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Der FIA-Brief an die Formel-1-Teams im Originalwortlaut

20. Oktober 2008 - 16:01 Uhr

Der Automobil-Weltverband nennt in einem Brief an die Formel-1-Teams seine Vorstellungen von der künftigen Formel 1 - FOTA soll Vorschläge einbringen

FIA-Logo
In einem Schreiben unterbreitete die FIA den Teams ihren Maßnahmenkatalog
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Der Formel 1 steht eine umfangreiche Veränderung ins Haus, denn die FIA will die Kosten der Rennserie drastisch kürzen und in mehreren Bereichen für deutliche Einsparungen sorgen. So widmet sich der Automobil-Weltverband in einem Schreiben an die Teams den Themen Kosten, Einheitsmotoren und Einheitsbauteilen. An mehreren Stellen werden die Rennställe zur Mitsprache aufgefordert, denn noch ist nichts in Stein gemeißelt. Lesen Sie im Folgenden den Brief an die Teams im Originalwortlaut.

Kosten
Die FIA hält die Kosten der Formel 1 für nicht tragbar. Schon vor der weltweiten Finanzkrise haben die Teams weit mehr ausgegeben, als sie Einnahmen aufweisen konnten - sofern diese sich aus Sponsoring und FOM-Geldern zusammensetzten. Daher hängen die Privatteams nun von reichen Einzelpersonen ab, wohingegen die Herstellerteams auf die großzügigen Ausschüttungen ihrer Mutterunternehmen angewiesen sind.

Es besteht nun die Gefahr, dass diese Zuschüsse ausbleiben könnten. Das wiederum könnte die Zahl der Teilnehmer reduzieren und würde die Startaufstellung auf ein nicht haltbares Niveau absenken - denn es fehlen ja schon zwei Teams. In den Augen der FIA kann die Formel 1 nur gesund bleiben, wenn ein Rennstall erfolgreich mit dem Budget in der Höhe operieren kann, wie es die FOM auszahlt.

Wir würden gerne die Meinung der Teams und ihre Kommentare zu den Vorschlägen der FIA (siehe unten) und anderen Ideen hören, die nötig sind, wenn man umfangreich Kosten einsparen will.

Antriebsstrang
2013 möchte die FIA moderne und technologisch fortschrittliche Antriebsstränge in der Formel 1 wissen. Uns schwebt ein Motor mit Direkteinspritzung vor, der Energie am Auspuff und bei der Hitzeentwicklung zurückgewinnt und über ein elektronisch angetriebenes Getriebe verfügt.

Dennoch sind wir für neue Ideen zugänglich. Dafür gibt es lediglich folgende Vorgaben:

1. Die Kosten für die Entwicklung, Wartung und Produktion dieser Antriebsstränge muss deutlich geringer sein, als dies momentan der Fall ist.
2. Für Privatteams müssen diese Antriebsstränge zu minimalen Konditionen zugänglich sein.

Für die Zeit von 2010 bis 2012 bieten wir drei Vorschläge an:

Option 1
Einen Einheitsmotor, der von einem einzigen Hersteller produziert wird, nachdem eine Ausschreibung stattgefunden hat. Den gegenwärtigen Herstellern steht es frei, selbst einen identischen Motor zu bauen (aber nicht das Getriebe), der strengen Kontrollen unterliegt.

Option 2
Eine Teamvereinigung bezieht einen Motor mit den gegenwärtigen Regeln von einem einzigen Motorenlieferanten, aber zu deutlich geringeren Kosten. Aggregate aus anderen Quellen würden genau unter die Lupe genommen werden, um Leistungsunterschiede unmöglich zu machen.

Option 3
Ein Vorschlag seitens der FOTA, der von zuverlässigen Garantien abgesichert ist, wonach Privatteams für weniger als 5 Millionen Euro pro Rennstall und Saison einen kompletten Antriebsstrang bekommen können, was zudem 30.000 Testkilometer sowie alle Wartungsarbeiten an der Rennstrecke beinhalten muss.

2009
Als die Entscheidung gefällt wurde, die Motoren "einzufrieren", haben sich einige Teams noch etwas Zeit erbeten, um Zuverlässigkeitsprobleme aus der Welt zu schaffen und ihre Aggregate auf 19.000 Umdrehungen einzustellen. Einige Rennställe haben aus dieser Frist Vorteile geschöpft und die Leistung ihrer Motoren gesteigert. Das war so nicht vorgesehen. Andere Teams haben ihre Motoren nicht verbessert und geglaubt, dass die Performance "eingefroren" sei.

Dadurch sind unfaire Leistungsunterschiede entstanden. Der Automobil-Weltrat hat daher entschieden, dass die Leistungen der Motoren analog zum Sportlichen Reglement der Saison 2009 angeglichen werden, um die Positionen wiederherzustellen, wie sie vor der Einfrierung bestanden haben.

Die FIA würde mit den FOTA-Technikern gerne erörtern, wie diese Angleichung erfolgen kann, sodass sie für alle fair und mit geringen Kosten verbunden ist.

Chassis
Die FIA kann sich vorstellen, für verschiedene Chassisbereiche Einheitsbauteile zu verwenden. Es könnte beispielsweise einheitliche Aufhängungen und Räder geben, einen einheitlichen Unterboden und andere Teilbereiche, die gegenwärtig große Summen vernichten, aber nichts zum Spektakel oder dem öffentlichen Interesse der Formel 1 beitragen.

Andere Ideen, wie eine Minimalhöhe für den Schwerpunkt, Materialrestriktionen oder die Homologierung einiger Komponenten für eine gewisse Zeit, sind ebenfalls denkbar.

Wir laden die FOTA ein, dazu Vorschläge zu machen, die auch einen Zeitplan für die Einführung beinhalten sollen.

Rennablauf
Die FIA hätte gerne Anregungen dafür, die Rennregeln zu ändern, sodass die Kosten reduziert werden. Unserer Ansicht nach sollte die Priorität dabei auf den Dingen liegen, welche die Öffentlichkeit nicht zu Gesicht bekommt (zum Beispiel Telemetrie), und nicht auf den sichtbaren Elementen, die zur Show beitragen (zum Beispiel das Nachtanken während der Rennen).

Die FIA würde auch gerne die Meinungen der Teams bezüglich der Garagenverteilung sowie dem Platz in der Boxengasse einholen.

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