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Stevenson: "Jede Handlung ist so gesehen Teamorder"

28. Juli 2010 - 08:00 Uhr

Force-India-Teammanager Andy Stevenson hat ganz eigene Ansichten zur Teamorder: "Wir waren bisher nie in der Situation" - Kommt in Spa das Luxusproblem?

Felipe Massa, Fernando Alonso
Felipe Massa durfte nicht bis zum Ende vor Fernando Alonso führen
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Wer fairen Sport sehen will, muss sich etwas anderes als die Formel 1 suchen. Diese Meinung vertreten derzeit einige Ex-Teamchefs und frühere Formel-1-Piloten, die offen zugeben, dass die Königsklasse ohne Stallregie nicht denkbar ist. Niemand spricht offen von der heftigen Unfairness, aber die Akzeptanz für das Eingreifen der Teamchefs, wie es Ferrari am Hockenheimring offensichtlich exerzierte, ist hoch.

"Es ist immer eine Frage, wie man die Regeln sieht. Der Paragraf 39.1 definiert Teamorder so, dass jede Einflussnahme eines Teams auf das spätere Rennergebnis verboten ist. Das gilt aber im Grunde genommen für alles, was ein Team macht", meint Force-India-Teammanager Andy Stevenson. Auch Reifenwechsel, verschiedene Strategien zählten dazu. "Jede Handlung eines Teams hat doch Auswirkungen auf das Rennen."

"Die Regel ist falsch, eher als dass Ferrari etwas falsch gemacht hat", meint der Brite, der ebenfalls für eine Abschaffung der entsprechenden Regelung ist. Der Schachzug der Roten, Fernando Alonso am führenden Felipe Massa vorbei zu manövrieren, sei absolut nachvollziehbar. "Ferrari steht unter erheblichem Erfolgsdruck. Stefano Domenicali bekommt doch auch von oben die Ansage, dass er bitteschön Weltmeister werden soll und dass man bitte den Fahrer- und den Konstrukteurstitel am Ende des Jahres 2010 in der Tasche hat", sagt Stevenson.

"Als Team haben die dadurch die gleiche Punktzahl geholt wie sonst auch."
Andy Stevenson

"Wenn man es mal ganz nüchtern betrachtet, dann war die Aktion kaum etwas anderes als unterschiedliche Boxenstoppstrategie oder Setup. Es sah so aus, als wollten sie, dass Alonso mehr Punkte holt als Massa. Als Team haben die dadurch die gleiche Punktzahl geholt wie sonst auch", erklärt der Force-India-Verantwortliche. "Ich bin sicherlich nicht der größte Ferrari-Fan der Welt. Aber ich finde, dass in der Presse etwas zu hart über sie geurteilt wird."

Für den Sport sei es normales Tagesgeschäft gewesen, für die Fans allerdings eine traurige Angelegenheit. "Es sah natürlich phasenweise so aus, als würde sich das Rennen im Kampf zwischen Felipe, Fernando und Sebastian entscheiden. Das wäre in tolles Finale geworden", sagt Stevenson. Allerdings sei Ferrari auch bestraft worden. "Sie haben jetzt schon eine Strafe von 100.000 Dollar bekommen. Die Stewards waren also offensichtlich der klaren Ansicht, dass sie einen Regelbruch begangen haben."

"Die ganze Aktion war schade und auch schlimm in gewisser Weise. Der Sport muss da irgendetwas korrigieren. Ich weiß nicht, wie man es machen soll. Aber so etwas sollte nicht wieder passieren", sagt der Brite. Wie er reagieren würde, sollten seine Piloten Adrian Sutil und Vitantonio Liuzzi in einer solchen Situation sein? "Wir hatten bisher nie einen Grund, so etwas mit unseren Piloten zu machen. Bei uns war das nie nötig, aber wir waren eben auch noch nie in einer solchen Situation."

"Gerne würde ich so etwas sicherlich nicht tun. Ich denke aber, alle in der Formel 1 sind wirkliche Wettkämpfer. Jeder will die maximale Punktzahl holen. Dafür braucht man oft beide Fahrer. Es ist dermaßen eng derzeit", so Stevenson weiter. "Bei uns wollen wir, dass sich jeder im Team gleich gut behandelt fühlt. Ich würde es im Moment wirklich bei uns ausschließen."

"Selbst wenn wir mal in dieser Luxus-Situation wären, dann würden wir vielleicht über so etwas sprechen, aber ich täte mich ganz sicher mit einer solchen Entscheidung äußerst schwer", erklärt der Force-India-Teammanager. "In Spa-Francorchamps hoffen wir natürlich, dass wir mal so nahe drankommen können. Dort werden wir wichtige Updates haben und dort waren wir zuletzt richtig stark."

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