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Haug: "Man hat es uns nicht leicht gemacht"

03. November 2008 - 01:00 Uhr

Mercedes-Sportchef Norbert Haug wirkte nach dem gewonnenen WM-Titel sehr gefasst: "Dieses heiß/kalt war schon heftig"

Stefano Domenicali und Norbert Haug
Große Gegner, sportlich fair: Stefano Domenicali und Norbert Haug
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com/Premiere) - Erstaunlich gefasst wirkte Mercedes-Sportchef Norbert Haug nach dem gestrigen Grand Prix von Brasilien, der seinem Team den ersten WM-Titel seit Mika Häkkinen 1999 bescherte. Dem Deutschen hatte die Achterbahnfahrt der Gefühle in der letzten Runde, als Sebastian Vettel und Timo Glock die WM-Entscheidung beinahe noch gekippt hätten, arg zugesetzt. Dennoch nahm er sich wie immer Zeit für eine kurze Analyse.

Frage: "Herr Haug, wie sehr freuen Sie sich nach dieser spannenden Entscheidung über den WM-Titel?"
Norbert Haug: "Ich freue mich sehr - für die gesamte Mannschaft, denn wir haben sehr hart gearbeitet. Letztes Jahr haben wir um einen Punkt verloren, dieses Jahr um einen Punkt gewonnen. Es könnten ein paar Punkte mehr sein, denn wenn man zurückblickt, haben wir einige Punkte liegen lassen."

Nervenzerfetzendes Finish

"Aber ich denke, die Zuschauer haben sich blendend unterhalten - wir in der Schlussphase nicht so ganz. Wir dachten, es sei schon rum, aber Lewis hat es noch geschafft. Timo hat den Poker gemacht - was er vielleicht auch machen muss -, auf Trockenreifen zu bleiben, aber dann ging eben nichts mehr am Ende. Er war stumpf unterwegs und konnte sich nicht mehr wehren. Es war toll! Wir sind gegeneinander gefahren, auch Sebastian Vettel ist gegen uns gefahren. Es hätte auch anders ausgehen können."

"Erst überholt uns Vettel, dann überholen wir Glock, die zwei Deutschen. Jetzt sind wir Weltmeister."
Norbert Haug

"Ich bin jetzt wieder jünger! Zwischendurch war ich heute mal ein bisschen alt. Das war ein Poker, das kann man sich nicht vorstellen. Da muss es Megaquoten im Fernsehen geben! Am Anfang Regen, am Ende Regen. Wir haben ganz auf Nummer sicher gemacht, aber es ist das schwierigste Rennen, wenn du sagst, du musst Fünfter werden. Wenn er volles Rohr angreift, kann etwas passieren. Zwischendurch ist er einen unheimlichen Speed gefahren. Erst überholt uns Vettel, dann überholen wir Glock, die zwei Deutschen. Jetzt sind wir Weltmeister. Ich glaube, wir haben es verdient!"

Frage: "Was ging ihnen durch den Kopf, als Vettel an Lewis vorbeigegangen ist?"
Haug: "Das Wort, das mit S-C-H anfängt und mit E aufhört."

Frage: "Vettel hat Lewis ziemlich frech angegriffen. Wie haben Sie das gesehen?"
Haug: "Natürlich hat er das. Lewis hatte einen kleinen Rutscher, was bei diesem Wetter vorkommen kann. Die Schwierigkeit ist ganz einfach folgende: Wenn man als Siegfahrer mit gebremstem Schaum fährt, dann ist das eine Übung, die man nicht so einstudiert hat. 'Sei vorsichtig, nimm kein Risiko, dreh den Motor zurück, schalte früher!' All das haben wir das ganze Rennen gemacht und letztlich hat es sich ausbezahlt. Wir wollten nicht irgendeinen Schaden riskieren, sondern wir wollten mit der Minimalbelastung für die Technik über die Runden kommen."

Wieder der übliche Verweis auf Spa-Francorchamps

"Großer Dank gilt der ganzen Truppe! Die Aussage ist, dass man nicht aufhören soll, sich zu bemühen, deshalb sind wir mit Lewis verdienter Weltmeister. In Spa sind uns Punkte abhanden gekommen, die uns zugestanden wären, deshalb ist es sehr in Ordnung, dass Lewis Hamilton und McLaren-Mercedes Weltmeister sind."

"Wir zollen unseren Gegnern immer großen Respekt."
Norbert Haug

Frage: "Stefano Domenicali hat Sie vorhin umarmt und Ihnen gratuliert. Wie viel Respekt zollen Sie Ihrem Gegner?"
Haug: "Wir zollen unseren Gegnern immer großen Respekt. Das ist das, was man in der Formel 1 machen muss. Das wird vielleicht nicht überall immer so praktiziert, aber ich denke, es ist genau der richtige Weg, neben der Rennstrecke auch zusammenzuarbeiten, um das Produkt nach vorne zu bringen. Auf der Rennstrecke soll man Rivale sein, so wie auch Sebastian heute unser Rivale war. Nix mit abgemacht, sondern rausgefahren!"

Frage: "Sie wirken sehr gefasst. Wie machen Sie das?"
Haug: "Das wird schon noch anders werden, aber dieses heiß/kalt vorher, das war schon heftig. Man muss es auf sich wirken lassen. Das, was ich gesagt habe, ist echt und die Wahrheit. Man hat es uns weder dieses, noch letztes Jahr leicht gemacht. Wir haben es uns manchmal auch selbst nicht leicht gemacht, aber das heute zeigt: Wir geben nicht auf, wir machen weiter, wir hauen rein - und wir haben es verdient!"

Frage: "Ist für heute Nacht schon eine Party organisiert oder wird jetzt alles spontan gemacht?"
Haug: "Ich habe nichts ausgemacht. Ich gehe jetzt duschen und dann laufe ich hinterher."

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