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Interview: Kobayashis größte Herausforderung

16. Oktober 2009 - 01:58 Uhr

Glock-Ersatzmann Kamui Kobayashi freut sich auf seine Grand-Prix-Premiere im Toyota: "Die größte Herausforderung meines Lebens"

Kamui Kobayashi
Kamui Kobayashi ersetzt Timo Glock beim Grand Prix von Brasilien
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Nach ein paar Regenrunden in Suzuka, wo er dann am Ende doch für Timo Glock Platz machen musste - umsonst, wie sich im Nachhinein herausstellte -, kommt Kamui Kobayashi in São Paulo doch noch 2009 zu seinem Grand-Prix-Debüt. Der Toyota-Testfahrer, diese Saison Gesamt-16. der GP2-Serie, geht selbstbewusst an seine Aufgabe heran, wie er im Interview erklärt.

Frage: "Kamui, hier hattest du eine etwas längere Vorwarnzeit als in Japan, dass du im Auto sitzen wirst. Bist du schon heiß darauf, endlich loszulegen?"
Kamui Kobayashi: "Wir hatten definitiv genug Zeit, uns richtig vorzubereiten - mehr als eine Woche. Das ist besser als letztes Mal in Suzuka, denn dort war die Zeit natürlich nicht ausreichend. Wir haben hart dafür gearbeitet, alles für dieses Rennwochenende auf die Reihe zu bekommen, so gut es eben geht."

Frage: "Fühlst du dich nach dem Freitagstraining in Suzuka für dieses Rennwochenende besser vorbereitet, als du es ohne den einen zusätzlichen Tag gewesen wärst?"
Kobayashi: "Natürlich. Der Freitag war eine gute Erfahrung, denn wir hatten zwar nur 22 Runden, was nicht viel ist, aber für diese Woche ist schon eine Basis da, von der aus wir einige Punkte verbessern können. Darauf kann man aufbauen. Wir beginnen nicht ganz von vorne, was gut für mich ist."

Keine Erfahrung in São Paulo

Frage: "Bist du diese Strecke schon mal in einem Simulator oder mittels eines Computerspiels gefahren?"
Kobayashi: "Vielleicht habe ich sie mal auf dem Computer gespielt, aber das bringt für mich nicht wirklich etwas. Du erinnerst dich nur, wo es links und wo rechts geht, aber im Auto fühlt es sich dann ganz anders an. Da muss ich von vorne beginnen. Ich habe keine Erfahrung und werde mich Schritt für Schritt herantasten, um Kilometer zu sammeln. Dann sehen wir weiter. Die Wettervorhersage ist instabil, es sind also schwierige Bedingungen zu erwarten. Es wird ein schwieriges Wochenende, aber ich werde mein Bestes geben."

Frage: "Wann bist du zum letzten Mal im Trockenen ein Formel-1-Auto gefahren?"
Kobayashi: "Ich glaube im Februar. Aber seither wurde das Auto stark aktualisiert. Das macht einen Riesenunterschied."

Frage: "Was erwartest du dir von diesem Wochenende? Willst du einfach nur ins Ziel kommen?"
Kobayashi: "Punkte wären schon ein sehr gutes Ergebnis. Wenn ich an Giancarlo, Liuzzi und Grosjean denke, die mitten in der Saison eingestiegen sind und es wirklich nicht leicht hatten, dann ist mir klar, dass Punkte im ersten Rennen ein schwieriges Unterfangen werden. Aber für mich ist das ein guter Schritt und ich hoffe, dass ich für das Team einen guten Job machen kann."

Frage: "Ist dieses Wochenende so etwas wie deine Bewerbung für nächstes Jahr?"
Kobayashi: "Ich denke ehrlich nicht an nächstes Jahr. Ich habe jetzt diese Chance und möchte sie nutzen, um meine Leistung zu zeigen. Das ist mein Ziel. Weiter möchte ich im Moment nicht denken."

Frage: "Aber du hast die Chance, auf dich aufmerksam zu machen, denn deine GP2-Saison ist nicht nach Wunsch verlaufen..."
Kobayashi: "Ja, es war ein schwieriges Saisonende. Der Anfang war okay, aber das Ende war hart. Das muss ich jetzt vergessen und mit einer neuen Einstellung beginnen - und eine gute Erfahrung in der Formel 1 machen. Ich war zwei Jahre lang Testfahrer, was schon mal ein Anfang ist. Ich hoffe dieses Wochenende auf eine gute Performance."

Keine Angst vor Nackenproblemen

Frage: "Wie schwierig wird es wegen der Fahrtrichtung gegen den Uhrzeigersinn für deinen Nacken?"
Kobayashi: "Ich weiß nicht. Alle sagen, dass es schwierig wird, aber ich habe noch nie so eine Erfahrung gemacht. In Jerez gibt es auch einige schnelle Linkskurven, daher erwarte ich hier nichts Besonderes. Ich hatte schon viele Formel-1-Tests und bin an manchen Tagen in Jerez 120 bis 130 Runden gefahren, manchmal zwei bis drei Tage am Stück. Da hatte ich nie Probleme mit dem Nacken. Ich bin zuversichtlich, dass das nicht zum Problem wird."

"Ich hoffe, dass ich im ersten Training alles lernen kann."
Kamui Kobayashi

Frage: "Und wie stellst du dich auf die Formel-1-Abläufe ab, auf das Qualifying, die Boxenstopps und so weiter?"
Kobayashi: "Ich hoffe, dass ich im ersten Training alles lernen kann, um mich im zweiten schon auf das Setup konzentrieren zu können. Wir haben nicht viel Zeit und die Wettervorhersage ist instabil. Es wird schwierig. Ich will vor allem möglichst viel über das Auto und die Strecke lernen."

Frage: "Ist dies die größte Herausforderung deiner Motorsportkarriere?"
Kobayashi: "Ja, vielleicht sogar die größte Herausforderung meines ganzen Lebens."

Frage: "Bist du eher nervös oder eher aufgeregt?"
Kobayashi: "Nicht nervös, es ist aufregend. Ich will es selbstbewusst angehen, um diese Woche einen guten Job zu machen, denn Selbstbewusstsein ist wichtig. Wenn du nervös bist, machst du Fehler. Ich will selbstbewusst auftreten und wichtige Lektionen lernen. Ich denke, alles hängt mit dem Selbstbewusstsein zusammen. Das habe ich mir für diese Woche vorgenommen."

Frage: "Wäre dir ein Trocken- oder ein Regenwochenende lieber?"
Kobayashi: "Trockene Bedingungen sind etwas wirklich Neues für mich, weil ich noch nie die Erfahrung mit weichen und harten Reifen hatte. Das wäre für mich etwas ganz Neues. Schwer zu beantworten also, aber zumindest für die erste Session wäre stabiles Wetter gut."

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