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Fluch oder Segen? Werksteams in der Formel 1

Mercedes-Geschäftsführer Nick Fry erklärt, wo die Herausforderungen eines Formel-1-Teams liegen, wenn ein großer Konzern dahintersteht

Nick Fry (Geschäftsführer)
Als Mercedes-Geschäftsführer vermisst Nick Fry zuweilen die Freiheiten...
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Red Bull macht seit Jahren vor, dass man in der Formel 1 auch dann Erfolg haben kann, wenn das Team nicht in Händen eines großen Automobilkonzerns liegt. Das Beispiel Mercedes schürt sogar den Verdacht, dass die Zeit der Werksteams vorbei ist - falls es sie im Grand-Prix-Sport jemals gegeben hat, denn auch BMW, Honda und Toyota waren vom erklärten Ziel WM-Titel letztlich weit entfernt und zogen sich zurück.

Nick Fry kennt beide Seiten - sowohl die Arbeit in einem kleinen unabhängigen Team, als auch das Dasein in einem großen Werksteam. In der Saison 2009 führte der Brite das Brawn-Team zum Gewinn beider WM-Titel. Unmittelbar darauf wurde der Rennstall von Mercedes übernommen. Seitdem halten sich die Erfolge in überschaubaren Grenzen.

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Nico Rosberg sorgte beim Grand Prix von China 2012 für den einzigen Sieg in drei Jahren. Im Jahr 2009 hatte Brawn mit Jenson Button und Rubens Barrichello - nicht zuletzt dank des innovativen Doppeldiffusors - die Hälfte aller Saisonrennen gewonnen. Spätestens in der Saison 2014 sollen dank der neuen Regeln endlich auch beim Mercedes-Team Formel-1-Erfolge Einzug halten.

Richtige Balance schwer zu finden

Angesprochen auf die Herausforderungen innerhalb eines Werksteams sagt Fry: "Die Probleme, mit denen wir im Motorsport konfrontiert werden, unterscheiden sich überhaupt nicht von den Problemen, die es überall gibt". Der Geschäftsführer des Mercedes-Teams geht ins Detail: "Manchmal ist es sehr schwierig, die richtige Balance zwischen dem Konzern und der kleineren Firma hinzukriegen - im Hinblick auf das Geld, auf die Ressourcen, auf die Technologie."

Nick Fry
...die er 2009 im Vorgängerteam Brawn noch genießen durfte
© xpb.cc

"Kleine und große Firmen haben viel gemeinsam, aber es gibt auch ein paar grundsätzliche Unterschiede", setzt der Brite fort und stellt heraus: "Leute, die von einer großen zu einer kleinen Firma wechseln, machen das mit einem Hintergrund. Sie wollen nicht für eine große Firma arbeiten, denn sie wollen sich einbringen, wollen sich schnell fortbewegen können, was den Entscheidungsprozess angeht."

Es sei sehr schwierig, sich diese Autonomie zu bewahren, "während man von den Technologien einer großen Firma profitiert", wie der Mercedes-Geschäftsführer betont. Beim Vorgängerteam Brawn war man unabhängig, "aber der Motor und andere Technologien kamen von Mercedes", hält Fry fest und nennt ein weiteres Beispiel aus seiner Vergangenheit: "Bei Prodrive hatten wir im Rallyesport ein unabhängiges Team, das aber von Subaru unterstützt wurde. Hinter den Kulissen war da viel los."

Mercedes agiert anders als andere Konzerne

So kommt Fry zum Schluss: "Das Geheimnis ist es, das kleine Team arbeiten zu lassen und sich nicht zu sehr einzumischen, denn sobald man all die Strukturen einer großen Firma einführt, verliert man, was man eben gekauft hat. Man ist eine große Firma mit einer Abteilung, die sehr schnell die Identität verliert, wegen der man sie gekauft hat."

"Wir können uns bedienen, aber es wird uns nichts vorgeschrieben."
Nick Fry

In der Formel 1 sind schnelle Abläufe und Entscheidungen unerlässlich. Vom ersten Test bis zum ersten Einsatz vergehen oft nur sechs bis acht Wochen. Welche Strukturen hat Fry im Mercedes-Rennstall eingeführt, um trotz des großen Konzerns im Hintergrund so agil wie ein kleines Team agieren zu können? "Was Mercedes angeht, so haben sie erkannt, dass sie diese Einzigartigkeit bewahren wollen. Die Einstellung unseres Vorstands ist, dass wir alles haben - die Technologie, die Simulatoren, die Windkanäle."

"Wir können uns bedienen, aber es wird uns nichts vorgeschrieben", stellt der Brite klar und fügt hinzu: "Das Geheimnis - und hoffentlich ernten wir in Zukunft davon die Früchte - ist, dass wir nehmen können, was wir wollen. Wir können also ihre Simulatortechnologie nutzen, aber sie werden nicht auf uns zukommen und sagen: Das ist es, was ihr tun müsst."

Es bestehe diesbezüglich ein grundlegender Unterschied, wie Mercedes im Vergleich zu einigen anderen Automobilkonzernen, die in der Formel 1 waren und keinen Erfolg hatten, agiert. "Dass wir uns im Moment nicht so gut schlagen, wie wir es gern hätten, liegt nicht daran. Es liegt an uns, nicht an Mercedes", formuliert Fry ganz im Sinne der Firma.

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