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Haug: "Wir sind eindeutig zu langsam"

13. März 2009 - 11:40 Uhr

Mercedes-Sportchef Norbert Haug gesteht im Interview, dass der MP4-24 derzeit der Konkurrenz hinterherfährt - Wende erst mit Beginn der Europasaison?

Norbert Haug
Norbert Haug weiß, dass sein Team einen steilen Berg erklimmen muss
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Während das Brawn-Team bei den Testfahrten in Barcelona mit sensationellen Bestzeiten die große Überraschung war, fuhr McLaren der Konkurrenz mit den gleichen Mercedes-Motoren deutlich hinterher. In Woking, Brixworth und Stuttgart schrillen nun die Alarmglocken, wie Mercedes-Sportchef Norbert Haug im Interview offen zugibt.

Frage: "Herr Haug, wie verlaufen die Testfahrten im Moment?"
Norbert Haug: "Unsere Rundenzeiten sind keineswegs da, wo sie sein sollten, aber wir haben in der nächsten Woche in Jerez noch einmal vier Testtage vor uns. Dabei wollen wir uns steigern."

Jede Menge Arbeit für die Ingenieure

Frage: "Ist der MP4-24 schnell genug?"
Haug: "Derzeit nicht. Wir haben noch viel Arbeit vor uns und müssen unser technisches Paket deutlich verbessern. Dieser Prozess benötigt Zeit - er kann bis zum Beginn der Europasaison dauern, vielleicht sogar länger."

Frage: "Wo liegen die Probleme?"
Haug: "Es fehlt insgesamt an Abtrieb. Das Auto verhält sich grundsätzlich nicht schlecht, wir sind aber derzeit eindeutig zu langsam."

Frage: "Macht die Anpassung von KERS Probleme?"
Haug: "Die Entwicklung von KERS verlief ohne nennenswerte Probleme und hat die gesamte Entwicklung des MP4-24 überhaupt nicht beeinträchtigt. Wir fühlen uns in diesem Thema ausgesprochen konkurrenzfähig, was die Leistungsfähigkeit und das Gewicht der gesamten Anlage betrifft. Unser KERS funktioniert gut und das Team ist mit den Ergebnissen zufrieden."

Frage: "Wessen Fehler ist der fehlende Speed?"
Haug: "Die Entwicklung eines Autos ist Teamarbeit, zu der viele Personen beitragen. Wir lasten keine Fehler Einzelnen an. McLaren und Mercedes sind Partner und wir leben diese Partnerschaft in guten, wie im letzten Jahr, wie in schwierigen Zeiten, wie jetzt. Wir gewannen in der Vergangenheit WM-Titel und wir haben auch schwierige Perioden durchgemacht - das gehört zum Sport und zum Wettbewerb. Ganz klar ist, dass wir jetzt eisern zu unserem Partner stehen - jetzt erst recht."

Frage: "Sind die Probleme lösbar?"
Haug: "Wir haben in der Vergangenheit gemeinsam Probleme gelöst und das wird uns auch diesmal gelingen. Wir werden hart arbeiten, um wieder an die Spitze zu kommen. Wären wir nicht in der Lage, konkurrenzfähige Formel-1-Autos zu bauen, hätten wir nicht ein Drittel aller Grands Prix der letzten vier Jahre gewonnen."

Kaum Hoffnung für den Saisonauftakt

Frage: "Werden die Probleme rechtzeitig zum Grand Prix von Australien gelöst werden?"
Haug: "Wir arbeiten rund um die Uhr daran, uns zu verbessern. Aber es kann möglicherweise das erste Saisondrittel vergehen, bevor deutliche Steigerungen möglich sind."

Frage: "Warum ist das Auto von Brawn so viel schneller als der MP4-24 - mit dem gleichen Mercedes-Motor?"
Haug: "Das zeigt nur, wie wettbewerbsintensiv die Formel 1 ist. Brawn hat offensichtlich einen guten Job gemacht und war am Mittwoch und Donnerstag bei den Barcelona-Tests aller Teams Schnellster von allen über eine Runde und über eine ganze Renndistanz. Wir sind mit McLaren derzeit einfach neben der Spur, wir werden aber in diese zurückkommen."

Frage: "Ist ein Grund des Problems, dass Ron Dennis nicht mehr Teamchef ist?"
Haug: "Auf keinen Fall. Ron ist Chairman und CEO der McLaren-Gruppe und natürlich in alles eingebunden. Ron, Martin (Whitmarsh; Anm. d. Red.) und ich arbeiten seit 14 Jahren als verantwortliches Management zusammen. Wir vertrauen einander."

Frage: "Welche Auswirkungen hätte eine schwache Saison auf das Formel-1-Engagement von Mercedes in der derzeitigen Wirtschaftskrise?"
Haug: "Das Formel-1-Engagement von Mercedes-Benz ist langfristig angelegt. Mit Lewis Hamilton haben wir 2008 die Weltmeisterschaft gewonnen. Unsere Partnerschaft gewann bisher drei Fahrer- und einen Konstrukteurstitel und wir werden um weitere Meisterschaften kämpfen, auch wenn es in diesem Jahr einige Zeit dauern wird, bis wir wieder vorne fahren können. Wir haben in der Vergangenheit und zuletzt im letzten Jahr gezeigt, dass wir gegen stärkste Konkurrenz gewinnen können, und wir arbeiten hart daran, das erneut zu beweisen."

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