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Schumacher: "Vettel ist ein kommender Weltmeister"

14. September 2008 - 13:15 Uhr

Die erste Pole Position von Sebastian Vettel in Monza kam vielleicht zu einem überraschenden Zeitpunkt, aber für die Experten ist sie ein logischer Schritt

Sebastian Vettel
Wer ganz vorn stehen will, muss auch ein bisschen leiden...
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com/sid) - Für Michael Schumacher hat er das Zeug zum nächsten Weltmeister, die Gazetten krönen ihn bereits zum Kaiser von Italien und die Topteams buhlen um seine Gunst: Sebastian Vettel ist als jüngster Pilot aller Zeiten auf die Pole Position gefahren und hat damit Formel-1-Geschichte geschrieben.

Stolz ließ sich der neue Regenkönig in Monza mit dem Schild "P1" in den Armen seines sonst unterlegenen Toro-Rosso-Teams fotografieren. Es war die erste deutsche Pole Position seit dem 15. Juli 2006, als Michael Schumacher in Magny-Cours ganz vorn stand.

"Unglaublich, unfassbar. Das ist einer der schönsten Tage in meinem Leben", meinte Vettel, der auf nasser Piste die Stars wie Weltmeister Kimi Räikkönen und WM-Spitzenreiter Lewis Hamilton deklassierte: "Aber ich habe noch Träume, zum Beispiel einen Sieg oder den WM-Titel. Aber ich habe von meinem Vater gelernt, alles Schritt für Schritt zu machen."

Vater Norbert, zugleich sein größter Förderer, freute sich beim verregneten Großen Preis von Italien mit dem Sohn. Der hatte sich vor kurzem im Kart auf die speziellen Bedingungen im Regen vorbereitet - auf Michael Schumachers Hausstrecke in Kerpen.

"Ein großer Fahrer, er wird die Überraschung der Saison."
Michael Schumacher

"Ein großer Fahrer, er wird die Überraschung der Saison", hatte der siebenmalige Weltmeister Schumacher schon vor dem Gala-Auftritt erklärt. Beim Race of Champions im vergangenen Dezember war Vettel in einem Team mit seinem Vorbild gestartet. In Monza erlebte Schumi Vettels Husarenritt live mit.

Den Spitznamen "Baby Schumi" mag der gebürtige Heppenheimer, der wie Schumacher in der Schweiz wohnt, trotzdem nicht: "Ich bin ein eigener Mensch. Michael ist einer der Besten aller Zeiten, und deshalb ist es nicht besonders schlau, mich mit ihm zu vergleichen."

Dabei hat Vettel sein Idol inzwischen in einigen Statistiken sogar schon übertroffen. Nachdem er als 19-Jähriger im vergangenen Jahr in den USA als jüngster Fahrer aller Zeiten in die Punkte fuhr, nahm er mit genau 21 Jahren und 72 Tagen dem zweimaligen Weltmeister Fernando Alonso den Rekord des jüngsten Fahrers auf der Pole Position ab.

Die PS-Branche ehrt ihn als Newcomer des Jahres (italienische Motorsportindustrie) und mit der Lorenzo-Bandini-Trophäe (wie Schumacher). 'Premiere'-Experte Marc Surer hält Vettel für einen "Überflieger" und ein Talent "wie Schumacher oder Ayrton Senna".

"Er ist ja erst 21, vielleicht fährt er mit 31 wieder für uns."
Mario Theissen

BMW Motorsport Direktor Mario Theissen ärgert sich etwas, dass er Vettel im vergangenen Jahr ziehen lassen musste: "Er hat seitdem eine fantastische Entwicklung genommen. Aber er ist ja erst 21, vielleicht fährt er mit 31 wieder für uns."

McLaren-Mercedes wollte das Supertalent bereits im vergangenen Winter verpflichten und ist weiter interessiert. Auch Ferrari hatte bereits ein Auge auf Vettel geworfen, aber jetzt fährt er erstmal als Nachfolger des Schotten David Coulthard für Red Bull. Bis Ende 2010 steht er dort für ein angebliches Minigehalt von 1,5 Millionen Euro unter Vertrag.

"Sebastian ist intelligent und schnell, in jeder Hinsicht eine Ausnahmeerscheinung", beschreibt Toro-Rosso-Pressesprecherin Fabiana Valenti den Mann, der das Hinterbänklerteam von ganz unten nach ganz oben geführt hat. Sein Technikchef Giorgio Ascanelli meinte danach: "Ich habe Sebastian gesagt, dass die erste Pole Position genau wie der erste Sex am besten ist."

Trotz des Rummels ist Vettel bodenständig geblieben. Er hat zwei Schwestern und einen Bruder, kann Kaiser' Franz Beckenbauer imitieren und hat das Abitur mit dem Durchschnitt 2,8 gemacht.

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