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McLaren: Der Weltmeister siegt weiter

28. März 2010 - 14:04 Uhr

Jenson Button eröffnet den Siegesreigen der Saison für McLaren, Lewis Hamilton hadert mit der Strategieentscheidung, wird umgedreht und als Sechster gewertet

Lewis Hamilton, Jenson Button
Jenson Button ging früh an die Box, Lewis Hamilton später - dafür aber doppelt
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Viele empfanden den Schritt als mutig, als Jenson Button als Weltmeister von Brawn kommend sich der Herausforderung bei McLaren-Mercedes stellte. Und in der Tat war es bisher Teamkollege Lewis Hamilton, der im McLaren zumeist die schnelleren Runden drehte. Doch in Melbourne holte Button den ersten Saisonsieg dank eines frühen Reifenwechsels und einer schonenden Fahrweise. Hamilton hingegen haderte mit der Strategie der zwei Reifenwechsel und reihte sich "nur" als Sechster ein, nachdem er am Ende auch noch von Mark Webber im Red Bull umgedreht wurde.

"Was für ein fantastisches Wochenende", erklärte Button. "Ich fühlte mich von der ersten Runde an wohl. Das Qualifying war gut. Wir waren zwar nicht ganz vorn dabei, lagen fünf oder sechs Zehntel zurück, aber unsere Pace im Rennen war besser. Bei diesen schwierigen Bedingungen haben wir ein paar gute Entscheidungen getroffen und fuhren so zum Sieg. Man kann sagen, dass wir etwas Glück hatten, aber wir haben uns auch richtig entschieden - das ist heutzutage sehr wichtig. Es geht nicht nur um den Speed."

Dabei war der frühe Reifenwechsel von Intermediate- auf Trockenreifen eher eine Verzweiflungstat. "Ich hatte auf den Intermediatereifen keinen Grip, die Hinterreifen zerstörten sich selbst sehr schnell. Wir entschieden uns daher für Trockenreifen", fuhr er fort. "Als ich die Boxengasse entlangfuhr, sah ich viel Wasser auf der Bahn und fürchtete, dass es ein großer Fehler war."

Gelungene Eröffnung

"Als ich dann auf die Strecke bog, hatte ich schnell ein gutes Gefühl im Auto", so Button. "Ich blieb hinter Sebastian Vettel, schonte die Reifen, und ich fuhr eine kleine Lücke heraus." Dann fiel Vettel aus, der Weg war frei. "Es ist atemberaubend, nach nur zwei Rennen nicht nur auf dem Podest zu stehen, sondern sogar ganz oben."

"Es ist wichtig, die ganz großen Punkte einzufahren, wenn wir vielleicht einmal nicht ganz die Pace haben", fuhr er fort. "Das sind wirklich wichtige Punkte für uns. Wir müssen nun konzentriert bleiben und hoffentlich haben wir in Malaysia dann ein noch besseres Auto. Dieser Sieg bedeutet mit sehr viel. Ein Grand-Prix-Erfolg im McLaren - das klingt doch gut! Ich könnte schreiend herumrennen."

Bei Hamilton herrschte nach dem Rennen eine andere Gefühlslage. Der Engländer lag schon auf Rang drei hinter Kubica, doch dann fasste er noch einmal neue Reifen nach, doch damit kam er zwar wieder nach vorn, aber nicht an den Gegnern vorbei, die er beim Stopp vorlassen musste. "Das war vielleicht eine meiner besten Fahrten", so Hamilton.

Hamilton vertraut seinem Team

"Mag sein, dass die Entscheidung für einen zweiten Stopp nicht richtig war, aber meine Jungs sind brillant und für gewöhnlich immer auf der Höhe", fuhr er fort. "Ich schätze, es kann eben nicht immer nur gut laufen, so ist Motorsport. Dass mich Mark Webber umdrehte, war enttäuschend. Aber ich habe gehört, dass er sich entschuldigt hat. Dann geht das in Ordnung. Ich bin zufrieden mit dem, was ich gemacht habe."

Durch den zusätzlichen Stopp ging aber vielleicht ein Doppelsieg für McLaren verloren. "Das mag sein, aber sicher kann man so etwas nicht sagen", so Hamilton. "Ich kann nur sagen, dass er (Button; Anm. d. Red.) ein tolles Rennen fuhr. Ich gratuliere ihm für einen tollen ersten Sieg mit McLaren. Ich werde einfach weiterkämpfen, einen anderen Weg kenne ich nicht."

Nach dem eher mageren Rennen in Bahrain war auch Teamchef Martin Whitmarsh begeistert. "Dieses Rennen war Werbung für die Formel 1 und hat gezeigt, dass dieser Sport uns immer in vielen verschiedenen Richtungen überraschen, aufregen und fesseln wird", erklärte er. "Für McLaren war es ein Nachmittag mit zwei fantastischen, aber gegensätzlichen Leistungen."

Lob für beide Fahrer

"Jensons Fahrt war eines Weltmeisters würdig", fuhr er fort. "Er zeigte eine extreme taktische Schärfe und eine überlegene eigene strategische Entscheidung, in dem er auf eigenen Wunsch auf Trockenreifen wechselte. Dieser Schachzug brachte ihn vor die anderen und legte die Grundlage für seinen Sieg."

"In nur einer Stunde zerstörte er die neue Theorie, dass die Formel 1 langweilig sei, im Alleingang."
Martin Whitmarsh

"Zudem fuhr er ein unglaublich intelligentes und beeindruckend reifes Rennen, um an der Spitze einen konstanten Abstand zu halten. Er änderte die Fahrzeugeinstellungen, um die Reifen auf dem extrem langen zweiten Stint bestmöglich zu schonen. Das war insgesamt ein Sieg ohne Fehler", erklärte Whitmarsh.

Auch Hamiltons Rennen löste aber Jubel aus. "Sein Rennen war anders, aber nicht weniger brillant", erklärte er. "Von Platz elf kommend zeigte er wieder den Mut, die Entschlossenheit, die Leidenschaft und die Tapferkeit, die ihn zu einem der aufregendsten Rennfahrer der Welt machen. In nur einer Stunde zerstörte er die neue Theorie, dass die Formel 1 langweilig sei, im Alleingang. Mit seinen kühnen und aufregenden Überholmanövern unterhielt er Millionen Fans auf der Welt."

"Im Nachhinein wäre ihm vielleicht mehr geholfen gewesen, wenn die Reifenstrategie bei Lewis anders gewesen wäre, aber wir sind von seiner Herangehensweise, dass er niemals aufgibt, und seinem immer wieder beeindruckenden Talent ermutigt", fuhr er fort. "Wir verlassen den Albert Park sehr ermutigt, in Malaysia wollen wir diesen Schwung mitnehmen."

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