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Das Drama Streiff: Eine Geschichte mitten ins Herz

Ex-Formel-1-Pilot Philippe Streiff sitzt wegen eines Testunfalls im Rollstuhl: 25 Jahre später erzählt er seine traurige Geschichte - Mit viel Menschlichkeit und Zuversicht

Lewis Hamilton, Philippe Streiff
Philippe Streiff hielt trotz seines Schicksals stets den Kontakt zum Fahrerlager
© LAT

(Motorsport-Total.com) - Glauben Sie an das Schicksal? Dann könnte man sagen, dass es in der Formel 1 allgegenwertig ist. Im Fall von Philippe Streiff schlug es vor 25 Jahren besonders hart zu, denn er ist seit einem Testunfall auf dem Jacarepagua-Kurs in Rio querschnittgelähmt. Zumal man verhindern hätte können, dass sein Leben von einem Tag auf den anderen nicht mehr das gleiche war. Streiff selbst hat nie erzählt, was damals wirklich geschehen ist - bis heute.

Er benötigte viele Jahre, um all die unglücklichen Details herauszufinden und in Zusammenhang zu bringen. Dies ist die schockierende, aber längst vergessene Geschichte eines der größten Dramen der Formel 1. "Als ich aus dem Koma erwachte, da fühlte es sich an wie ein Albtraum - aber mir war bewusst, dass ich nicht aufwachen konnte", erinnert er sich. "Dann fand ich aber heraus, was nach dem Unfall passiert war, und auf gewisse Weise, war das noch schwieriger zu verstehen."

Streiff erobert die Formel 1

Streiff war mehr als der biedere Mitfahrer auf Jobsuche, als der er oft hingestellt wird. Von Renault Mitte der 1980er-Jahre unterstützt, gab er 1984 in Estoril neben Derek Warwick und Patrick Tambay in einem dritten RE50 sein Formel-1-Debüt. In der folgenden Saison ersetzte er bei den letzten Saisonrennen den gefeuerten Andrea de Cesaris bei Ligier, setzte sich im Qualifying gegen Jacques Laffite mit 3:1 durch und wurde beim Saisonfinale in Adelaide beachtlicher Dritter.

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1986 und 1987 folgten zwei Saisons beim unterfinanzierten Tyrrell-Team, wo er Punkte holte und seine hoch eingeschätzten Teamkollegen Martin Brundle und Jonathan Palmer forderte, ehe er 1988 zum kleinen AGS-Team heimkehrte, für das er von 1982 bis 1984 in der Formel 2 und 1985 in der Formel 3000 angetreten war - und mit Siegen wie im Formel-2-Saisonfinale in Brands Hatch 1984 die Großen aufgemischt hatte.

Streiff qualifizierte sich 1988 regelmäßig im Mittelfeld und schaffte hin und wieder den Sprung in die Top 6, speziell auf den Strecken in Detroit und Montreal. In Anbetracht dessen, dass das Team damals inklusive Fahrer aus nur zwölf Mitarbeitern bestand, schlug sich die Truppe aus Gonfaron in Südfrankreich besser, als es die Rahmenbedingungen eigentlich zulassen hätten dürfen.

Augenzeuge bei de Angelis' Todessturz

Nach Elio de Angelis' tödlichem Unfall auf dem Paul-Ricard-Kurs im Frühling 1986 dachte Streiff ernsthaft daran, den Helm an den Nagel zu hängen. Er erfuhr, dass de Angelis seinen Verletzungen in einem Krankenhaus in Marseille erlegen war, als er mit seinem Mietwagen auf der Autobahn in Richtung Paris unterwegs war.

24 Stunden davor war Streiff mit seinem Tyrrell-Renault dem Brabham BT55 des Italieners unmittelbar gefolgt, als dieser von der Strecke abkam und sich überschlug. "Ich erinnere mich, als ich zu mir sagte: 'Philippe, es ist Zeit aufzuhören. Du hast einen kleinen Sohn, der seinen Vater braucht. Warum gehst du in diesen Autos so verrückte Risiken ein, wenn bei einem Unfall niemand da ist, der dich rettet?' Ich erinnere mich an die Worte, die ich zu Renee (seine Frau, Anm. d. Red.) und zu Ken Tyrrell sagen würde, wenn ich zuhause bin und zurücktreten werde." Gespräche, die niemals stattfinden sollten.

Denn Streiff - ganz der Rennfahrer - war mit seinen Gedanken bereits beim kommenden Rennen in Kanada, als er in Paris eintraf. Er hatte Mitgefühl für de Angelis und seine Familie, war aber überzeugt davon, dass ihm so etwas nicht passieren würde. Es dauerte nicht einmal drei Jahre, als er eines besseren belehrt wurde.

Streiffs Drama in Jacarepagua

Es war schwül, als Streiff in Jacarepagua den AGS JH23B testete, eine überarbeitete Version des Boliden von 1988. Kurz vor elf Uhr morgens führte sein Team am 15. März als Vorbereitung auf den Grand Prix von Brasilien einen Reifentest durch. Es war der Plan, dass er am nächsten Tag das Cockpit an seinen Teamkollegen Joachim Winkelhock übergibt, der bereits am Abend davor eingetroffen war.

"Ich erinnere mich, wie ich die Boxen verlasse, und dann - schwarz."
Philippe Streiff

Neben den neuen Goodyear-Reifen wollte AGS neue Felgen ausprobieren. Streiff kam an die Box, und sie wurden unter der Leitung seines Ingenieurs Claude Galopin angeschraubt. Aber dann... "Ich erinnere mich, wie ich die Boxen verlasse, und dann - schwarz. Ich habe eine Lücke", erzählt Streiff 25 Jahre später.

"Der Unfall passierte in der schnellen Rechtskurve vor der Haarnadel, die auf die Gegengerade führt. Es gibt keine Aufnahmen des eigentlichen Unfalls, nur von dem, was nachher passierte. Ich habe mich mehrmals überschlagen, Motor, Getriebe und alle Räder waren weg. Viel wichtiger war aber, dass auch der Überroll-Bügel des Autos weg war. Das Auto war komplett zerstört, und ich landete hinter der Begrenzung."

Der Unfall war außergewöhnlich heftig. Außergewöhnlich war auch, dass sich Streiff dabei nur die Schulter sowie den vierten und den fünften Halswirbel - übrigens die gleichen wie Frank Williams bei seinem Verkehrsunfall 1986 - brach. Der obere Teil des Chassis, wo der Überroll-Bügel fixiert war, wurde durch die enormen Kräfte beim Aufprall abgerissen. Es besteht kein Zweifel, dass das Auto den damaligen Sicherheitsvorkehrungen entsprach, aber es ist kein Wunder, dass die FISA 1990 strengere Überroll-Bügel-Tests einführte.

Übereilte Rettungsaktion verschlimmert Verletzungen

Streiffs Genicksverletzungen wurden durch die wenig zufriedenstellende Erstversorgung sogar noch verschlimmert, was dazu führte, dass er den Rest seines Lebens im Rollstuhl sitzen sollte. Sein AGS-Bolide landete verkehrt im sumpfigen Gras hinter der Begrenzung der Suspiro-Kurve. An diesem Tag verrichteten dort vier Streckenposten ihren Dienst. Einer wurde durch ein herumfliegendes Wrackteil leicht verletzt, die anderen drei eilten sofort herbei und richteten das, was vom Auto noch übrig war, wieder auf.

"Durch das, was mir nach dem Unfall passiert ist, war klar, dass ich nie wieder gehen werde können."
Philippe Streiff

Dadurch wurde Streiffs Kopf und sein Genick enormen Belastungen ausgesetzt. Glaubt man Augenzeugen, die damals mit Streiffs Frau sprachen, nahmen sie ihm den Helm ab, als er festgezurrt im zerbrochenen Monocoque saß, bei dem das hintere Teil, der Überroll-Bügel und der Tank fehlten. Er wurde dann aus dem Cockpit geholt und lag im Gras, ehe das Rettungsauto eintraf.

"Die Leute, die zuerst bei mir waren, waren es gewohnt, in der Kurve zu stehen, und sie haben getan, was sie für richtig hielten", erklärt Streiff. "Sie hatten aber keine medizinische Ausbildung, und handelten nicht mit System. Heute würde man nach einem Unfall niemals den Kopf bewegen, man muss das Unfallopfer komplett statisch halten und jegliche Bewegung durch eine gepolsterte Kopfstütze verhindern. Durch das, was mir nach dem Unfall passiert ist, war klar, dass ich nie wieder gehen werde können."

Rettungshubschrauber landete auf der Copacabana

Als die rote Flagge bei Start-Ziel gezeigt wurde, eilten die AGS-Mechaniker im Auto zur Unfallstelle, wo sie aber von Streiff ferngehalten wurden. Sie sahen, dass er seine Arme und Beine bewegte, aber es dauerte weitere 30 Minuten bis der Krankenwagen Streiff ins Fahrerlager transportiert hatte. Doch das war noch lange nicht alles: Der Schwerverletzte wurde in den Rettungshubschrauber geladen und hätte in eines der besten neurologischen Krankenhäuser Rios gebracht werden - die Sao-Vicente-Klinik.

Es gab allerdings Schwierigkeiten: "Der Hubschrauber-Pilot stammte aus Sao Paulo und wusste nicht, wo sich das Krankenhaus in Rio befindet", sagt Streiff. "Er benötigte über eine Stunde, um in die Nähe des Krankenhauses zu kommen. Dabei war es nur 22 Kilometer von der Strecke entfernt." Dadurch trafen seine Frau Renee und sein Physiotherapeut Pierre Baleydier vor ihm im Krankenhaus ein. Der verwirrte Pilot war zunächst kurioserweise zwischen den Badegästen auf dem Copacabana-Strand gelandet.

Als sie endlich im Krankenhaus eintrafen, verlangte Renee, ein internationales Telefon benutzen zu dürfen. Am anderen Ende der Leitung war Doktor Gerard Saillant, der kürzlich die Behandlung Michael Schumachers nach seinem Skiunfall überwachte und derzeit als Präsident des FIA-Instituts fungiert. Der Spezialist für Wirbelsäulen-Chirurgie kannte die Familie Streiff schon lange und versuchte sein Bestes, um seinem Freund aus der misslichen Lage zu verhelfen.

"Schumacher-Arzt" rettet Streiff

Ausnahmsweise hatte Streiff Glück, und einer der Ärzte im Krankenhaus von Rio war von Saillant in Europa ausgebildet worden, und sie besprachen die Erstoperation am Telefon. Inzwischen waren zehn Stunden vergangen, als die weitere Vorgehensweise besprochen wurde und Spezialisten aus Sao Paulo eintrafen.

"Renee rief Gerard an und erzählte ihm, was passiert war - er entschloss sich sofort, nach Rio zu reisen", erinnert sich Streiff. "Bereits am Tag nach dem Unfall war er hier und rettete sofort zwei Mal mein Leben, als ich einen Herz-Stillstand hatte. Er ist wirklich ein Lebensretter. Ich bin Renee so dankbar, dass sie ihn bat herzukommen. Ohne ihn wäre ich 1989 gestorben, da bin ich mir sicher."

Saillant überwachte auch Streiffs Rückkehr nach Europa fünf Tage nach dem Unfall, die sich als Horrortrip entpuppte. "Natürlich war ich nicht bei Bewusstsein, aber für Renee muss es schlimm gewesen sein, denn es handelte sich um ein kleines Flugzeug und sie mussten sicherstellen, dass ich zu jeder Zeit stabil liegen würde", sagt er.

Auch Sarkozy half bei Rettung mit

"Irgendwie haben wir es sicher nach Paris geschafft, und ich wurde in die 'Institution des Invalides' gebracht. Da war es aber schon zu spät, und Gerard sagte mir, dass die mangelhafte Betreuung in Brasilien nach dem Unfall die Verletzungen verschlimmert und eine komplette Querschnitt-Lähmung verursacht hatten."

Rund um die Streiff-Familie formierte sich ein Unterstützer-Team - der spätere französische Präsident Nicolas Sarkozy, damals Bürgermeister von Neuilly-sur-Seine, organisierte eine Polizeieskorte, damit die Rettung Streiff direkt auf die Intensivstation bringen konnte.

"Nelson Piquet bat kurzfristig sein Privat-Flugzeug an."
Philippe Streiff

"Wir mussten meinen Sohn Thibault in Brasilien beim Team lassen, können Sie sich das vorstellen?", erinnert sich Streiff. "Ein zweijähriges Kind wurde ohne seine Eltern zurückgelassen. Es war hart, aber die AGS-Leute waren fantastisch und haben sich gut um ihn gekümmert. Philippe Alliot und Yannick Dalmas waren sehr hilfsbereit, und Nelson Piquet bat kurzfristig sein Privat-Flugzeug an, aber wir benötigten einen Flieger mit ärztlicher Ausrüstung. Dennoch werde ich die angebotene Hilfestellung nie vergessen."

Das gleiche gilt für den Gemeinschaftssinn der Formel 1, der sich in Suzuka zeigte. Die Fahrer nahmen sich der Sache an und spendeten große Geldsummen für die Betreuung Streiffs. Renee Streiff hatte auch den Grand Prix von Frankreich auf dem Paul-Ricard-Kurs besucht, wo sie von vielen im Fahrerlager mentale Unterstützung erhielt - speziell von Prost, Tyrrell und natürlich AGS.

Fünf gelöschte Wochen

Nach dem Trauma sah sich Streiff mit einer neuen Herausforderung konfrontiert. Sein Leben war wochenlang auf Messers Schneide, denn sein Atmungsreflex war verschwunden - aus diesem Grund musste zur Not ein Luftröhren-Schnitt durchgeführt werden. Als er langsam erwachte, konzentrierte er sich auf eine der Krankenschwestern und sprach sie an: "Sie müssen mich hier herausholen. Ich muss zum Jacarepagua-Kurs, wo der Grand Prix von Brasilien stattfindet."

"Ich war so verwirrt, denn in meiner Welt war ich wenige Stunden davor gerade mit diesen neuen Felgen aus der Box gefahren."
Philippe Streiff

Die Schwester antwortete ihm, dass er sich nun in Frankreich befinde und dass am Wochenende tatsächlich ein Grand Prix stattfinden würde, es sich aber um den Grand Prix von San Marino und nicht um den von Brasilien handeln würde. "Ich war mir sicher, dass ich noch in Brasilien bin, als ich aufwachte", erinnert er sich.

"Ich konnte nicht alles auf einmal aufnehmen, also mussten sie meinen Rallye-Freund Bertrand Balas holen, um mir bewusst zu machen, dass ich in Frankreich bin. Und wissen Sie, was Bertrand getan hat? Er brachte einen Fernseher in mein Zimmer, und wir sahen uns den Grand Prix von San Marino an, wo Tarquini in 'meinem' Auto saß. Ich war so verwirrt, denn in meiner Welt war ich wenige Stunden davor gerade mit diesen neuen Felgen aus der Box gefahren."

Streiff sicher: Felgenbruch als Ursache für Unfall

Für Streiff besteht kein Zweifel, was die Ursache für den Crash war. Er besprach die Angelegenheit einige Jahre später mit Galopin und anderen Mitgliedern des AGS-Teams. "Es lag an den neuen Felgen, die wir testeten. Es handelte sich um zweiteilige Aluminium-Felgen von einer kleinen französischen Firma, die wir ausprobieren wollten", sagt er.

"Bei der Kurve handelte es sich um einen Knick, wo man keinen Fehler machen konnte."
Philippe Streiff

"Es passierte in der zweiten Runde, nachdem ich sie ausfasste, und sie waren den Belastungen des sehr welligen Belags auf dem Jacarepagua-Kurs einfach nicht gewachsen. Sie verformten sich, und dadurch blockierte die Hinterachse. Der Felgenkranz brach, als die Belastung am größten war, und ich bin sicher, dass das den Unfall auslöste. Bei der Kurve handelte es sich um einen Knick, wo man keinen Fehler machen konnte. Die Passage ging ohne Probleme mit Vollgas."

Die mentalen Folgen dieser lebensverändernden Ereignisse waren enorm. Streiff benötigte ganze zwei Jahre, um seinen Atmungsreflex wieder zu entwickeln und um seine Schultern bewegen zu können. Sein Zustand war so prekär, dass er erst im Frühjahr 1992 in sein angepasstes Zuhause zurückkehren konnte.

Lebensfreude wiederentdeckt

Die Rehabilitation war hart, aber herausfordernd waren auch die finanziellen Belastungen und die Versicherungskosten. Dennoch war Streiff nie verbittert und fällt heute durch seine außergewöhnliche Ausstrahlung auf, was sich in seinem "neuen Leben" - wie er es nennt - als wertvoll erwiesen hat.

In den 1990er-Jahren baute er ein erfolgreiches Business-Imperium auf, und sein Kartevent in Bercy war für die Motorsport-Gemeinde lange Zeit ein Fixpunkt am Ende des Jahres. Beinahe wäre er sogar Formel-1-Teamchef geworden: Er und Oreca-Boss Hugues de Chaunac stellten 1994 ein Angebot, um das Ligier-Team zu kaufen, aber die Pläne, daraus ein Williams-Juniorteam zu machen, wurden aufgegeben. Flavio Briatore rettete schließlich das Team.

"Nachdem ich bei Elios Unfall 1986 Augenzeuge war, war ich davon überzeugt, dass etwas derartiges nie wieder passieren würde", blickt Streiff zurück. "Es ist aber passiert - und zwar mir. Glücklich zu sein ist aber ein Geisteszustand, den ich mir bewahrt habe - und dadurch hab ich meine Lebensfreude wieder gefunden."

Der Sarkozy- und Williams-Effekt

Nicolas Sarkozy war von 2007 bis 2012 französischer Präsident, vor 25 Jahren war er allerdings der hochambitionierte Bürgermeister von Neuilly-sur-Seine in der westlichen Peripherie von Paris. Seine erste Frau war die auf Korsika geborene Marie-Dominique Culioli, eine Kindheits-Freundin von Philippe Streiffs Frau Renee, die ebenfalls auf der "Insel Napoleons" geboren wurde.

"Nicolas war sehr klug und ein harter Arbeiter", erinnert sich Streiff. "Ich habe erkannt, dass es nützlich wäre, wenn er sich um meine wirtschaftlichen und vertraglichen Belange kümmert. Sein Auge für Details war schon in diesem früheren Karrierestadium bemerkenswert. Er war ein gelernter Anwalt und war daher nach meinem Unfall sehr nützlich."

"Er brachte meinen Sohn aus Brasilien zurück, organisierte alles. Wir standen uns sehr nahe, und hin und wieder treffen wir uns auch heute noch. Eigentlich ist es auch für ihn nicht schlecht gelaufen, nicht wahr?"

Williams' Worte waren Schlüssel

Am Ende erwies sich ein Anruf von Frank Williams für Streiffs Zukunft als richtungsweisend. Anstatt - wie von Sarkozy empfohlen - Schadenersatz einzufordern, überzeugte ihn Williams, ein Teil des Formel-1-Gewerbes zu bleiben. "Frank sagte zu mir, dass ich eine gute Zukunft haben könnte", blickt Streiff zurück. "Er sagte: 'Es ist nicht einfach, Philippe, aber du musst stark bleiben, und ich rate dir, mit der Formel-1-Familie in Kontakt zu bleiben. Arbeite weiter im Rennsport-Bereich, und das wird dir dabei helfen, den Fokus nicht zu verlieren und etwas zu erreichen'."

Streiff hielt sich an den Rat von Williams, der ebenfalls im Rollstuhl sitzt. "Ich habe begonnen, Veranstaltungen wie das Elf-Bercy-Kartevent zu veranstalten", erzählt er. "Das wurde ein großer Erfolg, und durch die Unterstützung der Formel-1-Familie griff ein Rad ins andere. Ich stand Alain Prost und Ayrton Senna nahe, und 1993 kam es zu diesem fantastischen Ereignis, dass die beiden ein letztes Mal gegeneinander fuhren. Am Ende verdanke ich es Frank, der mir die Kraft gegeben hat, das umzusetzen."

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