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Surer über Vettel: "Man mag ihn auf der ganzen Welt"

Experte Marc Surer analysiert, warum Red Bull am Saisonbeginn einen schweren Stand hatte und spricht über den weltmeisterlichen Sympathieträger Sebastian Vettel

Marc Surer
Marc Surer findet, dass Sebastian Vettel bodenständig geblieben ist
© Ennstal-Classic (Martin Huber)

(Motorsport-Total.com) - Michael Schumacher hat während seiner erfolgreichen Karriere immer polarisiert, insbesondere in Großbritannien (womöglich eine Folge der Rivalität mit Damon Hill), aber auch in Deutschland und auf der ganzen Welt. Sebastian Vettel hingegen wird von den meisten Journalisten, Fans und Schwiegermüttern als der sympathische Junge von nebenan gesehen.

Aber der nunmehrige Dreifach-Weltmeister hat auch ein zweites Gesicht: vom Ehrgeiz zerfressen, wütend, mürrisch - in der Vergangenheit schon mehrfach gesehen. Der Sebastian Vettel im Cockpit und der Sebastian Vettel abseits der Rennstrecke scheinen zwei völlig verschiedene Menschen zu sein, wie auch unser Experte Marc Surer findet: "Bei Vettel ist zu spüren, dass er im Cockpit überhaupt nicht der nette Kerl ist, den man außerhalb des Autos kennt."

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Gerade deswegen erwartet der ehemalige Formel-1-Pilot aus der Schweiz, heute Co-Kommentator des Pay-TV-Senders Sky, dass der Erfolgsrun von Vettel und Red Bull auch im nächsten Jahr weitergehen wird. Ein stabiles Reglement und den Genius von Adrian Newey zieht Surer in unserem Jahresrückblick-Interview für diese Bewertung als argumentative Grundlage heran.

Nicht präsent auf Facebook und Twitter

Frage: "Marc, gestern hatten wir das Thema soziale Netzwerke, in denen Sebastian Vettel nicht präsent ist. Er ist weder auf Facebook, noch auf Twitter, hält seine Freundin aus den Medien raus. Wenn er seine Ruhe haben will, macht er das richtig gut, nicht wahr?"
Marc Surer: "Das muss jeder für sich entscheiden, aber ich finde, er macht das richtig, damit er sich auf die Arbeit konzentrieren kann. Das ist sein Stil, das soll er ruhig so weitermachen. Man muss nicht immer alles mitmachen."

Frage: "Vor allem, und das macht ihn aus der Sicht des Medienschaffenden sympathisch, schafft er das, ohne Rechtsanwälte aufmarschieren zu lassen. Das unterscheidet ihn von so manch anderer Berühmtheit."
Surer: "Richtig. Er hatte natürlich auch noch keinen Grund, sich groß mit Rechtsanwälten zu umgeben, auch weil seine Karriere relativ unkompliziert verlaufen ist."

"Nur zwischen BMW und Red Bull gab es mal ein bisschen Verwirrung, was Verträge angeht, aber grundsätzlich war seine Karriere relativ unkompliziert. Er ist Toro Rosso gefahren - das war ja schon Red Bull - und dann ist er von Toro Rosso zu Red Bull. Wozu braucht's da Anwälte? Sebastian ist ein intelligender junger Mann, der einen Vertrag lesen kann und die Sprache perfekt spricht."

Frage: "Als dreimaliger Weltmeister könnte man fast verstehen, wenn er jetzt Gefahr laufen würde, ein bisschen abzuheben. Erkennst du da Anzeichen oder ist er nach wie vor der sympathische Junge von nebenan?"
Surer: "Es wird natürlich manchmal ein bisschen viel für ihn, das ist ja klar. Für mich ist sein Auftreten aber immer noch sehr positiv, eigentlich vorbildlich."

Sympathieträger im Fahrerlager

"Wenn man sieht, was da auf ihn einstürzt und wie er trotzdem nett und freundlich bleibt, ist das sensationell. Das macht er sehr gut. Deswegen mag man ihn auf der ganzen Welt, auch in anderen Sprachräumen. Vettel ist willkommen. Ich merke das auch hier in Argentinien, wo ich gerade bin. Die Menschen hier reden sehr positiv von ihm, weil er ein freundlicher Kerl ist und Antworten gibt, wenn man ihn etwas fragt."

Frage: "Hat er fahrerisch betrachtet noch Schwächen? Lange stand ja der Vorwurf im Raum, er kann nur gewinnen, wenn er vorne wegfährt. Das hat er dieses Jahr eigentlich entkräftet."
Surer: "Dass er in Abu Dhabi und vor allem in Brasilien, wo wirklich alles schiefgegangen ist, nicht das Handtuch geschmissen, sondern weitergekämpft hat, das war schon sensationell. Ich denke, diesen Ruf hat er jetzt ausgemerzt. Natürlich kann man sagen, dass mit einem schnellen Auto alles machbar ist, aber ich finde schon, dass er dieses Jahr gezeigt hat, dass er wirklich kämpfen kann."

Frage: "Siehst du sonst noch Defizite zu zum Beispiel Fernando Alonso?"
Surer: "Wenn das Auto nicht gut genug ist, verzettelt er sich vielleicht manchmal. Das war Anfang des Jahres so, als das Auto wenig Anpressdruck hatte. Damit kam Mark Webber besser klar, dem ja offensichtlich dieser angeblasene Diffusor im letzten Jahr nicht geheuer war. Plötzlich kam er mit dem Auspuff besser klar, solange sie den Auspuff innen hatten."

Knackpunkt angeströmter Diffusor

"Sobald sie dann auf die neue Auspuffversion umgebaut hatten, dass der Auspuff wieder auf den Diffusor bläst, war Vettel der, der das wieder besser nutzen konnte. Vorher kam Webber aber oft besser klar - ich glaube, dass Vettel dann zu viel ausprobiert, weil er einfach unzufrieden ist. Andererseits ist das auch seine Stärke, denn dadurch hat er im zweiten Halbjahr das Auto dahin getrimmt, wo er es haben musste, um wieder seine alte Form zu finden - und seine Form war am Schluss sensationell."

Frage: "Nach Brasilien ging dann der Ehrungs-Marathon los. Jetzt kriegt dieser 25 Jahre junge Mann von allen Seiten eingetrichtert, dass er genauso viele Weltmeisterschaften gewonnen hat wie Ayrton Senna, Niki Lauda und einige weitere Größen des Sports. Muss das nicht fast zwangsläufig dazu führen, dass ihm das zu Kopfe steigt und der Hunger ein wenig verloren geht, oder glaubst du, dass ihn das sogar noch stärker macht?"
Surer: "Wenn er mal verliert oder etwas nicht so läuft, wie er will, dann schimpft er wie ein Rohrspatz."

"Der Ehrgeiz sitzt bei ihm tief und das zeichnet ihn aus. Ähnlich wie bei Michael Schumacher will er ganz konsequent am liebsten immer siegen. Das ist auch bei Vettel zu spüren, dass er im Cockpit überhaupt nicht der nette Kerl ist, den man außerhalb des Autos kennt. Deswegen mache ich mir keine Sorgen, dass die Motivation nachlassen könnte."

Frage: "Und beim Team Red Bull? Große Erfolgsserien haben alleine schon statistisch und historisch gesehen nach ein paar Jahren immer ein Ablaufdatum."
Surer: "Wer in diesem Jahr das schnellste Auto hatte, wird es auch im nächsten Jahr haben. Die einzige Gefahr für Red Bull ist, dass inzwischen alle begriffen haben, wie man so ein Auto bauen muss, weil sich das Reglement nicht ändern. Das könnte zum Verhängnis werden, dass zu viele schnelle Autos da sind und dass es nicht mehr so einfach wird, weil das Reglement so eingefroren ist."

Irgendwann steht auch Newey an

"Da gibt es für ein Genie wie Adrian Newey gar nicht mehr viele Möglichkeiten, etwas noch besser zu machen. Man hat ja gesehen, dass McLaren auch zum Schluss immer noch auf dem Level war, aber es gibt auch andere, die es aus eigener Kraft schaffen, einen Red Bull zu schlagen. Der Vorteil ist, dass das Reglement unverändert bleibt und man Newey hat, der immer noch mehr aus dem Reglement herausholen kann. Das steht aber irgendwann an."

Frage: "Newey gilt als einer, der gerade mit einem neuen Reglement immer aufblüht. 2014 kommt ja ein neues Reglement. Somit ist der langfristige Ausblick für Red Bull positiv."
Surer: "Kann sein. Dieses Jahr hat man gesehen, dass sie sich schwer getan haben, weil der große Vorteil der letzten zwei Jahre, der angeblasene Diffusor, weg war. Da waren sie führend und das haben sie ins Extrem ausgenutzt."

"Dieses Jahr haben sie relativ schlecht angefangen, weil sie erst mal sehen mussten, in welche Richtung der Weg führt, und es war schon überraschend, dass andere die Idee mit dem Coanda-Auspuff hatten und Red Bull erst später auf diesen Zug aufgesprungen ist. Das war für mich schon erstaunlich, denn normalerweise sind sie die Ersten, die so etwas herausfinden. Aber das hat Newey offensichtlich falsch eingeschätzt, während Sauber und vor allem McLaren das von Anfang an richtig hatten."

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