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Weltmeister unter sich: Villeneuve interviewt Vettel

Sebastian Vettel steht "hundertprozentig" hinter Ferrari und verrät in Villeneuves Weltmeister-Interview seine Ticks - "Mag es nicht, in der Schlange zu stehen"

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Für Sebastian Vettel war Monza ein besonderes Wochenende, nicht nur wegen des Interviews. Was hinter den Kulissen sonst noch geschah? Klick dich hier durch!
Für Sebastian Vettel war Monza ein besonderes Wochenende, nicht nur wegen des Interviews. Was hinter den Kulissen sonst noch geschah? Klick dich hier durch!

(Motorsport-Total.com/Sky) - In wenigen Tagen ist es genau ein Jahr her, dass Ferrari den letzten Sieg einfahren konnte. Zwar war in der Formel-1-Saison 2016 schon mehrfach das Podium für die Italiener drin, wie zuletzt sogar beim Heimspiel in Monza, doch auf dem ersten Rang konnten sich Sebastian Vettel oder sein Teamkollege Kimi Räikkönen schon lange nicht mehr platzieren.

Selbst das Red-Bull-Team macht den zweiten Platz hinter Mercedes in der WM-Teamwertung ernsthaft strittig. Den Wechsel vom Energydrink-Rennstall nach Maranello hat der viermalige Weltmeister dennoch nie bereut, wie der 29-Jährige seinem Weltmeister-Kollegen Jacques Villeneuve im 'Sky'-Interview verrät.

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Dabei erklärt der Ferrari-Fahrer dem Kanadier, wie sich seine Ungeduld sogar auf sein Privatleben auswirkt und wie sich seine Leidenschaft für das Rennfahren schon als Kind gezeigt hat. Mit insgesamt fünf Weltmeistertiteln im Rücken beleuchten die beiden Rennfahrer den Gemütszustand von Ferrari nach der langen Durststrecke ohne Sieg.

Jacques Villeneuve: "Sebastian, danke, dass du dir Zeit für mich genommen hast. Sei bitte nachsichtig mit mir - du bist mein erstes Mal (Vettel lacht; Anm. d. Red.). Ich habe vorher noch nie Interviews geführt. Ich bin auch nachsichtig mit dir, weil ich dich respektiere. Du scheinst immer mit Leidenschaft dabei zu sein. Was sind diese Leidenschaften?"
Sebastian Vettel: "Na ja, vielleicht Schokolade (lacht; Anm. d. Red.)! Quatsch, ich liebe natürlich das Rennfahren. Das ist etwas Großartiges, das uns alle verbindet. Nicht nur die Fahrer untereinander, sondern das ganze Fahrerlager. Das trifft auch auf die Mechaniker und das gesamte Team zu. Natürlich hast du immer den Wettbewerb dabei, aber das ganze lebt von der Leidenschaft."

Vater Norbert ist Bergrennen gefahren

Villeneuve: "Woher nimmst du diese Leidenschaft und den Hunger zu gewinnen?
Vettel: "Ich habe es noch nie gemocht, als Zweiter oder sogar Fünfter ins Ziel zu kommen. Ich habe immer versucht zu gewinnen. Als Kind habe ich viele Sachen ausprobiert. Ich habe versucht, Tennis zu spielen, ich habe Fußball gespielt - logisch, als Deutscher (lacht; Anm. d. Red.)! In demselben jungen Alter habe zwar noch nicht mit dem Autorennfahren, aber mit dem Kartfahren begonnen. Mein Vater nahm an Bergrennen teil. Meine Familie war also immer gemeinsam auf Reisen zu seinen Rennen. Das war einfach Spaß, er hat das nicht professionell gemacht."

"Irgendwie traf er dann auf Leute, die diese Go-Karts hatten - was damals brandneu war. Die waren noch nicht weit verbreitet. Dann kam Weihnachten und unterm Weihnachtsbaum hatte ich ein Go-Kart. So hat das alles angefangen - von nur einem PS angetrieben. So hat sich meine Leidenschaft für das Fahren entwickelt."

Villeneuve: "Wurde damit auch das Feuer für den Wettbewerb entfacht?"
Vettel: "Ja, das hängt wohl damit zusammen. Nur so rumzufahren macht Spaß. Aber ab einem gewissen Punkt fragst du dich schon: Worum geht es hier eigentlich? Dann fahren irgendwann auch andere mit und du nimmt die Herausforderung an, wer am schnellsten ist. Da ist definitiv die Leidenschaft für das Fahren dabei, aber auch für das gegenseitige Duellieren. Jetzt bin ich schon eine Menge Rennen gefahren. Aber Sonntags ist es immer noch so, dass ich morgens aufwache und ein bisschen aufgeregt bin."

Keine Lust auf Schlange stehen

Villeneuve: "Wirkt sich das zu Hause auch auf dein Umfeld aus?"
Vettel: "Ich mag es im Alltag nicht, in der Schlange zu stehen. Ich hasse das im Supermarkt! Ich versuche dann einen besseren Weg oder eine andere Schlange zu finden. Wenn ich beispielsweise mit einem Freund joggen gehe, habe ich immer das Gefühl, einen kleinen Schritt weiter vorne gehen zu müssen - was eigentlich bescheuert ist! Wenn wir uns entschließen, den Rückweg anzutreten, muss ich so immer ein kleines Stückchen weiter laufen als er. So kann ich dann am Ende vom Lauf sagen, dass ich den längeren Weg zurückgelegt habe. Das sind solche unsinnigen Sachen bei mir. Vielleicht muss man ein bisschen verrückt sein."

Villeneuve: "Da kommt wieder der Wunsch nach dem Gewinnen durch. Hatte es nicht einen negativen Einfluss in der Schule, als du dich entschlossen hattest, Rennfahrer zu werden?"
Vettel: "Ich hatte mit meinen Eltern und auch in der Schule die Abmachung, dass ich abliefern und gut genug sein muss, damit man hinterher sagen kann: 'Alles klar, du bist gut genug, um die Schule für das Rennfahren zu verlassen.' Ich war mit Sicherheit nicht der beste Schüler, auch nicht der netteste gegenüber den Lehrern. Ich hatte eine gute Zeit, aber ich habe nur das gemacht, was ich machen musste."

Villeneuve: "Mein Vater wollte unbedingt, dass ich in Le Mans fahre, da es hieß, ein Villeneuve könne nur Rennfahrer werden. Wie siehst du das später in deiner Familie?"
Vettel: "Ich habe zwei Töchter, vielleicht ist es da ein bisschen einfacher. Letztendlich wollen die Eltern ihr Kind einfach nur unterstützen. Wenn meine Töchter zu mir kommen würden und sagen, die wollen Rennen fahren, würde ich sie wahrscheinlich unterstützen. Sport ist immer gut. Ich glaube, ich werde sie dazu animieren, Sport zu machen anstatt ein Musikinstrument zu erlernen."

Wechsel von Red Bull zu Ferrari nie bereut

Villeneuve: "In jedem Leben gibt es immer prägende Ereignisse. Bei dir war das der Wechsel zu Ferrari. Das bedeutete ein komplett weißes Blatt Papier für dich, fast als wenn der Vogel sein Nest verlässt. Wie hat dich der Wechsel verändert?"
Vettel: "Ich hatte immer den Traum, eines Tages für Ferrari zu fahren. Für mich war das letztendlich der richtige Zeitpunkt, da viele Dinge im Umbruch waren. Bei mir war der Wille da, sich zu verändern. Wir sind da immer noch in einem Prozess. Wir hatten vergangenes Jahr eine gute Saison, dieses Jahr war es ein bisschen ein auf und ab. Natürlich hatten wir Rennen, wo du dich hinterher fragst: Mensch, warum ist das so und so gelaufen? War das wirklich die richtige Entscheidung?"

"Es gab aber nie den Moment, wo ich zurückgeblickt und gedacht habe: 'Hätte ich das bloß nicht gemacht!' Ich bin immer noch hundertprozentig davon überzeugt, das Richtige getan zu haben. Natürlich braucht es immer ein bisschen Zeit und Geduld. Davon haben die Leute vielleicht nicht immer so viel. Ich auch nicht - hatte ich noch nie! Aber man muss auch fair bleiben und uns genug Zeit einräumen, um die Leute auf ihre Position und das Projekt wirklich zum Laufen zu bringen. Denn wir wollen nicht nur ein Rennen gewinnen. Das reicht mir nicht. Ich möchte viele Rennen gewinnen."

Villeneuve: "Am Ende vielleicht noch ein paar Worte über Italien?"
Vettel: "Die Lebensqualität in Italien ist natürlich unerreichbar. Auch deshalb bin ich zufrieden. Und danke. Hat großen Spaß gemacht mit dir!"

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