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1991: Ein Japan-Grand-Prix für die Ewigkeit

Ein historisches Wochenende: Wie Nigel Mansell die WM verloren hat und warum Gerhard Berger über Ayrton Sennas große Geste Jahre später richtig sauer war

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Das Drama von Suzuka 1991 und andere Triumphe und Tragödien beim Grand Prix von Japan: Jetzt durch 21 historische Highlights klicken!
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(Motorsport-Total.com) - Japan 1991, das könnte die Geschichte über einen historischen Sieg von Gerhard Berger sein. Es war sein sechster in der Formel 1, womit er in der ewigen Siegerliste mit seinem berühmten Landsmann Jochen Rindt gleichzog. In Österreich ist so etwas eine Riesenstory. Und es war sein erster auf McLaren, im 31. Rennen seit dem Weggang von Ferrari. Der große Ayrton Senna war in der gleichen Zeit zweimal Weltmeister geworden und hatte zwölf Grands Prix gewonnen.

Berger sagt schon vor dem Rennen in Suzuka: "Niemand kann sich vorstellen, wie glücklich ich wäre, wenn ich endlich wieder gewinne. Damit hätte McLaren alle Probleme gelöst. Ich hätte endlich wieder einen Sieg - und Senna seinen WM-Titel." Denn in der Fahrerwertung steht es nach 14 von 16 Saisonrennen 85:69 für Senna und gegen Nigel Mansell. Senna hatte zwar die ersten vier Grands Prix gewonnen, doch spätestens ab Mansells Sommer-Hattrick in Magny-Cours, Silverstone und Hockenheim war der Williams-Renault das schnellste Auto der Formel 1.

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Das bedeutet für die Ausgangslage: Gewinnt ein McLaren, egal welcher, den Heim-Grand-Prix von Honda in Japan, ist Senna Weltmeister. Denn Mansell reicht ein zweiter Platz nicht, um das Titelduell offen zu halten. Also legt Teamchef Ron Dennis schon während des Freitagstrainings eine Taktik zurecht: "Wer am besten wegkommt und nach zwei Runden führt, soll auch gewinnen."

Geballte McLaren-Power gegen Mansell

Senna und Berger sollen sich, so der Masterplan, möglichst vor Mansell qualifizieren - und dann durch die erste Kurve und die sogenannten "Esses" Formation fahren, um dem Williams keine Chance zum Überholen zu geben. Es ist, übrigens, ein Spiel, das vom Ferrari-Team 1997 gekonnt wiederholt wurde, als Eddie Irvine versuchte, Michael Schumacher zum Weltmeister zu machen.

Der Plan geht wunderbar auf: Berger fährt zwei Zehntelsekunden vor Senna und Mansell auf Pole-Position, gewinnt den Start und führt, weil sich die beiden WM-Rivalen hinter ihm duellieren, nach zehn Runden schon mit 10,6 Sekunden Vorsprung. Mansell, der unbedingt gewinnen muss, wirkt an dritter Stelle liegend (noch) gelassen: "Keine Panik. Ich warte erst mal ab", funkt er an die Williams-Box.

Der Brite lässt sich, weil er nicht an Senna vorbeikommt, sogar etwas aus dem Windschatten zurückfallen. Senna weiß: "In den Turbulenzen hinter mir hat er es höllisch schwer." Aber irgendwann muss Mansell riskieren, und so funkt er nach ein paar verhaltenen Runden: "Klar zum Angriff!" Aber dazu kommt es nicht mehr. Zu Beginn der zehnten Runde kommt Mansell in der ersten Kurve auf den Randstein - und fliegt ab!

Was heute undenkbar wäre...

"Ein Flüchtigkeitsfehler", sagt Co-Kommentator James Hunt im englischen Fernsehen. Frank Williams nimmt das Ende des WM-Traums stoisch zur Kenntnis, auch Mansell selbst bleibt relativ gelassen. Heute undenkbar: Mansell sprintet mit ein paar humpelnden Schritten quer über die Fahrbahn, um gleich zurück an die Box gehen zu können.

"Ich hatte schon im Warm-up Probleme mit den Bremsen", berichtet Mansell. "Wir dachten, wir hätten das behoben. Aber als ich in die Kurve reinfuhr, ließ sich das Pedal fast durchtreten. Ich hatte zu spät zum Bremsen angesetzt, weil das Auto an dieser Stelle sehr gut lag. Ich wollte bremsen und wurde völlig davon überrascht, dass das Auto überhaupt nicht langsamer wurde. Ich versuchte noch, die Kurve zu kriegen, aber da war nichts mehr zu machen."

Damit steht fest: Senna ist zum dritten Mal Formel-1-Weltmeister.

Berger mit gebrochenem Auspuff chancenlos

Aber die Entscheidung über den Sieg im Rennen ist noch lange nicht gefallen. Bergers Vorsprung beginnt zu schmelzen. "Als ich über Funk hörte, dass Mansell draußen war, machte ich langsamer, um den Motor zu schonen", so der Österreicher. Außerdem haben seine Reifen unter dem hohen Tempo der Anfangsphase gelitten. Aber aufgrund der Vereinbarung, dass derjenige gewinnen soll, der nach zwei Runden führt, rechnet er mit einer beschaulichen Fahrt bis zur Ziellinie.

Aber nicht mit Senna! "Ayrton begann auf einmal, Druck zu machen", sagt Berger. "Ich dachte mir: 'Aha, er will wohl ein Privatrennen zum Spaß veranstalten!' Er holte mich ein, zwang mich, trotz meiner kaputten Reifen, schneller zu fahren, und überholte mich noch vor dem Boxenstopp." Der geht bei Berger, wie so oft, schief: Während er länger als zehn Sekunden steht, wird Senna, von der gleichen Crew, in weniger als sieben abgefertigt.

Mit nun wieder frischen Reifen geht Berger auf Senna-Jagd. Was nach außen wirkt wie ein gemütlicher Paarlauf der beiden rot-weißen McLaren-Hondas, ist in Wahrheit ein Duell auf Messers Schneide. Berger fährt zehnmal, Senna dreimal die schnellste Rennrunde. Die Luft entweicht erst, als Berger beim Überholen des Nakajima-Lotus fast drei Sekunden verliert. Eine von Sennas besonderen Qualitäten: Wenn der gelbe Helm im Rückspiegel auftaucht, machen die Nachzügler meist voller Respekt sofort Platz.

Racing auf allerhöchstem Niveau

Berger hat das Gefühl, eines seiner besten Rennen überhaupt zu fahren. Trotzdem kommt er Senna nicht wirklich näher. "Die Spezialisten sagen ja, es hat noch nie einen besseren Fahrer in der Formel 1 gegeben als ihn", sollte er nach der Zieldurchfahrt sagen. "Ich kann nur eines sagen: Ich war Mitte des Rennens wirklich absolut am Limit, quer, mit einem gut abgestimmten Auto. Ich habe auf der letzten Rille gebremst, bin so früh wie möglich wieder aufs Gas gestiegen - aber wir waren gleich schnell!"

"Wie man diesen Senna schlagen kann, ist mir ein Rätsel", seufzt Berger. "Dass einer einmal ein solches Rennen fahren kann, okay, das kann ich auch. Aber wie er das Rennen für Rennen wiederholt, ist wirklich beeindruckend." Senna gibt immerhin zu, dass er sich von seinem Teamkollegen durchaus unter Druck gesetzt fühlt: "Ein Superduell. Ich fahre wirklich mit 99,9 Prozent." Berger ergänzt: "Was wir zwei aufführen: wirklich klassisches Rennfahren, hohe Schule."

Gut 15 Runden vor Schluss scheint die Luft aber draußen zu sein. Bei Berger steigen die Motorentemperaturen, die Drehzahl fällt in den Keller. Der Auspuff ist gebrochen. "Mir kommen unterm Helm die Tränen", seufzt er. "Weil ich genau weiß: Heute ist wieder ein Sieg, den ich hergeben muss. Ich gehe in den schnellen Kurven schon vom Gas, denn wenn der Motor schon auseinander fliegt, muss ich nicht auch noch in der Mauer picken."

Ein Befehl mit Folgen: "Reverse!"

Aber irgendwie rettet Berger den Honda-Motor über die Distanz, und Senna erinnert sich plötzlich doch wieder an die Vereinbarung vor dem Rennen. Der Brasilianer fragt bei Dennis nach, ob er Berger durchlassen soll, versteht aber die Antwort "Reverse" zuerst nicht: "Also nehme ich den Fuß vom Gas, um den Lärmpegel zu reduzieren, damit ich die Antwort besser verstehen kann. Und Ron sagt: 'Ja, change position!' Das tut mir weh, ist aber nichts gegen das Glücksgefühl über den dritten WM-Titel."

Als alle schon glauben, dass Senna den Grand Prix von Japan überlegen gewinnen wird, plötzlich das überraschende Ende: Der Leader beginnt den Fans zu winken, geht in der letzten Schikane vom Gas, lässt Berger durch und schenkt ihm den Sieg. "Gerhard", sagt er, "hat dieses Jahr so viel für mich getan. Das zahle ich ihm jetzt zurück." Berger nimmt dankend an: "Ich habe ihm immer geholfen, auch wenn es gar nicht nötig war." Und Dennis lacht nur, gefragt, was denn da gerade passiert sei: "Gerhard Berger hat ein Autorennen gewonnen."

Ein paar Jahre später, als Berger seine Autobiografie "Zielgerade" (erschienen 1997 in der edition autorevue) schreibt, bewertet er Sennas Geschenk retrospektiv wesentlich kritischer: "Es wäre alles in Ordnung gewesen, wenn wir als Erster und Zweiter ins Ziel gefahren wären, ein großer Sieger und ein höchst respektabler Zweiter. Stattdessen verlangsamte er vor der Ziellinie, ich hatte keine Zeit zum Nachdenken, musste einfach vorbei - es hätte ihm ja auch der Sprit ausgegangen sein können."

Berger: Jahre später noch sauer

"Die 'große Geste' war öd, denn wenn es ihm ein wirkliches Herzensbedürfnis gewesen wäre, mir als Ausgleich für meine verpatzte Saison etwas Gutes zu tun, dann hätte er ja zehn Runden vor Schluss nachlassen können, wir hätten gemeinsam eine Show gemacht und am Ende hätte ich halt gewonnen. So aber hat er der ganzen Welt gezeigt, wer der Herr im Haus ist und dass er es sich vom Stand in der WM her auch leisten kann, dem kleinen Berger etwas Nettes zukommen zu lassen."

"Die Tatsache, dass ich durch meinen Auspuff wirklich gehandicapt war, wurde damit völlig weggewischt, und es blieb nur die brillante Demonstration seiner Stärke und seiner herzensguten Großzügigkeit. Offiziell musste ich natürlich gute Miene dazu machen, aber innerlich war ich angefressen. Ich glaube, er hat das auch gespürt. Jedenfalls sprachen wir nachher kein einziges Wort darüber. Ich habe mich also nicht bedankt und er hat sich auch nicht drüber ausgelassen, was er mit der Aktion bezwecken wollte."

Suzuka 1991 ist auch in anderer Hinsicht ein historisch bedeutsames Wochenende. Zum Beispiel, weil ein gewisser Max Mosley seinen ersten offiziellen Auftritt als FISA-Präsident hat, als Nachfolger des streitbaren Franzosen Jean-Marie Balestre. Interessant: Der Journalist Heinz Prüller schreibt in seiner "Grand Prix Story 91" (erschienen 1991 im Orac-Verlag): "Der Vater Politiker, die Mutter Schriftstellerin." Und verschweigt, dass Mosleys Vater der eng mit den Nazis verbandelte Faschistenführer Oswald Mosley war...

Schumachers erste große Schrecksekunde

Suzuka 1991 war auch das Wochenende des ersten großen Crashs des jungen Nachwuchstalents Michael Schumacher in der Formel 1. "Unglaubliche Wagenbeherrschung, aber total am Limit. Wenn da nur das Geringste passiert...", fürchtet Helmut Marko schon vor dem Unfall. Und es passiert: Der Deutsche fliegt mit dem Ersatz-Benetton von Teamkollege Nelson Piquet im Training rückwärts in die Mauer, mit rund 300 km/h. Um ihn für das Rennen wieder fit zu bekommen, hilft sogar McLaren-Physio Josef Leberer aus.

Und Suzuka 1991 ist der letzte Grand Prix von Alain Prost auf Ferrari. Vierter im Qualifying, Vierter im Rennen, hinter Williams-Fahrer Riccardo Patrese - und danach, wegen Streitigkeiten mit Ferrari-Rennleiter Cesare Fiorio, direkt in eine einjährige Formel-1-Pause. Nur um 1993 als Weltmeister zurückzukehren. In jenem Williams, den eigentlich Senna fahren wollte...

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