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Montoya rechnet erneut mit der Formel 1 ab

29. Juli 2008 - 10:02 Uhr

NASCAR-Pilot Juan Pablo Montoya blickt ohne Wehmut zurück nach Europa und in die Formel 1: "Sie wollen dich zum Roboter machen"

Juan Pablo Montoya
Juan Pablo Montoya ist froh, dass er nun in der NASCAR fährt
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Er war schnell, talentiert, kompromisslos und phasenweise sehr erfolgreich, doch passte Juan Pablo Montoya mit seiner geradlinigen und teils unangepassten Art nicht auf Dauer zur klinisch sauberen Formel-1-Welt. Entsprechend wenig lange hielt es der Kolumbianer in der Königsklasse aus - gerade einmal gut fünf Jahre. Das unrühmliche Ende kam im Juni 2006. Nachdem der damalige McLaren-Mercedes-Pilot seinen Wechsel in die NASCAR bekannt gegeben hatte, setzte ihn Teamchef Ron Dennis kurzerhand Mitte der Saison vor die Tür.

"Mit Ron konntest du einen Abend nett essen gehen und wenn du am nächsten Tag im Büro 'Hallo' sagtest, war er schon wieder ein ganz anderer Mensch", beschrieb Montoya rückblickend im Gespräch mit dem Magazin 'F1 Racing'. Dass Fernando Alonso in dem britischen Rennstall Probleme bekommen würde, war Montoya von vornherein klar gewesen: "Hamiltons Manager heißt Ron Dennis. Die Zukunft des Teams hieß Lewis Hamilton, nicht Fernando Alonso."

Die ungeliebte Formel-1-Welt

Neben den teaminternen Streitereien bei McLaren-Mercedes - die nicht nur Alonso, sondern auch Montoya selbst erlebte - passte der Kolumbianer mit seiner Art nicht recht in die Marketing-Strategien der durchgestylten Formel 1. "Sie wollen dich in der Formel 1 zum Roboter machen. Wenn du eine starke Persönlichkeit bist, bekommst du Probleme. Viele Leute in der Formel 1 vergessen, dass es immer noch ein Sport ist. McLaren wird zum Beispiel mit viel zu viel Ernst geführt."

"Viele Leute in der Formel 1 vergessen, dass es immer noch ein Sport ist."
Juan Pablo Montoya

Bei aller Kritik erlebte der mittlerweile 33-Jährige auch schöne Momente in der Königsklasse. Neben insgesamt sieben Grand-Prix-Siegen gehörten auch teaminterne Anekdoten dazu. "Den meisten Spaß hatte ich noch bei BMW Williams, wegen Technikchef Patrick Head", so der Kolumbianer, der sich mit dem Williams-Teilhaber nicht immer gut zu verstehen schien. "Patrick sagt immer, was er denkt - wie ich. Er wollte am Anfang eines Gesprächs immer höflich sein, doch das konnte er nie durchhalten. Das war witzig!"

Weniger witzig findet er die großen Stars der Szene - sowohl die inaktiven Fahrer wie auch die aktuellen Piloten. Beispiel Michael Schumacher: "Als Mensch mochte ich ihn nicht besonders. Es war großartig, ihn zu schlagen und ihn dazu zu bringen, bis an seine Grenzen zu gehen. Und er war ein Typ, gegen den man mit Haken und Ösen fahren konnte. Er war nicht unbedingt fair, aber ich war es ihm gegenüber auch nicht."

Formel-1-Piloten als Memmen?

Voller Hochachtung vor dem siebenfachen Formel-1-Weltmeister fügte Montoya allerdings hinzu: "Er war genau der Mann, den du brauchtest, wenn es darum ging, die Grenze zwischen Wagenmut und Dummheit zu überschreiten. In der Formel 1 war Michael ein sehr mutiger Typ, der sich Herausforderungen stellte. Er war beeindruckend." Untypische Sätze für den Kolumbianer, der mit der heutigen Fahrergeneration nichts mehr anzufangen weiß.

"Bei Kimi geht es nicht darum, ob du mit ihm auskommst oder nicht, denn er redet überhaupt nichts."
Juan Pablo Montoya

"Sie beschweren sich über alles. In Monaco beispielsweise über die Reflexionen in den Rückspiegeln, wenn sie durch den Tunnel fahren. Ich denke: So ist es nun mal. Also Maul halten und fahren!" Mit dieser Einstellung hat sich Montoya in Europa viele Freunde gemacht. Der amtierende Champion Kimi Räikkönen gehört allerdings definitiv nicht dazu, obwohl auch der oftmals seinen völlig eigenen Weg geht. "Bei Kimi geht es nicht darum, ob du mit ihm auskommst oder nicht, denn er redet überhaupt nichts. Es ist schwierig mit jemandem auszukommen, der nicht redet, oder?", sagte Montoya über seinen Teamkollegen von 2005 und 2006.

Selbst beim Blick auf die aktuell spannende Formel-1-Saison und die Ausgeglichenheit an der Spitze, kommt bei dem Ganassi-NASCAR-Piloten kein Wehmut auf. "Ich bereue es kein bisschen, in die NASCAR gewechselt zu sein." Der Erfolg war dem Kolumbianer allerdings dort bisher zumeist nicht vergönnt. Vom klaren Saisonziel - dem erreichen der Chase zum Finale der Saison - ist der 33-Jährige nach mäßigen Saisonleistungen eine erhebliches Stück entfernt.

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