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Haug: "Das wird in die Geschichte eingehen"

07. September 2008 - 18:19 Uhr

Mercedes-Sportchef Norbert Haug über den Sieg von Lewis Hamilton in Belgien, der am Grünen Tisch doch noch verloren ging...

Norbert Haug und Lewis Hamilton
Die Freude über den Sieg in Belgien war bei Norbert Haug von kurzer Dauer
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com/Premiere) - Auf der Strecke hat Lewis Hamilton heute in Spa-Francorchamps einen großen Sieg gegen die beiden Ferrari-Piloten Kimi Räikkönen und Felipe Massa eingefahren, doch sein Überholmanöver gegen Räikkönen nach Abschneiden der Bus-Stop-Schikane warf den McLaren-Mercedes-Star am Grünen Tisch auf Platz drei zurück. Bereits vor der Entscheidung der Rennleitung analysierte Mercedes-Sportchef Norbert Haug das Geschehene.

Frage: "Herr Haug, was für ein Rennen und was für ein Sieg von Lewis Hamilton!"
Norbert Haug: "Ich habe schon viel erlebt im Grand-Prix-Sport, aber so ging es in den letzten Runden - wenn überhaupt - noch höchst, höchst selten zu. Das war das Schärfste, wirklich! Lewis hat den besten Job gemacht. Sorry für Kimi. Lewis hat es ihm am Anfang vielleicht leicht gemacht mit dem Dreher, aber er kam als Erster auf die nasse Stelle und hat sich gedreht. So kam Kimi nach vorne."

Hamilton auf den ersten Metern mit Senna-Zünder

Frage: "Der Reihe nach: Wie haben Sie den Start gesehen?"
Haug: "Kimi hat den Start gut gemacht, Lewis perfekt. Er ist gleich beeindruckend weggefahren. Das zeigt fahrerische Qualität, wie er in der ersten Runde spürt, wie weit man gehen kann. Er war nach ein paar Metern auf und davon."

Frage: "Dann haben sich die Ferraris in der ersten Runde gegenseitig beharkt..."
Haug: "Das hat mir gut gefallen! Da habe ich gedacht: 'Schauen wir mal, wie das ausgeht!' Kimi hat sich dann durchgesetzt. Wenn man wählen kann, wen man hinter sich hat, dann ist der mit weniger Punkten immer noch der Bessere."

Frage: "Beim Dreher von Lewis ist Ihnen dann sicher der Schreck in die Knochen gefahren, oder?"
Haug: "Das kam erst im Replay. Er ist ja erstmal trotzdem vorne geblieben. Räikkönen war auch weit draußen. Massa hat nicht das Beste draus gemacht. Beim langsamen Losfahren hat man natürlich nicht den Speed, denn sonst waren wir auf den Geraden sehr gut gerüstet. Da kam Kimi vorbei. Das war für das Rennen sicher erstmal vorentscheidend, aber zum Schluss waren wir ja wieder auf Druckpunkt dran - und das war wichtig."

"Heikki hätte sich sicher hinten anstellen können."
Norbert Haug

Frage: "Heikki Kovalainen ist in der elften Runde mit Mark Webber kollidiert und wurde dafür bestraft..."
Haug: "Er wurde am Start ganz nach hinten durchgereicht. In der Situation mit Webber war er ungeduldig - er hätte sich sicher hinten anstellen können. Aber wenn man sieht, man kommt vorbei, dann probiert man es eben. Die Durchfahrstrafe kann man durchgehen lassen, aber die hat ihn nach hinten geworfen. Heikki ist ein starkes Rennen gefahren und hat die meisten Überholmanöver im Feld gezeigt, glaube ich."

Frage: "Dann Runde 43, einsetzender Regen. Wie haben Sie das erlebt?"
Haug: "Lewis hat Kimi erst sauber vorbeigelassen, um danach gleich noch mal eine Attacke zu setzen. Das finde ich schon bemerkenswert. Kimi ist ihm in der ersten Runde hinten draufgefahren, wobei glücklicherweise der Reifen nicht kaputt wurde."

Kein Verständnis für Ferrari-Proteste

"Ich habe gehört, dass sich da welche wegen Fairness beschweren. Die Fahrer haben das draußen ausgefahren. Dann überhaupt noch einen Satz dazu zu sagen, ist absolut daneben. Das will der Zuschauer auch nicht. Wenn sich jemand beklagen darf, dann müssten wir sagen: 'Hallo, was ist da mit der Berührung passiert?' Aber meine Einstellung als Sportsmann ist, dass die Jungs das ausfahren."

Frage: "Die entscheidende Szene war, als die beiden auf Nico Rosberg aufgefahren und beinahe kollidiert sind. Es war ein Hammerfight zwischen den beiden, nicht wahr?"
Haug: "Absolut, jeder hat alles gegeben. Dieses Rennen wird sicher in die Geschichte eingehen. Spa ist immer gut für solche Rennen, aber so spannend ging es in meiner Erinnerung hier noch nie zu. Lewis ist für meinen Geschmack am Ende viel zu schnell gefahren, denn Massa hat teilweise fünf Sekunden pro Sektor verloren. Aber er hat es nach Hause gebracht - und er hat ein enorm gutes Gespür für solche Zustände. Da hat er glaube ich im Kart sehr viel gelernt."

"Nicht der Regen, sondern der beste Fahrer hat das Rennen entschieden."
Norbert Haug

Frage: "War heute auch ein bisschen Glück dabei, mit so vielen Fehlern noch zu gewinnen?"
Haug: "Das würde ich anders sagen: Wenn einer so eine hohe Trefferquote hat und so eine gute Leistung bringt, dann gibt es vielleicht Mal das Glück des Tüchtigen. Das hatte er im Vorjahr nicht. Nicht der Regen, sondern der beste Fahrer hat das Rennen entschieden."

Frage: "Sind für Kimi Räikkönen die WM-Chancen jetzt gegessen?"
Haug: "Nein. Letztes Jahr waren es 17 Punkte bei zwei Rennen, jetzt sind es 23 bei fünf Rennen. 17 geteilt durch zwei waren 8,5 pro Rennen und 23 geteilt durch fünf sind 4,6. Das ist eine andere Situation als letztes Jahr. Es ist erst vorbei, wenn es vorbei ist. Ich hoffe nur, dass wir den Trend fortsetzen können."

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