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Formel-1-Countdown 2010: Mercedes

Alle Hintergründe zu den neuen Mercedes-Silberpfeilen und dem überraschenden Jahrhundert-Comeback von Michael Schumacher

Michael Schumacher
Das Comeback des Jahrzehnts: Michael Schumacher fährt nun für Mercedes
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Am 14. März beginnt in Manama (Bahrain) die neue Formel-1-Saison - und die Königsklasse birgt dieses Jahr so viel Spannung wie schon lange nicht mehr: Mindestens vier Weltmeister, sensationelle Comebacks und klingende Namen lassen jedes Racingherz höher schlagen. 'Motorsport-Total.com' nimmt vor dem Auftaktrennen wie jedes Jahr alle Teams genau unter die Lupe. Heute: Mercedes.

Die neuen Silberpfeile sind das beste Beispiel für die Unvorhersehbarkeit der Formel 1, denn mal ganz ehrlich: Hätten Sie dieses Szenario vorherzusagen gewagt? Dass Ross Brawn und Norbert Haug, früher bei Ferrari und McLaren Erzrivalen, einmal gemeinsam am Kommandostand sitzen würden? Dass aus Honda (pardon, eigentlich muss es heißen: aus Tyrrell beziehungsweise BAR) einmal das Mercedes-Werksteam werden würde?

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Hätten Sie ernsthaft geglaubt, dass Michael Schumacher mit 41 noch einmal in die Formel 1 zurückkehren würde, noch dazu nicht bei Ferrari? So gesehen ist Mercedes schon vor dem ersten Saisonrennen die große Überraschung des Jahres 2010 - und das noch dazu als deutsches Nationalteam, denn als Fahrer wurden neben Schumacher Nico Rosberg und Ersatzmann Nick Heidfeld verpflichtet. Einziger "Schönheitsfehler" ist die Fabrik im britischen Brackley.

Die Geburtsstunde der Silberpfeile

Juan Manuel Fangio
Die alten Silberpfeile: Juan Manuel Fangio beim Sieg in Buenos Aires 1955
© Daimler

Die Geburtsstunde der Silberpfeile geht auf das Eifelrennen 1934 zurück, für das ein Maximalgewicht von 750 Kilogramm Regel war. Der W25 wog jedoch 751 Kilogramm. Also gab Rennleiter Alfred Neubauer den Befehl, über Nacht die weiße Lackierung abzukratzen, wodurch das silberne Blech zum Vorschein kam. Nach dem Formel-1-Ausstieg im Jahr 1955 wurde dieser Mythos erst 1997 als Partner des McLaren-Teams wiederbelebt.

Diesen Mythos soll nun der erfolgreichste Rennfahrer aller Zeiten weiterführen. Ferrari hat zwischen 1996 und 2009 deutlich über 200 Millionen Euro in das Projekt Schumacher investiert - im Glauben, man würde den Rekordweltmeister auf Lebenszeit als Botschafter an Bord haben. Doch dann kam Mercedes daher und schnappte sich "San Michele", wie der Deutsche in Italien von manchen Anhängern genannt wurde, zum Schnäppchenpreis.

Mercedes färbt damit schon zum zweiten Mal eine Legende silbern ein, die eigentlich rot sein müsste, denn selbst der unvergessene Juan Manuel Fangio gewann in den 1950er-Jahren vier seiner fünf WM-Titel auf Ferrari oder auf mit Ferrari verwandten Marken wie Alfa Romeo oder Maserati. Als der Argentinier jedoch 1995 in seiner Heimat starb, hatten ihn die meisten Fans als Mercedes-Legende in Erinnerung, obwohl er für die Stuttgarter nur einmal (1955) Champion wurde.

Anderer Weg als andere Hersteller

So gesehen kann man Mercedes nur zum Mut gratulieren, in einer Zeit, in der sich die anderen Automobilhersteller reihenweise aus der Formel 1 zurückziehen, der Wirtschaftskrise zu trotzen und ein Investment zu tätigen, das voll aufgehen könnte: "Die werden so viel Presse haben, dass sich die anderen grün und blau ärgern müssen. Marketingmäßig war es eine geniale Entscheidung", findet 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer.

"Wie ich es verstehe, bekommt Michael sieben Millionen Euro vom Team, aber dafür hat er Freiheiten, was persönliche Sponsoren angeht, um den Rest dazuzuverdienen", verweist der Schweizer auf Schumacher-Deals wie etwa mit den Modemarken Jet Set und Navyboot. "Das ist eine elegante Lösung. Die sieben Millionen hat man ja auch Button angeboten. Von dem her ist es keine Mehrbelastung für das Team, sondern Michael kann halt zusätzlich etwas verdienen."

Darum kümmert sich neuerdings übrigens nicht mehr nur Willy Weber, der sich nicht mehr "Mister 20 Prozent" nennen darf, sondern auch Schumachers langjährige Medienberaterin Sabine Kehm. Auch der angesehene Münchner Sponsoringagent Kolja Spöri ist autorisiert, neue Werbeverträge für den siebenfachen Weltmeister auszuhandeln. Auf diese Weise soll die Mercedes-Gage von kolportierten sieben Millionen Euro schon jetzt verdreifacht worden sein.

Für Haug wird ein Lebenstraum wahr

Nico Rosberg, Michael Schumacher und Norbert Haug
Für Norbert Haug (rechts) wird mit Schumacher ein Lebenstraum wahr
© xpb.cc

Einer, der in den vergangenen Monaten alles richtig gemacht hat, ist Mercedes-Sportchef Haug: "Der kann sich jetzt zurücklehnen und sagen: Besser geht's nicht", gratuliert Surer zum Coup des Jahrzehnts, betont aber gleichzeitig, dass nun viel vom Erfolg auf der Rennstrecke abhängt: "Im Moment ist er auf der Siegerseite, aber was ist, wenn sie nicht gewinnen? Dann hätte er plötzlich schwierige Fragen zu beantworten."

"Wir denken", so Haug selbst, "dass das eine gute Idee ist und dass wir davon profitieren können. Ob das so stimmt, müssen wir auf der Rennstrecke zeigen. Ich glaube, wir haben gute Voraussetzungen, aber die Konkurrenzsituation ist enger denn je. Mit allem Respekt vor der Formel 1 der Vergangenheit: So hart war es noch nie! Es war nie leicht, aber mit jedem Jahr, in dem ich dabei bin, ist es härter geworden. Das kann man nicht anders sagen."

Als Eddie Jordan in seiner Kolumne im November 2009 erstmals schrieb, dass Schumacher ein Comeback im erst am 16. November offiziell bekannt gegebenen Mercedes-Werksteam feiern könnte, wurde der ehemalige Teamchef von den meisten Insidern nur milde belächelt. Journalisten, die über das mögliche Comeback berichteten, mussten sich teils übelste Beschimpfungen gefallen lassen. Doch am 23. Dezember war es dann perfekt und Schumacher verlautbarte seine Rückkehr.

Das Rätselraten vor dem Comeback

Michael Schumacher und Ross Brawn
Alte Weggefährten wieder vereint: Michael Schumacher und Ross Brawn
© Brawn

"Ich habe lange nicht dran geglaubt", gesteht Surer. "Ich war einer der Letzten, die es geglaubt haben, dass er tatsächlich wieder fährt. Zwei Gründe sprachen dagegen: Erstens dachte ich, er würde wenn überhaupt, dann nur mit Ferrari zurückkehren, und zweitens war mein Gedanke, warum er sich das noch einmal antun soll. Er kann nur verlieren. Daher bin ich überrascht, dass er es macht. Es ist toll für die Formel 1, aber ob es gut für ihn ist, wird sich zeigen."

Dass der Routinier gleich für drei Jahre unterschrieben hat, überrascht ihn hingegen überhaupt nicht: "Damit wollen sie die ganzen Fragen abwürgen", vermutet der 58-Jährige. "Sonst würden die Journalisten Michael nach zwei Rennen schon wieder ständig fragen, ob er am Jahresende wieder aufhört. Damit das kein Thema wird, haben sie einen Dreijahresvertrag kommuniziert, denke ich. Aber ich bin mir sicher, dass er jederzeit aufhören kann, wenn er will."

Aber Fragen wie "Kann man mit 41 noch dazu in der Lage sein, einen Hochleistungssport wie die Formel 1 zu dominieren?" bleiben offen. Gerhard Berger versucht sich an einer Antwort: "Ich bin der Meinung schon. Speziell bei Michael Schumacher, den ich in seiner Karriere sehr genau beobachtet habe, sehe ich da überhaupt kein Problem. Michael ist körperlich extremst fit", so der langjährige Wegbegleiter des Comeback-Superstars.

Nie richtig zurückgetreten

Michael Schumacher
Michael Schumacher hat sich unter anderem mit Kartrennen fit gehalten
© On Track Promotions

"Er hat nach wie vor einen unheimlichen Willen, das Auto am Limit zu bewegen, und er hat ja in der ganzen Zeit nie richtig aufgehört. Wo immer du hingegangen bist, war er entweder mit dem Motorrad unterwegs oder fuhr Kart oder saß in einem anderen Auto. Er wird wieder absolut der Gleiche sein wie vorher, aber er hat wesentlich stärkere Konkurrenz als vorher. Er wird kämpfen müssen", gibt Berger zu Protokoll.

"Erfahrung wiegt das Alter sicherlich auf", wirft Surer ein. "Das kommt im Motorsport immer wieder zur Geltung. Klar, Reflexe lassen irgendwann nach - die können mit 41 nicht mehr so gut sein wie mit 21, aber die Erfahrung und all das, was der Körper gespeichert hat, ist so viel wert, dass ich nicht denke, dass das ein Problem wird. Die Zeit wird irgendwann kommen, wo er vom Speed nicht mehr ganz mithalten kann, aber die kommt langsam, nicht plötzlich."

Mit Rosberg hat Schumacher dafür eine hervorragende Referenz im Team. Der jüngere der beiden Deutschen hatte wohl insgeheim darauf gehofft, als gefühlte Nummer eins in die neue Saison gehen zu können, doch spätestens als sich bei den Testfahrten kaum jemand für ihn interessierte, dürfte ihm klar geworden sein, dass dem nicht so sein wird. Was es heißt, einen Schumacher im anderen Auto zu haben, davon können Rubens Barrichello oder Eddie Irvine ein Lied singen.

Schumacher als Chance für Rosberg

Nico Rosberg
Nico Rosberg hat 2010 erstmals die große Chance in einem Topteam
© Mercedes

Doch Surer sieht nicht nur Nachteile für den Ex-Williams-Piloten: "Es ist eine große Chance für Nico. Wenn er einen anderen Teamkollegen bekommen hätte, hätte man gesagt: 'Das Auto hat letztes Jahr Rennen gewonnen, aber jetzt gewinnt es nichts mehr. Dann liegt es wohl an Rosberg!' Wenn er aber jetzt Michael schlägt, ist er der Held, und wenn er nur geschlagen, aber nicht deklassiert wird, dann kann man immer noch sagen, dass es keine Schande ist, gegen einen siebenfachen Weltmeister zu verlieren."

"Eigentlich hat er also eine gute Messlatte im Team, gegen die er sich profilieren kann. Auf der anderen Seite: Neben Michael Schumacher haben noch alle alt ausgesehen. Diese Gefahr ist akut. Die Achse Schumacher/Brawn, dagegen kommst du nicht an. Da kannst du nur mit Leistung brillieren", urteilt Surer und verweist auf erste hierarchische Indizien wie etwa das Tauschen der Startnummer - Schumacher bekam auf ausdrücklichen Wunsch die für Rosberg reservierte Drei.

Das Argument, dass Mercedes aus PR-Gründen Schumacher-Siege lieber haben muss als jene von Rosberg, entkräftet der Experte: "Man muss auch an die Zukunft denken", mahnt er. "Michael kann man jetzt beim Wiedereinstieg nutzen, das ist populär. Aber wenn Nico schneller fährt, ist er die Zukunft. Das ist wichtig für Mercedes und auch für das Marketing. Man wird ihn also sicher nicht einbremsen, aber die Frage ist, ob er überhaupt genug Luft zum Atmen bekommen wird."

Mercedes braucht noch Zeit

Nico Rosberg
Bei den Testfahrten erlaubte Nico Rosberg tiefe Einblicke in den Diffusor
© xpb.cc

Abgesehen vom Hype um die hochinteressante Teamkonstellation glaubt Ex-Toro-Rosso-Boss Berger, dass man den neuen Silberpfeilen Zeit geben muss: "Ein Nachteil wird sicher sein: Das Team mit Mercedes-Power, mit Ross Brawn und Michael ist eine ziemlich starke Einheit, aber muss erst zusammenwachsen. Der Vorteil von Red Bull ist, dass die zusammengewachsen sind und auf dem Höhepunkt sind. Da wird man also Geduld haben müssen."

Beim Auto, dem MGP W01, hat man dennoch einen innovativen Weg eingeschlagen: Die Höcker auf der Nase erinnern ein wenig an den Red Bull, dafür ist die Aerodynamik im Bereich der Airbox einzigartig. Um die vorgeschriebene Fahrzeughöhe von 950 Millimetern zu erreichen, mussten die Designer in Brackley sogar "schummeln" und eine schmale Finne anbringen. Der Diffusor ist eine konsequente Weiterentwicklung des 2009er-Konzepts.

Bei den Februar-Tests war Mercedes nur selten die Messlatte, dennoch erzielte Rosberg immerhin zwei Tagesbestzeiten. Auch bei der Qualifyingsimulation am letzten Tag in Barcelona fehlten Schumacher weniger als drei Zehntelsekunden auf die Spitze. Große Hoffnungen setzen die Fahrer außerdem in das umfangreiche Update, das beim Saisonauftakt an den MGP W01 geschraubt werden soll. Das Team verspricht sich davon einen großen Sprung.

Keine Überlegenheit wie 2009

Michael Schumacher, Nico Rosberg, Nick Fry (Geschäftsführer), Norbert Haug (Mercedes-Motorsportchef), Ross Brawn (Teamchef)
Bei der Teampräsentation in Stuttgart herrschte ein riesiger Medienrummel
© Mercedes

Doch klar ist: "Der überlegene technische Vorteil, den sie letztes Jahr hatten, der ist weg. Der Überflieger Brawn vom letzten Jahr, den sehe ich nirgendwo", analysiert Surer. Das lässt natürlich die Frage zu, ob 2009 vielleicht eher ein Ausreißer war, schließlich fuhr das Team aus Brackley als Tyrrell, BAR und Honda seit vielen Jahren hinterher, ehe im Vorjahr die Wende gelang. Aber eine Eintagsfliege dürften die beiden WM-Titel nicht gewesen sein.

"Das kann ich mir nicht vorstellen, weil Ross Brawn die Fäden zieht und die Kontrolle hat", winkt Surer ab. "Ich denke, das System, das er jahrelang bei Ferrari angewandt hat, hat er 2008 eingeführt. 2009 hat man davon profitiert, denn da haben die Abläufe und so weiter hervorragend funktioniert. Auch wenn sie nicht viel Geld hatten, konnten sie das Auto doch weiterentwickeln. Also kann es nicht sein, dass das plötzlich aus dem Ruder läuft."

Sportchef Haug gesteht: "Ich glaube, dass wir noch nicht ganz da sind, wo ich es gerne hätte, aber wir sind nicht weit weg. Ich hoffe, dass ich es ein bisschen kritisch einschätze, aber ich habe in der Formel 1 erlebt, dass etwas nie leichter ist, als man es sich vorstellt, sondern immer schwieriger." Und weiter: "Ich schätze Red Bull sehr stark ein, McLaren hat einen guten Eindruck gemacht und die anderen werden aufholen. Ich glaube, es wird sehr spannend werden!"

Saisonstatistik 2009:

Team:

Konstrukteurswertung: 1. (172 Punkte)
Siege: 8
Pole-Positions: 5
Schnellste Rennrunden: 4
Podestplätze: 15
Ausfallsrate: 5,9 Prozent (1.)
Durchschnittlicher Startplatz: 5,1 (1.)
Testkilometer 2010: 6.323 (3.)
Testbestzeiten 2010: 2 (4.)

Qualifyingduelle:

Rosberg vs. Nakajima: 14:3

Michael Schumacher (Startnummer 3):

Fahrerwertung: -
Gefahrene Rennen: -
Siege: -
Podestplätze: -
Pole-Positions: -
Schnellste Rennrunden: -
Durchschnittlicher Startplatz: -
Bester Startplatz: -
Bestes Rennergebnis: -
Ausfallsrate: -
Testkilometer 2010: 3.219 (7.)
Testbestzeiten 2010: 0 (12.)

Nico Rosberg (Startnummer 4):

Fahrerwertung: 7. (34,5 Punkte)
Gefahrene Rennen: 17/17
Siege: 0
Podestplätze: 0
Pole-Positions: 0
Schnellste Rennrunden: 1
Durchschnittlicher Startplatz: 8,1 (6.)
Bester Startplatz: 3.
Bestes Rennergebnis: 4.
Ausfallsrate: 5,9 Prozent (4.)
Testkilometer 2010: 3.104 (8.)
Testbestzeiten 2010: 2 (1.)

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