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Renault kitzelt weitere PS aus dem bewährten Motor

08. Februar 2012 - 17:11 Uhr

Vier Teams werden von Renault mit RS27-Motoren beliefert und dürfen sich in diesem Jahr über eine verbesserte Haltbarkeit und ein Plus an PS freuen

Renault-RS27-V8-Motor
Der Renault RS27 ist das Aggregat der Wahl von vier Formel-1-Rennställen
© Renault

(Motorsport-Total.com) - In der Formel 1 ist die Entwicklung der Motoren eingefroren. Eigentlich, denn den Konstrukteuren der Aggregate ist es trotzdem gestattet, kleinere Anpassungen vorzunehmen. Auch Renault war deshalb nicht untätig, als sich die Fahrer und ihre Teams im vergangenen Jahr in die lange Winterpause verabschiedeten. In Viry-Châtillon wurde kräftig gewerkelt. Das Ergebnis ist ein noch besserer RS27.

Mit diesem Triebwerk gehen 2012 gleich vier Rennställe an den Start. Neben Red Bull, das bei Renault gewissermaßen den Status eines "Werksteams" genießt, sind dies Caterham, Lotus und Williams. In der insgesamt 35. Formel-1-Saison des Unternehmens rüstet Renault also exakt ein Drittel des gesamten Feldes aus - und das mit noch mehr Leistung als im vergangenen Jahr.

"Wir freuen uns sehr auf die Saison 2012", sagt Francois Caubet, der Motorenchef von Renault. "Dadurch wird unser Investment noch effizienter, unsere Sichtbarkeit noch größer und außerdem stellen wir dadurch auch eine nachhaltige Formel-1-Präsenz sicher. Wir wollen unsere Kunden aber auch auf individueller Ebene zufriedenstellen." Und gerade dies erfordert ein Mehr an Aufwand.

"Wir wollen unsere Kunden auf individueller Ebene zufriedenstellen."
Francois Caubet

Weil in Williams ab sofort ein vierter Rennstall die Motoren von Renault bezieht, müssen sich die Franzosen noch mehr ins Zeug legen als bisher. "Das bedeutet aus unserer Sicht: Wir haben es mit vier unterschiedlichen Installationen und vier unterschiedlichen Abläufen zu tun", erklärt Rob White, der Technische Direktor der Motorenabteilung von Renault. Er rechne aber nicht mit Problemen.

"Wir kamen bisher stets hervorragend klar. 2011 lernten wir einiges dazu, indem wir ein drittes Team hinzunahmen. Wir sorgten dafür, dass dabei kein Nachteil bei Service oder Leistung entstand." Diese Fähigkeiten dürften Renault in dieser Saison erneut zugute kommen - zumal 2012 auch einiges an Motoren-Entwicklungsarbeit zu leisten war. Die neuen Auspuffregeln der Formel 1 lassen grüßen.

Vier Teams, mehr Aufgaben

"Die Anpassung daran ist eine der größten technischen Aufgaben in diesem Jahr", sagt White. "In gewisser Weise ist es eine Rückkehr zu den Auspuffanlagen, wie wir sie 2010 verwendet haben. Man kann aber nicht einfach die Uhr zurückdrehen, denn seither haben sich die Autos natürlich entwickelt. Gleiches gilt für die Regeln für das Drehmoment und die Motoreneinstellungen", erklärt White.

Williams-Renault-PK in Grove
Jean-Francois Caubet und sein Team arbeiten 2012 wieder mit Williams
© Williams

Zudem musste Renault den Vorgang überarbeiten, wie die Triebwerke in das jeweilige Chassis eingepasst werden. "Und das auch noch für vier unterschiedliche Auspuffsysteme", wie White hinzufügt. Ein Vorteil der neuen Regeln sei allerdings, dass die Motoren etwas an Leistung gewinnen würden. "Wir reden hier von rund zehn bis 20 PS", meint White. Und die Topspeeds sollen höher sein.

Um all diesen Veränderungen optimal Rechnung zu tragen, nahmen sich der Technische Direktor und seine Helfer den RS27 noch einmal intensiv vor. "Wir arbeiteten an der Zuverlässigkeit und daran, ein paar Teile zu optimieren. Das soll diesen über ihre gesamte Lebensdauer hinweg eine bessere Konstanz verschaffen. Das betrifft alle Motoren - und zwar unabhängig von ihrem Kilometerstand."

Keine Atempause für das RS27-Aggregat

Was wiederum einen Vorteil für die Renault-Mechaniker darstellt, erklärt White. "Dadurch sollten wir Motoren haben, die im Rhythmus von drei Rennwochenenden theoretisch unbegrenzt viele Kilometer zulassen. Das dürfte uns bei den 20 Rennen im diesjährigen Kalender eine größere Flexibilität bieten." Und genau darauf kommt es an, ergänzt Renault-Motorenchef Caubet gegenüber 'Sport Bild'.

"Wenn wir dabei ein Problem mit einem Teil identifizieren, konstruieren wir es neu."
Francois Caubet

Üblicherweise wird das RS27-Aggregat im Winter nämlich 3.000 Kilometer lang über den Prüfstand gehetzt. "Wir belasten den Motor, als würde er eine Qualifikation fahren - also am Limit", betont Caubet. "Wenn wir dabei ein Problem mit einem Teil identifizieren, konstruieren wir es neu. So konnten wir auch unsere Schwierigkeiten mit der Zuverlässigkeit in der Saison 2010 lösen."

An der Schwelle zum neuen Rennjahr wähnt sich Caubet mit der jüngsten Version des RS27 sehr gut aufgestellt. "Der Mercedes-Motor ist zwar ungefähr 15 PS stärker als unserer, doch dafür liegt unser Triebwerk in Sachen Fahrbarkeit und Spritverbrauch vorne. Deshalb sind wir unterm Strich ein klein wenig besser als Mercedes", meint der Franzose. Auch die anderen Rivalen hätten das Nachsehen.

Renault sieht sich im Vorteil

"Das Ferrari- Aggregat hat zwar ungefähr die gleiche PS-Zahl wie wir, verbraucht aber mehr Benzin und lässt sich schwerer fahren", erklärt Caubet und nennt einen weiteren Vorteil seines Motors: "Wegen unseres geringeren Verbrauchs kann Red Bull das Rennen mit 15 bis 18 Litern weniger Benzin im Tank starten als die Konkurrenz. Das macht einen großen Unterschied", sagt Caubet.

Sebastian Vettel
Sebastian Vettel und sein Auto fuhren 2011 fast Kreise um die Gegner
© Red Bull/GEPA

Auf diese Weise können sich die Fahrer speziell am Rennstart entscheidend in Szene und vor allem vom Feld absetzen - dem niedrigeren Benzingewicht sei Dank. Caubet verspricht 2012 aber noch mehr: "Wir wollen unsere Haltbarkeit von 98 Prozent auf einhundert Prozent steigern." Und die durch das Regelwerk bedingten Leistungsverluste möchte die Mannschaft ebenfalls rasch egalisieren.

Gemeinsam mit Red Bull scheint Renault bereits eine Möglichkeit aufgetan zu haben. "Sie nehmen nun die Rolle eines Werksteams für uns ein", meint Caubet und erklärt: "Zusammen mit ihnen haben wir eine Lösung gefunden, um den Leistungsverlust wettzumachen." Um was es sich handelt, lässt sich der Motorenchef nicht entlocken. Caubet sagt nur so viel: "Es ist eine clevere Entwicklung."

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