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Whitmarsh: "Heikki hätte gewinnen müssen"

11. Mai 2008 - 20:52 Uhr

McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh über das Pech von Heikki Kovalainen und die Leistung und die Reifenprobleme von Lewis Hamilton

Martin Whitmarsh
Martin Whitmarsh trauert dem verpassten Sieg in der Türkei nach
© xpb.cc

(Motorsport-Total.com) - Lewis Hamilton fuhr heute mit einer Superleistung den zweiten Platz beim Grand Prix der Türkei heraus, aber was von außen nicht zu sehen war: Der McLaren-Mercedes-Pilot hatte wie schon im Vorjahr in Istanbul massive Probleme mit den Bridgestone-Reifen, was mit ein Grund für seine Dreistoppstrategie war.

Heikki Kovalainen andererseits kam nicht einmal in die WM-Punkte, hätte das Rennen eigener Aussage nach aber sogar gewinnen können, denn in der Startaufstellung stand er vor Hamilton, obwohl er für eine Zweistoppstrategie aufgetankt war. Nach dem Rennen analysierte McLaren-Geschäftsführer Martin Whitmarsh den fünften Saisonlauf aus silberner Sicht - und er sprach über die weitere Marschroute für dieses Jahr.

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Großes Lob nach Platz zwei

"Lewis hat Ferrari den Kampf angesagt."
Martin Whitmarsh

Frage: "Martin, zweiter Platz für Lewis Hamilton mit einem tollen Überholmanöver gegen Felipe Massa. Was sagst du zu seiner Leistung?"
Martin Whitmarsh: "Es war seine beste des Jahres! Mein Erinnerungsvermögen ist so kurz, dass ich keine Vergleiche ziehen möchte. Es war aber sein bestes Rennen in diesem Jahr, noch dazu mit eingeschränkten Möglichkeiten, aber er war durchgehend voll am Limit und seine Runden vor und nach den Boxenstopps waren großartig und das Team hat bei den Boxenstopps auch super gearbeitet. Er hat Ferrari den Kampf angesagt."

Frage: "Wäre sein Rennen von der Pole-Position anders verlaufen?"
Whitmarsh: "Ich hatte gedacht, dass es schwierig gewesen wäre, auf die Pole zu fahren, aber wenn man sich seine Performance im Rennen anschaut, dann wäre es wohl drin gewesen."

Frage: "Wo war der Lewis Hamilton von heute am Samstag? Da hat er ja nicht so gut ausgesehen..."
Whitmarsh: "Er wurde von einem gewissen Heikki Kovalainen geschlagen! Heikki hätte dieses Rennen gewinnen müssen und darf daher zurecht enttäuscht sein, aber andererseits kann er sich auch freuen, denn er hat sich selbst überhaupt erst in diese Position gebracht. Er wird noch Rennen gewinnen in diesem Jahr. Klar ist er jetzt einmal enttäuscht, aber morgen wird er aufwachen und wissen, dass es nicht mehr lange dauern kann, bis er gewinnt."

"Lewis ist ein außergewöhnliches Rennen gefahren, denn er hatte schon das ganze Wochenende Probleme mit dem Reifen, also entschieden wir uns schon vor dem Qualifying für eine Dreistoppstrategie. Insofern ging er mit einem Handicap in dieses Rennen - und dieses Handicap war sogar noch größer, weil er Q3 nicht ganz hinbekommen hat. Er hätte auf Pole stehen sollen, hat das aber nicht geschafft. Danach musste er im Rennen wirklich hart fighten, um dranzubleiben, was ihm gelungen ist. Es war ein fantastisches Rennen von ihm. Selbst mit seiner suboptimalen Strategie ist es ihm gelungen, Ferrari unter Druck zu setzen."

"Das ist ein klares Zeichen, dass aufregende Rennen vor uns liegen. Jetzt geht es für ihn weiter nach Monaco - und die Strecke liebt er. Lewis hat dort schon in der Formel 3 und in der GP2 gewonnen und hätte vergangenes Jahr in der Formel 1 gewinnen können. Damals hatte er das Gefühl, dass er der verdiente Sieger gewesen wäre, und ich bin mir sicher, dass er das dieses Jahr nachholen will."

Sicherheitsbedenken bei Hamilton

"Wir hatten bei Lewis Probleme mit der Innenseite des rechten Vorderreifens."
Martin Whitmarsh

Frage: "Die Dreistoppstrategie war auch reifenbedingt, wie du sagst. Inwiefern hat bei der Entscheidung mitgespielt, dass Lewis Hamilton im Vorjahr hier einen Reifenschaden hatte?"
Whitmarsh: "Das hat natürlich nicht geholfen, aber Bridgestone hat auf die Probleme des Vorjahres reagiert. Damals haben sich nämlich Gummibällchen auf der Außenseite gebildet. Das war dieses Jahr überhaupt kein Problem. Dafür waren die Belastungen in Kurve acht stärker als im Vorjahr, womit Bridgestone nicht gerechnet hatte. Wir hatten bei Lewis Probleme mit der Innenseite des rechten Vorderreifens. Wenn man sich in so einer Situation befindet, dann muss man eben mit der Strategie auf Nummer sicher gehen."

Frage: "Wo siehst du die Ursache dieses Reifenproblems?"
Whitmarsh: "Es ist offensichtlich, dass wir in Hochgeschwindigkeitskurven sehr schnell sind, weil wir an der Vorderachse viel Anpressdruck generieren - wahrscheinlich mehr als andere Teams. Dadurch waren die Reifen bei Lewis hier über dem Limit. An diesem Thema müssen wir ganz klar arbeiten, denn das tritt immer in solchen Passagen auf - Kurve drei in Barcelona, Kurve acht hier."

Frage: "Aber auf normalen Strecken sollte das nicht vorkommen, oder?"
Whitmarsh: "Nein. Ich glaube, es ist streckenspezifisch hier."

Frage: "Wie konnte Lewis Hamilton mit den harten Reifen um so viel schneller fahren als mit den weichen? Gibt es dafür eine Erklärung?"
Whitmarsh: "Lewis war das ganze Rennen über schnell, aber der harte Reifen war der bessere Rennreifen. Er hatte mit dem weichen Reifen eine Zeit lang Graining, wodurch Kimi (Räikkönen; Anm. d. Red.) Hoffnung schöpfte, aber Lewis überstand diese Phase, denn Graining löst sich ja wieder auf. Aber es stimmt, dass der harte Reifen haltbarer war, während der weiche Reifen schon nach zwei oder drei Runden an der Lauffläche dieses Mikrograining entwickelte. Das vergeht erst nach ein paar Runden - und in dieser Phase war der weiche Reifen eben einfach langsamer als der harte."

Frage: "Natürlich müssen wir auch über die Situation in der Weltmeisterschaft im Vergleich zu Ferrari sprechen. Deine Ansicht?"
Whitmarsh: "Es ist ganz einfach: Das Team, das es schafft, sein Auto am besten weiterzuentwickeln, wird Weltmeister werden. Wir haben genau das vor. Wir sind noch nicht ganz dort, wo wir hinwollen, aber heute hätte es schon fast gereicht. In den kommenden Rennen müssen wir sicherstellen, dass wir einen besseren Job als Ferrari machen. Mit unserem Auto und Fahrern wie Lewis und Heikki kann man Rennen gewinnen - und hoffentlich auch den WM-Titel! Aber Ferrari hat auch gute Fahrer und BMW ist nicht weit hinter uns, also darf man sich nicht zurücklehnen, denn sonst ist auch BMW schon wieder da. Unser Ziel ist jedoch klar: Wir wollen Ferrari schlagen."