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Sutil vs. Lux: Skandal oder Unfall?

Adrian Sutil diktiert derzeit die Schlagzeilen, aber nicht so, wie er sich wünschen würde - Eric Lux soll ihn zu Rennverzicht aufgefordert haben

Adrian Sutil
Das Interesse an Adrian Sutil ist dieses Wochenende größer als sonst
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com/SID) - Skandal, Kriminalfall oder einfach nur ein Unfall? So oder so, die Diskussion um den Discostreit zwischen dem deutschen Piloten Adrian Sutil und Eric Lux, als Manager von Genii Capital Anteilseigner des Renault-Teams, ist derzeit die alles beherrschende im Fahrerlager der Formel 1. Von Anzeigen und Ultimaten ist da die Rede, unzählige Versionen machen die Runde, angeblich existieren Videoaufzeichnungen vom Abend des 17. April in Schanghais Disco M1NT.

"Unglaublich, was hier auf einmal los ist", flüstert Manager Manfred Zimmermann seinem Schützling zu. Statt der üblichen zwei Handvoll Journalisten kommen in Barcelona nämlich plötzlich deren 25 zu Sutils kleiner Presserunde. Wenige Meter weiter drehen Nico Rosberg oder Timo Glock den Spieß um. Statt Fragen zu beantworten, fragen sie ganz aufgewühlt die Journalisten: "Gibt es etwas Neues wegen Adrian? Wie ist der letzte Stand?"

Haug stärkt Sutil den Rücken

Die Kollegen sind geschockt über die Vorwürfe, viele denken wie Norbert Haug: "Ich weiß nicht, was an diesem Abend passiert ist", sagt der Mercedes-Sportchef. "Ich weiß nur, dass ich diesen Mann (Sutil; Anm. d. Red.) nicht als Aufmischer oder Schläger kenne."

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Sutil selbst will am liebsten nur über die Formel 1 reden. Fragen zu dem Thema, das von der "Privatsache" längst zum öffentlichen Thema mutiert ist, will er nicht beantworten. Das stellt sein Manager Zimmermann, der ihm an diesem ungewöhnlichen Tag Begleitschutz gibt, auch schon vor der ersten Frage klar. Einen kleinen Einblick in sein Innenleben gewährt Sutil dann aber doch: "Natürlich ist es alles etwas schwieriger im Moment", sagt der 28-Jährige und wirkt sichtlich angespannt. "Aber wenn ich im Auto sitze, ist die Welt in Ordnung. Darauf freue ich mich."

Was genau an jenem Abend passiert ist, bleibt ungewiss. Klar ist nur, dass Sutil Lux mit einem Glas am Hals verletzt hat. Das hat der Bayer eingestanden, aber ausdrücklich betont, es sei "unabsichtlich" passiert. Lux kündigte dennoch über eine Mitteilung von Genfer Anwälten an, Anzeige wegen "eines tätlichen Angriffs und schwerer Körperverletzung" zu erstatten. Diese soll nach 'FAZ'-Informationen in Deutschland, der Schweiz (Wohnsitz Sutils), in England (Sitz des Teams) und in Schanghai anhängig gemacht werden.

Zuvor habe Lux Sutil ein Ultimatum gestellt und ihn zu einer öffentlichen Entschuldigung, einer Spende an eine wohltätige Einrichtung und den freiwilligen Verzicht auf einige Rennen aufgefordert. Zimmermann stellte derweil klar, "dass es bis heute keine offizielle Anzeige gibt, nur die Pressemitteilung darüber, dass die Absicht besteht".

Force India: Unterstützung unter Vorbehalt

Sutils Team Force India bestätigte den Deutschen nach Lux' Ankündigung der Anzeige als Fahrer, zunächst aber nur für Barcelona. "Das Team hat das Recht, die weitere Situation zu beobachten, das ist normal", sagt Zimmermann. "Aber wir gehen davon aus, dass Adrian auch in den weiteren Rennen im Cockpit sitzen wird."

Der Automobil-Weltverband FIA beobachtet die Vorgänge ebenfalls genau. Offizielle Statements gibt es keine. Klar ist nur: Der Paragraf 151(c), der Handlungen untersagt, welche dem Ansehen des Sports schaden, bietet Spielraum für sämtliche Strafen, die im Ermessen der FIA liegen. Im schlimmsten Fall könnte Sutil der Entzug der Lizenz drohen, dies aber offenbar nur bei einer rechtskräftigen Verurteilung. Im Moment, und das ist der Stand der Dinge, sieht die FIA nicht einmal einen Grund, sich einzumischen oder Nachforschungen irgendwelcher Art anzustellen.

Eine der spannenden Fragen ist auch: Was treibt Lux an? Der durch den Verkauf von Skype einst bekannt und reich gewordene Unternehmer, der nach dem Zwischenfall in China mit 24 Stichen genäht wurde, hatte in dem angeblichen Ultimatum schließlich nicht auf persönliche Entschädigungen gepocht.

Für Sutil muss zunächst die Unschuldsvermutung gelten. Aber die Diskussionen nagen an ihm und seinem Ruf, deshalb muss auch er bei reinem Gewissen eine lückenlose Aufklärung fordern. Eine Gerichtsverhandlung scheint deshalb nicht ausgeschlossen. Zimmermann stellt aber noch einmal klar, dass man in diesem Fall davon ausgehe, "dass es auch zu einem entsprechenden Urteil kommt. Die Wahrheit wird herauskommen."

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