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Hamilton gewinnt Taktik-Thriller in Montreal

Ein Boxenstopp mehr und trotzdem Sieger: Lewis Hamilton gewinnt den zumindest im Finish dramatischen Kanada-Grand-Prix vor Grosjean und Perez

Romain Grosjean, Martin Whitmarsh, Lewis Hamilton, Sergio Perez
Romain Grosjean, Martin Whitmarsh, Lewis Hamilton und Sergio Perez
© xpbimages.com

(Motorsport-Total.com) - Das Einzige, was in der Formel-1-Saison 2012 berechenbar ist, ist ihre Unberechenbarkeit. Im siebten Rennen gab es heute beim Grand Prix von Kanada bereits den siebten Sieger: Lewis Hamilton, ein erklärter Spezialist für den Circuit Gilles Villeneuve in Montreal, lieferte trotz einiger Unwägbarkeiten eine tolle Leistung ab, gewann das Rennen und übernahm damit auch die WM-Führung.

"Ich muss mich heute bei den Fans bedanken, die mir immer Briefe und Nachrichten schicken und das ganze Jahr über hinter mir stehen", strahlt Hamilton, der 2007 in Montreal zum ersten Mal einen Grand Prix gewonnen hatte: "Das ist fünf Jahre her, aber es fühlt sich genauso gut an! Ich bin so stolz auf das Team, dass ich wieder auf der obersten Stufe des Podests stehe. Das würde ich nie für selbstverständlich halten. Es war eines der besten Rennen, das ich seit langer, langer Zeit hatte."

Keine Karambolagen am Start

Am Start, der für Montreal-Verhältnisse erstaunlich diszipliniert verlief und keinen einzigen Crash zutage brachte, musste sich der McLaren-Pilot zunächst hinter Polesetter Sebastian Vettel (Red Bull) einreihen. Der Einzige, der in der ersten Runden für ein wenig Wirbel sorgte, war Nico Rosberg (Mercedes), der Mark Webber (Red Bull) erfolglos attackierte - und dann relativ rasch selbst ins Visier von Felipe Massa (Ferrari) geriet.

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Vettel machte in den ersten beiden Runden alles richtig und hatte schon 1,4 Sekunden Vorsprung auf Hamilton, als DRS freigegeben wurde. Der Abstand wuchs zwischendurch auf bis zu zwei Sekunden an, aber vor dem ersten Boxenstopp in Runde 16 war Hamilton schon wieder formatfüllend im Rückspiegel des Führenden. Hamilton kam in Runde 17, der drittplatzierte Ferrari-Pilot Fernando Alonso in Runde 19 zum Service.

Ein cleverer Schachzug, denn nach dem Boxenstopp war die Reihenfolge des Führungstrios genau umgekehrt: Alonso vor Hamilton und Vettel! Doch Alonsos Freude währte nicht lange, denn auf der Gegengerade vor Start und Ziel war er gegen Hamiltons McLaren-DRS machtlos. Während sich Hamilton relativ rasch ein wenig absetzen konnte, gelang es Vettel aufgrund des schlechten Red-Bull-Topspeeds nicht, am Ferrari vorbeizugehen.

McLaren-Kommandostand unsicher

In Runde 50 der zweite Boxenstopp von Hamilton, der sich zuvor bei seinem Kommandostand vergewissert hatte: "Seid ihr sicher, dass die anderen keine Einstopp-Strategie fahren?" War man sich, aber das wäre beinahe in die Hose gegangen! In Runde 55 dämmerte der McLaren-Box: "Nicht unmöglich, dass sie nur einen Stopp machen." Hamilton hatte zu jenem Zeitpunkt rund 15 Sekunden Rückstand, dafür aber die frischeren Reifen.

Und fast wie sein Teamkollege Jenson Button im Vorjahr setzte er von da an zu einem furiosen Schlussspurt an, der erfolgreich enden sollte: In Runde 62 schnappte er sich Vettel, in Runde 64 auch Alonso. Beim Führungswechsel wollte Hamilton die DRS-Zone schon fast nicht mehr abwarten, weil sein Geschwindigkeitsüberschuss so groß war, doch letztendlich hielt er seine Nerven im Zaum. "Der Hamilton von 2012 ist erwachsen geworden", lobt Experte Marc Surer.

Aus McLaren-Sicht ist im Nachhinein doch noch alles gutgegangen: "Als wir unseren Stopp absolvierten, dachten wir natürlich, dass es das Richtige wäre. Das weißt du aber nie", sagt Teamchef Martin Whitmarsh. "Wir glaubten, sie einholen zu können, auch wenn sie eine Einstopp-Strategie fahren würden. Die Daten sagten uns, dass alles in Ordnung war. So war es ja dann letztendlich auch." Allerdings wurden beim zweiten Boxenstopp wieder ein, zwei Sekunden liegen gelassen.

Hamilton strahlender siebter Sieger

"Es war ein knallhartes Rennen, aber ich habe jede einzelne Minute genossen", strahlt Hamilton, der "nie daran gezweifelt" hat, "dass ein Sieg möglich ist. Aber die anderen Fahrer waren nie weit hinter mir. Ich habe damit gerechnet, dass die Jungs zurückfallen, und habe zwei Stopps gemacht. Ich wollte Druck machen und schnell losfahren, aber dabei hatte ich ein kleines Problem. Ansonsten waren die Boxenstopps heute großartig."

Hochgezogene Augenbrauen dann in Runde 63, als Vettel doch noch zum späten zweiten Boxenstopp kam und damit vom dritten auf den fünften Platz zurückfiel, hinter die Einstopper Romain Grosjean (Lotus) und Sergio Perez (Sauber). "Ich denke, man hat es gesehen: Zum Schluss hielten die Reifen nicht mehr durch, obwohl es lange so ausgesehen hatte, dass sie ohne Probleme durchkommen würden", analysiert Vettel die dramatische Schlussphase.

"Es kam schleichend und man hat es erst gar nicht gemerkt. Irgendwann brachen wir dann aber ein", berichtet er von den letzten zehn Runden des heutigen Rennens. "Wir haben uns dann, glaube ich, richtig entschieden. So kamen wir noch vor Fernando ins Ziel. Hätten wir es früher gewusst, hätten wir es anders gemacht. So ist das. Alles in allem war es trotzdem ein gutes Wochenende für uns. Wir haben viele Punkte geholt."

Alonso: Funksprüche auf Italienisch

Gleichzeitig brach an der Spitze Alonsos Tempo völlig ein. Mit seinem Renningenieur kommunizierte er nur noch auf Italienisch - womöglich, um der Konkurrenz das Abfangen der Funksprüche zu erschweren. Eine Fehlentscheidung, nicht doch noch einmal gestoppt zu haben, Fernando? "Schwer zu sagen", entgegnet er achselzuckend. "Rückblickend hätten wir es vielleicht besser anders gemacht, dann hätten wir Zweiter werden können. Wir wollten aber den Sieg."

Aufgrund der nachlassenden Reifen war Alonsos Traktion in den letzten Runden praktisch nicht mehr vorhanden, sodass er der Reihe nach von Grosjean, Perez und Vettel verspeist wurde. Selbst Rosberg, der vor der letzten Runde noch 3,6 Sekunden Rückstand hatte, kam noch bis auf 0,4 Sekunden heran. Am Ende also Platz sechs für den Mercedes-Piloten, 13,8 Sekunden hinter Sieger Hamilton und 1,2 Sekunden vor Webber.

Dabei hatte der Arbeitstag für Rosberg alles andere als erfreulich begonnen: Kurz nach seiner Attacke gegen Webber kam schon der erste Funkspruch, er solle seine Reifen schonen, und ein paar Runden später wurde er aufgefordert, früher zu schalten oder zu bremsen, um nicht zu viel Benzin zu verbrauchen. Doch durch einen clever getimten zweiten Boxenstopp und tolle Manöver gegen Kimi Räikkönen (Lotus) und Perez war er plötzlich wieder im Rennen.

Auf und Ab für Rosberg

"In den ersten Runden fand ich keinen Rhythmus. Ich fühlte mich besonders auf der Bremse nicht wohl. Das war das Problem", schildert er. "Außerdem schien unser siebter Gang auf der Geraden ein bisschen zu kurz übersetzt gewesen zu sein. Dann kamen die Leute gleich vorbei. Das war nicht ideal. Eine schlechte Anfangsphase. Danach lief es besser und ich kam weiter nach vorne. Am Ende war es dann wieder ein Auf und Ab. Es hätte besser, aber auch schlechter sein können."

Der zweitplatzierte Grosjean hatte nach Alonsos erstem Boxenstopp kurzzeitig schon die Führung übernommen, ging dann ein konstantes Tempo und tauchte im Finish plötzlich wieder vorne auf, als die anderen einbrachen oder Fehler machten. Lange hatte eher Räikkönen wie die Lotus-Speerspitze ausgesehen, aber als Perez einmal am "Iceman" vorbei war, konnte der keine entscheidenden Akzente mehr setzen. Am Ende nur Platz acht für Räikkönen.

Umso größer die Freude bei seinem Teamkollegen: "Ich wollte mit einem Stopp durchfahren, das hatten wir von Anfang an geplant", schildert Grosjean. "Als Mark in die Box fuhr, war mein Reifen ziemlich frisch. Dann war ich Dritter. Dann wurde Fernando auf einmal langsamer und ich war Zweiter. Ein verrücktes Finale! Ich hatte mit Platz vier oder fünf gerechnet. Wir wussten, dass uns die Hitze entgegenkommt. Es ist fantastisch, zum zweiten Mal auf dem Podium zu stehen!"

Perez zum zweiten Mal auf dem Podium

2,7 Sekunden hinter dem Franzosen, der sich mit dem besten Formel-1-Ergebnis seiner Karriere für die Startkarambolage in Monte Carlo rehabilitieren konnte, kam Perez ins Ziel. Der wurde seinem Ruf als "Reifenflüsterer" einmal mehr gerecht. Mit dem Podium habe er aber "erst als ich hinter Fernando war" ernsthaft gerechnet: "Wenn du von Platz 15 startest, ist das Letzte, worüber du nachdenkst, auf dem Podium zu landen."

"Wir sind das Rennen aggressiv angegangen, der erste Stint war recht gut. Auch der Stopp und der zweite Stint waren wirklich gut", sagt Perez. "Ich konnte mit einigen schwierigen Manövern einige Autos überholen. Ich habe gespürt, dass meine Reifen nicht abbauen. Ich konnte mir mein Tempo gut einteilen, und so konnte ich einige Fahrer überholen. Nach einem schlechten Tag gestern ist das ein großartiges Ergebnis für das Team."

Alonso wurde nach 70 Runden mit 13,4 Sekunden Rückstand Fünfter, als einer von immerhin acht Einstoppern im Feld. Die weiteren Punkteränge nahmen Rosberg, Webber, Räikkönen, Kamui Kobayashi (Sauber) und Massa ein. Letzterer startete aggressiv ins Rennen und wirkte stark, doch mit seinem Dreher in Runde sechs war das Feuerwerk dann auch schon wieder abgebrannt - nicht gerade ein Empfehlungsschreiben für einen neuen Ferrari-Vertrag...

Vorjahressieger Button im Nirgendwo

Einen Tag zum Vergessen erlebten auch Vorjahressieger Jenson Button (McLaren), der nach drei Boxenstopps mit einer Runde Rückstand 16. wurde, und Michael Schumacher (Mercedes), der wegen seines verstellbaren Heckflügels ausscheiden musste. "Dein Heckflügel schließt nicht, Warnung!", funkte ihm Renningenieur Peter Bonnington hektisch ins Cockpit, als der Silberpfeil schon längst unkontrollierbar über die Wiese bretterte.

Schumacher kam an die Box, wo die Mechaniker versuchten, den Defekt zu beheben, doch anstatt mit offener DRS-Klappe weiterzufahren, stieg er aus Sicherheitsgründen aus. "DRS wird über Kabel gesteuert. Ich nehme an, dass sich eines dieser Kabel verklemmt hat", spekuliert er und ergänzt: "Ich nehme an, dass es etwas Ähnliches war wie in Bahrain im Qualifying." Somit steht der große Pechvogel weiterhin bei zwei Punkten.

Neuer WM-Spitzenreiter ist nach sieben von 20 Rennen Hamilton, der 88 Zähler auf seinem Konto hat. Von einer Vorentscheidung sind wir aber noch weit entfernt, denn Alonso (86), Vettel (85), Webber (79) und auch Rosberg (67) liegen durchaus in Schlagdistanz. Bei den Konstrukteuren führt Red Bull (164) vor McLaren (133) und Lotus (108). Weiter geht's von 22. bis 24. Juni mit dem Grand Prix von Europa in Valencia.

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