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Ecclestones Messer in Silverstones Brust

04. Juli 2008 - 19:16 Uhr

Dass man sich nicht mit Bernie Ecclestone anlegen sollte, bekommen die Streckenbetreiber in Silverstone schmerzlich zu spüren...

Nick Heidfeld
Die Formel 1 fährt in diesem Jahr zum vorletzten Mal in Silverstone
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Dem Präsidenten des britischen Rennfahrerklubs BRDC, dem die Strecke in Silverstone gehört, Damon Hill, wurde heute kurz vor Beginn des zweiten Freien Trainings sprichwörtlich das Messer in die Brust gerammt: Trotz zahlreicher Bemühungen, den britischen Grand Prix in Northamptonshire zu halten, gab Bernie Ecclestone bekannt, dass er seinen Zirkus ab 2010 nach Donington verlegt.

Ecclestone übt schon seit der Schlammschlacht im Jahr 2000 immer wieder Kritik an der Infrastruktur in Silverstone und drohte in regelmäßigen Abständen damit, dem BRDC den Grand Prix wegzunehmen. Neben des Zustands der Anlagen waren auch die Finanzen ein Grund dafür: Der Formel-1-Promoter will - gemessen an anderen Austragungsorten bescheidene - 13,8 Millionen Euro pro Jahr als Grand-Prix-Gebühr haben, doch das ist dem BRDC zu viel.

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Geld regiert die Welt

"Sie hätten schon vor drei Monaten unterschreiben können, wenn sie dazu in der Lage gewesen wären."
Bernie Ecclestone

Hinzu kommt, dass diese Grand-Prix-Gebühr pro Jahr um fünf Prozent ansteigen würde - für einen privaten Klub wie den BRDC, der trotz jahrelanger Verhandlungen nicht von der Regierung unterstützt wird, ein schwieriges Unterfangen. Weil der BRDC in den Verhandlungen der vergangenen Monate immer wieder gezögert hat, ging Ecclestone nun die Geduld aus - und er sagte dem Investor Simon Gillett zu, der Donington um 125 Millionen Euro auf Formel-1-Standard bringen will.

Angeblich hat Ecclestone dem BRDC schon vor drei Monaten ein konkretes Angebot unterbreitet, um Silverstone eine Chance zu geben, den Ende 2009 auslaufenden Vertrag zu verlängern, aber am Donnerstag hatte er die Nase voll und er sagte Donington zu. Dabei musste er Gillett eigenen Angaben nach schon eine Weile lang hinhalten, schließlich möchte man dort so früh wie möglich mit den Baumaßnahmen beginnen.

"Sie hätten schon vor drei Monaten unterschreiben können, wenn sie dazu in der Lage gewesen wären", schimpfte Ecclestone gegenüber 'SpeedTV.com' in Richtung BRDC. "Wir haben auf sie bis vergangene Nacht gewartet. Sie haben mir gesagt: 'Es wird schon klappen, aber wir brauchen noch zwei Wochen. Wir waren heute bei der Regierung und haben mit ihnen gesprochen.' Wenn ich dann nicht meine Konsequenzen gezogen hätte, würden sie immer noch herumtrödeln."

Enttäuschung bei Hill und Co.

"Wir haben einen aktiven Plan, die Anlagen zu bauen und zu finanzieren, die das Formula One Management von uns verlangt."
BRDC

Der BRDC zeigte sich in einer Stellungnahme "extrem enttäuscht" über die heutige Nachricht und verwies auf das Lob vieler Fahrer für die Strecke. Mark Webber hatte den Kurs sogar als "besten der Welt" gepriesen. Bitter für BRDC-Chef Hill und seine Konsorten ist vor allem, dass der Masterplan für einen Generalumbau bereits vorliegt und nur noch von den zuständigen Behörden abgesegnet werden muss. Genau das hatte Ecclestone immer gefordert.

In der BRDC-Stellungnahme heißt es: "Wir haben einen aktiven Plan, die Anlagen zu bauen und zu finanzieren, die das Formula One Management (FOM) von uns verlangt. Daher sind wir überrascht über die heutige Bekanntgabe, wenn man bedenkt, dass FOM und FIA bewusst war, wie weit diese Pläne fortgeschritten sind." Ecclestone sieht es pragmatischer: "Sie hatten seit Monaten einen Vertrag auf dem Tisch liegen, aber sie haben nicht unterschrieben."

Ecclestone sieht sich als Retter

Donington Park
Momentan ist die MotoGP-WM die größte Veranstaltung in Donington
© Yamaha

Der 77-Jährige sieht sich keineswegs als Sargnagel von Silverstone, sondern vielmehr als Retter des britischen Grand Prix: "Das, was passiert ist, hat den britischen Grand Prix gerettet." Der BRDC hätte seiner Meinung nach so lange gefackelt, bis die Formel 1 gar nicht mehr auf die Insel gekommen wäre, merkte Ecclestone etwas verschnupft an. Persönliche Differenzen mit dem BRDC hätten bei der Entscheidung aber keine Rolle gespielt.

Im Fahrerlager fragen sich freilich einige, ob Donington tatsächlich dazu in der Lage sein wird, bereits 2010 einen Grand Prix abzuhalten. Ecclestone: "Ich gehe davon aus, dass sie rechtzeitig fertig werden. Wenn nicht, dann stecken sie in gewaltigen Problemen." In Silverstone wäre man jedenfalls bereit, für den Fall der Fälle einzuspringen: "Sollte sich die Position ändern, dann wären wir dazu in der Lage, den britischen Grand Prix auch nach 2009 zu veranstalten."

Ganz ohne weltweite Großveranstaltung auskommen muss man am Gelände des ehemaligen Militärflughafens übrigens vermutlich auch ohne Formel 1 nicht, denn Hill hat bereits vor einigen Wochen Gespräche mit der Dorna aufgenommen, um die Motorrad-WM nach Silverstone zu holen, die derzeit noch in Donington ausgetragen wird. Auch Tourenwagen-Weltmeisterschaft, A1GP-Serie und Co. wären preisgünstige Alternativen zur Königsklasse.

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