

Surer: "Todt wird seinen Weg gehen"
Unser Experte Marc Surer outet sich als Fan von Ari Vatanen, kann aber auch mit Jean Todt leben - Mehrheit unserer Leser hätte Vatanen bevorzugt
(Motorsport-Total.com) - Vergangenen Freitag hat die FIA-Generalversammlung in Paris Jean Todt zu ihrem neuen Präsidenten gewählt - und zwar deutlich: Gegenkandidat Ari Vatanen unterlag mit 49:135 Stimmen. Dabei hätten sich vor allem im Formel-1-Fahrerlager viele den finnischen Reformpräsidenten gewünscht. Dazu zählt auch 'Motorsport-Total.com'-Experte Marc Surer.
"Ich hätte mir Ari Vatanen gewünscht, weil ich ihn kenne und weil er sehr sympathisch ist. Seine Ideen gefallen mir. Ich habe mich einmal lange mit ihm darüber unterhalten", sagt der ehemalige Formel-1-Pilot, der heute als Kommentator für den TV-Sender 'Sky' bei allen Grands Prix vor Ort ist. Und Surer steht mit seiner Meinung nicht alleine da: Auch 55,90 Prozent unserer Leser geben an (bei knapp 5.000 abgegebenen Stimmen), dass ihnen Vatanen lieber gewesen wäre als Todt.
Erfahrung in vielen Rennserien
Doch mit der Wahlentscheidung sollten die Vatanen-Fans nun zu FIA-Fans werden und auch den neuen Präsidenten unterstützen, denn: "Mit Jean Todt haben wir jetzt einen, der zumindest das Business sehr gut kennt. Er kennt aus seiner Vergangenheit auch die Rallyeszene. Ferrari war auch zu seiner Zeit schon in anderen Sparten wie der GT-Meisterschaft unterwegs. Daher glaube ich, dass er eine Übersicht hat, was auch außerhalb der Formel 1 läuft", ist Surer überzeugt.
"Grundsätzlich ist er sicherlich kein schlechter Mann, die Frage ist aber: Kann er alles abhaken, was in der Vergangenheit war, was er als Ferrari-Mann erlebt hat, oder gibt es da noch Vorbehalte gegen einige Teams? Das wäre natürlich verheerend, denn in der Vergangenheit haben wir immer bemerkt, dass Ferrari bevorzugt wurde. Alle werden ein Auge drauf haben, ob er da wirklich unparteiisch sein kann", so der Schweizer.
Todt könne nun damit punkten, mit seinen Gegnern anders umzugehen als der streitbare Vorgänger Max Mosley: "Er hatte sicherlich Gegner unter den Teamchefs. Reagiert er darauf nun wie Mosley, dem man es anmerken konnte, wenn er jemanden nicht mochte, oder reagiert er da völlig cool? Das bleibt abzuwarten. Aber grundsätzlich hat er mit seiner Vergangenheit natürlich die idealsten Voraussetzungen für diesen Job, das muss man schon sagen."
Loslösung von der "grauen Eminenz" Mosley?
Der ehemalige Ferrari-Teamchef ist für seine kompromisslose Linie und für seinen Stolz bekannt. Der könnte in Zukunft möglicherweise zu einem Bruch mit dem Mosley-Kurs kommen, obwohl Mosley im Wahlkampf einer seiner wichtigsten Unterstützer war. Doch auch Surer glaubt an einen eigenständigen Todt-Kurs: "Das traue ich ihm zu. Man muss sich nur erinnern, wie er Peugeot und Ferrari zum Erfolg geführt hat. Er weiß, dass er seine Linie gehen muss."
"Die hat er bei Ferrari voll durchgezogen, was sicherlich nicht einfach war. Ich denke, dass er das auch diesmal tun wird. Ich glaube, dass es ihm natürlich gelegen kam, das mit Mosley durchzuziehen - das sind auch alte Verbündete -, aber ich habe das Gefühl, er wird sich in Zukunft langsam von Mosley lösen. Dieser Typ Jean Todt wird seinen eigenen Weg gehen. Ich kann es mir nicht anders vorstellen", vermutet der 'Motorsport-Total.com'-Experte.
Zu Mosley, der weiterhin dem FIA-Senat angehört, sagt er: "Sein Einfluss wird irgendwie bleiben, aber man darf ja nicht vergessen, dass Mosley dieses Jahr auf die Nase gefallen ist. Er hat den FIA/FOTA-Krieg verloren und musste zurücktreten. Ich denke, dass das auch in den Hinterköpfen der anderen Senatsmitglieder ist, dass Mosley über das Ziel hinausgeschossen ist. So wird man ihn dann auch sehen. Aber natürlich wird er von seiner Seite aus mitwirken, das ist zu befürchten."










