auch beim ersten Grand Prix auf dem Österreichring - sein Rindt-Autogramm hütet er wie seinen Augapfel. Und in der 'SportWoche' bekannte er vor vielen Jahren, dass er nie vergessen wird, wo er im Alter von 28 Jahren die Todesnachricht erfuhr: "Ich kann bis heute genau die Meter auf der Straße von Kapfenberg nach Wartberg sagen, wo ich im Auto gefahren bin, als im Radio die Meldung von Rindts Unfall kam."

Vettel einer der größten Rindt-Fans

Auch für die Ex-Formel-1-Stars Lauda und Gerhard Berger, der eine der größten Rindt-Fotosammlungen sein Eigen nennt, war Rindt die Ikone schlechthin. "Der Jochen ist eigentlich der Großvater des großen österreichischen Motorsports", beschreibt Berger gegenüber dem 'SID' seine Faszination. "Wenn ich mir Fotos von ihm ansehe, beeindrucken mich sein Charisma und sein unglaublicher Grundspeed. Jochen ist zu meinem Idol geworden, und er ist genau so, wie ich mir einen Rennfahrer vorstelle. Er war einfach ein unglaublicher Typ."

Und auch Sebastian Vettel verehrt den "James Dean der Formel 1" wie sonst nur Michael Schumacher. "Rindt soll etwas ganz Besonderes gewesen sein", erklärt der Ferrari-Star gegenüber 'Auto Bild motorsport'. "Einer der schnellsten Fahrer aller Zeiten, mit unglaublichem Naturtalent."

Wie sehr sich Vettel für Rindt interessiert, weiß auch Enzinger. "Sebastian ist ja in der BMW-Zeit fast ein Jahr lang mit mir zur Rennstrecke gefahren, und wir haben viel über Jochen gesprochen", erklärt der ehemalige BMW-Formel-1-Logistikchef und nunmehrige Porsche-LMP1-Rennleiter. "Für ihn war er als Typ ein absoluter Hero, was vor allem wegen seines Alters erstaunlich ist. Das hat mich sehr verwundert."

Ecclestone verdankt Karriere auch Rindt

Doch nicht nur Vettel und die Österreicher im Grand-Prix-Sport, sondern auch die gesamte Formel 1 wurde von Rindt geprägt. Sein Freund Bernie Ecclestone, der jahrzehntelang als Formel-1-Boss fungierte, sagt noch heute: "Ohne Jochen wäre ich wahrscheinlich nicht hier. Er hat mein Leben stark beeinflusst."

Und Reporter David Tremayne, der die Rindt-Biographie "Uncrowned King" schrieb, ist überzeugt, dass Rindt bei der Etablierung der Formel 1 eine gewichtige Rolle gespielt hätte: "Wir alle im Fahrerlager sind sicher, dass sie sich die Formel 1 aufgeteilt hätten."

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