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Gefährliches Twittern und verbotene Flüche

Die Tops und Flops des Jahres 2012: Vettel und Alonso duellieren sich, Schumacher steigt aus, Mercedes stürzt ab, Twittern ist gefährlich und Fluchen verboten

Lewis Hamilton
Lewis Hamilton wurde das Smartphone 2012 beinahe zum Verhängnis
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com/SID) - 2012 wird als das Jahr in die Geschichte der Formel 1 eingehen, in dem viele Schlagzeilen durch den Internet-Kurznachrichtendienst Twitter entstanden sind, den plötzlich auch viele Topfahrer für sich entdecken. Sportlich stand die Saison ganz im Zeichen des Duells zwischen Sebastian Vettel und Fernando Alonso, von denen am Ende nur einer Dreifach-Champion sein konnte, und in Brasilien hieß es Abschied nehmen von Michael Schumacher. Doch wo eine Sternschnuppe verglüht, macht sich eine andere auf den Weg: Nico Hülkenberg ist für viele der Aufsteiger des Jahres und Nico Rosberg darf sich seit Schanghai endlich Grand-Prix-Sieger nennen...

Duell des Jahres: Vettel gegen Alonso
Sebastian Vettel und Fernando Alonso lieferten sich bis zum letzten Rennen des Jahres ein WM-Duell auf Augenhöhe. Abseits der Strecke duellierten sie sich auf unterschiedliche Art und Weise. Alonso griff mit Samurai-Schlaumeiereien und einem unsäglichen Gewehr-Foto an, Vettel hatte keine Lust auf Psychospielchen und konterte allenfalls mal spitzbübisch.

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Aussteiger des Jahres: Michael Schumacher
Der zweite Rücktritt wird endgültig sein. Michael Schumacher beendet seine große Karriere (Zur Fotostrecke: Schumachers größte Rivalen). Den 91 Rennsiegen und sieben Titeln fügte er in den drei Comeback-Jahren bei Mercedes keine hinzu. Das Auto war einfach zu schlecht, Schumacher mit über 40 wohl einfach zu alt. Doch er hatte die meiste Zeit über Spaß, wirkte locker wie nie und brachte der Formel 1 eine Menge Reputation. So gesehen war seine Rückkehr kein Fehler. Sein endgültiger Rücktritt ist es aber sicher auch nicht.

Aufsteiger des Jahres: Nico Hülkenberg
Der "Hülk" (Zum Interview mit Nico Hülkenberg) war der Überflieger des Jahres. Nach einem Jahr Zwangspause hatte der Mann vom Niederrhein zwar Anpassungsschwierigkeiten, im zweiten Halbjahr diktierte er Force-India-Teamkollege Paul di Resta nach Belieben. Ferrari und Mercedes interessierten sich für den Mann, den Teamchef Vijay Mallya als "künftigen Weltmeister" sieht. Am Ende reichte es "nur" zum Wechsel zu Sauber. Doch die Schweizer fahren mit Ferrari-Motoren, die Hintertür zur Scuderia ist damit offen.

Comeback des Jahres: Kimi Räikkönen
Der "Iceman" ist zurück. Brummelig wie eh und je, aber fahrerisch eine Klasse für sich. Bis zum Schluss in Schlagdistanz zu den WM-Rivalen, sorgte er auch für Highlights abseits der Strecke. Seine Pressekonferenzen fielen öfter mal aus. In Schanghai war er "lost in China", in Bahrain kam er zehn Minuten vor dem Termin, sagte "niemand da" und ging wieder. In Abu Dhabi würgte er Ansagen am Boxenfunk mit den Worten "Ja, ja, ja, lasst mich in Ruhe! Ich weiß, was ich tue!" ab. "Und das waren nur die freundlichen Kommentare", sagt Teamchef Eric Boullier. Nach dem Rennen meldete sich Räikkönen für zwei Wochen zum Feiern ab: "Wenn ich beim nächsten Rennen da bin, ist das Team froh."

Enttäuschung des Jahres: Mercedes
Es schien das Jahr des großen Durchbruchs zu werden. Nico Rosberg (Zum Interview mit Nico Rosberg) gewann das dritte Rennen in Schanghai, in Monaco war der Silberpfeil das schnellste Auto. Doch in der zweiten Saisonhälfte kam der Absturz. Vor dem Saisonfinale blieb Mercedes fünf Rennen ohne einen einzigen Punkt - ein Desaster. Niki Lauda als Aufsichtsrats-Chef und Lewis Hamilton als neuer Fahrer sollen nun beim nächsten Anlauf den Erfolg bringen.

Fangio des Jahres: Nico Rosberg
Er holte den Sieg, den viele für Rekord-Weltmeister Michael Schumacher reserviert sahen: Den ersten im Silberpfeil seit dem legendären Juan Manuel Fangio vor fast 57 Jahren. In der zweiten Saisonhälfte ging Rosberg mit Mercedes unter. Doch er hat im dritten Jahr zum dritten Mal Schumacher geschlagen. Und er ist jetzt ein Siegfahrer.

Skandal des Jahres: Bahrain
Dass die Formel 1 in diesem Jahr im Krisenstaat fahren musste, war schlimm genug. Die Krönung waren jedoch die höhnischen, zynischen, lächerlichen Kommentare von Formel-1-Boss Bernie Ecclestone. Man fahre doch auch in China, wo ebenfalls Menschenrechte verletzt werden, Opfer eines Anschlags könne man schließlich überall werden. Fahrer und Angestellte wurden zudem zu Duckmäusern erzogen, niemand sagte seine Meinung. Bestraft wurden nur die, die nicht wegsahen. Wer daheim blieb, wurde entlassen. Als das Force-India-Team Zeuge eines Anschlags wurde und auf das zweite Training verzichtete, wurde es in der dritten Einheit nicht im TV-Bild gezeigt. Ein schlechteres Bild hatte die Formel 1 selten zuvor abgegeben.

Aufreger des Jahres: Twittern
Fernando Alonso hat das Twittern für sich entdeckt und macht sich einen großen Spaß draus. Auch wenn die Presseabteilung "mich im Auge hat", twitterte er munter Stuss: regelmäßige Samurai-Schlaumeiereien oder gar eine Kriegsansage an Vettel mit riesigem Paintball-Gewehr im Anschlag. Dümmer war nur Lewis Hamilton, der seinen 1,1 Millionen Followern erst geheime Telemetrie-Daten mitteilte und dann Teamkollege Jenson Button Respektlosigkeit vorwarf, um kurz darauf zurückrudern zu müssen. 140 Zeichen sind eben manchmal zu schnell losgeschickt.

Verbot des Jahres: Fluchen
Sebastian Vettel sagte "fuck up", Kimi Räikkönen "shit". Und das im Interview auf dem Podium, und auch noch in Abu Dhabi, vor vielen pikierten Arabern. Die FIA forderte daraufhin alle Teams und Fahrer zu "angemessener Sprache" auf. Vettel sah es nicht ein: "Jeder hat die Fernbedienung in der Hand, und wer sensibel ist, kann Kindersendungen schauen." Als er kurz darauf in einer Pressekonferenz die Formulierung "to take a piss" verwendete, hielt er sich aber schnell die Hand auf den Mund. Und FIA-Pressechef Matteo Bonciani klopfte ihm lächelnd auf die Schulter.

Gurke des Jahres: Narain Karthikeyan
Mit einem Unfall in Malaysia brachte er Sebastian Vettel auf die Palme. Dieser beschimpfte ihn nicht nur als "Idiot", sondern auch als "Gurke". Juckte Narain Karthikeyan wenig, denn der Inder wusste gar nicht, dass "Gurke" ein Schimpfwort sein soll. Als Vettel ihm in Austin aber noch die Schuld für das Überholmanöver von Hamilton gab und sein Boss Helmut Marko ihn als "Scheiß Karthikeyan" bezeichnete, platzte dem sonst ständig freundlich lächelnden Inder der Kragen: "Ich kann diesen Blödsinn nicht mehr hören."

Rambo des Jahres: Romain Grosjean
Pastor Maldonado bewarb sich ebenfalls eindrucksvoll, doch der Titel des "Crashkids" kann nur an Romain Grosjean gehen. Der Massencrash in Spa-Francorchamps war einer zu viel, in Monza war der Lotus-Pilot gesperrt. Nach dem nächsten Unfall in Japan forderte Red-Bull-Boss Marko drei Rennen Sperre für den "wahnsinnigen französischen Experten" (Niki Lauda). Ecclestone empfahl ihm schon Mal den Gang zum Augenarzt.

Premiere des Jahres: Austin
Die Umgebung war trostlos, doch mitten ins Cowboy-Land in der Prärie baute der Aachener Architekt Hermann Tilke eine spektakuläre Berg- und Talbahn. 260.000 Zuschauer an drei Tagen sorgten für ein sensationelles US-Comeback. "Besser als erwartet" sei es, sagte Ecclestone strahlend. Jetzt will er bis zu vier US-Rennen.

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