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Interview: Die Formel 1 am Hockenheimring

07. Mai 2010 - 21:46 Uhr

Karl-Josef Schmidt, Geschäftsführer der Hockenheim-Ring GmbH, erklärt die finanziellen Hintergründe zur Formel 1 auf der deutschen Rennstrecke

Karl-Josef Schmidt
Karl-Josef Schmidt posiert vor seinem Arbeitsplatz, dem Hockenheimring
© Hockenheimring

(Motorsport-Total.com) - Am 25. Juli wird die Formel 1 zum ersten Mal seit 2008 wieder nach Hockenheim kommen. Beinahe wäre das nicht möglich gewesen, denn nach den finanziellen Problemen der badischen Rennstrecke bedurfte es einer Neuverhandlung des Vertrags mit Bernie Ecclestone, um den Grand Prix zu retten. Im Interview mit 'Motorsport-Total.com' erklärt Karl-Josef Schmidt, Geschäftsführer der Hockenheim-Ring GmbH, wie sich die Formel 1 rechnen kann und warum die "goldenen Jahre" nicht mehr wiederkommen werden.

Frage: "Herr Schmidt, können Sie uns verraten, welche Entwicklungen es in Hockenheim gegeben hat, seit dort 2008 zum letzten Mal ein Grand Prix gefahren wurde?"
Karl-Josef Schmidt: "Die wichtigste Entwicklung ist sicher, dass wir einen neuen Vertrag mit der Formula One Association, mit Bernie Ecclestone, unterschrieben haben, der bis 2018 läuft. Dieses Abkommen entlastet uns hinsichtlich des finanziellen Verlusts von 5,3 Millionen Euro, den wir mit dem bisher letzten Grand Prix 2008 erwirtschaftet haben. Wenn wir davon ausgehen, dass wir diesmal gleich viele Zuschauer wir damals haben werden, würde sich das für den Break-even-Point ausgehen."

Großer Dank an Ecclestone

"Dass wir das mit dem neuen Vertrag so hinbekommen haben, ist vor allem auch der Bereitschaft von Ecclestone zu verdanken, mit uns einen neuen Vertrag zu machen, der deutlich davon geprägt ist, dass er dem Hockenheimring emotional verbunden ist. Das muss man einfach so sehen. Man ist leicht versucht, es auf das eigene Verhandlungsgeschick zu schieben, aber man muss ganz klar festhalten, dass uns Ecclestone sehr entgegengekommen ist. Das möchte ich einfach mal gesagt haben, weil sehr viel Negatives über diesen Mann geschrieben wird."

Frage: "2008 hatten Sie 62.000 Zuschauer, nicht wahr?"
Schmidt: "Ja. Das erwarten wir dieses Jahr als Minimum. Der Vorverkauf läuft sehr gut, sodass wir sehr zuversichtlich sind, dass es am Ende mehr als 62.000 Zuschauer sein werden. Bis jetzt haben wir 55.000 Karten verkauft."

"Es gibt keinen Grund, der dafür spricht, dass wir das Niveau von 2002 noch einmal erreichen werden."
Karl-Josef Schmidt

Frage: "2002 hatten Sie 92.000 Zuschauer. Glauben Sie, dass es das in Hockenheim irgendwann wieder geben wird?"
Schmidt: "Ehrlich gesagt nein. Die Zeiten haben sich geändert. Wir wären mit 70.000 bis 75.000 Zuschauern sehr zufrieden. Es gibt keinen Grund, der dafür spricht, dass wir das Niveau von 2002 noch einmal erreichen werden. Selbst damals war das ein Höhepunkt, bedingt durch das Investment, das wir damals in die Strecke investiert hatten. Damals sind 6,5 Millionen Euro übrig geblieben."

"2003 und 2004 wurden noch schwarze Zahlen geschrieben, aber ab 2005 wurden die Zahlen rot - und zwar deutlich rot. 2008 hatten wir 5,3 Millionen Euro Verlust. Was dabei nicht berücksichtigt ist, sind die Kosten des Umbaus. Wie Sie sich vorstellen können, kommen da noch hohe Abschreibungen und Finanzierungskosten dazu. Die sind in dieser Rechnung nicht mit drin."

Frage: "Der Besuch war 2002 wohl auch wegen Michael Schumacher so gut..."
Schmidt: "Damals ja, aber die Zuschauerzahlen gingen auch schon zurück, als er noch bei Ferrari um den WM-Titel gefahren ist."

Frage: "Das permanente Fassungsvermögen liegt bei 75.000 Zuschauerplätzen, korrekt?"
Schmidt: "Ja, das stimmt. Temporär können wir auf 120.000 erweitern."

Schuldenberg nach wie vor groß

Frage: "Der Hockenheimring ist wegen des Umbaus vor einigen Jahren derzeit mit 33 Millionen Euro verschuldet. Bis wann wollen Sie das zurückzahlen? Denn durch die Zinsen ist es logischerweise schwieriger, Gewinn zu erwirtschaften..."
Schmidt: "Das hängt von unserem kommerziellen Erfolg ab, besonders von der Formel 1. Wenn es gut läuft, dann rechnen wir damit, dass wir die Hauptschuld bis 2017 abgetragen haben könnten. Wir würden dann immer noch Schulden haben, aber der Schuldenberg wäre deutlich geringer."

Frage: "Sie haben einen Vertrag mit Ecclestone, aber nicht mit dem Nürburgring. Angenommen, der Nürburgring würde aus dem Kalender fliegen, würde die Formel 1 dann trotzdem nur alle zwei Jahre in Hockenheim fahren?"
Schmidt: "Natürlich. Wir haben einen Vertrag, den wir einhalten werden."

"Wir haben einen Vertrag, den wir einhalten werden."
Karl-Josef Schmidt

Frage: "Würden Sie die Lücke durch den Nürburgring ausfüllen?"
Schmidt: "Das wurden wir bisher nicht gefragt."

Frage: "Würden Sie es in Betracht ziehen?"
Schmidt: "Ja."

Frage: "Sind Sie der Meinung, dass die Eintrittskarten im Moment möglicherweise etwas zu teuer sind?"
Schmidt: "Das hängt von der Sichtweise ab. Wir brauchen diese Preise, um die Kosten zu decken, die die Formel 1 verursacht. Wir haben gar keine andere Wahl."

Frage: "Aber wäre es nicht unter Umständen besser, zu günstigeren Preisen mehr Karten zu verkaufen?"
Schmidt: "Nein. Das funktioniert mathematisch nicht. Angenommen, wir halbieren die Preise, dann brauchen wir doppelt so viele Zuschauer. Das würde nicht funktionieren. Wir haben das sogar in Betracht gezogen, aber wir sind zu dem Schluss gekommen, dass sich das Risiko nicht lohnen würde."

Frage: "Am Anfang haben wir von Neuerungen gesprochen. Fällt Ihnen da sonst noch etwas ein?"
Schmidt: "Wir haben gemeinsam mit einem Unternehmen aus der Region eine Fotovoltaikanlage gebaut. Damit sind wir die erste Rennstrecke, die einen guten Teil des Stroms, den sie verbraucht, auch selbst produziert. Aus der Helikopterperspektive werden die TV-Zuschauer diese Anlage wahrscheinlich sehen können."

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