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Toro-Rosso-Technikchef: Man stochert für 2017 im Nebel

Der Regelumbruch zur Formel-1-Saison 2017 als Ratespiel für Ingenieure: Toro-Rosso-Technikchef James Key beschreibt die großen Herausforderungen

James Key
Toro-Rosso-Technikchef James Key mag den Wettbewerb der Formel-1-Ingenieure
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Mit breiteren Reifen und einem erheblichen Zuwachs an Abtrieb geht die Formel 1 in die Saison 2017. Die neuen Regeln sollen die Fahrzeuge im Durchschnitt um drei bis fünf Sekunden pro Runde schneller machen. Auf dem Weg dorthin gilt es für die Ingenieure der Teams zahlreiche Hürden zu meistern. Aufgrund fehlender Vergleichsdaten gleicht die Entwicklung für 2017 einem Stochern im Nebel, meint Toro-Rosso-Technikchef James Key im Interview.

Frage: "James, abseits der üblichen Designarbeit und des Herstellungsprozesses bei einem neuen Auto, müsst ihr jetzt auch mit den umfangreichen Regelneuerungen zurecht kommen, oder?"
James Key: "Ja, es ist eine massive Veränderung. Bezüglich Bodywork, Aufhängungen und Reifen ist es die größte Änderung, die ich in fast 19 Jahren in der Formel 1 erlebt habe. Die Änderungen beim Chassis sind riesig - viel größer als 2009 und auch als 2014."

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"Es sind aufregende Zeiten! Zwei Phasen laufen ab. Zuerst muss man umfangreiche Forschung betreiben, um zu verstehen, was für einen Erfolg mit den neuen Autos notwendig ist. Und dies macht man ohne jegliche Erfahrungen aus der Realität. Über lange Zeit kann man sich nur in der virtuellen Welt bewegen. Dieser Vorgang endet im Januar 2017. Und dann kommen die Wintertests, bevor man nach langer virtueller Arbeit in die Saison startet."

"Bei uns hat dieses Projekt 2017 bereits im September 2015 begonnen. Es sind also schon 14 Monate. Damals waren nicht einmal die endgültigen Chassisregeln verabschiedet. Wir dachten aber, dass man bei einem solch tiefgreifenden Regelmentwechsel besser früher als später mit der Arbeit beginnt."

17 Monate Entwicklung: Wahrheit wird in Melbourne sichtbar

Frage: "Auf welcher Grundlage habt ihr damals angefangen zu arbeiten?"
Key: "Wir hatten die Eckpunkte des Reglements. Es gab anschließend aber noch einige Anpassungen daran. Es waren keine grundlegenden Änderungen mehr, aber man entschied sich zu einem nicht ganz so aggressiven Weg wie ursprünglich angedacht. Wirklich in die Tiefe gehen konnte man noch nicht, solange das endgültige Regelwerk nicht verabschiedet war."

"Wir wussten, dass die Reifen breiter würden, hatten damals auch die Dimensionen zur Hand. Auch diese wurden noch einmal angepasst, aber nicht besonders extrem. Unsere konzeptionelle Arbeit hat also im September 2015 begonnen. Als sich auf dem weiteren Weg die Regeln etwas veränderten, haben wir unsere Arbeit immer entsprechend angepasst. Wenn das neue Auto auf die Strecke geht, dann wird es das Ergebnis eines Projektes über 17 Monate sein."

Frage: "Ist es für dich und deine Ingenieure nicht unglaublich spannend, mal so etwas ganz Neues machen zu dürfen?"
Key: "Absolut. Man spricht nicht oft darüber - leider viel zu wenig -, aber die Ingenieure ganz speziell in der Formel 1 sind absolute Wettbewerbstypen. Darum tun sie das alles. Wenn man eine solch neue Herausforderung hat und somit in den direkten Wettbewerb mit den Kollegen aus anderen Teams treten kann, dann ist das einfach klasse. Das genießt jeder Ingenieur, in jedem Team. Es ist interessant, weil unglaublich viele kreative Köpfe am Werk sind."

"Man setzt sich also hin und stellt sich zunächst ein paar grundlegende Fragen: Was braucht es, um dieses Reglement umzusetzen? Welche Elemente sorgen in Kombination dafür, dass die Leistung stimmt? Welche Ziele setze ich mir? Man hat keinerlei Referenzpunkte, kann sich nur an eigenen Zielvorgaben orientieren. Man kann bei so etwas komplett daneben liegen, oder auch einen Volltreffer landen."

"Wir wissen es letztlich erst, wenn das Qualifying 2017 in Melbourne gelaufen ist. Bis dorthin muss man den kompletten Prozess durchlaufen, der hoffentlich dafür sorgen wird, dass das 2017er-Auto konkurrenzfähig sein wird. Ich weiß nicht, ob wir genug getan haben. Das wird man bei den anderen Teams genauso wenig wissen. Es ist einfach spannend, einen möglichst guten Weg zu suchen und auf diesem Weg dann immer wieder neue Entdeckungen zu machen."

Synergien in der Red-Bull-Familie erst 2018 realistisch

Frage: "Inwieweit kann eine enge Zusammenarbeit zwischen Red Bull Technology und Toro Rosso dabei helfen?"
Key: "Es gibt einige Bereiche, in denen es per Reglement erlaubt ist, dass zwei Teams die gleichen Teile nutzen, oder dass ein Team ein Bauteil entwirft und ein anderes es nutzt. Es geht dabei hauptsächlich um Dinge am Antrieb, aber auch bei Themen wie beispielsweise Getriebe und Aufhängungen ist so etwas möglich. Das ist alles sehr gut. So können wir Ressourcen bündeln und Synergien schaffen. Gleich zwei Teams schauen, welche Möglichkeiten es gibt."

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11.12.2016
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Im britischen Milton Keynes sind zahlreiche Formel-1-Teams zu Hause
Im britischen Milton Keynes sind zahlreiche Formel-1-Teams zu Hause

"Das Problem an den nun neuen Regeln ist aber, dass man noch gar keine wirkliche Diskussionsgrundlage hat, weil der gesamte Designprozess erst einmal durchlaufen werden muss. 2017 gibt es daher nicht ganz so viele Ansätze für Synergien. Im zweiten Jahr dieser Regeln hat man schon einiges an Arbeit diesbezüglich erledigt. Dann ergeben sich mehr Möglichkeiten. 2018 gibt es bessere Chancen. Gleichzeitig muss ich sagen, dass es definitiv hilft, wenn man die gleichen Antriebe fährt. Da gibt es dann mehr Gemeinsamkeiten."

Bau der Autos für die Saison 2017 hat begonnen

Frage: "Was passiert jetzt gerade an den Standorten in Faenza und Bicester?"
Key: "Die größeren Bauteile für das Auto sind gerade in Produktion. Die Chassis werden gebaut, wir sind da voll im Zeitplan. Es ist aber noch früh. Große Mengen haben wir noch nicht produziert. Das erste Auto ist auf einem guten Weg. Mit dem zweiten beginnen wir in diesen Tagen. Das Getriebe ist in Bau, weitere Teile ebenso - bei ins im Hause und auch bei Zulieferern."

"Wir gehen mit Vollgas voran im Moment. Derzeit laufen auch Entwicklungen für die Crashstrukturen. Wir liegen im Hinblick auf die Wintertests gut im Plan. In der Entwicklungsabteilung wird maximale Attacke gefahren, wie immer. Es liegt noch ein intensiver Winter vor uns. Bezüglich der neuen Regeln haben wir vor allem die neuen Lasten im Blick. Die Kräfte nehmen erheblich zu, weil die Kurvengeschwindigkeiten deutlich höher sein werden."

"Wir müssen deshalb dafür Sorge tragen, dass wir strukturell alles bedacht haben. Das will man natürlich immer, aber in diesem Fall - also mit den ganz neuen Regeln - müssen wir alles zweimal überprüfen, um die notwendige Robustheit darzustellen. Die Struktur muss so stabil sein, wie wir uns das in Theorie überlegt haben. Dann kommt ein intensives Testprogramm. Gleichzeitig setzen wir uns schon hin und entscheiden, welche Entwicklungen für die Frühphase der Saison umgesetzt werden. Die Planungen diesbezüglich laufen bereits. Wir schauen uns alle Möglichkeiten für schnelle Weiterentwicklungen an."

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