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Fry: "Einfaches Kopieren reicht nicht"

Nick Fry spricht über den Nachbau technischer Lösungen in der Formel 1 und erklärt, warum ein Patentschutz von Neuentwicklungen praktisch unmöglich ist

Heckflügel des Mercedes F1 W03
Entwicklungen wie das Doppel-DRS ziehen das Interesse der Konkurrenz auf sich
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Im technischen Wettlauf der Formel 1 entwickeln die Ingenieure immer wieder innovative Lösungen, die dann in aller Regel schnell von der Konkurrenz kopiert werden. So erging es McLaren 2010 mit dem F-Schacht und Red Bull mit dem auspuffangeströmten Diffusor. Während in anderen Bereichen der Wirtschaft solche Nachbauten rigoros rechtlich verfolgt werden, nehmen die Formel-1-Teams hin, dass die Konkurrenz ihre Schöpfungen "abkupfert". Nick Fry, Geschäftsführer von Mercedes, erklärt, warum das der Fall ist:

"Es gibt eine Art Gentlemen-Agreement in der Formel 1, das wird solche Nachbauten nicht rechtlich verfolgen", so der Brite. Allerdings ist ein solches Gentlemen-Agreement rechtlich nicht bindend. Es wäre für die Teams daher grundsätzlich möglich, neue Entwicklungen durch Anmeldung eines Patentes zu schützen. Würde sich ein Team beispielsweise ein Erzeugnispatent auf eine Erfindung sichern, wäre es Dritten verboten, das Erzeugnis herzustellen.

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Doch ein solches Vorgehen wäre laut Fry nicht im Sinne des Erfinders: "Wenn wir eine Neuentwicklung patentrechtlich schützen lassen würden, könnte das jeder öffentlich einsehen. Das ist nicht in unserem Sinne." Darüber hinaus spräche die Dauer eines Patentverfahrens gegen ein solches Vorgehen. "Es würde zu Lange dauern, um die eigene Technologie zu schützen", so Fry.

"In den meisten Fällen haben die anderen Teams Neuerungen innerhalb von zwei bis drei Rennen kopiert", erklärt der Mercedes-Mann. Dafür sorgen eigens angestellte "Spione" der Rennställe: "Die meisten Teams beschäftigen Mitarbeiter, die nur darauf achten, was die anderen Teams machen, die an der Strecke versuchen zu verstehen, welche Technologie die anderen einsetzen."

Laut Fry hilft das alleine jedoch nicht. Ein Bauteil einfach nachzubauen, bringe noch keinen Vorteil: "Einfaches Kopieren reicht nicht. Es funktioniert erst dann, wenn du die physikalischen Prinzipien dahinter verstehst", so der Brite. "Es gibt an vielen Autos Teile, die man leicht nachbauen könnte. Aber wenn du nicht verstehst, wie es funktioniert, ist es nutzlos."

Eine der Ausnahmen in Sachen Patentschutz sei das (nicht in der Formel 1 eingesetzte) Hybrid-System von Williams, welches von der Tochterfirma Williams-Hybrid kommerziell vermarktet wird: "Die Lösung, die sie ursprünglich für die Formel 1 entwickelt hatten, wird nun als Flywheel-System in anderen Bereichen eingesetzt", so Fry. Unter anderem verwendete Porsche das System im 911 GT3 Hybrid. "Ich bin mir sicher, dass dieses System geschützt ist", so Fry. "Das ist bei allen Entwicklungen so, mit denen sich außerhalb der Formel 1 Geld verdienen lässt."

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